Endlich haben wir ihn für euch, den nagelneuen VW T7 e-Caravelle mit langem Radstand. Rein elektrisch, bis zu acht Sitzplätze, riesiger Laderaum und dazu diese typische VW Bus Aura. Gleichzeitig steht er zwischen allen Welten.
Was ist er denn? Ein Nutzfahrzeug mit klarer Kante, Familienkutsche mit Sofa-Feeling, Business-Shuttle für den Flughafen und Elektrovan für Urlaub und Camping. Und genau das wollen wir in diesem Test klären. Was kann die e-Caravelle wirklich, wo punktet sie, wo nervt sie und für wen passt dieses Auto am Ende?
Mischplattform mit Ford und trotzdem ganz klar Volkswagen
Ja, wir sprechen es direkt an. Der VW T7 e-Caravelle teilt sich die Basis mit dem Ford Tourneo Custom. VW und Ford kooperieren hier sehr eng. Wer genau hinschaut, erkennt die Verwandtschaft an der Silhouette und an manchen Details. Aus unserer Sicht ist das aber kein Nachteil, sondern eher gelebte Industrie-Realität. Stellantis macht das mit Toyota, dort teilen sich Opel, Peugeot und Co auch Plattformen.
Vorne steht trotzdem ganz klar ein Volkswagen. Die Front wirkt eigenständig, modern und aufgeräumt. Das Tagfahrlicht zieht sich breit über die Front, dazu kommen die optionalen IQ.Light Scheinwerfer mit Matrixfunktion. Die machen in der Nacht richtig Spaß, weil sie sehr gezielt ausblenden und ein sattes, homogenes Lichtbild liefern. Das passt zu einem Auto, mit dem du im Zweifel auch nachts noch lange Strecken fährst.
Von der Seite erkennst du dann die Ford-Linie etwas deutlicher. Das ist aber vor allem optische Feinarbeit. Unser Testwagen steht auf 17 Zoll Winterrädern mit 215er Bereifung. Kein Aero-Design, kein Effizienz-Fetisch, eher klassisches Speichendesign. Ob das beim Verbrauch hilft oder schadet, klären wir im zweiten Teil mit Verbrauchsfahrt und Ladecheck.
Hinten gibt es ein klar gezeichnetes LED Rückleuchtendesign, funktional, modern, ohne Showeffekte. Dazu eine große Heckklappe, Privacy Verglasung und das grundsolide Nutzfahrzeug-Gesicht. Optischer Fehlgriff aus meiner Sicht sind die beiden Antennen Gnubbel auf dem Dach. Keine klassische Haifischflosse, sondern zwei kleine Auswüchse. In Wagenfarbe lackiert wären sie dezenter. Im Alltag fällt es aber nur auf, wenn du explizit hinschaust.
VW T7 e-Caravelle Test Fotos


















Abmessungen, Radstand und Wendekreis
Die e-Caravelle gibt es mit zwei Radständen. Die kürzere Variante liegt bei gut fünf Metern Fahrzeuglänge, unser Testwagen mit langem Radstand streckt sich auf rund 5,45 Meter. Breite etwas über zwei Meter, mit Außenspiegeln kommst du auf etwa 2,27 Meter. Baustellen-Schilder mit 2,10 Meter Durchfahrtsbreite sind damit tabu. Die Höhe von 1,97 Meter ist dagegen ein echter Pluspunkt. Viele Parkhäuser sind auf 2,00 Meter limitiert. Hier passt der T7 e-Caravelle noch hinein.
Der Radstand liegt je nach Version bei rund 3,10 Meter oder beim langen Radstand bei etwa 3,50 Meter. Das hilft beim Komfort, verlangt aber natürlich seinen Tribut beim Wendekreis. 13 Meter sind es offiziell. Das ist viel, aber für so einen Bus absolut im Rahmen. Im Alltag kannst du ihn trotzdem in der Stadt bewegen, du musst dir nur bei engen Parklücken ein wenig mehr Gedanken machen.
Die Bodenfreiheit liegt bei gut 20 Zentimetern. Damit bist du für Baustellen, Feldwege und Campingplätze ordentlich gerüstet, ohne dass das Auto wie ein Offroader wirkt.
