Der MG4 EV hat sich auf dem deutschen Markt längst vom Geheimtipp zum ernstzunehmenden Player entwickelt. Kaum ein anderes Elektroauto in der Kompaktklasse hat in den vergangenen Monaten so konsequent gezeigt, dass elektrische Mobilität nicht automatisch teuer, langweilig oder überkompliziert sein muss. MG hat mit dem MG4 EV früh einen Nerv getroffen. Heckantrieb, eigenständiges Design, ordentliche Ausstattung und dazu immer wieder aggressive Leasing und Finanzierungsangebote. Genau diese Mischung hat dem Modell eine Sonderstellung verschafft.
Nun folgt die Modellpflege und die ist an einigen Stellen subtiler, als man zunächst vermuten könnte. Wer erwartet, dass MG die Karosserie komplett umgekrempelt hat, wird den neuen MG4 auf den ersten Blick fast schon als alten Bekannten empfinden. Wer aber genauer hinschaut, entdeckt ein Fahrzeug, das im Detail weiterentwickelt wurde und vor allem im Innenraum einen spürbaren Schritt nach vorne macht. Die spannendere Frage ist deshalb nicht, ob der neue MG4 komplett anders aussieht, sondern ob er im Alltag das bessere Elektroauto geworden ist. Genau darum geht es in diesem ausführlichen Testbericht.
Was hat sich außen verändert?
Der erste Eindruck bleibt vertraut. Der MG4 EV wirkt auch nach der Modellpflege weiterhin wie ein kompaktes Elektroauto mit eigenem Charakter. Die Formensprache ist modern, ohne überladen zu wirken, und gerade das macht den Wagen nach wie vor interessant. Viele Elektroautos wollen mit aller Macht futuristisch aussehen. Der MG4 versucht das gar nicht erst. Er bleibt klar gezeichnet, sportlich proportioniert und angenehm zeitlos.
Besonders gut steht ihm dabei die hier gezeigte Farbe Dynamic Red. Dieses dunkle Metallicrot bringt die Linien der Front sehr schön zur Geltung und sorgt dafür, dass der Wagen trotz seiner kompakten Abmessungen präsent wirkt. Die Frontpartie profitiert außerdem von aktiven Lüftungsdüsen im unteren Bereich. Sie sollen die Aerodynamik verbessern und öffnen sich nur dann, wenn Luft für das Thermomanagement benötigt wird. Das ist kein spektakuläres Showelement, sondern eine technisch sinnvolle Detailmaßnahme, die zeigt, dass MG durchaus an den richtigen Stellen nachschärft.
An den grundsätzlichen Proportionen ändert sich nichts. Der MG4 bleibt 4,28 Meter lang, 1,83 Meter breit und 1,51 Meter hoch. Der Radstand beträgt 2,70 Meter und ist damit nach wie vor ein zentraler Grund dafür, warum das Fahrzeug innen größer wirkt, als es von außen erscheint. Gerade im Kompaktsegment ist das eine Stärke, die im Alltag oft mehr zählt als große Designgesten.
Auch das Heck bleibt im Wesentlichen unangetastet. Das ist einerseits nachvollziehbar, weil die Heckpartie schon bisher gefällig und eigenständig wirkte. Andererseits wäre hier vielleicht noch etwas mehr Mut drin gewesen. Der Heckwischer hätte eleganter in den Dachkantenspoiler integriert werden können. Solche Lösungen kennt man aus anderen Fahrzeugen, und sie hätten die Linienführung noch sauberer wirken lassen. Es ist kein Drama, aber genau solche Details fallen bei einer Modellpflege eben stärker auf, weil man automatisch nach den Feinarbeiten sucht.
Welche Antriebe bietet der neue MG4 EV?
MG bleibt seiner bekannten Strategie treu und bietet den MG4 auch weiterhin in mehreren technischen Ausprägungen an. Das ist ein Vorteil, weil Käufer so nicht nur zwischen verschiedenen Ausstattungen, sondern zwischen klar unterschiedlichen Charakteren wählen können.
