Polestar öffnet die nächste Kapitelüberschrift in Sachen Laden und Energie und macht aus dem Elektroauto mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Der Polestar 3 wird in Kalifornien zur mobilen Powerbank für das eigene Haus. Möglich macht das eine neue Lösung für bidirektionales Laden, die das Fahrzeug nicht nur laden lässt, sondern ihm auch beibringt, Strom wieder abzugeben. Gemeinsam mit dem Energieunternehmen dcbel startet Polestar ein Vehicle to Home Angebot für Kundinnen und Kunden des Polestar 3 in den USA, zuerst im besonders innovationsfreudigen Kalifornien.
Bidirektionales Laden einfach erklärt
Der Begriff klingt kompliziert, die Idee dahinter ist recht einfach. Normalerweise fließt Strom beim Laden nur in eine Richtung. Er wandert von der Wallbox über das Kabel in die Batterie des Autos. Bidirektionales Laden bedeutet vereinfacht, dass diese Richtung umkehrbar wird. Das Auto kann dann nicht nur Strom aufnehmen, sondern später auch wieder abgeben, etwa ins eigene Haus oder perspektivisch zurück ins Stromnetz.
Ein Bild hilft. Stellt euch vor, die Batterie des Polestar 3 ist ein großer Eimer voller Wasser. Wenn die Wasserleitung kräftig läuft und der Liter fast nichts kostet, füllst du den Eimer auf. Wenn später nur noch wenig Wasser aus der Leitung kommt oder es plötzlich sehr teuer wird, nimmt man etwas aus diesem Eimer heraus und nutzt genau dieses gespeicherte Wasser. Übertragen auf die Elektromobilität heißt das: Das Auto lädt, wenn der Strom günstig ist oder viel Wind und Sonne Strom erzeugen, und versorgt Teile des Haushalts, wenn Strom teurer ist oder gerade ein Stromausfall droht.
Vehicle-to-Home der Polestar 3 hilft im eigenen Haus
Das Angebot in Kalifornien nennt sich Vehicle to Home, kurz V2H. Der Name sagt schon viel aus. Es geht darum, Energie aus dem Fahrzeug ins eigene Zuhause zu bringen. Polestar arbeitet dafür mit dcbel zusammen. Deren Home Energy System mit dem Namen Ara übernimmt zu Hause die Rolle des Regisseurs. Es entscheidet, wann der Polestar 3 laden soll, wann er Energie ans Haus abgibt und wie sich das Ganze möglichst wirtschaftlich darstellen lässt.
In Kalifornien sind Stromtarife oft nach Uhrzeiten gestaffelt. Strom ist deutlich teurer, wenn abends alle kochen, waschen und streamen, und günstiger, wenn wenig los ist oder besonders viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird. Ara orientiert sich an diesen Preissignalen. Das System lädt den Polestar 3 bevorzugt dann, wenn der Strompreis niedrig ist, und lässt ihn bei Bedarf Teile des Hauses versorgen, wenn Strom teuer wird. In Modellrechnungen lassen sich damit pro Jahr deutlich dreistellige Dollarbeträge an Stromkosten einsparen. Die genannten 1300 US Dollar sind dabei ein Szenario unter bestimmten Annahmen und kein Versprechen, aber sie zeigen das Potenzial dieser Technologie.
Hinzu kommt die Notstromfunktion. In Regionen wie Kalifornien sind Stromausfälle kein Gedankenspiel, sondern Alltag. Mit dem passenden System kann der Polestar 3 dann als sichere Energiequelle einspringen. Je nach Verbrauch reicht die gespeicherte Energie, um einen Haushalt mehrere Tage über Wasser zu halten. Bei sehr sparsamem Umgang mit Energie sind in der Modellrechnung sogar bis zu zehn Tage möglich. Dann laufen vor allem die wichtigen Dinge. Der Kühlschrank bleibt kalt, das Licht bleibt an, der Router verbindet weiter mit der Außenwelt. Man verzichtet vielleicht auf Trockner und Whirlpool, behält aber die Basisfunktionen des Alltags.
Was Gleichstrom mit alldem zu tun hat
Die erste V2H Lösung von Polestar arbeitet mit Gleichstrom, also mit DC. Für viele Einsteiger in die Elektromobilität ist das ein weiterer Fachbegriff. Im Hausstromnetz sind wir an Wechselstrom gewöhnt. Die Spannung wechselt ständig die Richtung, daher der Name AC. Batterien mögen das nicht. Sie speichern Energie immer als Gleichstrom. Im normalen AC Betrieb wandelt ein Ladegerät oder die zur Ladedose gehörende Technik den Strom passend um, bevor er in der Batterie landet.
Bei einem DC System wie Ara ist diese Leistungselektronik teilweise in das Energiesystem im Haus ausgelagert. Auto und Haus sprechen im Grunde dieselbe Stromsprache. Das hat zwei Vorteile. Zum einen geht beim Hin und Her weniger Energie in Umwandlungsprozessen verloren. Zum anderen lässt sich der Energiefluss präziser steuern. Genau das ist wichtig, wenn nicht nur geladen, sondern auch wieder entladen werden soll.
