Der Alpine A290 GTS ist auf den ersten Blick eng mit dem Renault 5 E-Tech Electric verwandt, aber genau darin liegt auch die spannende Frage: Ist das hier nur ein optisch nachgeschärfter Kleinwagen mit stärkerem Motor und höherem Preis oder hat Alpine aus der Basis ein eigenständiges, fahraktives Elektroauto gemacht?
Wir haben uns den Alpine A290 GTS genau angesehen und kommen schnell zu dem Punkt, an dem klar wird: Alpine hat nicht einfach nur ein paar Embleme getauscht. Der A290 bekommt eine breitere Karosserie, eine deutlich sportlichere Abstimmung, kräftigere Bremsen, ein eigenes Interieur-Ambiente und eine Fahrwerksabstimmung, die ihn klar vom Renault 5 absetzt. Damit wird aus dem charmanten Elektro-Kleinwagen ein sehr kompaktes Sportgerät, das weniger auf maximale Effizienz und mehr auf Fahrfreude ausgelegt ist.
Der getestete Alpine A290 GTS steht dabei an der Spitze der Baureihe. Der Einstieg beginnt bei 38.700 Euro, unser Testwagen liegt mit seiner Ausstattung bei rund 47.000 Euro. Das ist für ein knapp vier Meter langes Elektroauto ohne Frage eine Ansage. Genau deshalb muss der A290 GTS im Test zeigen, ob er diesen Preis nicht nur emotional, sondern auch technisch und fahrdynamisch rechtfertigen kann.
Wie tritt der Alpine A290 GTS von außen auf?
Von vorne zeigt der Alpine A290 GTS sofort, dass er nicht einfach nur brav elektrisch durch die Stadt rollen möchte. Die Front wirkt deutlich sportlicher als beim Renault 5. Zusätzliche Leuchtmittel, eine markantere Frontschürze, ein ausgeprägter Frontspoiler und die tiefer gezogene Lippe sorgen für einen Auftritt, der bewusst an Rallye-Fahrzeuge erinnert.
Besonders auffällig sind die Air Curtains. Damit sind gezielte Luftführungen gemeint, die den Fahrtwind kontrolliert an den Radhäusern vorbeileiten. Das reduziert Verwirbelungen, verbessert die Aerodynamik und sorgt gleichzeitig für eine dynamischere Optik. Auch das X-Motiv im LED-Tagfahrlicht gehört zum typischen Alpine-Auftritt. Die LED-Scheinwerfer übernehmen Abblendlicht und Fernlicht, dazu kommt die französische Trikolore als kleines, aber emotionales Detail.
Die Karosserie wurde sichtbar in die Breite gezogen. Das ist nicht nur Show, sondern passt zur sportlicheren Auslegung des Fahrzeugs. Eine breitere Spur kann die Fahrstabilität verbessern, vor allem bei schnellen Richtungswechseln und in Kurven. An den vorderen Kotflügeln sitzt der Ladeanschluss auf der Fahrerseite. Im Alltag wäre die Beifahrerseite an öffentlichen Ladesäulen teilweise praktischer, weil viele Ladepunkte rechts neben dem Fahrzeug stehen. Dann muss das Kabel nicht um das Fahrzeug herumgeführt werden. Beim Alpine A290 GTS bleibt es aber bei der linken Seite.
Seitlich fallen die breiten Radhäuser, die Türgriffe im oberen Bereich der hinteren Türen und die Trikolore an der C-Säule auf. Diese Trikolore kostet optional 100 Euro. Auch die radnahen Abdeckungen liegen bei 100 Euro für den Satz. Das klingt nach Kleinkram, zeigt aber auch, dass Alpine manche optische Feinheit extra berechnet.
Am Heck bleibt die Verwandtschaft zum Renault 5 erkennbar, doch der Alpine wirkt breiter, satter und sportlicher. Der Diffusor im unteren Bereich, die schwarz glänzenden Akzente, die blaue Lackierung unseres Testwagens und die matte Dachlinie geben dem Auto einen eigenständigen Charakter. Ein noch markanterer Heckkantenspoiler hätte der sportlichen Linie allerdings gutgetan. Auch der sichtbare Heckscheibenwischer wirkt weniger elegant, als wenn er stärker in den Spoiler oder die Heckscheibe integriert wäre.
Alpine A290 GTS Fotos
















Welche Abmessungen bringt der Alpine A290 GTS mit?
Der Alpine A290 GTS bleibt trotz seines sportlichen Auftritts ein sehr kompaktes Auto. Die Länge liegt bei 3,99 Metern. Damit passt er perfekt in das urbane Umfeld, bleibt parkfreundlich und wirkt trotzdem deutlich muskulöser als ein klassischer Kleinwagen.
