Der nagelneue MG Cyberster trifft mitten ins Herz einer Autowelt, die sich nach Emotion sehnt. Ein rein batterieelektrischer Zweisitzer, flach, breit, mit offenem Dach und einer Optik, die Gespräche auslöst. Wir waren zwei Wochen mit der Allradvariante unterwegs, haben Alltag, Alpenpässe und Autobahn getestet und liefern einen Fahrbericht, der Design, Technik, Bedienung, Verbrauch, Laden, Akustik und Preis einordnet.
Format und Proportionen
Der MG Cyberster misst 4,53 Meter in der Länge. Die Breite liegt bei 1,91 Meter, inklusive Außenspiegel bei 2,11 Meter. Die Höhe beträgt 1,32 Meter. Das Auto wirkt auf der Straße extrem flach. Neben einem BMW Z4 fällt der Unterschied in der Silhouette kaum auf.
Die lange Haube streckt die Proportionen, die kurze Heckpartie schließt mit einem kräftigen Diffusor ab. Das Gewicht der getesteten Allradversion liegt bei 2.060 Kilogramm. Der Radstand beträgt 2,69 Meter und schafft die Basis für einen niedrigen Schwerpunkt und einen ruhigen Geradeauslauf.
MG Cyberster Fotos









Design und Karosserie
Der Auftritt ist kompromisslos sportlich. Die Front arbeitet mit Air Curtains und großen Öffnungen für das Thermomanagement. Seitlich sitzt der Roadster satt auf seinen Rädern. Die gezeigten Felgen transportieren echtes Sportwagengefühl. Rote Bremssättel, eine Zentralverschlussoptik als Abdeckung und eine stimmige Radhausfüllung erzeugen Präsenz. Die Türen öffnen elektrisch in Scherentürmanier.
Im Alltag erweist sich das als praktischer als gedacht. Im Parkhaus und in schmalen Garagen erleichtern Sensorik und Öffnungswinkel das Einsteigen. Am Heck setzen die LED-Leuchten mit pfeilförmiger Signatur ein eigenständiges Zeichen. Der Diffusor erinnert optisch an die Welt der Rennstrecke.
Eine klassische Heckklappe mit Gasdruckfedern gibt den Blick auf den Kofferraum frei. Die Fronthaube besitzt ebenfalls Lifter und eine Dämmmatte. Ein Frunk ist konstruktionsbedingt nicht vorhanden.
Antrieb, Varianten und Fahrleistungen
MG bietet zwei Leistungsstufen an. Der Hecktriebler leistet 340 PS und erreicht 200 Kilometer pro Stunde. Die getestete Allradversion läuft im Ausland als XPower und wird teilweise als GT bezeichnet. Zwei E-Maschinen liefern zusammen 375 Kilowatt. Das entspricht 510 PS und 725 Newtonmeter.
Die werksseitig kommunizierte Beschleunigung auf 100 Kilometer pro Stunde liegt bei gut drei Sekunden. Unsere Messungen bei nasser Fahrbahn und 35 Prozent Akkustand ergaben 3,95 Sekunden. Der Unterschied ist mit Blick auf Untergrund und Spannungslage schlüssig. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 200 Kilometer pro Stunde. Die Brembo Anlage fasst kräftig zu und bleibt auch bei wiederholten Verzögerungen stabil.
Batterie und Laden
Im Unterboden sitzt ein Akkupaket mit 77 Kilowattstunden brutto. Netto stehen 74 Kilowattstunden zur Verfügung. Wechselstrom lädt der Cyberster dreiphasig mit bis zu 11 Kilowatt. Von leer auf voll vergehen an AC grob sieben einhalb Stunden. Gleichstrom nimmt der Roadster im Peak bis zu 144 Kilowatt auf.
Von 10 auf 80 Prozent vergehen in der Praxis Mitte dreißig Minuten. Die Ladebuchse sitzt fahrerseitig. Optisch stört die Klappe die Seitenlinie ein wenig, funktional ist die Position im Alltag unkritisch, es sei denn für parallel zur Fahrbahn stehende Lademöglichkeiten.
Kofferraum und zusätzliche Ablagen
Der Kofferraum fasst 249 Liter. Unter dem Boden liegt das Pannenset. Typ-2 Kabel und Notladekabel beanspruchen spürbar Platz, lassen sich aber ordentlich verstauen. Hinter den Sitzen gibt es eine zweite, erstaunlich großzügige Ablage mit Trennnetz.