Den Einstieg bildet die heckgetriebene Version mit 64 kWh Bruttokapazität und 140 kW, also 190 PS. Darüber rangiert die Long Range Variante mit 77 kWh Bruttokapazität und 180 kW beziehungsweise 245 PS, ebenfalls mit Heckantrieb. Beide Varianten liefern 350 Nm Drehmoment. In der hier besprochenen größeren Akkuversion liegt das Leergewicht bei 1.755 Kilogramm.
Wer es deutlich extremer mag, kann weiterhin zum XPower greifen. Der bleibt mit 435 PS die kompromisslose Performanceversion im Programm und beschleunigt laut Werksangabe in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist für ein Fahrzeug dieser Klasse nach wie vor eine Ansage und macht klar, wie breit MG das Modell positioniert.
Gerade diese Vielfalt ist ein echter Pluspunkt. Der MG4 ist nicht nur ein Vernunftstromer für Kostenbewusste, sondern je nach Konfiguration entweder ein effizienter Alltagsbegleiter, ein langstreckentauglicherer Kompakter oder eben ein elektrischer Heißsporn. Das schaffen in dieser Klasse nicht viele.
Wo liegt die größte Schwäche des überarbeiteten MG4 EV?
So gelungen vieles am Fahrzeug ist, an einem Punkt muss sich MG klare Kritik gefallen lassen. Und das ist die Ladecharakteristik, genauer gesagt beim großen Akku. Der kleine 64 kWh Akku lädt mit bis zu 154 kW und soll den Sprung von 10 auf 80 Prozent in unter 25 Minuten schaffen. Das ist stark und in dieser Klasse absolut konkurrenzfähig. Genau so muss ein modernes, kompaktes Elektroauto laden, wenn es auch außerhalb der Stadt überzeugen soll.
Beim großen 77 kWh Akku sieht die Sache allerdings deutlich weniger erfreulich aus. Hier gibt MG maximal 144 kW Ladeleistung an, doch entscheidend ist nicht allein der Peak, sondern die tatsächliche Dauer von 10 auf 80 Prozent. Und die liegt hier bei rund 40 bis 45 Minuten. Das ist im Jahr 2026 schlicht zu lang. Vor allem deshalb, weil der Akku lediglich 13 kWh brutto mehr Kapazität mitbringt. Dass daraus im Alltag eine Ladezeit resultiert, die um rund 20 Minuten über der kleineren Batterie liegt, wirkt aus Nutzersicht schwer vermittelbar.
Genau hier verschenkt der MG4 bei der Modellpflege unnötig Punkte. Denn wer zur größeren Batterie greift, tut das meist, um auf längeren Strecken entspannter unterwegs zu sein. Wenn genau diese Variante dann beim Nachladen deutlich mehr Geduld verlangt, kippt der Vorteil teilweise wieder weg. Man kann sogar zu dem Schluss kommen, dass die kleinere Batterie im realen Reisealltag die schlauere Wahl sein könnte, weil sie schneller wieder einsatzbereit ist und zusätzliche Ladestopps unter Umständen durch die kürzere Standzeit kompensiert.
Das ist keine Kleinigkeit, sondern ein echter Entscheidungsfaktor. MG hat beim kleinen Akku gezeigt, dass man es kann. Umso unverständlicher ist, dass der große Akku in diesem Punkt nicht stärker nachgezogen wurde.
Wie sieht es mit Preis und Positionierung aus?
Der überarbeitete MG4 EV startet laut den genannten Daten bei 42.990 Euro. Die Variante mit größerem Akku und 245 PS liegt bei 44.990 Euro. Der XPower steht mit 46.990 Euro in der Liste. Rein über die Bruttolistenpreise betrachtet ist der MG4 damit kein Billigheimer mehr, jedenfalls nicht im klassischen Sinn.
Allerdings wäre es zu einfach, ihn nur über diese Zahlen zu beurteilen. MG arbeitet seit geraumer Zeit mit auffällig attraktiven Leasing und Finanzierungskonditionen. Gerade dort entsteht die eigentliche Marktstärke des Fahrzeugs. Wer sich für den MG4 interessiert, sollte deshalb tatsächlich weniger auf den nackten Listenpreis schauen, sondern auf die realen Monatsraten und Gesamtkosten. Denn genau dort kann der Wagen weiterhin sehr überzeugend auftreten.
