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Opel Grandland Plug-in-Hybrid Test – einfach elektrisch?

Opel Grandland Plug-in-Hybrid Test

Manchmal ist es wie im echten Leben: Man will das Beste aus zwei Welten, ohne sich festlegen zu müssen. Genau das verspricht der neue Opel Grandland Plug-in-Hybrid. Er ist kein radikaler Elektro-Pionier, aber auch kein altmodischer Verbrenner mehr. Vielmehr jongliert er elegant mit zwei Herzen: einem 1,6-Liter-Turbobenziner und einem Elektromotor, die zusammen 195 PS Systemleistung auf die Vorderachse schicken. Klingt nach einem braven Familien-SUV? Oh nein, der Grandland hat ziemlich viel auf Lager.

Opel Grandland Plug-in-Hybrid Design

Opel hat dem Grandland eine ziemlich eigenständige Ansprache verpasst. Vorne grüßt der markante Opel Vizor®, hinter dunklem Kunststoffglas sitzt selbstbewusst der neue Blitz im Grill. Den gibt es optional sogar beleuchtet, was in der SUV-Mittelklasse schon fast eine kleine Lichtshow ist. Die scharf gezeichneten, flachen LED-Scheinwerfer können wahlweise als einfache Intelli-LEDs oder als hochmoderne Intelli-Lux Pixel-Matrixscheinwerfer arbeiten.

Unser Testwagen tritt in Kristall Silber Metallic mit kontrastierendem schwarzem Dach an, darunter bullige 20-Zoll-Leichtmetallräder im Aero-Design. Ergebnis: ein SUV mit der Statur eines Bodybuilders, der aber den Maßanzug nicht sprengen will. Am Heck zieht sich der Opel-Schriftzug selbstgefällig über die Klappe, flankiert von schlanken LED-Rückleuchten. Das ist mutig modern, statt nur brav funktional.

Opel Grandland Abmessungen

Der Opel Grandland Plug-in-Hybrid ist ein stattlicher Vertreter der SUV-Zunft, ohne dabei die Parkplatzsuche zur Geduldsprobe zu machen. Mit einer Länge von 4,65 Meter, einer Breite von 1,90 Meter (ohne Außenspiegel) und 2,10 Meter (mit ausgeklappten Außenspiegeln) bietet er reichlich Raum für Passagiere und Gepäck, ohne im urbanen Dschungel zum XXL-SUV zu mutieren. Die Höhe beträgt 1,66 Meter, der Radstand komfortable 2,78 Meter. Für alle, die am Bordstein gerne mal einen U-Turn vollziehen: Der Wendekreis fällt mit 10,93 Meter erstaunlich gering aus.

Opel Grandland PHEV Fotos

Technik-Kapitel: Watt, Volt und Pferdestärken

Unter der Haube werkelt ein 1,6-Liter-Turbo mit 150 PS (110 kW). Dass er kein Alleinunterhalter ist, bemerkt man spätestens, wenn der Elektromotor dazukommt: Er steuert nochmals 125 PS (92 kW) bei. Zusammen ergibt sich die schon erwähnte Systemleistung von 195 PS und 350 Nm Drehmoment. Damit sprintet der Grandland in 7,8 Sekunden auf 100 km/h. Kein Sportwagen also, aber flott genug, um an der Ampel nicht hinter den E-Autos alt auszusehen.

Die Batterie misst 17,9 kWh netto und erlaubt im besten WLTP-Fall bis zu 100 Kilometer elektrische Reichweite. Realistisch sind eher 60–70 km, aber das reicht bei vielen Pendlern für den kompletten Alltag ohne Tankstopp. Geladen wird serienmäßig etwas gemächlich mit 3,7 kW AC, optional mit 7,4 kW! Gemerkt? Aufgepasst? Nicht verlesen! Dreiphasig 11 kW oder gar DC-Schnellladen? Fehlanzeige. Opel bleibt hier konservativer als viele Wettbewerber. Man könnte sagen: beim Laden eher Marathon als Sprint.

Das Raumwunder – Kofferraum und Alltagstauglichkeit

Ein SUV wäre kein SUV, wenn es nicht mindestens den Wochenendeinkauf samt halbem Möbelschweden wegschlucken könnte. Der Grandland liefert hier ab: 550 Liter Kofferraumvolumen und mit umgelegten Lehnen (40:20:40 geteilt) sogar 1.645 Liter. Praktisch dazu: der doppelte Ladeboden, in dem das Ladekabel verschwindet und die Brötchentüte nicht durchs Auto fliegt.

Zugkraft hat er ebenfalls: Bis zu 1,5 Tonnen gebremst darf der Hybrid ziehen. Fahrräder, Wohnwagen oder Sportboot, alles möglich. Für die Dachträger-Fans gibt es 80 kg Dachlast obendrauf. Flexibilität? Check.