In der Breite misst der A290 rund 1,82 Meter ohne Außenspiegel, mit Spiegeln sind es etwa 2,02 Meter. Die Höhe liegt bei 1,52 Metern, der Radstand bei 2,53 Metern. Der Radstand beschreibt den Abstand zwischen Vorderachse und Hinterachse. Er ist wichtig für Platzangebot, Fahrkomfort und Fahrstabilität. Für ein Fahrzeug dieser Länge ist der Wert ordentlich, auch wenn der Fond natürlich keine Wunder vollbringen kann.
Besonders überzeugend ist der Wendekreis von 10,20 Metern. Das ist im Alltag ein echter Vorteil. Enge Straßen, Parkhäuser, Wendemanöver und Stadtverkehr gelingen damit sehr einfach. Gerade bei einem sportlich abgestimmten Elektroauto ist es angenehm, wenn die Alltagstauglichkeit nicht unter dem Fahrspaß leidet.
Das Leergewicht des getesteten GTS liegt bei 1.554 Kilogramm. Für ein Elektroauto ist das ein respektabler Wert. Elektrofahrzeuge sind durch ihre Hochvolt-Batterie grundsätzlich schwerer als vergleichbare Verbrenner. Umso wichtiger ist es, dass das Gewicht niedrig im Fahrzeugboden sitzt. Genau dort befindet sich auch beim Alpine A290 das Batteriepaket. Das senkt den Schwerpunkt und hilft der Fahrdynamik.
Welche Räder, Reifen und Bremsen bekommt der Alpine A290 GTS?
Unser Testwagen steht auf 19-Zoll-Rädern mit Reifen der Dimension 225/40 R19. Diese Größe unterstreicht den sportlichen Anspruch. Die erste Zahl, also 225, beschreibt die Reifenbreite in Millimetern. Die zweite Zahl, also 40, gibt das Verhältnis der Reifenflanke zur Reifenbreite in Prozent an. R19 steht für Radialreifen auf 19-Zoll-Felgen.
Hinter den Felgen sitzt eine Brembo-Bremsanlage. Brembo ist ein bekannter Hersteller von Hochleistungsbremsen und wird häufig bei sportlichen Fahrzeugen eingesetzt. Wichtig ist das vor allem deshalb, weil ein sportliches Elektroauto nicht nur gut beschleunigen, sondern auch verlässlich verzögern muss. Elektroautos rekuperieren zwar, gewinnen also beim Verzögern Energie zurück, doch bei kräftigen Bremsmanövern braucht es weiterhin eine stabile mechanische Bremsanlage.
Im Test überzeugt der Alpine A290 GTS hier deutlich. Die gemessene Verzögerung von 100 auf 0 km/h lag bei 2,66 Sekunden. Das ist ein starker Wert und passt zum Anspruch des Fahrzeugs. Auch hinten setzt Alpine auf Scheibenbremsen und nicht auf Trommelbremsen. Das ist bei einem sportlichen Modell die richtige Entscheidung.
Welche Batterie steckt im Alpine A290 GTS?
Im Alpine A290 GTS arbeitet ein 400-Volt-System mit einer Batterie von 55 kWh brutto. Nutzbar sind davon 52 kWh netto. Brutto beschreibt die gesamte technische Kapazität der Batterie, netto ist die Energiemenge, die im Alltag tatsächlich verwendet werden kann. Hersteller lassen bewusst einen Puffer frei, um die Batterie zu schützen und die Lebensdauer zu verbessern.
Das 400-Volt-System ist heute in vielen Elektroautos üblich. Es ist günstiger und bewährt, kann aber bei der Ladeleistung nicht mit modernen 800-Volt-Systemen mithalten. Ein 800-Volt-System erlaubt bei entsprechender Infrastruktur meist höhere Ladeleistungen und kürzere Ladezeiten. Beim Alpine A290 GTS liegt der Fokus aber weniger auf Langstrecken-Rekorden und mehr auf einem kompakten, sportlichen Elektroauto für Alltag, Landstraße und Stadt.
Rein rechnerisch ergibt sich bei einem Testverbrauch von 20 kWh auf 100 Kilometer eine nutzbare Reichweite von rund 260 Kilometern. Das ist kein offizieller WLTP-Wert, sondern eine einfache Rechnung auf Basis des im Test gefahrenen Verbrauchs. Wer ruhiger unterwegs ist, den Eco-Modus nutzt und das Strompedal feinfühliger behandelt, kann auch unter 20 kWh auf 100 Kilometer bleiben. Wer den A290 GTS sportlich bewegt, wird diesen Wert eher als realistische Orientierung sehen.