Das ist ein wichtiger Punkt, weil sich der MG4 dadurch in einer Art Zwischenposition befindet. Er will kein billiger Kompromiss sein, sondern ein vollwertiges Elektroauto mit Preishebel. Und das gelingt ihm nach wie vor.
MG4 EV Facelift Fotos
















Bietet der MG4 vorne genug Praxisnutzen?
Unter der Fronthaube zeigt sich ein ordentlich aufgebauter Technikraum. Alles wirkt sauber arrangiert, sinnvoll gegliedert und gut zugänglich. Die Dämmung ist vorhanden, der Eindruck insgesamt solide. Was allerdings fehlt, ist ein Frunk. Und genau hier bleibt ein kleiner Wunsch offen.
Man muss aus einem kompakten Elektroauto keinen riesigen Zusatzstauraum zaubern. Aber ein kleiner Frunk für das Typ 2 Ladekabel hätte dem MG4 im Alltag spürbar gutgetan. Gerade im Winter oder bei schlechtem Wetter wäre es praktisch, das schmutzige Kabel nicht im Kofferraum zwischen Gepäck und Taschen verstauen zu müssen. Hinzu kommen zwei Haubenlifter, die dem Ganzen noch etwas mehr Wertigkeit verliehen hätten. Beides ist kein Muss, aber genau solche Dinge machen im Alltag oft mehr Unterschied, als man auf dem Datenblatt zunächst vermutet.
Wie alltagstauglich ist der Kofferraum?
Am Heck bleibt der MG4 bei einer manuellen Klappe. Elektrisches Öffnen und Schließen wäre natürlich komfortabler, ist in dieser Klasse aber keineswegs selbstverständlich. Insofern kann man MG hier keinen echten Vorwurf machen, auch wenn ein bisschen mehr Komfort schön gewesen wäre.
Das Ladevolumen beträgt 388 Liter und ist damit absolut solide. Der Kofferraum ist ordentlich verkleidet, mit Filz und Teppich ausgekleidet und wirkt insgesamt wertig. Es gibt eine zweigeteilte Ebene, die zusätzliche Flexibilität bringt. Dort lässt sich auch das Ladekabel unterbringen, wobei genau an diesem Punkt der fehlende Frunk wieder auffällt. Wer das Kabel im Kofferraum transportiert, verschenkt eben Platz oder muss mit schmutzigem Equipment im Gepäckabteil leben.
Positiv fällt die stabile Hutablage auf. Sie ist hochwertig gemacht, leicht herausnehmbar und robust genug, um nicht wie eine billige Notlösung zu wirken. Klappt man die Rücksitzlehnen um, wächst das Ladevolumen auf über 1.000 Liter. Die Aufteilung erfolgt im Verhältnis 40 zu 60. Eine Durchlademöglichkeit für lange Gegenstände fehlt zwar, das ist in dieser Klasse aber ebenfalls nicht ungewöhnlich.
Nicht gefunden wurde eine Dachlastfreigabe. Optional gibt es immerhin eine Anhängerkupplung mit 500 Kilogramm gebremster und ungebremster Anhängelast sowie 60 Kilogramm Stützlast. Für einen Fahrradträger mit zwei Pedelecs wird das bereits eng, je nach System und Radgewicht. Wer genau das plant, sollte also sehr genau rechnen. Für einen kompakten Stromer ist das Angebot akzeptabel, aber eben nicht überragend.
Hat MG den Innenraum wirklich verbessert?
Hier lautet die klare Antwort: ja. Und zwar spürbar. Wenn die Modellpflege des MG4 einen Bereich hat, in dem sie wirklich greifbar wird, dann ist es das Cockpit. Der neue Innenraum wirkt erwachsener, wertiger und durchdachter. Das bisherige, teilweise etwas spröde Ambiente weicht einem deutlich moderneren Auftritt, der sich erkennbar an neueren MG Modellen orientiert.
