Der E-Transit Custom war schon als Hecktriebler ein ziemlich klares Statement: Lieferdienst, Handwerk, Serviceflotte und dabei lokal emissionsfrei. Jetzt legt Ford Pro nach und bringt eine kompromisslose Allradoption ins Spiel, die genau dort ansetzt, wo Elektro-Transporter im Alltag am häufigsten „ja, aber“ hören. Nasse Baustellenzufahrten, Schneematsch im Mittelgebirge, rutschige Rampen am Logistikzentrum, Wiese hinterm Festivalgelände, auf der der Foodtruck stehen soll. Allradantrieb ist im Nutzfahrzeug kein Lifestyle-Zubehör, sondern ein Produktivitätswerkzeug. Wer hängen bleibt, verliert Zeit, Termine und im Zweifel Kunden. Der neue Ford E-Transit Custom AWD soll genau dieses Risiko senken, ohne den Elektro-Vorteil zu opfern.
Was ist technisch neu am AWD-System?
Das Prinzip ist elegant, weil es typisch elektrisch gedacht ist. Statt Kardanwelle, Verteilergetriebe und mechanischer Kopplung setzt Ford auf eine Doppelmotor-Konfiguration: zum bestehenden Heckmotor kommt eine motorisierte Vorderachse hinzu. Beide E-Antriebseinheiten arbeiten unabhängig voneinander und verteilen das Drehmoment intelligent auf alle vier Räder. In der Top-Ausbaustufe stehen bis zu 630 Nm Gesamtdrehmoment zur Verfügung, und zwar aus dem Stand.
Der Unterschied zum klassischen Allrad ist nicht nur Bauteil-Lotto unter dem Fahrzeugboden, sondern vor allem das Regelverhalten. Mechanische Systeme sind stark, aber sie müssen Kräfte über Wellen und Kupplungen „physisch“ verteilen. Zwei E-Maschinen können Drehmoment praktisch in Echtzeit dosieren. Ford spricht davon, dass der Radschlupf bis zu 50 Mal pro Sekunde überwacht wird. Das ist die Art von Rechenleistung, die man früher eher im Motorsport vermutet hätte als im Handwerker-Van.
Bei diesem Konzept gibt es keinen Moment mehr, in dem sich ein Allrad „zuschaltet“, weil etwas rutscht. Der Van wirkt eher so, als würde er sich permanent selbst dabei beobachten, ob er gleich ausrutschen könnte, und dann vorsorglich die Stiefel wechseln.
Was bedeutet „mehr als 50 Prozent mehr Drehmoment“ im Alltag?
Ford bietet den E-Transit Custom AWD in drei Leistungsvarianten an: 100 kW (136 PS), 160 kW (218 PS) oder 210 kW (285 PS). In der stärksten Version liefert das System bis zu 630 Nm und damit mehr als 50 Prozent mehr Drehmoment als die Heckantriebs-Variante.
Im Alltag heißt das nicht automatisch „mehr Krawall“, sondern mehr Reserven genau in den Momenten, die im Nutzfahrzeug zählen. Anfahren mit Last auf rutschigem Untergrund, aus einer nassen Wiese herausrollen, eine steile Rampe hoch, bei der ein Rad entlastet. Gerade mit Werkzeug, Material oder Koffern im Laderaum ist Traktion keine Spielerei, sondern der Unterschied zwischen sauberem Ablauf und peinlicher Einlage vor der Baustellencrew.
Wie viel kann der Ford E-Transit Custom AWD wirklich schleppen und tragen?
Hier wird es für Gewerbekunden konkret, weil Elektro-Vans oft an den zwei klassischen Fragen gemessen werden: Wie viel Nutzlast bleibt übrig und darf der Hänger noch mit?
Ford nennt für den E-Transit Custom AWD eine Nutzlast von bis zu 914 kg und eine gebremste Anhängelast von bis zu 2.300 kg. Damit rückt der elektrische Transporter näher an das heran, was viele Betriebe im Alltag brauchen, ohne sofort auf Diesel ausweichen zu müssen. Wichtig bleibt wie immer: Nutzlast und Anhängelast hängen von Ausstattung und Konfiguration ab, aber die Richtung ist klar. Der E-Transit Custom will nicht nur „City-Lastmile“, sondern auch echte Arbeit.
Was bringen die Fahrmodi Slippery und Trail und warum ist „kontrollierter Schlupf“ manchmal besser?
Ford hat die AWD-Fahrmodi gezielt für schwierige Bedingungen abgestimmt. Der Glatt/Rutschig-Modus reduziert das Durchdrehen der Räder auf Eis, Schlamm und nasser Fahrbahn auf ein Minimum. Das fühlt sich im besten Sinne unspektakulär an, weil genau das das Ziel ist: Stabilität, sauberes Anfahren, kein nervöses Zerren am Lenkrad.
Der Offroad- beziehungsweise Trail-Modus geht einen anderen Weg. Auf losem Untergrund wie Schotter oder sandbedecktem Asphalt kann zu wenig Schlupf sogar kontraproduktiv sein, weil sich die Reifen nicht „einschneiden“ können. Darum lässt der Trail-Modus mehr Radschlupf zu, aber eben kontrolliert. Das Ergebnis ist ein vorhersehbareres Fahrverhalten, nicht unbedingt schneller, aber souveräner. Das ist ein bisschen wie Wanderschuhe: Man will nicht über den Geröllhang sprinten, man will sicher ankommen.
Warum kann Allrad beim E-Transit Custom plötzlich Effizienzvorteile bringen?