Wie schnell lädt der Alpine A290 GTS?
Beim Laden bietet der Alpine A290 GTS dreiphasiges AC-Laden mit 11 kW. AC steht für Wechselstrom. Das ist die Ladeart, die an der heimischen Wallbox oder an vielen öffentlichen Normalladesäulen genutzt wird. Mit 11 kW lässt sich der Akku über Nacht oder während eines längeren Aufenthalts problemlos wieder füllen.
An Schnellladesäulen lädt der Alpine A290 GTS mit bis zu 100 kW DC. DC steht für Gleichstrom. Dabei wird die Batterie direkt mit Gleichstrom geladen, was deutlich schneller ist als AC-Laden. Von 10 auf 80 Prozent soll der Ladevorgang rund 30 Minuten dauern. Das ist solide, aber nicht überragend. In dieser Preisklasse gibt es inzwischen Fahrzeuge, die schneller laden oder dank 800-Volt-Technik kürzere Standzeiten ermöglichen.
Trotzdem passt die Ladeleistung grundsätzlich zum Konzept. Der Alpine A290 GTS ist kein großes Reiseauto, sondern ein sportlicher Kompakt-Stromer. Wer regelmäßig Langstrecke fährt, wird die 100 kW Ladeleistung kritisch sehen. Wer ihn überwiegend im Alltag, auf der Landstraße und im regionalen Umfeld bewegt, dürfte mit 11 kW AC und 100 kW DC gut zurechtkommen.
Welcher Antrieb steckt im Alpine A290 GTS?
Der Elektromotor sitzt auf der Vorderachse. Der Alpine A290 GTS ist also ein Fronttriebler. Die Leistung liegt bei 160 kW, umgerechnet 218 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 300 Nm. Drehmoment beschreibt die Kraft, mit der der Motor an der Antriebsachse dreht. Gerade bei Elektroautos liegt dieses Drehmoment nahezu sofort an, weil kein Turbolader hochdrehen und kein Getriebe erst den passenden Gang finden muss.
Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird mit 6,4 Sekunden angegeben. Im Test wurde mit GPS-Messung ein Wert von 6,80 Sekunden ermittelt. Das liegt nah an der Werksangabe und ist für ein kompaktes Elektroauto mit Frontantrieb absolut ordentlich. Von 0 auf 50 km/h vergingen 2,92 Sekunden, von 0 auf 60 km/h 3,55 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 170 km/h.
Alpine A290 GTS Fahrbericht / Video
Der Frontantrieb passt grundsätzlich zur Plattform, lässt aber die Frage offen, wie sich der A290 mit Heckantrieb fahren würde. Ein heckgetriebenes Konzept hätte dem sportlichen Anspruch sicherlich ebenfalls gutgestanden. Was Alpine aus dem Frontantrieb herausholt, ist dennoch beeindruckend. Die Kraft kommt sauber auf die Straße, die Vorderachse bleibt auch bei zügiger Fahrt gut beherrschbar und der Wagen schiebt nur in engen Situationen leicht über die Vorderräder.
Wie fährt sich der Alpine A290 GTS?
Der Alpine A290 GTS fährt sich deutlich anders als der Renault 5 E-Tech Electric. Genau das ist vermutlich die wichtigste Erkenntnis dieses Tests. Der Renault 5 ist charmant, komfortabel und modern. Der Alpine A290 GTS ist straffer, direkter und verbindlicher. Er wirkt weniger wie ein urbanes Lifestyle-Elektroauto und mehr wie ein kleiner Kurvenräuber.
Das Fahrwerk ist klar sportlich abgestimmt. Bodenwellen und kurze Unebenheiten werden spürbar an die Insassen weitergegeben. Das ist nicht unkomfortabel im klassischen Sinne, aber es ist knackig. Wer ein weich gefedertes Stadtauto erwartet, sitzt hier im falschen Fahrzeug. Wer gerne selbst fährt, Kurven sucht und eine direkte Rückmeldung mag, bekommt genau das, was Alpine verspricht.
In schnellen Kurven bleibt der A290 GTS stabil. Die Karosserie neigt sich kaum, das Lenkrad liegt satt in der Hand und die Sportsitze halten den Körper gut fest. Gerade die Kombination aus niedrigem Schwerpunkt, breiter Spur, griffigen Reifen und straffer Dämpfung sorgt dafür, dass sich das Auto sehr kontrolliert bewegen lässt.
