Start / Elektromobilität / Denza Z9 GT: Wenn BYD im Luxus-Segment nicht mehr anklopft, sondern die Tür elektrisch aufdrückt

Denza Z9 GT: Wenn BYD im Luxus-Segment nicht mehr anklopft, sondern die Tür elektrisch aufdrückt

Denza Z9 GT Test

Es gibt Autos, bei denen man nach wenigen Minuten weiß, dass sie nicht nur ein weiteres Modell in einer ohnehin schon vollen Elektroauto-Welt sein wollen. Der Denza Z9 GT gehört genau in diese Kategorie. Hier geht es nicht um ein bisschen mehr Reichweite, nicht um ein neues Display und auch nicht um die nächste evolutionäre Ausbaustufe eines bekannten Konzepts. Hier fährt BYD mit seiner Premium-Marke Denza vor und zeigt ziemlich selbstbewusst, wie man sich in China die elektrische Luxusklasse der nächsten Jahre vorstellt.

Und genau deshalb ist der Denza Z9 GT so spannend. Nicht, weil er über 1.000 PS hat. Nicht, weil er in unter drei Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Nicht einmal, weil er theoretisch mit bis zu 1.000 kW laden soll. Sondern weil dieses Auto viele Fragen aufwirft, die für Elektroauto-Fahrer und alle, die es werden wollen, wichtiger sind als jede Stammtisch-Zahl. Was passiert, wenn ein chinesischer Hersteller plötzlich nicht mehr nur günstig, sondern luxuriös, technisch mutig und extrem schnell sein will? Wie viel Premium steckt wirklich in Denza? Und reicht beeindruckende Technik allein aus, um gegen Porsche, Audi, Mercedes-AMG oder BMW bestehen zu können? Die Antwort ist nicht ganz einfach. Aber sie ist sehr interessant.

Was ist der Denza Z9 GT überhaupt?

Der Denza Z9 GT ist ein vollelektrischer Grand Turismo im großen Format. Denza gehört zu BYD, also zu einem der derzeit wichtigsten und technisch ambitioniertesten Elektroauto-Konzerne aus China. Während BYD selbst in Europa inzwischen mit Modellen wie Atto 3, Seal, Seal U, Dolphin oder Tang bekannt geworden ist, soll Denza eine Etage höher spielen. Mehr Luxus, mehr Leistung, mehr Technik, mehr Show.

Der Z9 GT ist dabei kein klassischer Kombi, kein SUV und auch keine Limousine. Er ist eher ein elektrischer Gran Turismo mit Shooting-Brake-Anmutung. Also ein langgestrecktes Reisefahrzeug mit flacher Dachlinie, großer Heckklappe und sportlichem Anspruch. Genau diese Mischung macht ihn interessant, denn sie trifft einen Bereich, in dem europäische Hersteller traditionell stark sind. Man denkt unweigerlich an Porsche Taycan Sport Turismo, Audi RS e-tron GT, Mercedes-AMG EQE oder EQS Performance-Modelle. Nur kommt der Denza mit einem anderen Ansatz: maximaler Ausstattung, brachialer Leistung, riesigem Akku und einem Preis, der im Vergleich zur etablierten Konkurrenz fast schon provokant wirkt.

Der Einstieg soll bei rund 114.000 Euro liegen. Mit Farbe und Ausstattung kann man realistisch eher in Richtung 118.000 bis 120.000 Euro denken. Das ist viel Geld. Sehr viel Geld sogar. Aber gemessen an Leistung, Größe, Ausstattung und Luxus wirkt der Preis in diesem Segment nicht überzogen, sondern fast schon aggressiv kalkuliert. Genau darin liegt die eigentliche Kampfansage.

Warum ist das Design so wichtig?

Beim Denza Z9 GT geht es nicht nur um Technik, sondern auch um Wirkung. Ein Auto für über 100.000 Euro muss nicht nur schnell sein, es muss auch eine gewisse Selbstverständlichkeit ausstrahlen. Es muss vor dem Hotel funktionieren, vor dem Golfclub, vor dem Büro, an der Ladesäule und auf der Autobahn. Genau da wird es für neue Premium-Marken schwierig, denn Luxus entsteht nicht nur durch Leder, Leistung und Displays. Luxus entsteht auch durch Image.

Optisch geht Denza deshalb keinen radikalen Weg. Der Z9 GT wirkt modern, lang, breit und hochwertig, aber nicht überzeichnet. Die Front trägt eine klare Lichtsignatur mit LED-Scheinwerfern und Matrix-Funktion. Matrix-Licht bedeutet, dass einzelne Lichtsegmente gezielt abgeschaltet oder gedimmt werden können, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird, während die Straße trotzdem möglichst gut ausgeleuchtet bleibt.