Unser Opel Grandland Plug-in-Hybrid Test Video

Opel Grandland Plug-in-Hybrid Innenraum

Steigt man ein, spürt man: Opel hat Humor – nicht im Clownskostüm, sondern in der Detailverliebtheit. Die Materialauswahl ist ein gelungener Mix: angenehme Stoffe, Mikrofaser-Inlays und Kunstleder mit ordentlichen Nähten dominieren oben; nur untenrum hat sich etwas härterer Kunststoff eingeschlichen.

Das Cockpit steht modern, aber nicht verspielt da: 10-Zoll-Fahrerdisplay, großes Infotainment bis 16 Zoll, dazu Head-up-Display – gestochen scharf und aufgeräumt. Was besonders gefällt: Opel belässt die Klimabedienung teilweise auf eigenen Knöpfen. Mal ehrlich, niemand will für „ein Grad weniger“ fünf Menüs durchwischen, oder?

Die AGR-Sitze verdienen extra Applaus: 10-fach einstellbar, mit ausziehbarer Oberschenkelauflage und optionaler Sitzbelüftung. Straff genug für Kurven, bequem genug für den Gardasee-Trip.

Hinten geht die Bequemlichkeit weiter: Beheizte Rücksitze, ebener Boden, viel Platz auch für Erwachsene. Nur die ISOFIX-Abdeckungen sind etwas fummelig. Da wird das Anschnallen des Kindersitzes gern mal zur Geduldsprobe.

Opel Grandland Plug-in-Hybrid Fahreindruck

Einsteigen, Startknopf drücken, los. Rein elektrisch summt der Grandland leise durch die Stadt, und dank der 100 km Elektroreichweite lässt sich der tägliche Arbeitsweg meist ohne Sprit bewältigen. Auf der Landstraße oder Autobahn schaltet der Benziner sanft zu – und plötzlich hat man beide Herzschläge an der Vorderachse.

Die Lenkung wirkt angenehm direkt, das Fahrwerk gut abgestimmt zwischen Komfort und Straffheit. Klar, bei forcierter Gangart in schnellen Kurven schiebt der Fronttriebler über die Vorderachse, aber Hand aufs Herz: Wer will mit einem Familien-SUV den Kurvenräuber spielen?

Auf der Autobahn zeigt er sich als entspannter Cruiser. Geräuschniveau bei 100 km/h: um die 60 dB!

Assistenten – fast schon ein Chauffeur

Das kleine Flaggenmeer der Assistenzsysteme im Opel Grandland ist wirklich beeindruckend. Hier dirigiert nicht nur der Spurhalte-Assistent den SUV sicher in der Bahn, sondern auch modernste Technik wie der teilautomatische Spurwechselassistent. Dieser wechselt die Fahrspur fast von selbst, allerdings nur nach freundlicher Bestätigung per Knopfdruck auf die OK-Taste. Hinzu kommen ein adaptiver Tempomat mit Stop&Go-Funktion, Toter-Winkel-Warner und Querverkehrsassistent, die zusammen mehr Überblick liefern als ein Flughafen-Tower. Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitserkennung und ein automatischer Geschwindigkeitsbegrenzer sorgen zusätzlich für ein entspanntes Sicherheitsgefühl. Eine prädiktive Temporegelung (also vorausschauend Bremsen oder Beschleunigen bei Schildern) fehlt allerdings noch. Das heißt: Ganz ohne Fahrer geht bzw. fährt es nicht, aber dafür fühlt man sich umso mehr gebraucht.

Opel Grandland Plug-in-Hybrid Verbrauch

Die WLTP-Werte sprechen von ca. 5,5 l/100 km plus 17–18 kWh Strom. In unserem Alltagstest lagen wir bei rund 2,8 Litern kombiniert mit Elektrounterstützung . Was für ein ausgewachsenes SUV klar in Ordnung geht. Wer regelmäßig lädt, fährt über weite Strecken nahezu kostenlos elektrisch. Wer nie lädt, darf sich über einen Benzinverbrauch von 6–7 Litern ärgern. Also: Stecker nutzen, das rechnet sich, zumindest wenn man zu Hause oder beim Arbeitgeber laden kann.

Was kostet der Opel Grandland Plug-in-Hybrid?

Der Einstieg in die Hybridwelt beginnt bei 41.190 Euro (GS-Ausstattung). Wer es luxuriöser mag, kann in Richtung Ultimate klettern und landet schnell bei knapp 50.000 Euro. Dann aber auch inklusive großem Panoramadach, Head-up-Display und Focal-Soundsystem welches durchaus ordentlich klingt.

Und das Fazit? Der Opel Grandland Plug-in-Hybrid ist das automobile Äquivalent zu einem guten Cappuccino, wie passend zum Opel Mokka, der Grandland ist kräftig, harmonisch, mit einem Schuss moderne Technik, aber nicht zu stark, um nervös zu machen. Er verbindet elektrische Alltagsreichweite mit grenzenloser Reisetauglichkeit und sieht dabei noch verdammt gut aus.

Für alle, die den Sprung zum reinen Elektroauto noch scheuen, ist der Plug-in-Hybrid das echte „Best-of-both-worlds“-Modell. Oder anders gesagt: der Gentleman mit Doppelherz im SUV-Kleid.

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