Heat Belt 2.0? Moment mal… warum braucht man einen beheizbaren Sicherheitsgurt? Wer im Winter ins Auto steigt, kennt die unangenehme Kälte, bis der Innenraum endlich warm wird. Gerade bei Elektroautos dauert die Aufwärmphase oft länger, weil die Heizenergie direkt aus der Batterie kommt. ZF LIFETEC hat 2023 erstmals einen beheizbaren Sicherheitsgurt vorgestellt. Nun folgt die nächste Generation, der Heat Belt 2.0, die auf der IAA Mobility 2025 in München Premiere feiert.
Wie funktioniert die neue Gurt-Heizung?
Der Gurt ist nur 1,3 Millimeter dick und enthält vier feine Heizdrähte, die Becken und Brustbereich des Insassen abdecken. Bereits nach einer Minute stellt sich ein Wärmegefühl ein. Von -5 Grad auf 40 Grad schafft der Gurt es in weniger als zwei Minuten. Die maximale Heizleistung liegt bei 60 Watt, im Schnitt bei etwa 20 Watt. Damit ist die Wärme sehr schnell spürbar, ohne dass Lüftergeräusche oder Zugluft stören.
Welche Technik steckt hinter der Steuerung?
Im Zentrum steht ein eigens entwickelter Algorithmus, der auf einem thermischen Modell basiert. Er berücksichtigt Körperkerntemperatur, Hauttemperatur, Innen- und Außentemperatur sowie Sonneneinstrahlung. Auch die Daten der automatischen Klimaanlage fließen ein. Anders als bei der Vorgängerversion ist kein Sensor mehr im Gurtband verbaut. Die Heizleistung wird automatisch geregelt, manuelles Nachstellen entfällt.
Wie wirkt sich das auf die Reichweite von E-Autos aus?
Indem Wärme direkt am Körper erzeugt wird, kann die allgemeine Innenraumtemperatur um etwa drei Grad abgesenkt werden, ohne dass der Komfort leidet. Das reduziert die Heizlast der Klimaanlage. Besonders auf Kurzstrecken ist der Effekt deutlich: Statt die gesamte Kabine in 10 bis 20 Minuten auf Temperatur zu bringen, sorgt der Gurt sofort für Behaglichkeit. Die Klimaanlage muss bis zu 1000 Watt weniger leisten. Im Zusammenspiel mit Sitz- und Lenkradheizung sind Einsparungen von bis zu 6 Prozent Reichweite möglich. Auch kleinere HVAC-Systeme werden damit denkbar. Selbst bei langen Fahrten sinkt der Energiebedarf um etwa 200 Watt, weil nur noch der Wärmeverlust ausgeglichen werden muss.
Trägt der Heat Belt auch zur Sicherheit bei?
Ja, denn angenehme Wärme motiviert dazu, den Gurt korrekt zu tragen und auf dicke Winterjacken zu verzichten. Dünnere Kleidung verbessert die Wirkung des Gurts im Falle eines Unfalls. Zudem kann der Heat Belt optional mit einem Näherungssensor gekoppelt werden: Kommt der Fahrer ans Auto, startet die Vorheizfunktion automatisch.
Für welche Fahrzeuge ist das System gedacht?
ZF hat den Heat Belt 2.0 so ausgelegt, dass er sich in viele Fahrzeugklassen integrieren lässt, vom Kleinwagen bis zum Oberklassemodell. Hersteller können die Technik flexibel in ihre Architekturen einbinden. Damit wird aus einem einfachen Sicherheitsgurt ein Baustein für Komfort, Effizienz und Sicherheit zugleich.





















