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Alfa Romeo Tonale Plug-in-Hybrid Q4 Test – einfach teilelektrisch?

Alfa Romeo Tonale Plug-in-Hybrid Q4 Test

Endlich ist er da, der Alfa Romeo Tonale Plug-in-Hybrid Q4 in der neuen Sport Speziale Ausführung. Und ja, der Name ist lang, aber irgendwo steckt da auch schon die Botschaft drin: Hier trifft klassischer Alfa Romeo Auftritt auf moderne Antriebstechnik und eine ziemlich deutliche Portion Sportlichkeit. Wir waren mit dem überarbeiteten Tonale rund um Frankfurt unterwegs, haben ihn in der Stadt, auf der Landstraße und auf der Autobahn bewegt und geschaut, ob der Italo Plug-in-Hybrid mehr ist als nur hübsches Blech mit Stecker.

Design: neues Scudetto, bekannte Form, kleine Aufreger

Optisch bleibt der Tonale auf den ersten Blick sofort als Alfa zu erkennen. Die Proportionen passen, die Silhouette ist ein klassisches Kompakt SUV mit leicht abfallender Dachlinie in Richtung Heck, leicht coupéartig, aber ohne es zu übertreiben. Alfa hat im Rahmen der Modellpflege vor allem an der Front gearbeitet. Das Scudetto wurde noch einmal nachgeschärft, die horizontalen Linien erinnern an den 33 Stradale, dazu kommen vier funktionale Lufteinlässe, die nicht nur nach Aerodynamik aussehen, sondern auch tatsächlich Luft führen.

Dazu gibt es markante Tagfahrlicht Signaturen und Air Curtains, die den Luftstrom sauber um die Vorderräder leiten sollen. Spannend gelöst ist die Kennzeichenposition vorne. Statt klassisch im Scudetto sitzt das Nummernschild nun weiter unten. Optisch streckt das die Front, aber es wird definitiv ein Thema für Stammtischdiskussionen unter Alfa Fans. Kennzeichen klassisch oben oder neu unten, da dürft ihr euch gerne in den Kommentaren austoben.

In der Seitenansicht steht unser Sport Speziale mit den typischen Alfa Dreiecks Designfelgen satt im Radhaus. 20 Zoll, Pirelli Scorpion Winter in der Dimension 235/40 R20, dahinter die kräftige Vierkolben Brembo Anlage. Im Außenspiegel blinkt dezent die italienische Flagge, so ein Detail, das genau das transportiert, was Alfa Romeo so besonders macht: ein bisschen mehr Emotion als unbedingt nötig.

Die Farbpalette wurde um drei neue Töne erweitert. Das hier gezeigte Rot Metallic Rosso steht dem Tonale hervorragend, alternativ gibt es ein sehr dunkles Grün und ein Gold Metallic. Dazu bleiben die bekannten fünf Farben aus der ersten Generation im Programm.

Hinten bleibt es klassisch Alfa. Schlanke Rückleuchten, eine durchgehende Grafik, unterbrochen vom Markenlogo, dazu zwei sichtbare Endrohre für den Vierzylinder auf der Vorderachse. Optisch alles stimmig, aber zwei Details sorgen bei uns für Stirnrunzeln. Die große schwarze Haifischflossenantenne zerstört ein wenig die elegante Dachlinie, und der freistehende Heckwischer wirkt, als hätte man ihn aus Kostengründen nicht in den Dachspoiler integriert. Funktional ist das kein Drama, aber optisch hätte es elegantere Lösungen gegeben.

Abmessungen und Platzangebot

Mit 4,52 Metern Länge, 1,83 Metern Breite und 1,61 Metern Höhe liegt der Tonale genau im Herz der Kompakt SUV Klasse. Der Radstand von 2,63 Metern sorgt für ordentliche Platzverhältnisse im Innenraum, ohne dass das Auto in der Stadt unhandlich wirkt. Das fahrbereite Gewicht inklusive Normfahrer liegt bei 1910 Kilogramm. Wer wie wir etwas mehr als 75 Kilogramm mitbringt, addiert mental ein paar Kilo dazu.

Der Kofferraum fasst 385 Liter im Normalzustand, was für Alltag, Einkauf und Urlaub mit kleiner Familie absolut ausreicht. Schön: Der Ladeboden ist doppelt ausgeführt, darunter findet das Ladekabel seinen Platz. Die Seiten sind mit Filz und Teppich verkleidet, es gibt Haken für Einkaufstaschen und eine 12 Volt Steckdose. Praktisch ist die Skidurchreiche in der Rückbank, so lassen sich Ski oder lange Gegenstände mitnehmen, ohne die komplette Rückbank umzulegen.