Dort passen schmale Trolleys oder Taschen hinein. Für den Wochenendtrip reicht das Gesamtvolumen. Die Heckklappe öffnet und schließt leicht, die elektrische Betätigung vermisst man im Alltag nicht.
Dach und Open-Air-Faktor
Das Stoffverdeck öffnet bis 50 Kilometer pro Stunde und benötigt rund zwölf Sekunden. Offenfahren ist der Kern dieses Autos. In den Alpen, am Seeufer oder auf einer nächtlichen Stadtrunde entsteht genau das Gefühl, das man von einem Roadster erwartet.
Das Dach schließt sauber an, die Konstruktion wirkt wertig. Bei hoher Geschwindigkeit dringen Windgeräusche bauartbedingt stärker ein als bei Hartschalendächern. Das liegt in der Natur der Sache.
Innenraum, Materialien und Ergonomie
Das Interieur überrascht mit hochwertiger Anmutung. Oberflächen in Leder und Mikrofaser, sauber gesetzte Nähte, Alcantara an A-Säulen und Dachholm, sauber entgratete Kanten und eine stimmige Ambientebeleuchtung zeichnen ein Premiumbild.
Das Bose Soundsystem liefert klare Höhen, präsente Mitten und einen kräftigen Bass. Die Sportsitze kombinieren Seitenhalt mit Langstreckenkomfort. Eine Belüftungsfunktion wäre im Hochsommer das i-Tüpfelchen. Die Kopfstützen sind weich gepolstert, der Lendenbereich ist gut unterstützt. Eine Isofix Befestigung im Beifahrersitz fehlt. Wer oft mit Kindersitz fährt, sollte das wissen.
MG Cyberster Interieur Fotos






Die Sitzposition gelingt tief und sportlich. Große Fahrer und Beifahrer finden ausreichend Platz. Der Einstieg über die hohen Schweller verlangt etwas Technik, belohnt aber mit einem authentischen Roadstergefühl. Kleinteile verschwinden in Fächern der Türen, in einem gut ausgekleideten Handschuhfach und in der Mittelarmlehne. Becherhalter sind vorhanden. Für Smartphones stehen vorn Anschlüsse bereit.
Bedienung, Infotainment und Assistenz
Das Cockpit ist fahrerorientiert. Das zentrale Display steht leicht zum Piloten gedreht. Hier steckt der größte Kritikpunkt. Viele Funktionen liegen links im Touchmenü. In einem Linkslenker bedeutet das arbeitsintensive Eingaben mit der linken Hand. Die Sprachbedienung löst einen Teil der Aufgaben.
Apple CarPlay und Android Auto funktionieren nur kabelgebunden. Im Test kam es mehrfach zu Verbindungsabbrüchen mit verschiedenen Telefonen und Kabeln. Das ist lösbar, trübt aber den Alltagseindruck. Das Kombiinstrument informiert klar über Tempo, Fahrzustand und Energiefluss. Künstliche Fahrgeräusche sind verfügbar und lassen sich abschalten.
Der MG Pilot umfasst Abstandsregelung, Spurhaltefunktion und Lenkassistent. Der Wagen hält die Fahrspur sauber und entlastet spürbar. Die automatische Anpassung an erkannte Limits arbeitet nicht durchgängig. Eine prädiktive Tempoführung mit Vorausschau auf kommende Limits steht nicht zur Verfügung. Das 360 Grad Kamerasystem punktet mit klaren Perspektiven, Hilfslinien und einer dreidimensionalen Darstellung der Fahrzeugumgebung. Front und Heck bieten zusätzlich 180 Grad Sicht. In engen Ausfahrten ist das ein echter Sicherheitsgewinn.
Akustik und Messwerte
Wir haben geschlossene und offene Fahrt gemessen. Bei 50 Kilometer pro Stunde zeigte das Messgerät 59 bis 60 Dezibel. Bei 70 Kilometer pro Stunde waren es 66 bis 67 Dezibel. Bei 100 Kilometer pro Stunde lagen wir bei 71 bis 72 Dezibel. Für einen Stoffdach Roadster sind das ordentliche Werte.
Auf Schulterhöhe dringen über die Seitenscheiben zusätzliche Strömungsgeräusche ein. Eine genau sichtbare Undichtigkeit gibt es nicht. Auf sehr langen Autobahnetappen fällt das Geräuschniveau hier etwas stärker auf als bei einem Coupé.