Antrieb, Leistung und Antriebsvarianten
Beim Antrieb fährt VW dreigleisig, immer elektrisch, aber mit drei Leistungsstufen. Es gibt eine Basis mit 100 kW und 136 PS, darüber liegt eine Variante mit 160 kW und 218 PS und unser Testwagen fährt mit dem Topantrieb mit 210 kW und 286 PS. In allen Fällen arbeitet ein Elektromotor an der Hinterachse. Bei den beiden stärkeren Versionen kannst du optional 4Motion bekommen, dann unterstützt ein weiterer Motor die Vorderachse.
Damit wirkt der T7 e-Caravelle in der Praxis überhaupt nicht wie ein träger Bus. Die Werksangabe für den Sprint von 0 auf 100 km/h liegt bei 7,4 Sekunden für den Topantrieb. In unserem Test, mit Winterreifen, vier Grad Außentemperatur und nicht perfekten Bedingungen, haben wir per GPS 8,83 Sekunden gemessen. Immer noch beeindruckend für ein Nutzfahrzeug mit dieser Größe und diesem Gewicht.
Wichtiger als die nackte Beschleunigung ist aber, wie sich das im Alltag anfühlt. Aus Ortsausfahrten heraus, beim Überholen, beim Einfädeln auf die Autobahn, wirkt der Antrieb spontan und souverän. Diese typische Verzögerung eines Diesels mit Automatik entfällt komplett. Du tippst das Fahrpedal an und der Bus kommt in Bewegung. Gerade beladen oder mit Anhänger ist das ein echtes Komfortplus.
VW T7 e-Caravelle Testvideo
Akku, Verbrauch und Ladeleistung
Kommen wir zu dem Punkt, an dem es spannend und auch etwas kritisch wird. Im Unterboden sitzt ein 400 Volt Akkupaket mit rund 70 kWh nutzbarer Energie. Der kombinierte WLTP Verbrauch liegt bei 24,4 kWh pro 100 Kilometer. Auf dem Papier ergibt das eine Reichweite im Bereich um 280 bis 300 Kilometer.
In unserem Fahrbericht hatten wir am Ende der Runde 29 kWh pro 100 Kilometer auf dem Display stehen. Das war allerdings eine sehr dynamische Testfahrt mit 0 auf 100 Messung, mehreren Beschleunigungsphasen und vielen Landstraßenabschnitten. Für eine saubere Bewertung machen wir wie immer ein eigenes Video mit Verbrauchsfahrt bei 100, 120, 140 und 160 km/h und separatem Ladecheck.
Geladen wird AC mit bis zu 11 kW dreiphasig. DC sind maximal 125 kW möglich. VW gibt eine Ladezeit von 10 auf 80 Prozent in 29 Minuten an. Es gibt Berichte, in denen das nicht immer erreicht wird. Genau deshalb machen wir den Praxistest, um herauszufinden, wie sich das in der Realität verhält.
Mein Bauchgefühl nach dem Fahrbericht: Für den Nahbereich, Shuttle-Dienste, Tagesetappen mit Nachladen und Gewerbeeinsatz ist der 70 kWh Akku passend. Für Autobahnurlaub mit vollbesetzter 8 Sitz Konfiguration, Dachbox oder Dachzelt und Anhänger wünsche ich mir eine zusätzliche größere Batterievariante im Bereich 100 kWh und mehr. In dieser Aufbauform kannst du schlicht nicht zu viel Akku haben.
Laderaum, Zuladung, Dachlast und Anhängelast
Beim Platzangebot zeigt die e-Caravelle, warum dieser Fahrzeugtyp so beliebt ist. Beim kurzen Radstand stehen rund 1.858 Liter Kofferraum zur Verfügung, bei unserem langen Radstand sind es 2.411 Liter, gemessen bis zur Rücksitzlehne. Wer die Sitze ausbaut, landet beim kurzen Radstand bei knapp 4.700 Litern, beim langen Radstand bei etwa 5.490 Litern. Das ist eine echte Ladehöhle.
Unser Testwagen bringt leer etwa 2.566 Kilogramm auf die Waage, das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 3.350 Kilogramm. Daraus ergibt sich eine Zuladung von 784 Kilogramm. Das ist für einen Elektrobus dieser Größe absolut in Ordnung. Acht Personen mit Gepäck plus ein wenig Material bekommst du vernünftig unter.