Wer mehr Platz braucht, kann die Rückbank im Verhältnis 60:40 vorklappen. Dann wächst das Stauvolumen auf über 1.430 Liter. Die massive Hutablage ist stabil genug, um auch mal etwas schwerere Dinge darauf abzuladen, lässt sich aber ebenso komplett herausnehmen, wenn die maximale Höhe gefragt ist. Die elektrische Heckklappe schließt angenehm leise und soft.

Alfa Romeo Tonale Q4 Fahrbericht

Antrieb: Q4 Allrad mit 270 PS Systemleistung

Herzstück des Tonale Plug-in-Hybrid ist der Antrieb. Auf der Vorderachse arbeitet ein Vierzylinder Ottomotor mit 110 kW, also 150 PS. Auf der Hinterachse sitzt ein Elektromotor mit 90 kW, sprich 122 PS. Zusammen ergibt das eine Systemleistung von 270 PS, verteilt über den Q4 Allradantrieb.

Der Sprint von 0 auf 100 km pro Stunde gelingt in 6,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 195 km pro Stunde. Rein elektrisch fährt der Tonale je nach Fahrprogramm bis rund 130 bis 135 km pro Stunde. Das Akkupack bringt 15,5 Kilowattstunden brutto mit, netto stehen etwa 12 Kilowattstunden zur Verfügung.

Im Alltag bedeutet das: Bei gemischter Fahrweise sind elektrische Reichweiten von rund 40 bis 60 Kilometern realistisch, stark abhängig von Temperatur, Fahrprofil und Topografie. Wer zu Hause oder beim Arbeitgeber laden kann und überwiegend im urbanen Umfeld unterwegs ist, wird einen großen Teil seiner täglichen Strecken rein elektrisch absolvieren. Ist der Akku leer, läuft der Verbrenner nicht nur für den Vortrieb, sondern lädt über den Generator auch wieder nach, damit Allrad und Sicherheitsfunktionen erhalten bleiben.

Innenraum: klassische Alfa DNA, viel Liebe zum Detail

Im Innenraum bleibt Alfa Romeo seiner Linie treu. Der Armaturenträger ist klar fahrerorientiert, viele physische Tasten, klassische Bedienlogik. Wer haptische Schalter mag, fühlt sich sofort zuhause.

Das digitale Kombiinstrument steckt in einem Gehäuse im Stil klassischer Rundinstrumente, zeigt aber moderne, hochauflösende Grafiken. Je nach Fahrmodus ändern sich Layout und Darstellung, im Sportmodus gibt es die volle Alfa Risti Show. Das Lenkrad liegt sehr gut in der Hand, sauber aufgepolstert, mit griffigen Ausformungen. Die großen Aluminium Schaltpaddel hinter dem Lenkrad bleiben immer gut erreichbar, auch bei größerem Lenkeinschlag. Besonders gelungen ist der Startknopf direkt im Lenkrad. Start the engine, und los geht es, ganz ohne Tastensuche in der Mittelkonsole.

Das zentrale Infotainment Display ist angenehm dimensioniert, nicht übertrieben groß, aber klar, scharf und schnell in der Bedienung. Die Kachelstruktur wirkt modern, Apple CarPlay und Android Auto lassen sich kabellos spiegeln. Neu ist, dass CarPlay Inhalte teilweise auch im Fahrerdisplay angezeigt werden, was die Ablenkung reduziert. Ein Head up Display gibt es leider nicht, hier verschenkt Alfa noch Potenzial.

Die Materialanmutung passt zum Anspruch des Fahrzeugs. Oben weich unterschäumter Kunststoff mit feiner Maserung, darunter Alcantara Flächen mit weißer Kontrastnaht, Schlangenmuster im Tonale Schriftzug und eine integrierte Ambientebeleuchtung. Die Türtafeln vorne und hinten greifen den gleichen Materialmix auf, das sorgt für ein stimmiges Gesamtbild. Unten in den Türen gibt es allerdings wieder den klassischen harten Kunststoff, dort könnte es mit Flaschen und losen Gegenständen im Alltag gelegentlich klappern.