Die Seitenansicht lebt von der enormen Länge, den großen Rädern und der flachen Dachlinie. Mit 5,18 Metern Länge ist der Z9 GT ein großes Auto. Die Breite liegt bei rund 1,99 Metern ohne die zusätzliche Wirkung der Außenspiegel, der Radstand bei 3,12 Metern. Das sind klassische Luxusklasse-Proportionen. Ein langer Radstand bedeutet, dass Vorder- und Hinterachse weit auseinanderstehen. Das verbessert in der Regel den Geradeauslauf und schafft viel Innenraum, macht ein Auto aber in engen Parkhäusern oder beim Rangieren sperriger.

Am Heck wirkt der Z9 GT fast noch gelungener als an der Front. Dort bleibt er elegant, verzichtet auf martialische Spoiler und breite Show-Elemente, bringt aber trotzdem einen ausfahrbaren Heckspoiler und einen aerodynamisch geformten Abschluss mit. Aerodynamik ist bei Elektroautos besonders wichtig, weil Luftwiderstand mit steigender Geschwindigkeit massiv zunimmt. Je besser ein Auto durch den Wind gleitet, desto weniger Energie benötigt es auf der Autobahn.

Ein Heckscheibenwischer fehlt. Das ist bei solchen Karosserieformen oft eine Designentscheidung, bleibt aber im Alltag ein Punkt, den man ehrlich benennen muss. Gerade bei Regen, Schmutz und winterlichen Straßenverhältnissen kann ein Heckscheibenwischer mehr sein als ein optischer Störfaktor. Er ist schlicht praktisch.

Wie viel Leistung steckt im Denza Z9 GT?

Der Denza Z9 GT fährt mit drei Elektromotoren. Einer sitzt an der Vorderachse, zwei arbeiten an der Hinterachse. Zusammen sollen sie 850 kW sprich 1.156 PS leisten. Das ist nicht mehr sportlich, das ist Hypercar-Territorium in einem über fünf Meter langen Reiseauto.

Drei Elektromotoren ermöglichen nicht nur Allradantrieb, sondern auch eine sehr präzise Verteilung der Leistung. Bei einem klassischen Allradantrieb wird Kraft mechanisch oder elektronisch zwischen Vorder- und Hinterachse verteilt. Bei mehreren Elektromotoren kann die Steuerung noch feiner arbeiten. Besonders die beiden Motoren an der Hinterachse erlauben ein sogenanntes Torque Vectoring. Dabei wird das Drehmoment gezielt zwischen linkem und rechtem Rad verteilt. In Kurven kann das helfen, das Auto agiler zu machen, weil das äußere Rad stärker angetrieben wird und das Fahrzeug dadurch williger einlenkt.

Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll in 2,7 Sekunden gelingen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 270 km/h. Das sind Werte, die man früher mit Supersportwagen verbunden hat. Heute stehen sie in einem elektrischen Grand Turismo, der gleichzeitig Massagesitze, Kühlschrank, elektrische Türen, große Displays und einen riesigen Akku mitbringt. Das maximale Drehmoment wird mit 1210 Nm angegeben. Ihr wollt einen kleinen Deep-Dive? Gerne!

230 kW, sprich 313 kW leistet der Motor an der Vorderachse, alleine dieser stemmt 410 Newtonmeter. Die beiden Elektromotoren an der Hinterachse verfügen jeweils über 310 kW, sprich 422 PS und jeweils 400 Nm Drehmoment. Die WLTP Reichweite wird mit 600 km angegeben und die Batteriekapazität exakt mit 122,49 kWh. Wir haben hier die zweite Generation der Blade Batterie verbaut, BYD setzt auch im Denza auf die LFP-Zellchemie und auf die Cell-to-Body-Technologie. Beim Ladevorgang spricht man intern vom FLASH Charging und bei der Beschleunigung dürfte man Gänsehaut bekommen, wenn nicht sogar ein temporäres Gesichtslifting.

Aber hier muss man ehrlich bleiben: Beschleunigen können inzwischen viele Elektroautos beeindruckend gut. Die eigentliche Kunst liegt nicht darin, ein Auto schnell zu machen. Die Kunst liegt darin, es bei dieser Leistung souverän, stabil, berechenbar und dauerhaft überzeugend zu machen. Genau da zeigt der Denza Z9 GT Licht und Schatten.

Denza Z9 GT Fotos

Wie fährt sich so viel Leistung im Alltag?

Die Beschleunigung ist brachial. Wer im Sportmodus die Boost-Funktion aktiviert, bekommt für 20 Sekunden die volle Leistung. Der Begriff Boost bezeichnet eine zeitlich begrenzte Leistungsfreigabe, bei der Batterie, Motoren und Leistungselektronik kurzfristig maximale Energie bereitstellen. Das fühlt sich im Denza Z9 GT entsprechend heftig an. Der Wagen hebt beim Beschleunigen gefühlt die Nase, drückt massiv nach vorne und zeigt sehr eindrucksvoll, welche Kraft in seinem Antrieb steckt.