Richtig spannend wird es bei der Anhängelast. Gebremst sind bei 12 Prozent Steigung bis zu 2.000 Kilogramm erlaubt. Ungebremst sind 750 Kilogramm drin. Das zulässige Zuggesamtgewicht liegt bei rund 5.350 Kilogramm. Das ist ein Wert, den viele elektrische Vans derzeit nicht erreichen. Der Opel Zafira-e Life liegt deutlich darunter, Mercedes EQV und viele andere haben teilweise gar keine nennenswerte Anhängelast. Hier setzt VW ein echtes Ausrufezeichen.
Die Stützlast fällt mit 80 Kilogramm dagegen etwas mager aus. In einem Segment, in dem viele inzwischen bei 100 bis 150 Kilogramm liegen, wirkt das etwas aus der Zeit gefallen. Gerade wenn du bei acht Sitzen möglicherweise sechs oder sieben Fahrräder transportieren willst, wird es mit 80 Kilogramm Stützlast schnell eng. Dachlast sind bis zu 170 Kilogramm möglich, damit wird ein Dachzelt im Sommer realistisch. Für Campingfreunde ist das eine gute Nachricht.
Kofferraum in der Praxis
Die Heckklappe öffnet bei unserem Testwagen manuell. Elektrisch wäre komfortabler, aber auch die Handlösung hat Vorteile, vor allem bei Tempo und Robustheit. Die Klappe geht hoch genug, dass du mit 1,85 Meter Körpergröße entspannt darunter stehen kannst. An verregneten Tagen wird die Klappe zur Art mobilem Carport.
Im Laderaum findest du eine robuste Kunststoffverkleidung, Verzurrösen, eine sehr niedrige Ladekante und eine enorme Tiefe. Der Boden ist eben, die Sitzlehnen lassen sich umklappen, sodass schon mit eingebauten Sitzen eine lange, gut nutzbare Ladefläche entsteht. Für den Baumarkt, große Fernseher oder Tour Equipment ist das perfekt. Für den maximalen Innenraum musst du die Sitze ausbauen, was etwas Aufwand bedeutet.
Unter der Haube: keine Frunk Überraschung
Unter der Frontklappe gibt es das übliche Nutzfahrzeugbild. Ladetechnik, Klimaanlage, Leitungen, Behälter für Wischwasser, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit. Ein klassisches Serviceabteil. Ein Frunk wäre hier praktisch gewesen, besonders weil der Ladeanschluss vorne rechts sitzt. Kabel rausnehmen, kurz verstauen, fertig. VW hat sich dagegen entschieden, vermutlich aus Kostengründen und wegen der Plattform. Schade, aber kein K.O. Kriterium.
Immerhin klingt die Haube beim Zuschlagen satt. Das ist so ein kleiner, emotionaler Qualitäts-Indikator, der bei einem Nutzfahrzeug nicht ganz unwichtig ist.
Innenraum: Nutzfahrzeug mit Wohlfühlfaktor
Im Innenraum wirst du sofort daran erinnert, dass wir uns im Nutzfahrzeugbereich bewegen. Es dominiert harter, aber ordentlich gemaserter Kunststoff. Die Türtafeln sind robust, strukturiert und gleichzeitig clever genutzt. Oben gibt es etwas wie eine kleine Pommestheke, darunter Ablagen mit Gummierung, damit nichts klappert, große Fächer für Flaschen und Kleinkram. Genau das, was jemand braucht, der den Bus wirklich nutzt.
Die Verarbeitung wirkt solide, die Oberflächen sind optisch aufgewertet. Dazu kommt das Harman Kardon Soundsystem, das sich hinter gittern unauffällig versteckt. Klanglich spielt es sauber in den Höhen und Mitten, beim Bass merkt man das riesige Raumvolumen, da fehlt ein wenig Druck. Wer mehr will, wird vermutlich ergänzt. Für den Alltagsbetrieb reicht die Abstimmung aber völlig, zumal der Klang klar und verzerrungsfrei bleibt.
Cockpit, Infotainment und Bedienung
Im Cockpit blickst du auf ein gut ablesbares, digitales Fahrerdisplay direkt hinter dem Lenkrad. Klare Grafik, sinnvolle Aufteilung der Infos. Links sitzen Blinkerhebel und Wischersteuerung, rechts der Fahrstufenwähler. Die Lichtsteuerung wandert an die Seite, klassisch erreichbar.