Fahrwerk, Lenkung und Bremsen
Der Cyberster fährt straff komfortabel. Querfugen und Wellen sind präsent, werden aber sauber gefiltert. Wank und Nickbewegungen sind gering. Die Lenkung arbeitet direkt und vermittelt ein ehrliches Gefühl für die Vorderräder. Der Allrad verteilt die Leistung effizient.
Aus Kehren heraus setzt der Wagen spontan um und baut Vertrauen auf. Die Brembo Bremsanlage steht früh im Pedal, der Druckpunkt bleibt konsistent. Der Roadster lässt sich präzise platzieren und wirkt auf der Passstraße leichtfüßiger als das Datenblatt vermuten lässt.
Verbrauch und Reichweite
Über 879,4 Kilometer bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 Kilometer pro Stunde lag der Testverbrauch bei 20,6 Kilowattstunden je 100 Kilometer. Über Land pendelten die Werte zwischen 17 und 18 Kilowattstunden. In der Stadt im Sommer waren 12 bis 13 Kilowattstunden erreichbar.
Auf der Autobahn stieg der Bedarf erwartungsgemäß. Einzelne Abweichungen erklärt die Bordcomputerlogik bei Standzeiten und aktivierten Verbrauchern. Reell sind, je nach Strecke und Wetter, 300 bis 400 Kilometer machbar. Wer offen fährt und die Serpentinen sucht, plant früher die nächste Ladesäule ein.
Preis und Einordnung
Der Hecktriebler startet bei ca. 65.000 Euro. Die Allradversion beginnt bei rund 69.000 Euro. Gemessen am Auftritt, an der Materialanmutung, an der Leistung und am Open-Air-Erlebnis ist das Paket stimmig. Wer ein 800 Volt System und sehr hohe DC-Leistungen erwartet, muss tiefer in die Tasche greifen und landet bei anderen Herstellern, bekommt dann aber auch kein Cabrio bzw. Roadster – noch nicht. Der MG positioniert sich als emotionales Angebot mit hohem Spaßfaktor und gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Bringen wir es auf den Punkt
Der MG Cyberster ist mehr als Show. Er sieht spektakulär aus, fährt erwachsen und liefert das offene Elektroerlebnis, das es in dieser Form bisher kaum gab. Die Allradversion beschleunigt eindrucksvoll, bleibt dabei kontrollierbar und vermittelt Vertrauen. Das Interieur überrascht mit hochwertigen Materialien und einem starken Soundsystem.
Kritik verdienen das kabelgebundene Smartphone-Mirroring mit instabilen Verbindungen, die linksbündige Infotainmentlogik und die punktuell wahrnehmbaren Windgeräusche im Schulterbereich. Wer damit leben kann und das Cabrioleben sucht, bekommt einen elektrischen Roadster, der polarisiert, begeistert und im Alltag funktioniert.
Wir werden diesen Artikel noch durch unsere Ergebnisse der Verbrauchsfahrten ergänzen, doch vorher, schaut euch doch mal unseren MG Cyberster XPOWER Fahrbericht an:
Update-Time! Wie versprochen haben wir uns den MG Cyberster XPower noch einmal vorgenommen und wollten herausfinden wie er sich an der Ladesäule schlägt.
Wir sind mit dem XPower auf unsere bekannte A20 Teststrecke gefahren, haben Verbräuche bei konstanten Autobahnrichtwerten gemessen, Landstraße und Stadt abgeklopft und anschließend den Ladecheck von 10 auf 80 Prozent durchgezogen. Dazu sprechen wir über Navigation, Assistenz, Reisekomfort und die kleinen Details, die im Alltag den Unterschied machen.
Setup und Rahmenbedingungen
Start bei 18 Grad und Sonne, später bis 23 Grad. Der Testwagen ist der XPower mit Allrad, je ein E-Motor an Vorder und Hinterachse, zusammen 510 PS und 725 Newtonmeter. MG nennt 3,2 Sekunden für den Sprint auf 100 und 200 km pro Stunde Spitze. Bereifung in 20 Zoll mit Mischformat, vorn 245 40 R20, hinten 275 35 R20, montiert waren Pirelli P Zero. Radstand 2,69 Meter, Fahrzeughöhe 1,32 Meter, Länge 4,54 Meter. Die Messungen erfolgen wie gewohnt über jeweils gut 20 Kilometer bei konstanter Durchschnittsgeschwindigkeit laut Tempomat oder Pedal, zurückgesetzt wird vor jedem Lauf.