Die Türverkleidung vorn ist gelungen gestaltet. Es gibt weich unterschäumte Flächen, Kunstleder, eine angenehm gepolsterte Armauflage und eine insgesamt ansprechende Haptik. Auch die großen Ablagefächer sind alltagstauglich, wenngleich nicht überall mit Filz oder Teppich ausgekleidet. Das mindert den praktischen Nutzen nicht, zeigt aber, wo MG weiterhin Kosten im Blick behält.
Vor dem Fahrer sitzt ein neues Cockpitlayout mit einem Fahrerinformationsdisplay, das sehr weit nach oben an die Unterkante der Windschutzscheibe gerückt ist. Ein Head up Display gibt es zwar nicht, aber MG löst die Informationsdarstellung so geschickt, dass der Blickweg angenehm kurz bleibt. Das funktioniert im Alltag besser, als man zunächst denkt.
Das Multifunktionslenkrad ist ordentlich gepolstert, mit Kunstleder bezogen und lässt sich in Höhe und Tiefe verstellen. Die Kombination aus haptischen Tasten und Wippschaltern braucht zwar eine kurze Eingewöhnung, funktioniert danach aber schlüssig. Das neue zentrale Infotainmentdisplay mit über 12 Zoll wirkt grafisch deutlich moderner als zuvor und bringt endlich auch mehr digitale Inhalte mit. Spotify, YouTube, TikTok und Amazon Music sind integriert, hinzu kommen Apple CarPlay und Android Auto. Vor allem die neue Software macht hier einen Unterschied. Das System wirkt zeitgemäßer und besser nutzbar als die frühere Lösung.
Erfreulich ist auch, dass MG die Klimabedienung nicht vollständig im Touchscreen vergraben hat. Es gibt eine eigene manuelle Steuerung für Temperatur, Gebläsestärke und Luftverteilung. Dazu kommen praktische Direktzugriffe wie Home Button und Lautstärkeregler. Genau so etwas ist im Alltag Gold wert, weil es Bedienung nicht unnötig verkompliziert.
Auch die Mittelkonsole gefällt. Zwei gut erreichbare Becherhalter, eine induktive Ladeschale, der Fahrstufenregler, ein brauchbares Ablagefach unter der Armlehne, USB-C Anschlüsse und eine 12 Volt Steckdose ergeben ein insgesamt stimmiges Bild. Schade ist nur, dass die induktive Ladefläche keine Belüftung bietet. Wer sein Smartphone häufiger dort lädt, kennt das Problem bereits. Ohne Kühlung wird es schnell warm, und dann sinkt die Ladeleistung oder das Gerät reagiert empfindlich.
Wie bequem sitzt man vorn?
Der MG4 überrascht weiterhin positiv mit seinem Raumgefühl. Trotz kompakter Außenmaße sitzt man vorn angenehm luftig. Für einen Fahrer mit 1,85 Meter Körpergröße gibt es genügend Platz in Länge und Breite. Das Fahrzeug wirkt im Innenraum größer, als es seine Maße vermuten lassen.
Die Sitze mit Stoff Kunstleder Kombination bieten ordentlichen Komfort, eine angenehme Beinauflage und ausreichend Seitenhalt. Gerade auf längeren Strecken ist das wichtig, weil der MG4 nicht nur als Stadtauto gedacht ist. Auch im Lenden und Oberschenkelbereich wird eine vernünftige Unterstützung geboten. Das trägt klar zum guten Reiseeindruck bei.
Praktisch ist zudem die neu gestaltete Mittelkonsole mit zweiter Ebene. Darunter lässt sich etwa eine kleinere Tasche verstauen. Das ist keine Revolution, aber eine clevere Nutzung des vorhandenen Raums. Das Handschuhfach fällt ausreichend groß aus, ist allerdings nicht mit Filz ausgekleidet. Hier zeigt sich erneut die typische MG Mischung aus gutem Nutzwert und kalkulierter Materialökonomie.
Und wie sieht es im Fond aus?