Sehr erfreulich: Das Lenkrad kommt mit echten, haptischen Tasten. Kein kapazitives Experiment, sondern klassische Druckknöpfe für Lautstärke, Trackwechsel und die Bedienung der Assistenzsysteme. Wer schon einmal mit rutschigen Fingerkuppen auf Touchflächen herumgestrichen hat, weiß, warum das eine gute Entscheidung ist.
In der Mitte thront ein großes Touchdisplay im querformatigen Tablet Stil. Die VW typische Kachelstruktur, klares Menü, flott reagierende Oberfläche. Das System wirkt noch eher nach der ersten Digital-Generation, während die neuesten PKW Modelle schon bunter und verspielter auftreten. Funktional gibt es aber kaum Anlass zur Kritik. Die Navigation inklusive Ladeplanung funktioniert, du kannst wählen, ob du aktiv gefragt werden möchtest oder ob das System automatisch Ladesäulen einplant.
Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, sowohl kabellos als auch per Kabel. Die Integration ist gelungen, der Bildschirm ist breit genug, um gleichzeitig Navigationsansicht und Audioinfos darzustellen.
Unten drunter sitzt eine separate Klimabedieneinheit, die du direkt über Tasten anwählst. Kein Wischbalken im Dunkeln, sondern klar strukturierte Bedienung, dazu Sitzheizung und Lenkradheizung für Fahrer und Beifahrer. Ein klassischer Lautstärkedrehregler rundet das Paket ab und zeigt, dass VW sehr wohl noch weiß, wie man Ergonomie baut.
Zwischen Fahrer und Beifahrer gibt es ein großes Ablagefach mit Rollo, Becherhalter, weitere Steckdosen und sowohl USB C als auch USB A. Dazu kommt eine 12 Volt Steckdose und ganz wichtig für Gewerbe, Camper und Festivalfans, eine 230 Volt Steckdose mit bis zu 2.300 Watt unterhalb des Fahrersitzes. Aus dem 70 kWh Akku kannst du damit nicht nur eine Kühlbox betreiben, sondern bei Bedarf auch mal Werkzeug, Kaffeemaschine oder Heißluftfritteuse.
Ein Head-up Display fehlt. Gerade in einem Auto, das durchaus Langstreckeneinsatz sieht, hätte ich mir diese Option gewünscht.
Sitzkomfort vorne: der Chefplatz
Auf den Vordersitzen wird schnell klar, dass VW verstanden hat, wofür so ein Auto gedacht ist. Die Sitze sind weich gepolstert, ohne schwammig zu sein, bieten ordentlichen Seitenhalt und eine vernünftige Oberschenkelauflage. Dazu kommen auf beiden Seiten Armlehnen, sodass du dir deinen persönlichen Kapitänssessel bauen kannst. Gemeinsam mit dem hohen Sitz und der guten Übersicht fühlt sich das eher nach großem SUV als nach klassischem Transporter an.
Die Sitzverstellung läuft beim Testwagen manuell, dafür aber mit vielen Einstellmöglichkeiten. Auch Größere mit 1,90 Meter finden eine entspannte Position. Der Fußraum ist groß, der Boden eben, du kannst die Beine ausstrecken und lange Strecken entspannt sitzen.
Geräuschseitig liefert der T7 e-Caravelle ein sehr gutes Resultat. Wir haben bei 50 km/h im Innenraum 62 bis 63 dB gemessen, bei 70 km/h rund 70 bis 71 dB und bei 100 km/h etwa 71 bis 72 dB. Das ist für ein Nutzfahrzeug mit Einfachverglasung ein hervorragender Wert und teilweise leiser als mancher kompakte Elektro PKW. Die Dämmung passt, Abrollgeräusche und Windgeräusche sind präsent, aber nie nervig.
Zweite und dritte Reihe: echtes Reiseauto
Über die seitlichen Schiebetüren geht es in den Fond. Unser Testwagen hat manuelle Türen, elektrisch wäre optional wünschbar, aber auch hier gilt, weniger Technik kann im harten Alltagseinsatz ein Vorteil sein. Der Einstieg funktioniert über einen Easy Entry Mechanismus. Auch mit knapp 100 Kilogramm und 1,85 Meter Körpergröße kommst du ordentlich durch.
