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Test: Opel Mokka GSE – einfach elektrisch?

Schon beim Anflug auf Madrid wird klar, dass Opel es ernst meint. Statt Pressezentrum mit Schnittchen gibt es Rennstrecke mit Ideallinie. Jarama Race Circuit, Boxengasse, Start Ziel Geraden, nasser Asphalt und mittendrin ein knalliger Mokka GSE, der so aussieht, als würde er lieber auf Zeit fahren als zum Bäcker. Genau hier soll der stärkste elektrische Opel zeigen, was hinter den drei Buchstaben GSE steckt und wir klären auch, welches Detail sich der Opel Mokka GSE mit dem Porsche 911 teilt!

Wir haben uns den Mokka GSE nicht nur von außen und innen ganz in Ruhe angeschaut, sondern ihn über spanische Landstraßen, Autobahnen und am Ende sogar im direkten Vergleich hinter einem Instruktor über den Kurs geprügelt. Dazu gab es noch eine Taxifahrt im offiziellen Rallye Mokka. Zeit also für die Frage, ob Opel mit dem GSE wirklich wieder an alte GSI und OPC Zeiten anknüpfen kann.

Design und Auftritt

Vorne macht der Mokka GSE keinen Hehl daraus, dass er das Topmodell der Baureihe ist. Die bekannte Vizor Front wirkt mit der eigenständigen GSE Schürze deutlich aggressiver, die Lufteinlässe sind schärfer gezeichnet und in den Air Curtains sitzen farblich abgesetzte Applikationen, die die Rallye Gene optisch unterstreichen. Das ist kein braver City Crossover mehr, das ist ein kleiner Straßenrenner mit E Antrieb.

Serienmäßig rollt der GSE auf 20 Zoll Leichtmetallrädern mit 225/40 R20 Michelin Pilot Sport EV C, dahinter leuchten gelb lackierte Vierkolben Bremssättel, die Alcon Bremsscheiben messen stolze 380 Millimeter im Durchmesser.

Dazu kommt ein um zehn Millimeter tiefergelegtes Sportfahrwerk, das den Mokka sichtbar satter auf der Straße stehen lässt. Rein optisch ist das ein klarer Schritt weg vom normalen Mokka Electric, hin zu einem Auto für Leute, die Spaß an Fahrdynamik haben.

Unser Testwagen trägt eine zweifarbige Lackierung mit schwarzem Dach, schwarzer Motorhaube, schwarzen Außenspiegeln und einer grauen Karosseriefarbe dazwischen, die problemlos auch als teure Sonderfarbe bei einer Sportmarke durchgehen könnte. Am Heck bleibt Opel hingegen zurückhaltender. Die LED Rückleuchten sind eher dezent, der Dachkantenspoiler könnte etwas mutiger ausfallen und die mittig platzierte Haifischantenne mag praktisch sein, stört aber die schöne Linie. Gleiches gilt für den außen sichtbaren Heckwischer, den man optisch eleganter im Spoiler hätte unterbringen können.

Trotz kleiner Detailkritik bleibt unterm Strich ein sehr stimmiger Auftritt. Der Mokka GSE wirkt kompakt, gedrungen und gerade von hinten angenehm breit. Mit 4,15 Meter Länge, 1,78 Meter Breite ohne Spiegel und 1,51 Meter Höhe liegt er exakt im kompakten City SUV Segment, steht aber optisch deutlich sportlicher da als seine zivileren Brüder. Der Radstand von 2,56 Meter bildet dabei die Basis für die Proportionen.

Opel Mokka GSE Fotos

Kofferraum, Alltag und fehlende Anhängelast

Der Alltag beginnt beim Kofferraum und da ist der Opel Mokka GSE ehrlich. Die elektrische Variante bringt es auf 310 Liter Gepäckraumvolumen, mit umgeklappter Rückbank sind es bis zu 1.060 Liter.