Im Fond zeigt der MG4, warum sein langer Radstand mehr ist als nur eine Zahl im Datenblatt. Die Rückbank bietet ordentliche Platzverhältnisse, auch wenn der Vordersitz auf eine vergleichbare Position eingestellt ist. Es bleibt mehr als eine Faust Knieraum, die Füße passen unter den Vordersitz, und auch der Seitenhalt auf der Rückbank ist für diese Klasse absolut in Ordnung.
Die Sitzbank selbst ist gut ausgeformt und bietet mit ihrer Stoff Kunstleder Kombination einen ordentlichen Eindruck. Isofix Befestigungen sind vorhanden, was für Familien natürlich wichtig ist. Gleichzeitig wird aber auch hier deutlich, dass MG nicht in jedem Detail maximal aufwertet.
Denn es fehlt eine Mittelarmlehne im Fond, was gerade bei längeren Fahrten schade ist. Auch Lüftungsdüsen hinten gibt es nicht. Dazu kommt nur ein einzelner USB-C Anschluss. Taschen an den Rückseiten der Vordersitze fehlen ebenfalls. All das sind keine K.o.-Kriterien, summiert sich aber zu einem Bild, in dem der Fond zwar funktional, aber nicht luxuriös ausfällt.
Am meisten Kritik verdient allerdings die Materialanmutung der hinteren Türen. Während es vorn weichere, hochwertigere Oberflächen gibt, dominiert hinten deutlich mehr harter Kunststoff. Optisch versucht MG zwar, die Linie nach hinten fortzuführen, haptisch gelingt das jedoch nicht. Genau das fällt auf, weil die Unterschiede so klar spürbar sind. Man kann argumentieren, dass robustere Materialien im Fond leichter zu reinigen sind, gerade wenn Kinder mitfahren. Das ist ein valider Punkt. Trotzdem bleibt der Eindruck, dass hier eine spürbare Diskrepanz zwischen vorn und hinten besteht, die man eleganter hätte lösen können.
Wie fährt sich der überarbeitete MG4 auf der Straße?
Die gute Nachricht ist: Der MG4 bleibt fahrdynamisch ein sehr überzeugendes Elektroauto. Wer schon den Vorgänger mochte, wird sich auch im Facelift schnell zuhause fühlen. Der Wagen hat weiterhin eine direkte Lenkung, reagiert angenehm spontan und vermittelt gerade auf kurviger Strecke ein leichtfüßiges, fast gokartartiges Gefühl. Das ist in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich.
Auf feuchtem Untergrund bleibt das Fahrgefühl sicher. Selbst wenn das Heck beim engagierten Herausbeschleunigen aus engeren Kurven ganz leicht arbeitet, wirkt das nicht nervös, sondern kontrollierbar und lebendig. Genau diese Mischung macht den MG4 interessant. Er ist kein steriles Elektroauto, das nur effizient sein will, sondern eines, das dem Fahrer spürbar Freude vermittelt.
Die 190 PS des kleinen Hecktrieblers reichen dafür absolut aus. Der Wagen fühlt sich kräftig genug an, um im Alltag und auf der Autobahn nie untermotorisiert zu wirken. Gerade beim Beschleunigen auf die Schnellstraße oder beim zügigen Herausfahren aus Kreisverkehren zeigt sich, dass MG die Balance zwischen Leistung und Nutzbarkeit gut hinbekommen hat.
Auch das Fahrwerk hinterlässt einen positiven Eindruck. Der MG4 bleibt agil, ohne hektisch zu wirken. Richtungswechsel steckt er souverän weg, ohne sich aufzuschaukeln oder fahrig zu werden. Das passt zum Charakter des Autos, das zwar kompakt ist, aber nicht billig abgestimmt wirkt.
MG 4 EV Test-Video
Wie gut arbeitet der MG Pilot?
Der MG Pilot gehört zu den Bereichen, in denen MG inzwischen erstaunlich viel anbietet. Die teilautonome Unterstützung umfasst unter anderem Lenkassistent, Spurhalter und adaptiven Tempomaten. Das System hält den Wagen sauber in der Spur und sorgt dafür, dass längere Autobahnetappen entspannter werden.