Auch bei schnellen Richtungswechseln macht der Alpine eine starke Figur. Er wirkt agil, lässt sich präzise platzieren und bleibt selbst auf welligem Asphalt sauber auf Linie. Die Vorderachse kann bei ambitionierter Kreisverkehrfahrt leicht schieben, doch das bleibt gut kontrollierbar. Entscheidend ist: Der Alpine A290 GTS macht Spaß. Und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich auf der Straße.
Welche Fahrmodi und Sportfunktionen bietet der Alpine A290 GTS?
Der Alpine A290 GTS bietet verschiedene Fahrmodi, darunter Normal, Sport, Personal und Save. Save ist im Kern der sparsamere Modus, der Energie bewusster einsetzt. Über den Drive-Mode-Schalter lassen sich die Modi schnell auswählen. Das passt zum sportlichen Anspruch, denn wichtige Fahrfunktionen liegen nicht tief in Untermenüs versteckt.
Am Lenkrad gibt es eine Boost-Taste. Sie stellt für kurze Momente die maximale Beschleunigung besonders direkt bereit. Das ist nicht nur ein Showelement, sondern passt gut zum Charakter des Autos. Der A290 GTS fühlt sich dadurch unmittelbarer und spielerischer an.
Ebenfalls am Lenkrad sitzen Wippen für die Rekuperation. Rekuperation bedeutet Energierückgewinnung beim Verzögern. Der Elektromotor arbeitet dann als Generator und lädt die Batterie teilweise wieder auf. Der Alpine bietet drei Stufen. Damit kann stärker verzögert oder freier gerollt werden. Diese Lösung ist sehr fahrerorientiert, weil wir schnell und direkt entscheiden können, wie stark das Auto beim Lupfen des Strompedals verzögern soll.
Im Infotainment gibt es außerdem Live-Daten, Coaching-Funktionen und Challenges. Dazu gehören Anzeigen für Leistung, G-Kräfte, Reifendruck, Temperaturwerte von Motor und Akku sowie Rundenzeiten. Das ist für den Alltag nicht zwingend notwendig, unterstreicht aber den spielerischen Sportanspruch des A290 GTS.
Wie hoch ist der Verbrauch im Test?
Im sportlich gefahrenen Test lag der Verbrauch bei rund 20 kWh auf 100 Kilometer. Das ist für einen kleinen Elektro-Sportler kein Sparwunder, aber erklärbar. Der A290 GTS wurde nicht als Effizienzmeister gefahren, sondern dynamisch bewegt. Beschleunigungen, Landstraßenkurven, Sportmodus und wiederholte Tests treiben den Verbrauch nach oben.
Wichtig ist die Einordnung. Wer den Alpine A290 GTS ruhig fährt, den Save-Modus nutzt und viel in der Stadt oder im fließenden Verkehr unterwegs ist, kann unter 20 kWh auf 100 Kilometer kommen. Wer aber bewusst das sportliche Potenzial nutzt, wird sich eher in diesem Bereich bewegen.
Mit dem 52-kWh-Nettoakku ergibt sich daraus eine praxisnahe Reichweite um 260 Kilometer. Für Pendelstrecken, Wochenendtouren und Landstraßenfahrten reicht das gut aus. Für lange Autobahnetappen muss die Ladeplanung mitgedacht werden. Dank Google Maps mit Ladeplanung funktioniert das im Fahrzeug aber sehr angenehm.
Wie praktisch ist der Kofferraum?
Der Kofferraum fasst 326 Liter. Für ein Fahrzeug mit 3,99 Metern Länge ist das ordentlich. Der Laderaum ist sauber ausgekleidet, die Kunststoffverkleidung lässt sich leicht reinigen und es gibt einen Haken für Einkaufstaschen. Eine Beleuchtung ist ebenfalls vorhanden, allerdings klassisch und nicht besonders modern.
Was fehlt, ist ein Frunk. Ein Frunk ist ein zusätzlicher Stauraum unter der vorderen Haube. Gerade bei Elektroautos ist das praktisch, weil dort Ladekabel, schmutzige Sportsachen oder kleinere Gegenstände getrennt vom Hauptkofferraum verstaut werden könnten. Beim Alpine A290 GTS liegt das Ladekabel deshalb im Kofferraum. Genau hier hätte ein kleiner Frunk echten Mehrwert gebracht.
Unter dem Ladeboden gibt es ein kleines Fach, in dem sich Kabel oder Kleinteile unterbringen lassen. Außerdem sitzt dort der Subwoofer des Devialet-Soundsystems, dazu kommen Bordwerkzeug, Verbandkasten, Warndreieck und Warnweste. Die Hutablage ist klein, aber stabil und mit Stoff bezogen.
