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Test: Leapmotor C10 AWD – einfach elektrisch?

Test: Leapmotor C10 AWD - einfach elektrisch?

Endlich haben wir ihn für euch, den Leapmotor C10 AWD in der Topvariante ProMax mit 800-Volt Technik. Und das ist genau der Punkt, an dem man kurz innehält, weil hier zwei Welten aufeinandertreffen: Familien SUV Format und Leistungswerte, die man sonst eher in ganz anderen Preisregionen sucht. Laut Preisliste stehen beim C10 ProMax AWD 440 kW Systemleistung, also 598 PS, und 720 Nm im Datenblatt, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 190 km/h, der Sprint von 0 bis 50 soll 1,8 Sekunden dauern und von 0 bis 100 sind es 4,0 Sekunden. Das Ganze wird als Allradler für 44.900 Euro angeboten.

Und ja, bevor jetzt jemand sagt, das sei ja trotzdem viel Geld: Absolut. Aber die eigentliche Story ist die Preis Leistung im Kontext dieser Leistungsklasse und dass Stellantis den Leapmotor in Deutschland vertreibt und damit Service und Vertrieb nicht irgendwo im Nirwana stattfinden müssen.

Maße, Gewicht und das, was im Alltag wirklich zählt

Der Leapmotor C10 ProMax AWD ist 4.739 Millimeter lang, 1.900 Millimeter breit und 1.680 Millimeter hoch, der Radstand liegt bei 2.825 Millimetern, die Bodenfreiheit bei 180 Millimetern.

Das Leergewicht ist mit 2.264 Kilogramm angegeben, das zulässige Gesamtgewicht mit 2.665 Kilogramm, daraus ergibt sich eine Nutzlast von 480 Kilogramm. Dachlast sind 100 Kilogramm.

Beim Rangieren hilft der kompakte Wendekreis, der in der offiziellen Preisliste zwar als Rubrik auftaucht, aber ohne Wert angegeben ist, im Alltag bleibt es deshalb beim Eindruck aus dem Fahrteil, dass der C10 sich für seine Größe gut handeln lässt, aber natürlich kein City Flitzer ist.

Akku, Laden und der 800 Volt Haken, den man kennen muss

Im Leapmotor C10 ProMax AWD steckt eine LFP Batterie mit 81,9 kWh. Geladen wird AC dreiphasig mit 11 kW, DC Schnellladen ist mit bis zu 180 kW angegeben, die Ladedauer von 30 bis 80 Prozent soll 22 Minuten betragen. Jetzt kommt der entscheidende Praxis Hinweis, den man nicht wegwischen darf: Der ProMax 800V kann DC schnell nur an Ladesäulen laden, die den 800 Volt Standard unterstützen. In der Praxis erkennt man passende HPC meist an einer ausgewiesenen Ladeleistung von 250 kW oder mehr, das Navi kann dafür auch filtern und der sonst typische Vorteil der schnellen Ladezeit bringt das 800V-System auch nur bedingt mit, denn eine Peakladeleistung von 180 kW ist nun nicht gerade outstanding.

Außenauftritt: modern, clean, eher Understatement als Krawall

Vorne wirkt der C10 in Schwarz angenehm erwachsen und ziemlich clean, dazu passt, dass er optisch gar nicht versucht, seine Leistung ständig herumzuschreien. Die Proportionen sitzen, und mit 4,739 Metern Länge spielt er genau in der SUV Klasse, die viele Familien als ideal empfinden: nicht zu kompakt, nicht zu riesig, aber groß genug für Alltag und Reise.

Leapmotor C10 AWD Fotos

Frunk, Kofferraum und Nutzwert

Der C10 hat vorn einen Frunk, das Volumen wird mit 32 Litern beziffert. Das ist genau dieses Detail, das im Alltag mehr bringt, als man denkt, weil du dort Kabel und nasses Zubehör vom restlichen Gepäck trennen kannst.

Hinten stehen 435 Liter Kofferraumvolumen im Datenblatt, mit umgeklappter Rückbank werden es 1.410 Liter. Das deckt sich mit dem Eindruck aus dem Dreh: ordentlich nutzbar, sauber gemacht, familientauglich, ohne gleich Klassenbestwert sein zu wollen.

Anhängelast: gut, aber die Stützlast ist der Spielverderber

Gebremst darf der C10 1.500 Kilogramm ziehen, ungebremst 750 Kilogramm. Das ist für viele typische Einsätze völlig okay. Der Knackpunkt bleibt die Stützlast, denn die liegt bei 60 Kilogramm. Wer mit schwerem Fahrradträger und E-Bikes plant, wird da schnell rechnen müssen und genau da wünsche ich mir bei einem Familien SUV einfach mehr Reserve.

Innenraum: modern, viel Screen, viel Software?

Der erste Eindruck passt: modern, aufgeräumt, ordentlich verarbeitet. Du bekommst Ambientebeleuchtung, eine Materialmischung aus weichen Flächen und Kunstlederoptik und ein klares Layout. Gleichzeitig ist es ein Auto, das sehr viel über den zentralen Touchscreen regelt. Spiegel einstellen, Klima, Lüftungsdüsen, viele Assistenzfunktionen, das hängt alles an diesem Display. Wenn du die Touch Welt magst, wirst du dich schnell zurechtfinden. Wenn du ein Typ für echte Tasten bist, musst du dich umgewöhnen.