Für einen 4,15 Meter SUV ist das in Ordnung, aber kein Raumwunder. Praktisch ist der doppelte Ladeboden, unter dem sich Ladezubehör und Kleinkram verstauen lassen, dazu gibt es noch eine kleine zusätzliche Ablage in einer dritten Ebene. Die Hutablage ist sauber verkleidet, ein Wackeldackel oder Häkeldeckchen würden sich tatsächlich wohlfühlen.

Weniger praktisch ist die Tatsache, dass die Heckklappe ausschließlich manuell arbeitet. In dieser Preisklasse hätten wir uns eine elektrische Betätigung gewünscht, zumal viele Kleinwagen das inzwischen anbieten. Eine Durchladeöffnung für Ski oder lange Gegenstände in der Mitte der Rückbank fehlt ebenfalls. Immerhin lässt sich die Rücklehne im Verhältnis 60 zu 40 teilen und so auf bis zu 1.060 Liter erweitern.

Was hat dieser Mokka mit einem 911 gemeinsam?

Noch ein Punkt, der für viele wichtig ist. Laut technischen Daten darf der Mokka Electric, und damit auch der GSE, offiziell keine Anhängelast ziehen. Das macht den GSE zum richtigen Sportwagen, denn für einen Porsche 911 gibt es schließlich auch keine Anhängerkupplung, dennoch ist dies schade. Eine kleine Anhängerkupplung für Fahrräder oder den Baumarkt Anhänger wäre für viele Kunden ein echtes Argument. Die Dachlast von bis zu 74 Kilogramm ist dagegen ordentlich, hier lassen sich Dachbox oder Fahrradträger montieren.

Cockpit, Bedienung und Infotainment

Im Innenraum setzt Opel auf das bekannte Pure Panel Layout. Vor dem Fahrer sitzt ein volldigitales 10 Zoll Instrumentendisplay, daneben ein ebenso großer Touchscreen für Infotainment und Fahrzeugfunktionen. Beim GSE kommt eine eigene Performance Ebene hinzu, die ganz klar zeigt, in welche Richtung dieses Auto zielt.

Unter GSE und Racing findet man G-Kräfte Anzeigen, Rundenzeitentools, Beschleunigungswerte, Powermeter, Temperatur und Spannung der Hochvoltbatterie sowie den anliegenden Drehmomentwert. So etwas freut jeden, der sich intensiv mit seinem Auto beschäftigt oder den Mokka GSE tatsächlich auf Trackdays bewegen will.

Das Infotainment System unterstützt Apple CarPlay und Android Auto kabellos, dazu gibt es ein integriertes Navigationssystem mit Ladeplanung, das die Route inklusive Ladestopps berechnet. Entscheidend ist: Die Bedienung funktioniert ohne große Einarbeitung. Über eine Home Taste kommt man jederzeit zurück in die Hauptansicht, die Menüs sind klar strukturiert.

Ein echtes Highlight in Sachen Ergonomie sind die klassischen Klimabedieneinheiten. Temperatur und Gebläsestufe lassen sich über Drehregler und Tasten steuern. Das geht blind während der Fahrt und ist aus unserer Sicht immer noch besser als jede Touchlösung im Untermenü. Dazu kommt ein physischer Lautstärkeregler, der im Alltag Gold wert ist.

Unterhalb des Screens liegen eine induktive Ladeschale, USB Anschlüsse und eine kleine Ablage für das Zweithandy. Der Fahrstufenwahlhebel sitzt kompakt auf der Mittelkonsole, direkt daneben die Taste für den B Modus, in dem die Rekuperation verstärkt wird. Zwischen Fahrer und Beifahrer finden sich zwei Becherhalter und eine Mittelarmlehne mit Staufach.

Das Lenkrad liegt sehr gut in der Hand, ist oben und unten abgeflacht und über eine weit verstellbare Lenksäule optimal anpassbar. Die Tasten sind haptisch klar getrennt, sodass man sich schnell blind zurechtfindet. Ein Head up Display bietet der Mokka GSE allerdings nicht, das wäre in dieser sportlichen Topversion ein schönes Extra gewesen.

