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Volvo EX30 Cross Country Test – einfach elektrisch?

Volvo EX30 Cross Country Test

Diese dicken, fünf Meter langen Elektro SUV sind nichts für dich? Verständlich! Wer in der Stadt lebt, am Wochenende aber gern über Land oder in die Berge fährt und dafür etwas mehr Bodenfreiheit wünscht, bekommt mit dem Volvo EX30 Twin Performance Cross Country eine eigenständige Alternative im Kompaktformat. Im ersten Teil unserer Doppelrunde gibt es den klassischen Walkaround mit Fahrbericht. Teil zwei wird die Verbrauchsfahrt mit Ladecheck auf der Autobahn liefern. Heute klären wir, was der Cross Country kann, wie er verarbeitet ist und wie sich die versprochene Performance in der Praxis anfühlt.

Design und Cross Country Details

Auf den ersten Blick ist es der bekannte EX30, beim zweiten Blick steht da eine robustere Variante. Der Cross Country trägt vorn ein schwarzes Blade mit feiner Maserung und eine eigenständig gezeichnete Frontschürze. Rundum schützen Kunststoffbeplankungen die Karosserie, die Radläufe sind eingefasst und am Heck schließt ein weiteres schwarzes Blade den Unterfahrschutz optisch ab.

Die Felgen kommen in einem seidenmatten Anthrazit, aerodynamisch ausgeführt und montiert im Format 235/50 R19. Das Dach ist schwarz abgesetzt, die Scheiben hinten sind dunkel, eine Haifischflosse fehlt bewusst. Insgesamt wirkt der Kleine satt, funktional und passend zum Cross Country Anspruch.

Abmessungen, Gewichte und Basis

Der EX30 Cross Country misst 4,23 Meter in der Länge, 1,56 Meter in der Höhe und 1,83 Meter in der Breite. Mit Außenspiegeln sind es 2,04 Meter. Der Radstand beträgt 2,65 Meter. Das Testfahrzeug wiegt knapp unter zwei Tonnen. Unterflurig sitzt das Batteriepack mit 69 Kilowattstunden brutto, davon sind 65 Kilowattstunden netto nutzbar. Der Ladeanschluss sitzt fahrerseitig hinten.

Volvo XC30 Cross Country Fotos

Antrieb, Leistung und Fahrwerte

Volvo liefert den Cross Country ausschließlich als Twin Performance. Vorn arbeitet ein E Motor mit 115 Kilowatt, hinten einer mit 200 Kilowatt. Zusammen stehen 315 Kilowatt Systemleistung bereit, das entspricht 425 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 545 Newtonmetern. Wer die Zahlen liest, erwartet Schub und den liefert der EX30 auch. Werkseitig sind 3,7 Sekunden von null auf hundert angegeben, die Höchstgeschwindigkeit ist markentypisch auf 180 Kilometer pro Stunde begrenzt. In unseren Messungen bei feuchter Fahrbahn und halb vollem Akku lagen die besten Zeiten bei 4,4 Sekunden von null auf hundert. Der Unterschied geht realistisch auf Straßenhaftung, Reifentemperatur und Ladezustand. Der Punch aus Kurven und beim Ortsausgang ist trotzdem so vehement, wie man ihn diesem Format nicht ansieht.

Laden mit 22 kW AC und 156kW DC

Ein starkes Alltagsargument ist die dreiphasige Wechselstromladung mit 22 Kilowatt bei 32 Ampere. Unter idealen Bedingungen lässt sich der Akku so in gut drei Stunden von leer auf voll bringen. Fällt die Absicherung auf 16 Ampere, lädt der EX30 mit 11 Kilowatt. Gleichstromseitig nennt Volvo 156 Kilowatt Spitze. Der Standardlauf von 10 auf 80 Prozent SoC soll in 26 1/2 Minuten gelingen. Das überprüfen wir in Teil zwei der Reihe auf unserer Referenzstrecke und mit Ladekurve.

Praktikabilität vorn und hinten

Unter der Fronthaube arbeitet alles mit zwei Gasfedern, Dämmmatten spart Volvo ein, die Verkleidung ist großflächig. Wischwasser, Bremsflüssigkeit und Kühlkreislauf sind gut zugänglich. Der Frunk fasst sieben Liter und nimmt das Typ 2 Kabel sauber auf. Gerade im Herbst und Winter ist das praktisch, weil der Kofferraum sauber bleibt.