Im Test funktionierte das insgesamt gut. Der Wagen bleibt ordentlich in der Mitte der Spur, verlangt aber wie üblich eine gewisse Rückmeldung vom Fahrer. Kleinere Lenkeingriffe sind also weiterhin nötig, damit das System merkt, dass Aufmerksamkeit vorhanden ist. Das ist normal und kein spezieller Kritikpunkt.
Ein bisschen Luft nach oben gibt es bei der Verkehrszeichenerkennung. Wenn unterschiedliche Geschwindigkeitsangaben im Umfeld auftauchen, interpretiert das System nicht immer sofort korrekt, welche davon tatsächlich gilt. Das ist kein exklusives MG Problem, fällt aber gerade im Assistenzbetrieb auf, wenn das Fahrzeug aktiv mit den erkannten Limits arbeitet.
Positiv ist, dass der Funktionsumfang sehr umfangreich ausfällt und vieles serienmäßig an Bord ist. Die Wärmepumpe gehört ebenso dazu wie zahlreiche Assistenzsysteme, deren Verhalten sich im Menü individualisieren lässt. Das erhöht den Nutzwert, weil man sich nicht mit einer starren Werkseinstellung arrangieren muss.
Wie gut ist Rekuperation und One Pedal Driving gelungen?
MG bietet auch hier erfreulich viele Einstellmöglichkeiten. Die Rekuperation kann in mehreren Stufen geregelt werden, von schwach über mittel und hoch bis adaptiv. Dazu kommt One Pedal Driving, das sich aktivieren oder deaktivieren lässt.
Besonders interessant ist die adaptive Einstellung, weil sie Navigationsdaten und Radarsensorik einbezieht. So entscheidet das Fahrzeug situativ, ob stärker rekuperiert oder besser gerollt werden soll. Das ist sinnvoll, weil reines Rollen in vielen Situationen die effizienteste Form des Fortbewegens bleibt. MG löst das hier angenehm praxisnah und nicht dogmatisch.
Gerade im Stadtverkehr und auf Landstraßen trägt das zu einem entspannten, gleichzeitig effizienten Fahrerlebnis bei. Der MG4 zwingt dem Fahrer keine feste Philosophie auf, sondern lässt Wahlfreiheit. Genau das ist im Alltag oft wichtiger als maximale Rekuperationswerte auf dem Papier.
Wie komfortabel ist der MG4 auf längeren Strecken?
Die Sitze überzeugen mit gutem Grundkomfort und ordentlicher Unterstützung. Gerade der Seitenhalt ist gelungen, ebenso die Auflage für die Oberschenkel. Das macht sich auf längeren Etappen positiv bemerkbar. Einschränkungen gibt es eher auf der Beifahrerseite, weil der Sitz nur manuell verstellbar ist und sich zudem nicht in der Höhe justieren lässt. Das ist kein Beinbruch, wirkt aber nicht ganz zeitgemäß.
Beim Abroll und Geräuschkomfort hinterlässt der MG4 einen ordentlichen Eindruck. Gemessen wurden 66 dB bei 50 km/h, 68 dB bei 70 km/h und 71 bis 73 dB bei 100 km/h. Für ein Fahrzeug dieser Klasse sind das gute Werte. Zwar gibt es leisere Autos, doch dafür fehlen hier beispielsweise auch aufwendige Akustikverglasungen. Umso erfreulicher ist, dass der Wagen insgesamt ordentlich gedämmt wirkt.
Unterm Strich ergibt das einen Reisekomfort, der für die Kompaktklasse absolut überzeugt. Der MG4 ist nicht nur ein Stadtflitzer, sondern kann durchaus längere Etappen sinnvoll abspulen. Nur eben mit dem erwähnten Haken, dass die große Batterie ausgerechnet beim Nachladen zu viel Zeit beansprucht.
Was taugt das Soundsystem?
Erfreulich viel. Das System stammt nicht von einem prominenten Markenlieferanten, überzeugt aber trotzdem mit sauberem Klangbild. Die Höhen sind klar, die Mitten ordentlich abgestimmt und der Gesamteindruck überraschend musikalisch. Das ist keine Kleinigkeit, denn gerade in dieser Klasse wird der Klang oft eher beiläufig behandelt.