Sitze, Platzangebot und Materialeindruck

Die Sportsitze vorn sind eine der großen Stärken des GSE. Opel kombiniert Mikrofaser und Lederoptik, die Sitzflächen bieten eine lange Oberschenkelauflage, kräftige Seitenwangen und integrierte Kopfstützen. Im Alltag sitzt man angenehm bequem, auf der Rennstrecke sind sie straff genug, um auch bei hohem Tempo in schnellen Kurven nicht dauernd gegen das Lenkrad arbeiten zu müssen. Die Einstellmöglichkeiten sind manuell, aber ausreichend, die Sitzhöhe lässt sich an den eigenen Geschmack anpassen.

Mit 1,85 Meter Körpergröße sitzt man im Opel Mokka GSE vorn erstaunlich luftig. Beinfreiheit und Kopffreiheit passen, auch für kräftigere Staturen. Vom Gefühl her eher eine halbe Klasse höher als die Außenlänge vermuten lässt.

Hinten hängt es stark davon ab, wie die Vordersitze eingestellt sind. Steht der Beifahrersitz auf B Säulen Niveau, also einer typischen Durchschnittsposition, können Erwachsene auf der Rückbank gut sitzen. Hinter dem auf den Fahrer eingestellten Sitz wird es für gleich große Personen dann naturgemäß enger. Die Polsterung selbst ist auch hinten angenehm, nur eine Mittelarmlehne fehlt. Es gibt zwei Isofix Befestigungen an den äußeren Plätzen und hinten nochmals zwei USB Anschlüsse, damit Kindergeräte oder Smartphones geladen werden können.

Beim Materialmix leistet sich Opel hingegen eine Schwäche. Während die vorderen Türen mit Stoff, Kunstlederauflagen und sichtbaren Ziernähten einen wertigen Eindruck machen, herrscht auf den hinteren Türverkleidungen vor allem harter Kunststoff. Funktional, leicht zu reinigen, aber optisch dem Preisniveau von mindestens 47.300 Euro für den GSE nicht ganz angemessen.

Das gilt auch für einige Hartplastikflächen im unteren Cockpitbereich. Hier hätte ein durchgängiger GSE Anspruch bis in die zweite Reihe gut zum restlichen Anspruch des Autos gepasst.

Opel Mokka GSE Fahrbericht

Antrieb, Fahrleistungen und Technik

Unter der Haube arbeitet im Opel Mokka GSE der aktuell stärkste Elektroantrieb im Opel Portfolio. Ein permanenterregter Synchronmotor liefert 207 Kilowatt, also 281 PS, und ein maximales Drehmoment von 345 Newtonmeter an die Vorderräder. Der Sprint von 0 auf 100 km pro Stunde gelingt laut Datenblatt in 5,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km pro Stunde.

In unserem Test auf nasser spanischer Fahrbahn und mit noch eher kühlen Reifen standen auf der Messuhr 6,16 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 0 auf 50 km/h erledigt der Mokka GSE in rund 2,9 Sekunden. Für einen frontgetriebenen Kompakt SUV sind das ausgesprochen sportliche Werte, zumal der Antritt aus dem Stand sehr spontan ist. Der Torsen Lamellensperrdifferential an der Vorderachse hilft, die Kraft möglichst sauber auf den Asphalt zu bringen und minimiert das ansonsten gern auftretende Durchdrehen der Räder.

Als Energiespeicher dient eine Lithium-Ionen-Batterie mit brutto 54 Kilowattstunden Kapazität, von der rund 50,8 Kilowattstunden netto nutzbar sind. Opel gibt den kombinierten WLTP Verbrauch mit 18,5 Kilowattstunden je 100 Kilometer an, was eine Normreichweite von bis zu 336 Kilometern ermöglicht.