Das Lenkrad ist oben und unten abgeflacht, liegt gut in der Hand und hat diese Zwei Speichen Optik, die polarisiert, aber im Alltag tatsächlich funktioniert. Es gibt ein kleines Fahrerdisplay, kein Head up Display. Das ist bei dem Preispunkt kein Skandal, aber ein HUD wäre hier ein echtes Komfort Plus gewesen, gerade weil der Rest so stark auf Bildschirmbedienung setzt.

Leapmotor C10 AWD Test Video

Sehr gut: die Sitze sind bequem, mit ordentlicher Unterstützung und Perforierung für Sitzheizung und Sitzbelüftung. Weniger gut, zumindest wenn man die Leistung ernst nimmt: Für ein 600 PS Auto sind sie nicht wirklich sportlich geschnitten, Seitenhalt ist okay, aber nicht “Performance”. Und dann kam im Test noch ein Punkt hoch, den man klar sagen muss: Die Sitzverstellung ist zwar elektrisch in Länge, aber bei unserem Eindruck fehlt eine echte Höhenverstellung. Das kann für große oder kleinere Fahrer ein Thema sein, weil Sitzergonomie keine Nebensache ist.

Und ja, es gibt ein riesiges Glasdach, aber immerhin auch eine blickdichte Verdunklung. Das ist im Sommer und für Kinder auf der Rückbank viel wichtiger als ein Glasdach, das sich öffnen lässt.

Dazu kommt ein Thema, das im Jahr 2025 einfach sitzt wie ein Stein im Schuh: CarPlay und Android Auto fehlen in der Wahrnehmung vieler Käufer als Selbstverständlichkeit. Wenn Leapmotor das per Update nachliefert, ist es schnell verziehen. Wenn nicht, bleibt es ein echter Minuspunkt, weil es nichts mit Premium zu tun hat, sondern mit Alltag und Gewohnheit.

Fond: eine der großen Stärken

Hinten zeigt der C10, warum diese Plattform als Familienauto gedacht ist. Viel Knieraum, angenehme Sitzposition, ordentliche Kopffreiheit trotz Glasdach, dazu ein ebener Fußraum, der den mittleren Platz weniger zur Strafbank macht. Genau das ist die Sorte Raumgefühl, die man im Alltag nicht mehr missen will.

Fahreindruck: leise und schnell?

Auf nasser Straße war der C10 im Test angenehm leise, selbst mit Regen als Störfaktor. Und dann ist da dieser Moment, wenn du von Comfort auf Sport schaltest und das Pedal nur antippst: Das Auto wirkt von außen wie eine brave Familienkutsche, geht aber los wie ein Performance Gerät. Dieser Wolf im Schafspelz Effekt ist hier nicht Marketing, der ist real.

Kritik gibt es beim Thema Assistenz. Im Regen war der Spurführungsassistent nicht immer zuverlässig aktivierbar, mal geht es, mal nicht, und das ohne nachvollziehbare Logik. Das ist genau der Punkt, an dem Software nicht nur nice-to-have ist, sondern Vertrauen erzeugen muss. Hier muss Leapmotor nacharbeiten.

Wir sind wie gesagt bei Regen gefahren und haben die Innengeräusche gemessen. Bei 50 km/h lagen wir bei etwa 63 bis 64 dB, bei 70 km/h um 69 bis 70 dB, bei 100 km/h um 71 bis 72 dB. Für ein großes Elektro SUV ist das angenehm leise, selbst mit den zusätzlichen Regen Geräuschen. Da merkt man: Auch ohne Doppelverglasung kann ein Auto ruhig sein, wenn Dämmung und Abrollkomfort stimmen.

Verbrauch und Reichweite

Das Datenblatt ist freundlich, dein rechter Fuß entscheidet! In der Preisliste steht für den Leapmotor C10 ProMax AWD ein kombinierter WLTP Energieverbrauch von 20,9 kWh pro 100 km. Die Reichweite wird kombiniert mit 437 Kilometern angegeben, innerstädtisch mit 602 Kilometern.

Im Test stand bei flotter Fahrweise schnell eine 26,9 kWh pro 100 km auf dem Display. Das ist keine Überraschung. 598 PS bedeuten eben auch: Wenn du Leistung abrufst, zahlst du mit Energie. Gleichzeitig ist das Auto im Echo Modus und bei ruhiger Fahrt in der Stadt ganz sicher deutlich sparsamer zu bewegen. Die Spreizung ist riesig, und das ist am Ende sogar eine Stärke, weil du selbst entscheidest, ob du heute Spaß willst oder Reichweite.

Beim Fahrwerk ist die Abstimmung eher komfortabel als knallhart. Das passt zur Familienrolle, aber bei dieser Leistung würde ich mir noch etwas mehr Straffheit wünschen, vor allem bei Nick und Wankbewegungen beim starken Beschleunigen und Bremsen. Genau hier könnte eine straffer abgestimmte Sonderversion wie der erwähnte Irmscher Umbau für manche spannend sein, wenn man das Thema wirklich sportlicher meint.

Bringen wir es auf den Punkt?

Der Leapmotor C10 AWD ist ein Statement. Nicht weil er alles perfekt kann, sondern weil er in den großen Disziplinen sehr viel richtig macht: Platz, Ruhe, Leistung, Ladeversprechen und ein Preis, der diese Kombination erst möglich macht.

Gleichzeitig ist er ein Auto, das noch Software Reife braucht, gerade bei Assistenzlogik und beim Thema Smartphone Integration. Wenn Leapmotor das sauber nachzieht, dann wird aus einem schon heute verdammt spannenden Deal ein richtig gefährlicher Gegner für etablierte Hersteller. Und ja, die Stützlast bleibt trotzdem ein echter Kritikpunkt, weil sie vielen Familien mehr weh tut als jedes fehlende Gimmick.

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