Die Sitze im Sport Speziale sind ein Highlight. Außen Kunstleder in hellgrau und Anthrazit, innen Alcantara mit gelochter Struktur und weißer Naht, dazu das Alfa Logo in der Lehne. Die Sitzauflage ist lang genug, Seitenhalt und Oberschenkelauflage sind gut, die Polsterung eher straff als weich, was zur sportlichen Ausrichtung passt. Fahrer und Beifahrer können ihre Sitze umfangreich anpassen, inklusive Höhenverstellung. Optional wird es bei der Modellpflege wieder das klassische rote Leder geben.

Im Fond sitzt man auch mit 1,85 Metern Körpergröße noch ordentlich. In Kopfhöhe bleibt Luft, die Kniefreiheit passt, die Füße lassen sich unter den Vordersitz schieben. Die Rücksitzbank übernimmt optisch das Design aus dem Vorderwagen, inklusive Alcantara und Kontrastnähten. Isofix Halterungen sind auf beiden Außenplätzen vorhanden. Ein kleiner Kritikpunkt ergibt sich bei der ausklappbaren Mittelarmlehne: Der Becherhalter kann je nach Statur etwas in den Ellenbogen drücken.

Alfa Romeo Tonale Q4 Fotos

Fahrkomfort, Lenkung und Fahrwerk

Auf die Straße gehört der Tonale, und dort fühlt er sich am wohlsten. Alfa hat an der Fahrwerksabstimmung und der Spurweite gearbeitet, der Wagen liegt satt auf der Straße. Die Lenkung ist sehr direkt ausgelegt, das Lenkverhältnis von 13,6 zu 1 merkt man sofort. Kleine Lenkwinkel reichen, um das Fahrzeug präzise in Kurven zu platzieren, ohne nervös zu wirken.

Die aktive Dämpfung arbeitet je nach Fahrmodus unterschiedlich. Im Komfort und Hybridmodus ist der Tonale straff, aber nicht unkomfortabel, Querfugen und schlechte Asphaltpassagen werden ausreichend gefiltert. Im Sportmodus wird das Setup spürbar straffer, Wank- und Nickbewegungen sind gering, was gerade auf kurvigen Landstraßen Spaß macht.

Steffens Popometer, das wir dank den unzähligen Testfahrten inzwischen als inoffizielles Referenzinstrument nutzen, attestiert dem Tonale eine sehr gelungene Balance aus Sportlichkeit und Reisetauglichkeit. Die härtere Grundabstimmung passt zur Marke, ohne den Alltag zu nerven.

Beim Bremsen überzeugt die Kombination aus Brembo Anlage und Rekuperation. In unseren Messungen lagen wir bei den Verzögerungswerten nah an den Werksangaben, trotz normaler Straße statt Teststrecke. Wichtig ist hier, dass das Pedalgefühl stimmig bleibt, auch wenn Rekuperation und mechanische Bremse zusammenarbeiten. Das gelingt Alfa gut, der Druckpunkt ist klar definiert, der Wagen verzögert sehr stabil.

Der Wendekreis von 11,60 Metern ist für ein Fahrzeug dieser Größe absolut in Ordnung. In der Stadt kommt man gut um enge Ecken und Parkhäuser. Die 360 Grad Kamera mit Rückfahrkamera, Hilfslinien und 180 Grad Ansichten vorne und hinten hilft vor allem beim Rangieren aus unübersichtlichen Einfahrten.

Assistenzsysteme und Geräuschkomfort

Auf der Autobahn haben wir den Travel Assist getestet. Der Tonale kombiniert Abstandsregeltempomat, Lenkassistent und Spurhalteassistent. Über eine kapazitive Abfrage im Lenkrad registriert das System, ob der Fahrer mindestens drei Finger am Lenkrad hat. In der Praxis hält der Tonale sauber die Spur, auch durch langgezogene Kurven. Die Systeme entlasten spürbar, ersetzen aber keine Aufmerksamkeit.

Die Verkehrszeichenerkennung meldet Geschwindigkeitswechsel akustisch. Mit einem langen Druck auf die Set Taste übernimmt das Fahrzeug die neue Geschwindigkeit und passt Tempo und Rekuperation an. Das ist ein erster Schritt in Richtung prädiktives Fahren, aber im Vergleich zu einigen Wettbewerbern wäre eine weitergehende, vorausschauende und automatisch adaptierende Lösung wünschenswert, die schon vor dem Schild rekuperiert und dadurch Verbrauch spart.

Beim Geräuschkomfort zeigt sich der Plug-in-Hybrid zweigeteilt. Rein elektrisch gemessen lagen wir bei etwa 61 bis 62 Dezibel bei 50 km pro Stunde und rund 64 bis 65 Dezibel bei 70 km/h. Mit zugeschaltetem Verbrenner steigen die Werte, bleiben aber im praxisgerechten Rahmen. Die Einfachverglasung ohne Akustikglas ist kein Nachteil, solange man sich in einem normalen Geschwindigkeitsbereich bewegt.