Hier zeigt der MG4, dass gutes Audioerlebnis nicht zwingend ein prestigeträchtiges Logo braucht. Wer im Auto gern Musik hört, bekommt ein System, das den Alltag tatsächlich angenehmer macht.
Wie schnell ist der MG4 wirklich?
Im Test des kleinen Hecktrieblers wurden folgende Werte gemessen: 0 auf 50 km/h in 2,78 Sekunden, 0 auf 60 km/h in 3,57 Sekunden und 0 auf 100 km/h in 8,03 Sekunden. Der Bremsweg von 100 auf 0 km/h lag bei 37,2 Metern. MG gibt für den Standardsprint 7,5 Sekunden an.
Die leicht langsamere Messung lässt sich plausibel einordnen. Der Untergrund war feucht, die Temperaturen mit 13 Grad nicht ideal, und der Akkustand lag bei nur rund 40 Prozent. Für maximale Performance wären höhere Zellspannung und bessere Bedingungen nötig gewesen. Insofern sind die gemessenen 8,03 Sekunden kein Anlass zur Kritik, sondern eher ein realistischer Alltagswert unter nicht perfekten Testvoraussetzungen.
Die Long Range Version soll laut Werk in 6,2 Sekunden auf 100 km/h sprinten, der XPower in 3,8 Sekunden. Schon der 190 PS MG4 zeigt aber, dass es für souveränes Vorankommen nicht zwingend mehr braucht. Leistungsmangel ist hier kein Thema.
Wie gut sind die Park und Kamerasysteme?
Gerade im urbanen Umfeld spielt der MG4 eine Stärke aus, mit der man in dieser Klasse nicht unbedingt rechnen muss. Das 360 Grad Kamerasystem ist ein echter Komfortgewinn. Beim Rückwärtsfahren helfen Hilfslinien beim sauberen Einparken, beim Vorwärtsausparken unterstützt zusätzlich eine Frontkamera.
Das ist im Alltag ausgesprochen nützlich, vor allem in engen Straßen oder verwinkelten Parklücken. Man merkt an solchen Punkten, dass MG nicht nur auf Datenblätter schaut, sondern auch auf echte Alltagserleichterung. Für ein kompaktes Auto ist das ein angenehmer Ausstattungsbonus.
Wie hoch ist der Verbrauch vom MG4 EV im realen Fahrbetrieb?
Auf der Testfahrt wurden 168,5 Kilometer zurückgelegt, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 37 km/h. Der Bordcomputer zeigte dabei 22,6 kWh pro 100 Kilometer an. Das klingt auf den ersten Blick nicht sensationell niedrig, muss aber sauber eingeordnet werden.
Die Strecke umfasste viel Autobahn mit konstant 120 km/h, die Außentemperatur lag bei rund 12 Grad. Unter diesen Bedingungen ist der Wert durchaus ordentlich. Gerade bei Elektroautos entscheidet das Fahrprofil massiv über den Verbrauch. Wer häufiger in der Stadt und über Land unterwegs ist, wird deutlich niedrigere Werte sehen. Im Sommer und bei gemäßigter Fahrweise dürften Verbräuche unter 20 kWh/100 km realistisch sein. Für den Vorgänger stand im Raum, dass er sich im urbanen Verkehr auch im Bereich von 11 bis 12 kWh / 100 km bewegen lässt. Der MG4 bleibt also grundsätzlich ein Fahrzeug mit gutem Effizienzpotenzial, wenn die Bedingungen passen.
Entscheidend ist, dass der gemessene Autobahnverbrauch nicht aus dem Rahmen fällt. Für einen kompakten Hecktriebler mit dieser Leistung ist das absolut vertretbar.
Wo setzt die Modellpflege die richtigen Akzente?
Die größte Stärke des überarbeiteten MG4 liegt darin, dass MG nicht den Charakter des Fahrzeugs zerstört hat. Das wäre leicht möglich gewesen. Der Vorgänger war gerade deshalb interessant, weil er kein aalglatt optimiertes Massenprodukt war, sondern ein kompaktes Elektroauto mit eigenem Fahrgefühl, ordentlichem Platzangebot und gutem Preis Leistungs Eindruck.