Die Rücksitzlehne lässt sich im Verhältnis 40 zu 60 umklappen. Eine 20-Prozent-Mittelteilung oder eine Durchreiche für Ski und lange Gegenstände gibt es nicht. Auch ein doppelter Ladeboden fehlt. Dadurch entsteht nach dem Umklappen keine komplett ebene Ladefläche. Für den Alltag ist das verschmerzbar, bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse hätten wir uns hier aber etwas mehr Flexibilität gewünscht.
Die Heckklappe öffnet manuell und zügig über kräftige Gasdruckfedern. Eine elektrische Heckklappe gibt es in dieser Fahrzeugklasse nicht zwingend, bei einem Testwagenpreis um 47.000 Euro darf man darüber aber zumindest nachdenken.
Darf der Alpine A290 GTS etwas ziehen?
Optional ist eine Anhängerkupplung erhältlich. Die gebremste Anhängelast liegt bei 500 Kilogramm bei 12 Prozent Steigung. Die Stützlast beträgt 63 Kilogramm. Das reicht nicht für große Anhänger, aber für einen kleinen Anhänger mit Gartenabfällen oder einen Fahrradträger ist das durchaus nützlich.
Gerade die Stützlast ist im Alltag wichtig. Sie beschreibt die Last, die senkrecht auf die Anhängerkupplung wirkt. Bei zwei Fahrrädern auf einem Heckträger kann es mit schweren Pedelecs bereits knapp werden, je nach Gewicht von Träger und Rädern. Für normale Fahrräder ist der Wert aber brauchbar.
Wie wirkt der Innenraum vorne?
Der Innenraum des Alpine A290 GTS macht vorne einen hochwertigen und sportlichen Eindruck. Das beginnt bei den Türverkleidungen. Im oberen Bereich sind sie weich unterschäumt, dazu kommen kunstlederartige Materialien, blaue Einsätze, helle Nähte und eine insgesamt sehr gelungene Farbgestaltung. Unten bleibt harter Kunststoff, was in dieser Fahrzeugklasse üblich ist, aber nicht jeden begeistern wird.
Ein Head-up-Display gibt es nicht. Ein Head-up-Display projiziert wichtige Informationen wie Geschwindigkeit oder Navigationshinweise in das Sichtfeld der Fahrerin oder des Fahrers. In einem so kompakten Auto ist das selten, bei einem Testwagenpreis von rund 47.000 Euro hätten wir uns diese Option aber gut vorstellen können.
Das Fahrerdisplay ist modern und gut ablesbar. Im Zentrum arbeitet Android Automotive. Dabei handelt es sich nicht nur um eine Smartphone-Spiegelung, sondern um ein eigenes Betriebssystem im Fahrzeug. Google Maps, Google Assistant, App-Erweiterungen über den Play Store und eine sehr gute Routen- und Ladeplanung sind integriert. Gerade die Ladeplanung ist bei Elektroautos wichtig, weil sie Ladestopps, Akkustand und Ladeanbieter in die Route einbezieht.
Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls verfügbar, kabellos oder kabelgebunden. Dazu kommen Musikdienste wie Spotify, Amazon Music, YouTube Music, Radio und weitere Apps. Das System wirkt schnell, modern und logisch aufgebaut. In diesem Punkt gehört der Alpine A290 GTS zu den überzeugenderen Fahrzeugen seiner Klasse.
Wie gut sind Lenkrad, Bedienung und Sitze?
Das Lenkrad ist eines der Highlights im A290 GTS. Es ist oben und unten abgeflacht, dick gepolstert, griffig und mit einer hellgrauen 12-Uhr-Markierung versehen. Diese Markierung kennt man aus dem Motorsport. Sie hilft dabei, die Lenkradstellung bei sportlicher Fahrt schnell zu erfassen.
Die Tasten und Schalter am Lenkrad sind gut erreichbar. Links und rechts werden wichtige Funktionen gesteuert, dazu kommen die Rekuperationswippen, die Boost-Taste und der Fahrmodus-Schalter. Alpine stellt damit das Selbstfahren klar in den Mittelpunkt.
Die Sportsitze passen sehr gut zum Auto. Sie bieten ordentlichen Seitenhalt, guten Oberschenkelhalt und wirken hochwertig bezogen. Die Farbgestaltung mit Blau, Grau und Trikolore-Details passt zum Exterieur. Die Sitze sind manuell verstellbar, inklusive Längsverstellung, Höhenverstellung und Lehnenneigung. Die Lendenwirbelstütze wird elektrisch eingestellt. Eine Lendenwirbelstütze stützt den unteren Rücken und kann gerade auf längeren Strecken den Komfort verbessern.