Der Heckdeckel öffnet elektrisch. Hinter ihm stehen 318 Liter Gepäckraum bereit, mit ordentlicher Verkleidung, vier Verzurrösen, Haken und einer zwölf Volt Steckdose. Unter dem variablen Ladeboden gibt es weitere Fächer. Die Rückbank ist im Verhältnis 60 zu 40 umklappbar, dann wächst das Volumen auf bis zu 1.000 Liter.

Kleine, clevere Gurtführungen verhindern, dass die Schlösser beim Zurückklappen unter die Lehne rutschen. Eine robuste, starre Kofferraumabdeckung gehört dazu. Wer muss, stellt Trolleys dank herausnehmbarem Boden hochkant.

Dachlast, Anhängelast und Stützlast

Der Cross Country trägt bis zu 75 Kilogramm Dachlast. Optional gibt es eine Anhängerkupplung für rund 1.250 Euro Aufpreis. Gebremst bei zwölf Prozent Steigung sind bis zu 1,6 Tonnen zulässig, ungebremst 750 Kilogramm. Die Stützlast liegt bei 100 Kilogramm, was viele Nutzer von Fahrradträgern freuen dürfte. Eine externe Stromabgabe ist vorhanden, die Bordsteckdose liefert bis zu 3,6 Kilowatt.

Volvo EX30 Cross Country Test Video

Cockpit und Bedienung

Der Armaturenträger wirkt luftig. Oben liegt eine Harman-Kardon-Soundbar, darunter zieht sich das graue Strukturgewebe der Türverkleidungen durch das Interieur. Volvo setzt stark auf Recycling, von Kunststoffen bis zu Geweben aus alten Fischernetzen und Flaschen. Der Materialmix wirkt ehrlich und wertig. Das Lenkrad ist höhen- und tiefenverstellbar, unten und oben leicht abgeflacht.

Klassische Instrumente vor dem Fahrer gibt es nicht, auch kein Head up Display. Geschwindigkeit und relevante Fahrhinweise wandern auf den zentralen Touchscreen und in ein schmal eingeblendetes Feld. Das erfordert Eingewöhnung und zwingt zum Seitenblick. Das Infotainment basiert auf Android Automotive mit Google Maps und Play Store. Routen samt Ladeplanung funktionieren flott, Apps wie Spotify oder ein Routenplaner von Drittanbietern lassen sich nachladen. Die Sprachsteuerung gab sich im Test zickig, ein Punkt, den wir dem Pressefahrzeug nicht final ankreiden, der aber in der Praxis sitzen muss.

Details, die polarisieren

Die Fensterheber sitzen zentral auf der Mittelkonsole, die Spiegel werden über das Infotainment eingestellt. Das spart Kabelbäume in den Türen und schafft klare Flächen, verlangt aber Umgewöhnung. Ein klassisches Handschuhfach fehlt, dafür gibt es ein tiefes, von vorn zugängliches Staufach.

In der Mittelkonsole liegen eine induktive Ladeschale für das Smartphone, verschiebbare Becherhalter mit Gummieinsätzen und offene Ablagen. Das Glasdach spannt sich weit über beide Reihen, eine feste Verdunkelung per Rollo gibt es nicht. Im Hochsommer kann das stören, im Alltag sorgt es für viel Licht.

Sitzkomfort und Fond

Vorn passen die Sitze ins bekannte Volvo Bild. Saubere Kontur, gute Lenden und Oberschenkelunterstützung, angenehme Schulterabstützung und optional Heizung sowie Lenkradheizung. Die Ergonomie stimmt, die Armauflagen links und in der Mitte sind gleich hoch. Hinten sitzt man bei 1,85 Meter Körpergröße ordentlich, Kopffreiheit und Knieraum sind für das Format gut. Eine Mittelarmlehne fehlt, Isofix gibt es auf beiden Außenplätzen, nicht auf dem Beifahrersitz. Taschen an den Rückenlehnen und USB C Anschlüsse versorgen Mitfahrer. Die unteren Einstiegsbereiche bestehen aus härterem Kunststoff, was mit Nieten oder groben Reißverschlüssen an Hosen zu Kratzern führen kann.