Laden kann der GSE serienmäßig dreiphasig mit bis zu 11 Kilowatt Wechselstrom. Von 20 bis 80 Prozent SoC vergehen an der passenden Wallbox etwa drei Stunden und zehn Minuten. An der Schnellladesäule sind von 20 bis 80 Prozent bei idealen Bedingungen rund 27 Minuten möglich, die maximale Ladeleistung liegt bei etwa 100 Kilowatt.

Und genau hier muss man Opel 2025 kritisch ansprechen. Während viele Wettbewerber aus China längst 800 Volt Systeme und Ladeleistungen jenseits der 200 Kilowatt anbieten, bleibt der Mokka GSE bei seinen 400 Volt und 100 Kilowatt. Für Alltag und typischen Pendlerbetrieb reicht das, für eine sportliche Topversion in dieser Preisklasse hätten wir uns etwas mehr Reserven beim Schnellladen gewünscht.

Fahrverhalten auf der Straße

Im Alltag ist der Opel Mokka GSE ein erstaunlich vielseitiges Auto. Das Fahrwerk ist klar straffer abgestimmt als bei den normalen Versionen, bleibt aber im Komfortbereich noch im Rahmen. Kurze Stöße und Querrillen nimmt er knackig, aber nicht unbarmherzig, auf der Autobahn liegt er sehr stabil. Opel hat vorne und hinten die Dämpfer überarbeitet und härtere Lager verbaut, um Wank und Nickbewegungen deutlich zu reduzieren.

Die Lenkung ist direkt und vermittelt einen deutlich sportlicheren Charakter als bei vielen anderen Elektro-Crossovern. Hier kommt richtig Fahrspaß auf, wenn man kurvige Landstraßen mag. Die Spreizung zwischen den Fahrmodi ist gelungen. Im Eco Modus wird die Leistung spürbar, aber nicht übertrieben reduziert, die Klimaanlage arbeitet etwas zurückhaltender, der Mokka bleibt aber voll alltagstauglich. Im Normal Modus fährt man so, wie die meisten Kunden wohl unterwegs sind.

Im Sport Modus dreht Opel das GSE Konzept auf. Die Rekuperation wird in diesem Fahrprogramm deaktiviert, der Wagen segelt beim Lupfen nicht, sondern fordert tatsächlich konsequent den Einsatz der großen Bremsanlage. Das fühlt sich nach klassischem Sportwagen an und passt bestens zum Charakter des Autos. Wer lieber elektrisch segelt und auf Ein Pedal Feeling steht, nutzt Normal oder Eco und aktiviert über die B Taste am Fahrstufenregler die stärkere Rekuperation.

Die Innengeräusche haben wir ebenfalls gemessen. Bei 50 Kilometern pro Stunde lagen wir bei rund 63 bis 64 Dezibel, bei 70 Kilometern pro Stunde bei etwa 70 bis 71 Dezibel und bei 100 Kilometern pro Stunde bei 73 bis 74 Dezibel. Für einen kompakten SUV mit 20 Zoll Bereifung ist das ein guter Wert, Wind und Abrollgeräusche bleiben angenehm im Hintergrund.

Autobahn, Assistenz und Wendekreis

Auf der spanischen Autobahn zeigt der Mokka GSE, dass er nicht nur sportlich kann, sondern auch entspanntes Reisen beherrscht. Der Drive Assist kombiniert adaptiven Tempomaten mit Abstandsregelung, Spurhalteassistent und Verkehrsschilderkennung. Das Auto hält sauber die Mitte der Spur, Regelvorgänge fühlt man nur leicht im Lenkrad.

Eine kapazitive Lenkraderkennung gibt es nicht, der Fahrer muss regelmäßige kleine Lenkeingriffe machen, damit das System weiß, dass er aufmerksam ist. Einen automatischen Spurwechsel bietet der Mokka nicht, der Blinker hebt die Spurführung für den manuellen Wechsel auf.