Auch der Beifahrersitz bietet Isofix. Isofix ist ein standardisiertes Befestigungssystem für Kindersitze. Es sorgt dafür, dass der Kindersitz fest mit dem Fahrzeug verbunden wird. Gerade für Eltern ist das ein wichtiger Pluspunkt.
Welche Komfortausstattung bietet der Alpine A290 GTS?
Der Alpine A290 GTS bietet Sitzheizung, Lenkradheizung und ein umfangreiches Klimamenü. Die Klimaanlage lässt sich in mehreren Automatikstufen betreiben, darunter eine sanftere Einstellung. Die Lüftungsdüsen werden manuell verstellt und lassen sich durch Zusammenschieben schließen.
Unterhalb des Displays gibt es physische Bedienelemente für wichtige Klimafunktionen. Das ist angenehm, weil nicht jede Alltagsfunktion ausschließlich über den Touchscreen bedient werden muss. Die Mittelkonsole bietet eine große Ablagefläche, allerdings ohne erkennbare induktive Ladefunktion. Eine induktive Ladeschale würde Smartphones kabellos laden. Hier bleibt es eher bei einer gummierten Ablage.
Der Fahrtrichtungswähler ist sportlich gestaltet. Drive, Neutral, Rückwärtsgang, elektronische Parkbremse und Auto-Hold sind gut erreichbar. Auto-Hold hält das Fahrzeug im Stand automatisch fest, zum Beispiel an Ampeln oder im Stau. Die Mittelarmlehne ist hochwertig bezogen, lässt sich aber nicht verschieben. Je nach Sitzposition kann sie deshalb zu weit hinten liegen.
Wie viel Platz bietet der Fond?
Im Fond zeigt sich der Alpine A290 GTS als das, was er ist: ein sehr kompakter Fünftürer mit sportlichem Zuschnitt. Erwachsene mit 1,85 Meter Körpergröße können hinten sitzen, allerdings ist die Beinfreiheit begrenzt. Hinter einem entsprechend eingestellten Vordersitz bleibt nur wenig Knieraum. Die Kopffreiheit ist dagegen erfreulich gut.
Die Füße lassen sich je nach Höhe des Vordersitzes unter den Sitz schieben. Ist der Vordersitz ganz unten eingestellt, wird es schwieriger. Eine Mittelarmlehne im Fond gibt es nicht. Für gelegentliche Fahrten zu viert reicht das Platzangebot, für lange Strecken mit vier Erwachsenen ist der A290 GTS eher nicht die erste Wahl.
Hinten gibt es Isofix-Befestigungen auf den äußeren Sitzplätzen. Die Abdeckungen sind sauber gelöst. Allerdings kann der Platz bei großen Kindersitzen knapp werden, wenn vorne große Personen sitzen.
Kritik gibt es bei den Fond-Türen. Während die vorderen Türverkleidungen hochwertiger wirken, besteht die hintere Türverkleidung weitgehend aus hartem Kunststoff. Bei einem Testwagenpreis um 47.000 Euro hätten wir uns eine stärkere Übernahme der vorderen Materialqualität gewünscht. Fensterheber hinten sind elektrisch, Ablagen gibt es nur eingeschränkt.
Ein weiterer Kritikpunkt: Hinten gibt es einen 12-Volt-Anschluss, aber keine USB-C-Anschlüsse. Für ein modernes Elektroauto im Jahr 2026 wirkt das etwas mager. Natürlich lässt sich ein Adapter nutzen, aber serienmäßige USB-C-Anschlüsse wären die bessere Lösung gewesen.
Wie gut ist das Infotainment?
Das Infotainment ist eine der größten Stärken des Alpine A290 GTS. Android Automotive läuft sauber, sieht modern aus und bietet viele Funktionen. Google Maps übernimmt nicht nur die Navigation, sondern auch die Ladeplanung. Dabei lassen sich Ziel-Ladestand, Ladeanbieter und Ladestopps berücksichtigen.
Auch die Sprachsteuerung über Google Assistant funktioniert praxisnah. Wer ein Ziel eingibt, bekommt eine Route inklusive Ladeplanung. Für ein Elektroauto ist das deutlich wertvoller als eine einfache Navigation ohne Energieplanung.
Die Menüstruktur ist modern, aber nicht überladen. Alpine integriert zudem fahrzeugspezifische Funktionen wie Live-Daten, Coaching, Fahrmodi und Performance-Anzeigen. Sound, Lenkungsaufwand und weitere Parameter lassen sich konfigurieren. Das passt sehr gut zum Anspruch des Fahrzeugs, weil der A290 GTS nicht nur elektrisch, sondern bewusst individuell und sportlich wirken möchte.
Wie klingt das Devialet-Soundsystem?
