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2026 Ferrari 849 Testarossa Test: SF90 im neuen Gewand?

2026 Ferrari 849 Testarossa Test: SF90 im neuen Gewand?

Der 1.050 PS starke Ferrari 849 Testarossa rollt kaum hörbar an. Kein V8-Grollen, kein Turbopfeifen, nur ein leises elektrisches Surren, als der italienische Supersportwagen aus der Parklücke auf dem Berliner Kurfürstendamm gleitet. Der Grund: Wir haben den eDrive-Modus gewählt, in dem wir am unteren Lenkrad das blaue „e“ gedrückt haben. So ist der aktuelle Testarossa ein fast geräuschloser Begleiter. Zwischen Charlottenburg und Grunewald reiht er sich unauffällig zwischen Bentley Bentayga und Elektro-Kleinwagen ein, ohne aufzufallen, ohne zu stören. Wobei die Sonderaußenfarbe, Giallo Triplo Strato, schon äußerst auffällig ist.

Fahrbericht von Wolfgang Wieland

Die Ampel wird grün, und der leuchtend gelbe Ferrari beschleunigt mit jenem unmittelbaren, linearen Vorschub, den nur Elektromotoren bieten. Kein Ruckeln, kein Zögern, nur sanfter Druck im Rücken. Das Volant liegt gut in der Hand, die Lenkung ist präzise, aber nicht überempfindlich. Auf dem in den kleinen Seitenstraßen zwischen Dahlem und Grunewald üblichen Kopfsteinpflaster  zeigt sich die Federung überraschend gelassen. Das Coupé schluckt Unebenheiten mit einer Ruhe, die man von einem Auto mit dieser unglaublichen Systemleistung nicht erwarten würde.

Der Plug-in-Hybrid-Antrieb des 849 basiert auf der bekannten Technik des Vorgängers SF90 Stradale: Ein 4,0-Liter-V8 mit zwei Turboladern, dazu drei Elektromotoren, zwei an der Vorderachse, einer zwischen Motor und Getriebe. Zusammen ergeben sie oben erwähnten 1.050 PS, wobei die Elektromotoren allein 220 PS beisteuern. Die 7,45 kWh große Batterie ermöglicht eine elektrische Reichweite von bis zu 25 Kilometern. Für unsere übliche Stadtrunde durch Berlin reicht das locker.

Ferrari 849 Testarossa technische Daten

Technische DatenFerrari 849 Testarossa
AntriebPlug-in-Hybrid
VerbrennungsmotorV8-Biturbo
Hubraum3.990 cm³
Leistung Verbrennungsmotorca. 610 kW / 830 PS
Max. Drehmoment V8842 Nm bei 6.500 U/min
Nenndrehzahl maximale Leistung7.500 U/min
Maximale Drehzahl8.300 U/min
Elektromotoren3
Elektromotoren Vorderachse2, einzeln auf die Vorderräder wirkend
Elektromotor Hinterachse1 MGU/Motorgenerator
Leistung Elektromotorenbis zu 220 PS
Systemleistung1.050 PS
AntriebskonzeptElektrifizierter Allradantrieb
Drehmomentverteilung vorneAktives Torque Vectoring
Getriebe8-Gang-F1-Doppelkupplungsgetriebe
BatterieLithium-Ionen
Batteriekapazität7,45 kWh
Elektrische Leistung im E-Drivebis zu 163 PS
Elektrische Reichweitebis zu 25 km
AC-Ladeleistung11 kW, dreiphasig
LadeanschlussTyp 2
Ladezeit 0–100 %ca. 54 Minuten
Fahrprogramme E-ManettinoE-Drive, Hybrid, Performance, Qualify
0–100 km/h2,3 s
0–200 km/h6,35 s
Höchstgeschwindigkeitüber 330 km/h
Bremsweg 100–0 km/h28,5 m
Bremsweg 200–0 km/h108 m
Fiorano-Rundenzeit1:17,5 min
Länge4,72 m
Breite2,00 m
Höhe1,23 m
Radstand2,65 m
Spurweite vorne1.678 mm
Spurweite hinten1.673 mm
Trockengewicht1.570 kg
Gewichtsverteilung45 % vorne / 55 % hinten
Leistungsgewicht1,5 kg/PS
Spezifische Leistung208 PS/l
Reifen vorne265/35 R20
Reifen hinten325/30 R20
Bremsscheiben vorne410 mm
Bremsscheiben hinten372 mm
BremssystemBrake-by-Wire, ABS Evo
Aerodynamischer Abtrieb415 kg bei 250 km/h
Abtrieb aktiver Heckflügelbis zu 100 kg bei 250 km/h
Tankvolumen68 Liter
Kofferraumvolumen74 Liter
WLTP-Verbrauch9,3 l/100 km + 9,9 kWh/100 km
Verbrauch bei entladener Batterie11,8 l/100 km
Basispreisab ca. 450.000 Euro

Wir genießen die Ruhe. Kein Verbrenner brummt im Hintergrund, keine Abgase, nur das leise Pfeifen der Reifen auf Asphalt. An der nächsten Kreuzung halten wir an, warten auf Grün. Ein Passant mit Kind an der Hand bleibt stehen, schaut neugierig, aber der Ferrari bleibt akustisch unauffällig. Er könnte auch einer der in Berlin besonders unbeliebten Tesla sein, oder irgendein anderes Elektroauto. Das Besondere am Testarossa ist, dass man ihn nicht als Supersportwagen erkennt, wenn man ihn nicht sieht.

Ferrari 849 Testarossa Fotos

Die verschiedenen Fahrmodi, über das eManettino am Lenkrad, links neben dem normalen Manettino einzustellen, haben eine äußerst unterschiedliche Auslegung, neben eDrive gibt es Hybrid, Performance und Qualify. Im Alltag reicht der eDrive-Modus für kurze Strecken völlig aus. Wer mehr will, schaltet den Verbrenner hinzu, dann wird der Ferrari zum gewohnten Racer mit Straßenzulassung. Doch das Besondere ist: Man muss es nicht. Der Hybrid-Ferrari ist ein Auto mit zwei Gesichtern. Auf der Rennstrecke, Autobahn, oder Landstraße ist er ein brachiales Instrument der Geschwindigkeit. In der Stadt, insbesondere hier in Berlin, zeigt er eine andere Facette, ist stets zurückhaltend, effizient, fast sogar bescheiden.

Wir biegen auf die Clayallee ein, der Asphalt ist glatt, der Verkehr dünn. Wir treten das Gaspedal ein wenig tiefer, und der 849 Testarossa schiebt sanft voran. Die Beschleunigung ist präsent, aber nicht aufdringlich. Das Auto bleibt ruhig, ausgeglichen, fast gelangweilt. Es ist, als wüsste der Ferrari, dass er seine wahre Stärke nicht zeigen muss.

Ferrari 849 Testarossa Video

Der 849 beweist, dass ein Supersportwagen nicht immer laut sein muss, und dass elektrische Mobilität auch im High-Performance-Segment funktionieren kann, ohne Kompromisse bei der Fahrfreude. Wer den 849 Testarossa im eDrive-Modus durch Berlin steuert, erlebt Ferrari neu: Nicht als lauten Protz, sondern als leisen Begleiter, der zeigt, dass Luxus auch unsichtbar sein kann.

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