Warum das Stromnetz und die Energiewende profitieren
Bidirektionales Laden ist nicht nur für Besitzerinnen und Besitzer eines Polestar 3 interessant, sondern auch für das Energiesystem als Ganzes. Windräder und Solaranlagen produzieren nicht dann Strom, wenn wir es planen, sondern dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Häufig steht mittags mehr erneuerbare Energie zur Verfügung, als im Moment benötigt wird. In solchen Stunden sinken die Strompreise.
Abends sieht das anders aus. Wenn viele Menschen gleichzeitig kochen, waschen und laden, steigt die Nachfrage und der Strompreis klettert nach oben. Oft müssen dann Kraftwerke mit fossilen Energieträgern einspringen. Eine Batterie im Auto kann helfen, dieses Problem abzufedern. Sie nimmt Energie auf, wenn viel davon da ist, und gibt sie wieder ab, wenn sie knapp wird. Zahlreiche Fahrzeuge, die so funktionieren, können zusammen wie ein riesiger vernetzter Speicher arbeiten.
Für jemanden, der sich gerade erst mit Elektromobilität beschäftigt, lässt sich das sehr einfach zusammenfassen. Je mehr sauberen Strom wir speichern und dann zum richtigen Zeitpunkt wieder abgeben können, desto seltener müssen wir auf Strom aus Kohle, Öl oder Gas zurückgreifen. Das Auto wird damit zu einem Baustein der Energiewende.
Kalifornien als Startpunkt für Polestar
Polestar beginnt mit diesem Angebot in Kalifornien, weil dort mehrere Faktoren zusammenkommen. Der Anteil erneuerbarer Energien ist hoch, Strompreise schwanken je nach Tageszeit stark und es gibt staatliche Programme, die genau solche Lösungen fördern. Die California Energy Commission kann einen großen Teil der Investitionskosten für das Energiesystem und die Installation abdecken. Das senkt die Hürde für den Einstieg deutlich.
Polestar sieht dieses erste Paket als wichtigen Schritt. Der Hersteller entwickelt die bidirektionale Ladefähigkeit des Polestar 3 weiter und will das Angebot auf weitere Bundesstaaten ausdehnen. Langfristig könnten die Fahrzeuge so nicht nur Häuser versorgen, sondern auch aktiv mit dem Netzbetreiber zusammenarbeiten. Dann würde ein Polestar 3 nicht nur Kosten senken, sondern im geparkten Zustand Einnahmen erzielen, weil er dem Netz genau dann Energie zur Verfügung stellt, wenn diese besonders gefragt ist.
Vorbereitung für Europa mit Zaptec
Während in Kalifornien bereits die erste DC Lösung startet, bereitet Polestar in Europa die Infrastruktur eher im Hintergrund vor. Zusammen mit dem Partner Zaptec wurde in Deutschland und weiteren europäischen Märkten ein Heimladegerät auf den Markt gebracht, das Zaptec Go2. Es arbeitet klassisch mit Wechselstrom, ist aber technisch für die Zukunft gerüstet.
Die Idee dahinter ist, dass das Gerät schon heute in vielen Garagen hängen kann, obwohl die bidirektionale Funktion des Polestar 3 hier noch nicht aktiv ist. Sobald Fahrzeug, Software, Netzbetreiber und regulatorischer Rahmen mitspielen, sollen diese Systeme bereit sein, auch die Rückspeisung zu ermöglichen. Man könnte sagen, die Leitungen werden schon gelegt, auch wenn der große Schalter für das bidirektionale Laden in Europa noch nicht umgelegt wurde.
Was das für Einsteiger in die Elektromobilität bedeutet
Wer gerade erst über einen Wechsel auf ein Elektroauto nachdenkt, ist mit all diesen Begriffen schnell erschlagen. Deshalb hilft es, sich das Ganze wieder so simpel wie möglich vorzustellen. Ein Elektroauto wie der Polestar 3 ist im Kern eine sehr große wiederaufladbare Batterie, die zufällig auf vier Rädern steht.
Polestar macht diese Batterie nun Schritt für Schritt fit für mehr Aufgaben. Sie soll nicht nur dafür sorgen, dass man von A nach B kommt. Sie soll das Haus unterstützen können, die Stromrechnung clever beeinflussen und mittelfristig ein Baustein des Stromsystems werden.
Für den Alltag heißt das, dass sich die zentrale Frage langsam verschiebt. Es geht nicht mehr nur darum, wie schnell ein Auto lädt oder wie groß die Reichweite ist. Zunehmend wird spannend, was dein Auto mit seiner gespeicherten Energie sonst noch für dich tun kann. Genau hier setzt Polestar mit dem V2H Angebot in Kalifornien an und zeigt, wie Elektromobilität, Hausenergie und Stromnetz in Zukunft viel enger zusammenspielen könnten und hier für unseren Markt müssten langsam mal Entscheidungen getroffen werden, die das alles auch genehmigen.




