Das Devialet-Soundsystem überzeugt im Test. Devialet ist ein französischer Audiospezialist, der vor allem für hochwertige Lautsprecher und kräftige Klangabstimmungen bekannt ist. Im Alpine A290 GTS liefert das System klare Höhen, saubere Mitten und einen kräftigen Bass. Der Subwoofer sitzt im Kofferraumbereich und nimmt dort etwas Platz unter dem Ladeboden ein, bringt klanglich aber spürbaren Mehrwert.
Gerade in einem kleinen, gut gedämmten Fahrzeug kann ein gutes Soundsystem besonders wirken, weil der Innenraum akustisch überschaubar bleibt. In Verbindung mit Apple CarPlay, Android Auto und den integrierten Musikdiensten passt das sehr gut zum modernen Charakter des Autos.
Wie leise ist der Alpine A290 GTS?
Trotz Einfachverglasung ist der Alpine A290 GTS angenehm leise. Einfachverglasung bedeutet, dass die Seitenscheiben nicht als spezielle Akustikverglasung mit mehreren Schichten ausgeführt sind. Trotzdem wurden im Test gute Werte gemessen.
Bei 50 km/h lagen die Innengeräusche bei rund 56 bis 57 Dezibel. Bei 70 km/h waren es etwa 61 bis 62 Dezibel. Bei 100 km/h wurden rund 64 Dezibel gemessen. Das sind gute Werte für ein kleines, sportlich abgestimmtes Elektroauto.
Die gute Geräuschdämmung ist wichtig, weil Elektroautos keinen Verbrennungsmotor haben, der Wind- und Abrollgeräusche überdeckt. Deshalb fallen Klappern, Reifenabrollen und Luftgeräusche schneller auf. Beim Alpine A290 GTS wurde hier insgesamt ein guter Job gemacht, auch wenn auf Kopfsteinpflaster durch das straffe Fahrwerk einzelne Geräusche hörbar sein können.
Welche Assistenzsysteme sind an Bord?
Der Alpine A290 GTS bietet moderne Assistenzsysteme auf europäischem Topniveau. Dazu gehören ein Abstandsregeltempomat, ein Lenkassistent und ein Spurhalteassistent. Der Abstandsregeltempomat hält automatisch die gewählte Geschwindigkeit und den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Der Lenkassistent unterstützt dabei, das Fahrzeug in der Spur zu halten.
Besonders gut gefällt die kapazitive Lenkraderkennung. Kapazitiv bedeutet, dass das Lenkrad erkennt, ob die Hand aufliegt. Es muss also nicht ständig aktiv bewegt werden, damit das System merkt, dass die Fahrerin oder der Fahrer aufmerksam bleibt. Das wirkt im Alltag natürlicher als Systeme, die permanent kleine Lenkkorrekturen verlangen.
Auch die prädiktive Geschwindigkeitsregelung ist an Bord. Prädiktiv bedeutet vorausschauend. Das Fahrzeug kann Tempolimits über Verkehrszeichenerkennung und Navigationsdaten erkennen und die Geschwindigkeit entsprechend anpassen. Im Test funktionierte das nach Aktivierung des passenden Hakens sehr gut. Vor einer 70er-Zone regelte der A290 GTS rechtzeitig herunter und beschleunigte nach Freigabe wieder auf 100 km/h. Allerdings fiel auf, dass diese Funktion nach einem Neustart offenbar erneut aktiviert werden musste. Das ist ärgerlich, denn eine einmal gewünschte Einstellung sollte dauerhaft gespeichert bleiben.
Wie gut lässt sich der Alpine A290 GTS einparken?
Der kleine Wendekreis hilft im Alltag enorm. Beim Rangieren wirkt der A290 GTS handlich und übersichtlich. Die großen Fensterflächen sorgen für eine ordentliche Rundumsicht. Parksensoren unterstützen beim Einparken. Die Rückfahrkamera ist allerdings ein Schwachpunkt. Das Bild wirkt stark krisselig und nicht besonders scharf. Für die reine Orientierung reicht das, aber bei einem Testwagenpreis um 47.000 Euro hätten wir eine bessere Kameraqualität erwartet. Ein 360-Grad-Kamerasystem gibt es nicht. Eine Frontkamera ist ebenfalls nicht vorhanden. In dieser Fahrzeugklasse mag das noch erklärbar sein, doch der Alpine bewegt sich preislich in Bereichen, in denen man genauer hinschaut.
Wo überzeugt der Alpine A290 GTS besonders?
Der Alpine A290 GTS überzeugt vor allem dort, wo er sich vom Renault 5 absetzen muss. Das Design ist eigenständig genug, die Fahrwerksabstimmung ist deutlich sportlicher, die Bremsanlage stark, das Lenkrad großartig und die Sitze passen perfekt zum Charakter. Das Infotainment gehört mit Android Automotive, Google Maps und Ladeplanung zu den besten Lösungen in dieser Klasse.