Genau das bleibt erhalten. Außen wirkt der Wagen weiterhin eigenständig und angenehm unaufgeregt. Innen wurde sichtbar nachgelegt, vor allem bei Bedienung, Materialwirkung vorne, Software und digitaler Nutzbarkeit. Fahrdynamisch bleibt der MG4 erfreulich lebendig, ohne unkomfortabel zu werden. Auch das Assistenz und Kamerapaket ist in dieser Klasse stark.
Wo verschenkt MG unnötig Punkte?
Die Kritik konzentriert sich auf drei Bereiche. Erstens die Ladezeit des großen Akkus. Die ist schlicht nicht zeitgemäß genug und passt nicht zum Anspruch einer Modellpflege, die technische Weiterentwicklung vermitteln will. Zweitens die Materialunterschiede zwischen Vorder- und Hintertüren. Das ist kein Desaster, wirkt aber sichtbar und fühlbar wie ein Sparpunkt. Drittens fehlen ein paar praktische Details wie ein kleiner Frunk, hintere Lüftungsdüsen, eine Fondarmlehne oder mehr Komfort auf der Beifahrerseite.
Nichts davon macht den MG4 zu einem schlechten Auto. Aber genau diese Punkte verhindern, dass aus einem sehr guten Kompakten ein in sich nahezu rundes Gesamtpaket wird.
Lohnt sich der neue MG4 EV?
Ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung. Der MG4 EV bleibt auch nach der Modellpflege eines der interessantesten Elektroautos in seiner Fahrzeuggröße, vor allem dann, wenn MG weiterhin mit attraktiven Leasingangeboten und Finanzierungskonditionen in den Markt geht. Das Auto fährt gut, bietet ordentlich Platz, hat einen gelungenen neuen Innenraum, ein überzeugendes Bedienkonzept und genug Charakter, um sich vom Einerlei vieler Konkurrenten abzuheben.
Wer allerdings den großen Akku ins Auge fasst, sollte das Thema Ladezeit sehr nüchtern bewerten. Denn genau dort verliert die Long Range Variante an Reiz. Der kleinere Akku wirkt in der Summe fast wie die ausgewogenere Lösung, weil er schneller nachlädt und im Alltag dadurch trotz geringerer Kapazität erstaunlich attraktiv bleibt.
Der neue MG4 ist also kein perfektes Auto. Aber er ist ein verdammt interessantes. Und vielleicht ist genau das seine größte Stärke. Er bietet nicht überall das Maximum, dafür aber an vielen entscheidenden Stellen genau das, was im Alltag zählt. Wenn der Preis über gute Angebote in einen attraktiven Bereich rutscht, wird auch die Modellpflege wieder viele Käufer finden.
Besser geworden, aber nicht in jedem Punkt konsequent genug
Die Modellpflege des MG4 EV zeigt, dass MG verstanden hat, wo das Auto nachschärfen musste. Der Innenraum ist klar besser, das Infotainment moderner, die Bedienung alltagstauglicher und der Gesamteindruck hochwertiger als bisher. Fahrdynamisch bleibt der MG4 eine echte Empfehlung für alle, die ein kompaktes Elektroauto suchen, das nicht nur von A nach B fährt, sondern dabei auch ein bisschen Charakter zeigt.
Gleichzeitig bleibt ein fader Beigeschmack, weil ausgerechnet die Long Range Variante beim Laden nicht den Schritt macht, den man sich erhofft hätte. Das ist mehr als nur ein Detail. Es ist ein echter Wettbewerbsfaktor. Dazu kommen einige Sparmaßnahmen im Fond und ein paar ausgelassene Praxisideen wie der fehlende Frunk.
Trotzdem überwiegt am Ende der positive Eindruck. Der MG4 EV bleibt einer der spannendsten Kompakten unter den Elektroautos. Nicht, weil er alles perfekt kann. Sondern weil er vieles richtig macht, was im Alltag wirklich zählt, und dabei weiterhin ein eigenständiges, angenehm fahrbares und clever positioniertes Gesamtpaket abliefert.



