Verbrauch auf der Landstraße und in der Stadt
Auf der Landstraße rund um Neubrandenburg ergibt der Bordcomputer bei zügiger, aber STVO konformer Fahrweise 15,8 bis 16,0 Kilowattstunden pro 100 Kilometer bei 74 km pro Stunde im Schnitt. In der Stadt über 7,1 Kilometer mit 45 km pro Stunde Durchschnitt liegt der Wert bei 10,9 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Das zeigt, wie effizient der Cyberster im Stop and Go arbeitet und wie stark die Rekuperation im urbanen Umfeld trägt.
Verbrauch auf der Autobahn bei 100, 120, 140 und 160 km/h
Bei 100 km pro Stunde zeigt der Bordcomputer 15,5 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Bei 120 km pro Stunde sind es 20,5 Kilowattstunden. Bei 140 km pro Stunde steigt der Wert auf 26,8 Kilowattstunden. Bei 160 km pro Stunde sehen wir 29,8 Kilowattstunden, hier greift allerdings eine Anzeigegrenze, die höhere Werte kaschiert. Der Verlauf ist stimmig, der Anstieg pro 20 km pro Stunde Schritt bewegt sich im bekannten Rahmen. Im Klartext heißt das: Wer Richtgeschwindigkeit fährt, kommt mit dem Cyberster angenehm effizient voran, wer dauerhaft jenseits 160 unterwegs ist, bezahlt spürbar an der Ladesäule.
MG Cyberster Ladecheck von 10 auf 80 Prozent
Geladen wurde an Ionity, gestartet bei 9 Prozent State of Charge. MG gibt bis zu 144 kW Peak an, wir sehen kurzzeitig 134 bis 135 kW bei 12 Prozent, dann fällt die Leistung ab 15 bis 20 Prozent auf unter 100 kW und pendelt sich längere Zeit um 70 bis 95 kW ein. Nach 44 Minuten erreicht der Akku 80 Prozent, insgesamt fließen 54,7 Kilowattstunden. Der Cyberster verfügt über eine intelligente Batterievorbereitung, die per Navigationsziel anspricht, dennoch war die Leistungskurve an diesem Tag eher defensiv. Möglich ist eine thermische Limitierung durch die vorherige Autobahnfahrt. Für die Praxis bedeutet das: Wer mit Richtgeschwindigkeit und vorausschauend unterwegs ist, kann bessere Zeiten sehen, das Auto zeigt aber nicht den gnadenlosen DC-Durchzug eines High End Performance EVs.
Navigation und Infotainment
Die Sprachzieleingabe funktioniert zuverlässig. Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, aktuell kabelgebunden und links platziert, was für Rechtshänder ungewohnt ist. Eine integrierte Routenplanung mit Ladestopps haben wir nicht gefunden. Wer Komfort liebt, vermisst sie, wer erfahren ist, plant über Apps oder die Suchfunktion entlang der Route. Der Wunschzettel für ein Softwareupdate ist klar: Routen und Ladeplanung an Bord, bitte.
Assistenzsysteme im Alltag
Der MG Pilot kombiniert Abstandsregeltempomat, Spurführung und Lenkunterstützung. Spurhaltung und Querführung sind stabil, auch auf der Landstraße. Was fehlt, ist die automatische Übernahme erkannter Geschwindigkeiten. Die Verkehrszeichenerkennung warnt, übernimmt aber nicht. Ein prädiktiver Tempomat mit aktiver Anpassung wie bei einigen Wettbewerbern würde den Cyberster auf der Langstrecke deutlich entlasten. Ein teilautomatischer Spurwechsel ist nicht an Bord.
Klang, Windgeräusch und Wohlfühlfaktor
Das Bose Soundsystem überzeugt mit kräftigem, sauberem Klang, sogar offen. Ab etwa 160 km pro Stunde nehmen Windgeräusche deutlich zu, was bei einem Roadster erwartbar ist. Sitze mit gutem Seitenhalt, straff komfortables Fahrwerk, kurze Karosseriebewegungen durch den Radstand, insgesamt eine stimmige sportliche Abstimmung. Große Fahrer ab etwa 1,85 Meter sollten die Kopffreiheit unter der Dachkante prüfen, offen ist es ohnehin Genuss pur. Das Verdeck öffnet und schließt elektrisch in unter zwölf Sekunden bis 50 km pro Stunde.
Ihr wollt noch mehr erfahren? Den MG Cyberster XPower quasi „live“ erleben? Dann schaut euch doch unser Video an:





