Das ist der überraschende Teil der Meldung und ehrlich gesagt einer der spannendsten. Allrad gilt traditionell als Mehrverbraucher. Beim Elektroantrieb kann die Doppelmotor-Architektur aber auch beim Rekuperieren Vorteile bringen.
Ford beschreibt, dass der E-Transit Custom AWD bei langsamer Fahrt mit häufigem Stop-and-go, also genau dem typischen Lieferdienst-Szenario in der Stadt, bis zu 50 Prozent mehr regenerative Bremskraft als das Standardmodell zurückgewinnen kann. Vereinfacht gesagt: Wenn vorn und hinten rekuperiert wird, kann das System mehr Bremsenergie in Strom umwandeln, statt sie in Wärme zu verheizen. Das ist kein Freifahrtschein gegen Physik, aber ein plausibler Vorteil in einem Einsatzprofil, das Elektro-Vans sowieso gut liegt.
Ford E-Transit Custom AWD / Ford E-Tourneo Custom AWD Fotos











Was ändert sich bei Batterie und Reichweite im Modelljahr 2026?
Parallel zum AWD führt Ford Pro eine größere Batterie für alle E-Transit Custom-Modelle ein. Die nutzbare Kapazität steigt von 64 kWh auf 70 kWh. Dadurch wächst die maximale WLTP-Reichweite auf bis zu 373 km beim E-Transit Custom, beziehungsweise bis zu 342 km in der AWD-Variante.
Das sind mehr als zehn Prozent Zuwachs im Vergleich zum vorherigen Modelljahr, und genau solche Schritte entscheiden in der Praxis darüber, ob eine Flotte eine Tour ohne Zwischenladung schafft oder nicht. Reichweite ist im Nutzfahrzeug nämlich weniger eine Statuszahl und mehr ein Planungsparameter.
Wie schnell lädt der E-Transit Custom jetzt und was bringen Over-the-Air-Updates?
Trotz größerer Batterie soll das Laden schneller gehen, weil Ford an der Software nachlegt. Mit einem 125-kW-DC-Schnelllader können in 10 Minuten rund 114 km Reichweite nachgeladen werden. Für die typische „kurz Kaffee, kurz Paketumschlag“ Pause ist das ein greifbarer Wert.
Für längere Strecken nennt Ford 10 bis 80 Prozent in weniger als einer halben Stunde. Mit aktiviertem 5G-Modem und entsprechenden Over-the-Air-Updates soll eine 10-bis-80-Prozent-Ladung bei 125 kW etwa 25 Minuten dauern, rund 14 Minuten schneller als zuvor.
Dazu kommen die üblichen Ford-Pro-Argumente: proaktive Wartungswarnungen über FORDLiive und Telematik- sowie Lade-Lösungen, die Administration und Kosten drücken sollen. Im Klartext: Nicht nur der Van wird elektrischer, auch der Betrieb wird digitaler. Wer das konsequent nutzt, kann Ausfallzeiten besser vermeiden, wer es ignoriert, fährt trotzdem elektrisch, aber lässt Effizienz liegen.
Für wen ist der Ford E-Transit Custom AWD besonders interessant?
Ford nennt Skandinavien und die Alpenregionen ausdrücklich. Das passt, weil dort Wetter und Topografie im Alltag mehr Einfluss haben als Hochglanzbroschüren. Spannend ist aber auch der Reisemobil-Blick: Ein elektrischer Van als Basisfahrzeug, der Traktion und Anhängelast mitbringt, ist für Ausbauer ein starkes Signal. Gerade wer im Urlaub nicht nur Asphalt sieht, sondern auch den Stellplatz auf der Wiese, kann mit Allrad deutlich entspannter leben.
Welche Karosserievarianten und Ableger profitieren noch davon?
Das AWD-System ist für mehrere Modell- und Karosserievarianten verfügbar, darunter Kastenwagen, Kombi, Doppelkabine und MultiCab. Und die gleichen Batterie-, Lade- und Allrad-Funktionen gibt es auch für die Van-Variante E-Tourneo Custom.
Der E-Tourneo Custom spielt stärker die People-Mover-Karte, mit hochwertigem Innenraum für bis zu neun Insassen, WLTP-Reichweite bis zu 341 km und bis zu 2.000 kg Anhängelast. Bei den Leistungsstufen werden 160 kW oder 210 kW genannt, und als Varianten stehen unter anderem Active, Titanium X und Sport im Raum. Das ist die Version für Arbeit, Familie und Abenteuer, ohne dass der Montagmorgen nach Campingplatz aussehen muss.
Wann kommt der E-Transit Custom AWD zu den Händlern und was ist die eigentliche Botschaft?
Bestellbar ist der neueste E-Transit Custom bereits, die Auslieferung zu den Ford-Pro-Händlern ist für das Frühjahr 2026 angekündigt. Und die Botschaft dahinter ist ziemlich eindeutig: Elektrisch im Nutzfahrzeug soll nicht mehr bedeuten, dass man sich auf Schönwetter, Stadtgebiet und „bitte ohne Anhänger“ beschränken muss.
Mit AWD, mehr Batterie, schnellerem Laden und einem stark digitalisierten Flotten-Ökosystem schiebt Ford Pro den E-Transit Custom in Richtung Alleskönner. Der Diesel bekommt damit nicht den Stecker gezogen, aber er bekommt deutlich mehr Konkurrenz, und zwar genau dort, wo Nutzfahrzeuge ihr Geld verdienen: bei Traktion, Zeit und planbarer Einsatzfähigkeit.