In der zweiten Reihe findest du eine dreisitzige Bank, in der dritten Reihe noch einmal drei Plätze. Breite und Kopffreiheit sind üppig. Drei Erwachsene nebeneinander sind absolut denkbar, nicht nur für Kurzstrecke. Ein kleiner Kritikpunkt ist das fehlende Schienensystem im Testwagen. Aus Multivan und aus anderen Vans kennt man verstellbare Sitze, die sich je nach Gepäckmenge und Beinfreiheit verschieben lassen. Hier wären verschiebbare Module ein echtes Komfortplus. Möglicherweise bietet VW das optional an, unser Testwagen hatte diese Lösung nicht an Bord.
Sehr positiv ist die Anzahl der Isofix Plätze. In der zweiten und dritten Reihe gibt es jeweils zweimal Isofix, insgesamt also vier Kindersitze, die sich sauber befestigen lassen. Für große Familien ist das ein relevantes Argument.
Auch hier hinten stimmt die Klima- und Komfortausstattung. Es gibt eine eigene Klimaeinheit für Fond und Heckbereich, mit mehreren Lüftungsdüsen im Dach und im Fußraum, dazu eine separate Bedienung mit gut fühlbaren Rastpunkten. Mehrere USB C Anschlüsse versorgen Smartphones und Tablets, die Sitze bieten ausreichend Beinauflage und die Kopfstützen lassen sich versenken, wenn sie nicht gebraucht werden. Zusätzlich gibt es Rollos für die Seitenfenster, wenn die Mitreisenden mehr Privatsphäre oder Schatten möchten.
Ein digitaler Innenspiegel ersetzt auf Wunsch den klassischen Blick durch die Heckscheibe. Die Kamera sitzt hinten, das Bild ist klar und der Spiegel kippt beim Einlegen des Rückwärtsganges leicht nach unten, was beim Rangieren hilft. Wer lieber analog unterwegs ist, kann auf den normalen Spiegelblick umstellen.
Fahrwerk, Fahrgefühl und Dynamik
Fahrdynamik in einem knapp 5,45 Meter langen Elektrobus ist immer eine Gratwanderung zwischen Komfort und Kontrolle. VW hat sich beim T7 e-Caravelle für ein straff komfortables Setup entschieden. Auf Kopfsteinpflaster bleibt das Auto gut kontrolliert, Stöße werden gefiltert, ohne sich schwammig anzufühlen. Wankbewegungen in Kurven sind naturgemäß vorhanden, aber deutlich geringer als bei älteren Transportern.
Auf unserer kurvigen Teststrecke mit 70 Kilometer pro Stunde fühlte sich der T7 eher wie ein großer Van im PKW Modus an als wie ein klassischer Kastenwagen. Er schiebt nicht auffällig über die Vorderachse, lenkt für seine Größe ordentlich ein und vermittelt Vertrauen. Die berüchtigte Todeskurve mit fast 90 Grad Biegung bei 50 km/h hat er ohne Drama gemeistert.
Auf der Landstraße mit 100 km/h und Bodenwellen bleibt er stabil, nur bei sehr schnellen Richtungswechseln merkst du die Länge und den Radstand. Im Alltag werden die meisten Fahrer deutlich unter dem fahren, was das Fahrwerk kann.
Über den Drive Mode Schalter kannst du zwischen Normal, Eco, Sport, einem Programm für rutschige Bedingungen sowie einem Anhänger Modus wählen. Zusätzlich gibt es einen One Pedal Mode, der die Rekuperation deutlich verstärkt und echte Einpedal Fahrten ermöglicht. Das ist für ein Nutzfahrzeug eher ungewöhnlich und für den Stadtverkehr extrem angenehm, gerade wenn du viel an Ampeln unterwegs bist.
Im Vergleich zu einem Mercedes EQV mit Luftfahrwerk wirkt der T7 e-Caravelle eine Spur weniger souverän, dafür aber ehrlicher und näher an typischen VW Nutzfahrzeug Kunden.
Assistenzsysteme und Kameras
Bei den Assistenzsystemen bedient sich VW sichtbar aus dem PKW Regal. Es gibt einen adaptiven Abstandsregeltempomaten, Spurhalteassistent und Lenkassistent. In der Praxis hält der T7 e-Caravelle die Spur, erreicht aber nicht ganz das Niveau der neuesten ID PKW Modelle, was die Zentrierung auf der Fahrbahn angeht.