Verbrauch und Effizienz im Alltag

In unserem Test haben wir den Bordcomputer zurückgesetzt und sind 153,5 Kilometer gefahren. Davon 106,5 Kilometer mit Verbrenner und 47,1 Kilometer rein elektrisch. Am Ende standen 7,2 Liter Super pro 100 Fahrkilometer auf der Anzeige, bei noch 19 Kilometern angezeigter Elektro Restreichweite.

Wichtig: Der Tonale zeigt den elektrischen Verbrauch nicht separat an, sondern nur den Kraftstoffverbrauch des Verbrenners. Eine kombinierte Betrachtung aus Kilowattstunden und Litern pro 100 Kilometer ist deshalb nur mit externer Messung möglich. Angesichts der Fahrweise im Test, inklusive mehrfacher Vollbeschleunigung und Bremsversuche, ist der Wert von 7,2 Litern durchaus im Rahmen. Wer den Tonale als Plug-in-Hybrid nutzt, also konsequent lädt und im Alltag überwiegend elektrisch fährt, wird den Benzinverbrauch spürbar senken. Wer dagegen selten lädt, fährt am Ende einen schweren Benziner, und das wäre schade um das Konzept.

Preise, Varianten und Einordnung

Beim Einstiegspreis geht es beim Tonale als Mild-Hybrid los. Der Vierzylinder Benziner mit kleinem Elektromotor im Getriebe, Systemleistung 175 PS und Frontantrieb startet bei etwa 41.400 Euro. Der neu angebotene Diesel mit rund 130 PS liegt auf einem ähnlichen Niveau und wird in Deutschland vor allem für Vielfahrer auf Langstrecke interessant sein.

Unser Testwagen als Alfa Romeo Tonale Plug-in-Hybrid Q4 Sport Speziale mit nahezu allen Optionen liegt deutlich darüber. Gut 62.000 Euro sind eine Ansage, auch wenn sich das Preisniveau bei vergleichbar starken Plug-in-Hybriden dieser Klasse inzwischen allgemein auf diesem Level eingependelt hat. Am Ende wird es auf die Angebote der Alfa Romeo Händler ankommen, denn attraktive Leasing und Finanzierungskonditionen können den brutto Listenpreis spürbar relativieren.

Bringen wir es auf den Punkt?

Der Alfa Romeo Tonale Plug-in-Hybrid Sport Speziale ist in erster Linie ein Charakterauto. Wer möglichst nüchtern, maximal rational unterwegs sein möchte, wird bei anderen Marken genauso glücklich. Wer aber Design, Fahrdynamik und diese typische Alfa Leichtigkeit im Alltag schätzt, bekommt hier ein sehr spannendes Gesamtpaket.

Die Kombination aus 270 PS Systemleistung, dem heckbetonten Q4 Allradkonzept, dem niedrigen Schwerpunkt durch das Akkupack auf der Hinterachse und der direkten Lenkung sorgt für viel Fahrspaß. Die Active Suspension gibt dem Ganzen den passenden Feinschliff und macht den Tonale auf der Landstraße zu einem der engagierteren Vertreter seiner Klasse.

Im Alltag punktet der Plug-in-Hybrid überall dort, wo regelmäßig geladen werden kann. Wer zu Hause eine Wallbox oder Photovoltaik auf dem Dach hat, fährt die täglichen Strecken leise und lokal emissionsfrei und nutzt den Verbrenner vor allem auf Mittel und Langstrecke. Dann ergibt dieser Plug-in-Hybrid technisch und wirtschaftlich Sinn.

Kritikpunkte gibt es auch. Die Haifischantenne und der sichtbare Heckwischer passen optisch nicht zum ansonsten sehr stimmigen Design, ein optionales Head-up Display wäre zeitgemäß, und eine weiterentwickelte, prädiktive Tempomat und Rekuperationslogik würde Effizienz und Komfort noch einmal deutlich steigern.

Spannend wird die Frage, wann Alfa Romeo ein Fahrzeug in dieser Größe konsequent rein elektrisch anbietet. Der Junior macht den Anfang im kleineren Segment. Ein Tonale in Vollstrom Variante würde viele Alfa Freunde sehr wahrscheinlich endgültig in Richtung Elektromobilität ziehen.

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