Wendekreis, Assistenz und Kameras

Im urbanen Alltag überzeugt der EX30 mit einem Wendekreis von 11,20 Metern. Die 360 Grad Kamera liefert ein scharfes Bild, die Leitlinien helfen gut. Für Puristen gäbe es noch eine Radnahansicht, die Felgenfreundschaft beim Einparken weiter erhöht, das Serienbild ist aber bereits sehr brauchbar. Der adaptive Tempomat arbeitet verlässlich, der Lenkassistent zeigte sich über Land zurückhaltend. Auf der Autobahn dürfte das System stabiler greifen, das prüfen wir separat. Der Lenkradkontakt wird über Drehmomentabfrage kontrolliert, eine kapazitive Erkennung fehlt, weshalb man zum Bestätigen deutlich am Kranz ziehen muss.

Fahrwerk, Lenkung und Bremsen

Der Cross Country federt straff komfortabel. Auf Flickenasphalt und Schlaglöchern bleibt die Karosserie ruhig, ohne Poltern. Die Lenkung kann in drei Stufen von leicht bis sportlich konfiguriert werden. In schnellen Wechselkurven bleibt der Kleine neutral, die Traktion des Allradantriebs hilft beim Herausbeschleunigen. Beim Bremsen aus Tempo hundert notierten wir Bestwerte um 2,8 bis etwas über 3,0 Sekunden bis zum Stillstand. Die Zahlen sind schwer mit Messungen anderer Fahrzeuge zu vergleichen, die in der Regel Bremswege in Metern angeben. Subjektiv packt die Anlage satt zu, das Pedal bleibt gut dosierbar.

Innengeräusche im Fahrbetrieb

Gemessen mit unserem Handmessgerät ergibt sich ein sehr leises Akustikbild. Bei fünfzig Kilometern pro Stunde zeigte das Display 53 bis 54 Dezibel, bei siebzig waren es 58 bis 59 Dezibel, bei hundert 63 bis 64 Dezibel. Damit liegt der EX30 Cross Country für sein Segment ausgesprochen gut. Doppelverglasung ist nicht zwingend nötig, wenn Dämmung und Lagerung stimmen. Das bestätigt der Fahreindruck.

Preis und Konditionen

Der Volvo EX30 Cross Country Twin Performance steht mit einem Listenpreis von gut 57.000 Euro in der Preisliste. Das ist spürbar Geld für ein kurzes Fahrzeug, relativiert sich aber über die Konditionen. Volvo bietet erfahrungsgemäß attraktive Leasingraten und Abo Pakete an, in denen Versicherung, Steuern und Wartung kalkulierbar enthalten sind. Wer flexibel bleiben möchte, sollte genau rechnen und die Programme vergleichen.

Zwischenfazit

Der Volvo EX30 Twin Performance Cross Country kombiniert kompaktes Format mit ernsthaftem Vortrieb, hoher Alltagstauglichkeit und einem robusten Auftritt. Die 22 Kilowatt AC laden ihn innenstädtisch schnell, 156 Kilowatt DC versprechen kurze Stopps auf der Langstrecke. Kofferraum und Frunk sind klug nutzbar, die Variabilität passt. Die Materialanmutung ist modern und nachhaltig, die Infotainment Basis stark, die Instrumentierung ohne Fahrerdisplay bleibt Geschmackssache. Beim teilautonomen Lenken über Land wünschen wir uns mehr Souveränität. Unterm Strich ist der Cross Country die wohl spannendste EX30 Variante für alle, die täglich in der Stadt manövrieren, am Wochenende aber gern abseits perfekter Straßen unterwegs sind, denn immerhin bietet der Volvo EX30 Cross Country eine Bodenfreiheit von 19 cm. Klein außen, groß in der Summe seiner Fähigkeiten.

Volco EX30 Cross Country Verbrauchs-Test

Wir wissen bis jetzt: Volvo hat mit dem EX30 ein spannendes Elektro-SUV in die Welt gesetzt. In der Cross Country Version wird der Kleine noch etwas kerniger. Er überzeugt mit robuster Optik, Allradantrieb und einer guten Portion Extra-Power. Wir haben ihn für euch nicht nur gefahren, sondern auf Herz und Akku geprüft:

Überland, in der Stadt, auf der Autobahn, beim Schnellladen und sogar mit einem Popometer im Dauereinsatz. Power satt im Kompaktformat!