Die Verkehrszeichenerkennung arbeitet zuverlässig. Besonders praktisch ist die prädiktive Geschwindigkeitsregelung. Vor einer Temporeduzierung erkennt er das Schild, rekuperiert und passt die Geschwindigkeit an. Am Ortsbeginn reduziert er auf 50 km/h, am Ortsschild beschleunigt er wieder. Genau so muss ein moderner Assistent arbeiten, wenn du entspannt und gleichzeitig knöllchenarm unterwegs sein willst.
Was fehlt, ist die kapazitive Erkennung am Lenkrad. Statt einfach nur die Hände abzulegen, musst du gelegentlich leicht am Lenkrad drehen, damit das System erkennt, dass du noch da bist.
Das 360 Grad Kamerasystem ist in der Praxis ein Highlight. Beim Rangieren bekommst du verschiedene Ansichten, von der klassischen Rückfahrkamera mit dynamischen Linien über seitliche Kameras in den Außenspiegeln bis hin zur Gesamt Vogelperspektive. Dazu kommt eine Querverkehrswarnung, die beim Rückwärts ausparken auf Fahrzeuge hinweist, die sich von der Seite nähern.
Eine Frontkamera im engeren Sinne hat der Testwagen nicht. Beim Herausrollen aus sehr engen Einfahrten wäre eine solche Perspektive noch einmal hilfreich. Dennoch ist das Gesamtpaket an Kameras und Sensorik für ein Fahrzeug dieser Größe sehr gut.
Die Sprachbedienung hat im Test ebenfalls überzeugt. Ein Befehl wie „Navigiere uns nach München zum Viktualienmarkt 1“ wird sauber umgesetzt, die Route berechnet, inklusive Ladestopps. Wer lieber Google Maps oder Apple Karten nutzt, macht das über CarPlay oder Android Auto.
Zwischenfazit: Viel richtig gemacht, eine große Baustelle
Nach dem ersten intensiven Testtag im VW T7 e-Caravelle mit langem Radstand bleibt ein sehr positives Bild mit einem klaren Fragezeichen.
Positiv ist das Platzangebot, die Variabilität und die für ein Nutzfahrzeug wirklich hohe Innenraumqualität. Das Fahrwerk ist straff komfortabel, das Fahrgefühl deutlich näher am PKW als beim klassischen Transporter. Die Geräuschdämmung ist sehr gut gelungen, die Assistenzsysteme sind auf der Höhe der Zeit und das Kamera Setup nimmt in engen Situationen den Stress.
Die Antriebsleistung, vor allem in der 210 kW Variante, passt hervorragend zu diesem Auto. Voll beladen oder mit Anhänger musst du nicht das Gefühl haben, im Weg zu stehen. Dazu kommen starke Nutzfahrzeugwerte mit bis zu 2 Tonnen Anhängelast und 170 Kilogramm Dachlast. Die 230 Volt Steckdose mit 2.300 Watt an Bord macht die e-Caravelle zusätzlich interessant für Handwerk, Dienstleister und Camper.
Die Kritikpunkte sind klar benennbar. Ein verschiebbares Schienensystem für die Sitze wäre in vielen Szenarien praktischer als starre Bänke. Ein Head-up Display würde das Langstreckenprofil abrunden.
Das größte Thema ist aber der Akku. 70 kWh netto sind für regionale Einsätze, Shuttleverkehr und Kurz- bis Mittelstrecken vollkommen in Ordnung. Für Familien mit Urlaubsambitionen, für Gespannfahrer und für alle, die viele Autobahnkilometer am Stück fahren, wäre eine zusätzliche größere Batterieoption wünschenswert. In dieser Fahrzeugklasse entscheidet die Reichweite massiv über die Akzeptanz.
Unser Fazit zum ersten Teil lautet deshalb: Der VW T7 e-Caravelle ist technisch und konzeptionell ein sehr gelungenes Elektro Nutzfahrzeug mit PKW Komfort, das an einer einzigen großen Stellschraube hängt, der Akkugröße. Wer damit leben kann und sein Nutzungsprofil kennt, bekommt einen extrem vielseitigen, angenehm zu fahrenden und sehr gut ausgestatteten Elektrobus. Wie effizient er in der Praxis wirklich ist und wie gut er lädt, klären wir dann im nächsten Schritt mit Verbrauchsfahrt und Ladecheck.





