Beim Auffahren auf langsamere Fahrzeuge reduziert das System automatisch die Geschwindigkeit und hält den gewählten Abstand. Im Stau kann der adaptive Tempomat in Verbindung mit der Automatik auch bis zum Stillstand bremsen und wieder anfahren. Für diese Fahrzeugklasse ein sehr ordentliches Assistenzniveau.
Im Stadtverkehr überzeugt der Mokka GSE mit einem Wendekreis von 10,41 Metern von Bordstein zu Bordstein.

Der Wagen wirkt dadurch handlich und leicht einparkbar. Unterstützt wird das von einer scharfen, hochauflösenden Rückfahrkamera mit Hilfslinien und einer Draufsicht Darstellung. Eine echte 360 Grad Kamera gibt es nicht, aber für ein 4,15 Meter Auto ist das verschmerzbar. Praktisch ist die 180 Grad Weitwinkelansicht nach hinten, wenn man zum Beispiel rückwärts aus einer Einfahrt auf den Gehweg kommt.

Verbrauch im Alltag

Zu den harten Fakten. Unsere erste Testrunde mit sehr viel Autobahn und sportlichen Einlagen lag deutlich über 20 Kilowattstunden je 100 Kilometer, in einem Bereich von 26 bis 27 Kilowattstunden. Für einen kompakten Hochleistungs Fronttriebler mit 281 PS auf nasser Fahrbahn ist das nicht überraschend.

Um ein besseres Bild für den Alltag zu bekommen, sind wir anschließend eine gemischte Runde aus Stadt, Landstraße und etwas Autobahn bei rund 12 bis 14 Grad Außentemperatur gefahren. Über etwa 23 Kilometer kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 21,2 Kilowattstunden je 100 Kilometer bei rund 57 Kilometern pro Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit.

Im Sommer, bei 20 bis 25 Grad, weniger Regen und mehr Stadtanteil dürfte der Mokka GSE im Alltagsbetrieb deutlich unter 20 Kilowattstunden landen, wenn man ihn nicht permanent im Sport Modus ausquetscht. Fährt man dagegen konsequent schnell auf der Autobahn, werden die 18,5 Kilowattstunden WLTP Angabe schnell zur Theorie. Der GSE lädt im Gegenzug mit jeder Beschleunigungsorgie aber auch ein bisschen dazu ein, den Strom fliegen zu lassen.

Rennstrecke und Rallye Eindruck

Der wahrscheinlich emotionalste Teil des Tests spielte sich dort ab, wo normalerweise Cup Racer um Zehntelsekunden kämpfen. Auf dem Jarama Circuit ging es mit einem Instruktor im Führungsfahrzeug für uns mit dem Serien Mokka GSE im Konvoi auf die Strecke. Nasser Asphalt, Leitplanken neben der Ideallinie und ein kompaktes E-SUV, das beweisen möchte, dass seine Rallye Gene mehr sind als Marketing.

Der Schauplatz für unseren Test könnte kaum passender sein. Der Circuito del Jarama nördlich von Madrid ist eine 1967 eröffnete Traditionsstrecke, auf der früher sogar die Formel 1 unterwegs war. Der Kurs ist gut 3,8 Kilometer lang, hat 13 teils sehr enge Kurven und arbeitet mit ordentlichen Höhenunterschieden, die das Fahrwerk richtig fordern. Statt riesiger Auslaufzonen gibt es hier noch klassische Leitplanken und Kiesbetten, was die Sache besonders bei Nässe spannend macht. Genau in diesem oldschooligen Umfeld zeigt der Opel Mokka GSE, wie viel Präzision in Lenkung, Fahrwerk und Bremse wirklich steckt, wenn man ihm auf einer echten Rennstrecke die Sporen gibt.

Und tatsächlich: Der GSE bleibt auch im Grenzbereich erstaunlich neutral. Die Vorderachse baut mit den Michelin Sportreifen viel Grip auf, das Sperrdifferenzial sorgt dafür, dass die Leistung nicht einfach in Rauch aufgeht. Beim Anbremsen aus hohem Tempo stehen die großen Alcon Bremsen sauber und gut dosierbar, Fading konnten wir auf unserer Runde nicht feststellen. Besonders in den engen Linkskurven klebt der Mokka GSE bei korrekter Linienwahl förmlich am Heck des Instruktors.