Auch die Fahrdynamik macht richtig Freude. Der A290 GTS ist kein übermotorisierter Geradeaus-Sprinter, sondern ein kleiner, agiler Stromer, der Kurven mag. Die 160 kW reichen völlig aus, um auf der Landstraße Spaß zu haben. Die 300 Nm liegen schnell an, die Boost-Funktion sorgt für zusätzliche Emotionalität und die Rekuperationswippen geben dem Fahrer mehr Kontrolle.
Die Dämmung ist ebenfalls gelungen. Für ein kompaktes Auto mit sportlicher Abstimmung bleibt der Innenraum angenehm ruhig. Das Devialet-Soundsystem passt sehr gut dazu.
Wo muss Alpine nachbessern?
Nicht alles passt zum hohen Preis. Die Rückfahrkamera wirkt nicht zeitgemäß. Ein Head-up-Display fehlt. Im Fond gibt es keine USB-C-Anschlüsse. Die hinteren Türverkleidungen bestehen aus zu viel hartem Kunststoff. Ein verschiebbarer Mittelarmlehnen-Deckel vorne wäre praktisch gewesen. Auch ein doppelter Ladeboden im Kofferraum hätte den Nutzwert erhöht. Der fehlende Frunk fällt ebenfalls auf. Gerade bei einem Elektroauto wäre ein kleiner vorderer Stauraum für Ladekabel sinnvoll. Stattdessen liegt das Kabel im Kofferraum und nimmt dort Platz weg. Auch die Ladeleistung von maximal 100 kW DC ist nur solide. Für den Alltag reicht sie, für den Preis hätte man sich aber eine modernere Schnellladeleistung wünschen können.
Dazu kommt die prädiktive Assistenzfunktion, die offenbar nach einem Neustart erneut aktiviert werden muss. Solche Details wirken klein, können im Alltag aber nerven.
Wie ordnen wir den Preis ein?
Der Preis ist der schwierigste Punkt am Alpine A290 GTS. Der Einstieg bei 38.700 Euro ist bereits ambitioniert, der getestete GTS mit rund 47.000 Euro liegt deutlich im Premiumbereich für ein knapp vier Meter langes Elektroauto. Dafür bekommt man kein maximales Raumangebot, keine überragende Ladeleistung und auch nicht jede Komfortfunktion.
Was man bekommt, ist Charakter. Und genau das ist beim Alpine A290 GTS der Kern. Er ist kein Vernunftsauto im klassischen Sinne. Er will nicht der günstigste, praktischste oder effizienteste Elektro-Kleinwagen sein. Er will begeistern. Er will sportlicher sein als der Renault 5. Er will ein kleines Elektroauto für Menschen sein, die bewusst fahren und nicht nur ankommen möchten.
Leasing und Finanzierung können den Blick auf den Preis verändern. Gerade bei Elektroautos ist der Kaufpreis nicht immer der entscheidende Punkt, weil Restwert, technologische Entwicklung und monatliche Rate eine große Rolle spielen. Wer den Alpine A290 GTS interessant findet, wird sehr genau auf Angebote achten müssen.
Was bleibt nach dem Test des Alpine A290 GTS?
Der Alpine A290 GTS ist kein einfacher Renault 5 mit Spoilerpaket. Alpine hat die richtigen Stellschrauben gefunden, um aus der technischen Basis ein eigenständiges, sportliches Elektroauto zu machen. Die breitere Karosserie, das straffe Fahrwerk, die kräftige Brembo-Bremsanlage, die 19-Zoll-Räder, das griffige Lenkrad, die Sportsitze und die Software-Funktionen ergeben ein stimmiges Gesamtbild.
Natürlich gibt es Kritik. Die Ladeleistung dürfte höher sein, der Preis ist selbstbewusst, der Fond bleibt kompakt. Aber emotional funktioniert der A290 GTS erstaunlich gut. Er fühlt sich lebendig an, fährt direkt, macht auf der Landstraße Spaß und bringt genau jene Portion Eigenständigkeit mit, die er braucht, um nicht nur als teurer Renault 5 wahrgenommen zu werden.
Für uns ist der Alpine A290 GTS deshalb ein spannendes Elektroauto mit klarer Haltung. Er ist nicht perfekt, aber er hat Charakter. Und genau das ist in einer Zeit, in der viele Elektroautos technisch gut, aber emotional austauschbar wirken, vielleicht sein größter Pluspunkt.





