Verbrauchscheck im Alltag

Interessant wird es, wenn man die Reichweite in Zahlen gießt. Der Akku hat 69 kWh brutto, davon 65 kWh netto nutzbar. Überland waren wir mit dem Volvo bei 16,1 kWh auf 100 km unterwegs – ein richtig guter Wert. In der Stadt fiel der Verbrauch sogar auf 12,6 kWh, was hochgerechnet locker 500 Kilometer Reichweite ermöglicht.

Auf der Autobahn zeigte sich dann aber das, was bei vielen SUV mit höherer Stirnfläche passiert: der Durst steigt. Bei 100 km/h waren es noch moderate 18,7 kWh, bei 120 km/h kletterte der Wert auf 23,2. Spätestens bei 140 km/h genehmigt sich der Schwede 33,9 kWh, und wer den Mut hat, ihn bei 160 laufen zu lassen, sieht Verbrauchswerte jenseits der 39 kWh. Kurz gesagt: Innerorts ein Reichweitenkönig, bei Vollgas eher ein nordischer Wikinger mit ordentlich Appetit.

Lade-Performance: schnell, aber nicht rekordverdächtig

Am Ionity-Schnelllader wollten wir es genau wissen: Wie lange braucht der EX30 Cross Country von 10 auf 80 Prozent? Volvo gibt 26,5 Minuten an. Am Ende standen wir 29 Minuten an der Säule. Kein Beinbruch, aber eben auch kein Bestwert. Die Ladeleistung pendelte sich bei rund 155 kW ein. Damit bleibt der Volvo im soliden Mittelfeld. Für die Langstrecke reicht es, für Lade-Feinschmecker könnte es gerne noch etwas schneller sein.

Praktisch ist die Ladeplanung über Google Maps, die sogar Anbieter auswählen lässt. Wer also bevorzugt bei Allego, EnBW oder Ionity lädt, kann das voreinstellen. Ärgerlich nur: Die Sprachsteuerung wollte im Test nicht so recht. „Hey Google, fahr mich nach München“ führte eher in Sackgassen als ans Ziel. Wobei, wenn da schon morgens um 5:00 Uhr über 250 Menschen auf den Einlass zur Wiesn warten, wer will da schon nach München?

Assistenzsysteme: fast clever, manchmal eigensinnig

Volvos Pilot Assist kombiniert Spurhalteassistent, Lenkunterstützung und Abstandstempomat. Klingt nach Entlastung, funktioniert im Alltag aber nicht immer reibungslos. Vor allem der automatische Spurwechsel wirkte im Test eher launisch. Mal klappte es, mal brach das System den Vorgang ab. Andere Hersteller sind da bereits einen Schritt weiter.

Positiv ist dagegen, dass der Volvo Geschwindigkeiten anpasst, wenn er Verkehrszeichen erkennt. Das funktioniert erstaunlich zuverlässig, egal ob Landstraße oder Autobahn. Weniger überzeugend: Der Tempomat ist bei 130 km/h gedeckelt, darüber muss man selbst das Strompedal drücken.

Bringen wir es auf den Punkt

Der Volvo EX30 Cross Country ist kein perfekter Alleskönner, aber ein verdammt spannender Mix. Er vereint kräftige Performance mit solidem Komfort, glänzt in Stadt und Überland mit sehr guten Verbrauchswerten, zahlt dafür auf der Autobahn den aerodynamischen Preis. Beim Laden ist er solide, wenn auch nicht der Schnellste seiner Klasse. Mit einem Einstiegspreis von rund 57.000 Euro ist er kein Schnäppchen, doch Leasing und Abo-Angebote machen ihn für viele erreichbar. Wer ein kompaktes Elektro-SUV mit robustem Auftritt sucht, das Fahrspaß bietet und gleichzeitig alltagstauglich bleibt, der findet im EX30 Cross Country einen nordischen Charakterkopf mit Stil und gelegentlich eigenem Humor.

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