Zum Gesamtpaket gehört auch die Mitfahrt im Rallye Mokka GSE mit Überrollkäfig, Schalensitzen und allem, was man aus einer offiziellen Rallye Serie kennt. Dort wird schnell klar, woher die Straßenversion ihre Grundabstimmung geerbt hat. Härter, lauter, kompromissloser, aber mit einem sehr ähnlichen Grundcharakter. Wer nach dieser Taxifahrt wieder in den Serien GSE steigt, fühlt sich plötzlich wie in einem sehr kultivierten, aber immer noch ernsthaft sportlichen Ableger derselben Idee.

Preis, Ausstattung und Einordnung

Der Opel Mokka GSE startet laut Preisliste bei 47.300 Euro. Damit liegt er deutlich über einem normalen Mokka Electric, der je nach Ausstattung bereits bei rund 36.740 Euro beginnt, und setzt sich preislich klar als sportliche Speerspitze der Baureihe ab. Dafür ist der GSE sehr umfangreich ausgestattet.

Serienmäßig sind neben dem starken Antrieb die 20-Zoll Räder, das Sportfahrwerk mit Tieferlegung, das Torsen Sperrdifferenzial, die großen Alcon Bremsen, Alcantara Performance Sitze, Intelli Lux Matrix Licht, das große Infotainment Paket mit Navigation, Wireless Charger, Performance Menüs, eine umfangreiche Sicherheits und Assistenzarmada sowie Bidirektionales Laden mit dem dreiphasigen 11-kW-Onboard-Charger an Bord.

Ein Head up Display, ein Premium Soundsystem oder eine elektrische Heckklappe sucht man trotzdem vergeblich. Hier entscheidet jeder selbst, ob der Fokus auf Fahrdynamik und Optik oder auf maximalem Luxus liegen soll.

Bringen wir es auf den Punkt?

Der Opel Mokka GSE ist kein weiteres Elektroauto, das einfach nur ein stärkeres Datenblatt auf eine bestehende Plattform klebt. Man spürt, dass Opel hier bewusst an alte GSI und OPC Zeiten anknüpfen will. Die Kombination aus kräftigem E-Antrieb, spürbar nachgeschärftem Fahrwerk, sperrendem Vorderachsdifferenzial und ernstzunehmender Bremsanlage ist in dieser Klasse alles andere als selbstverständlich.

Der Preis ist hoch und die Schnellladeleistung im Jahr 2025 eher solide als spektakulär. Im Heck und in den hinteren Türen haben die Controller dem Innenraumdesigner ein wenig die Schere angesetzt. Eine Wärmepumpe gibt es für den GSE auch nicht. Eine Anhängelast fehlt, eine elektrische Heckklappe ebenfalls. Wer ein weich gefedertes, maximal bequemes Elektroauto zum Gleiten sucht, ist mit den Basisversionen des Mokka oder anderen Modellen vermutlich besser bedient.

Wer aber genau das haben möchte, was der Name verspricht, bekommt hier ein sehr spezielles Angebot. Ein kompaktes Elektroauto, das im Alltag problemlos funktioniert, beim Pendeln nicht nervt und gleichzeitig auf der Landstraße und sogar auf der Rennstrecke ein breites Grinsen ins Gesicht zaubert. Ein Auto, das nicht nur auf dem Papier 281 PS hat, sondern mit seinem Fahrwerk auch tatsächlich mit dieser Leistung umgehen kann.

Kurz gesagt: Der Mokka GSE ist so etwas wie der Wolf im Schafspelz für die Elektro Ära. Er kostet, keine Frage. Er macht aber auch genau das, was man von ihm erwartet. Und vielleicht sogar ein bisschen mehr. Wenn euch diese Mischung aus alltagstauglichem Crossover und elektrischer Rallye Attitüde reizt, führt am Probefahren beim Opel Händler eigentlich kein Weg vorbei.

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