Gleichzeitig wird genau hier aber auch klar, dass Leistung allein nicht reicht. Beim harten Beschleunigen steigt der Vorderwagen spürbar auf, beim starken Bremsen taucht die Karosserie deutlich ein. Das ist physikalisch nicht ungewöhnlich, aber in dieser Fahrzeugklasse und bei dieser Leistung muss die Fahrwerksabstimmung extrem präzise arbeiten. Ein Audi RS e-tron GT, ein Porsche Taycan oder ein modernes Mercedes-AMG-Modell wirken in solchen Situationen abgeklärter. Sie kontrollieren Wank- und Nickbewegungen besser. Nicken bedeutet, dass die Karosserie beim Bremsen nach vorne eintaucht oder beim Beschleunigen nach hinten aufstellt. Wanken beschreibt die seitliche Neigung in Kurven.

Der Denza Z9 GT ist also schnell. Sehr schnell sogar. Aber er ist nach unserem Eindruck eher ein mächtiger Grand Turismo als ein kompromisslos präziser Sportwagen. Das ist keine Katastrophe, aber es ist ein wichtiger Unterschied. Wer ein Auto sucht, das lange Strecken luxuriös, leise und kraftvoll abspult, wird hier eher fündig als jemand, der auf der letzten Rille über kurvige Landstraßen jagen möchte.

Was kann das Fahrwerk?

Der Denza Z9 GT besitzt ein Luftfahrwerk. Bei einem Luftfahrwerk ersetzen Luftfedern klassische Stahlfedern oder ergänzen sie. Der Vorteil liegt darin, dass die Fahrzeughöhe und die Federcharakteristik verändert werden können. Das Auto kann komfortabler gleiten, sich für höhere Geschwindigkeiten absenken oder bei schlechten Wegen anheben.

Dazu kommt eine Hinterachslenkung. Dabei lenken die Hinterräder aktiv mit. Bei niedrigen Geschwindigkeiten schlagen sie häufig entgegen der Vorderräder ein, wodurch der Wendekreis kleiner wird. Bei höheren Geschwindigkeiten können sie in die gleiche Richtung lenken, was den Spurwechsel stabiler macht. In einem 5,18 Meter langen Auto ist das eine sehr sinnvolle Technik.

Denza geht aber noch weiter. Der Z9 GT kann seitlich fahren und sich auf der Stelle drehen. Das klingt nach Show, ist technisch aber hochinteressant. Beim seitlichen Fahren werden die Räder so angesteuert, dass sich das Fahrzeug schräg oder nahezu quer bewegen kann. Beim Drehen auf der Stelle arbeiten die Hinterachsmotoren so gegeneinander, dass das Auto praktisch um die eigene Achse rotiert. Das belastet die Reifen, ist im normalen Alltag sicher selten notwendig, zeigt aber eindrucksvoll, was mit mehreren Elektromotoren und intelligenter Fahrwerkssteuerung möglich ist.

Im Alltag bleibt allerdings die Abstimmung entscheidend. Der Denza kann sehr komfortabel sein, fast schwebend. Dann passt er perfekt zum Charakter eines Grand Turismo. Gleichzeitig kann er auf schlechten Straßen überraschend straff und holprig wirken. Diese Spreizung zwischen sanftem Komfort und sportlicher Kontrolle gelingt noch nicht so perfekt wie bei den besten europäischen Wettbewerbern. Genau da merkt man, dass Fahrwerksabstimmung Erfahrung braucht. Software kann viel. Sensorik kann viel. Over-the-Air-Updates können künftig sicher helfen. Aber die letzte Souveränität eines Porsche Active Ride oder eines sehr gut abgestimmten Audi-Fahrwerks erreicht der Denza noch nicht.

Denza Z9 GT Test Video

Wie groß ist der Akku und was bedeutet das für die Reichweite?

Der Denza Z9 GT bringt einen sehr großen Akku mit. Genannt werden 122,49 kWh brutto und 120 kWh netto. Brutto bezeichnet die gesamte physisch vorhandene Batteriekapazität. Netto ist die Energie, die tatsächlich nutzbar ist. Hersteller lassen meist einen kleinen Puffer, damit die Batterie nicht vollständig leergefahren oder zu stark belastet wird. Das schützt die Lebensdauer.

120 kWh netto sind enorm. Zum Vergleich: Viele aktuelle Mittelklasse-Elektroautos liegen zwischen 60 und 85 kWh netto. Große Luxus-Elektroautos kommen oft in den Bereich von 100 bis gut 110 kWh. Der Denza bewegt sich also im oberen Bereich dessen, was derzeit in einem Serienfahrzeug angeboten wird.

Ein großer Akku bringt zunächst einmal Reichweitenpotenzial. Gleichzeitig ist er schwer, teuer und muss auch effizient genutzt werden. Reichweite entsteht nicht nur durch Kapazität, sondern durch Verbrauch. Ein Auto mit 120 kWh Akku und 30 kWh Verbrauch pro 100 Kilometer kommt rechnerisch 400 Kilometer weit. Ein Auto mit 85 kWh Akku und 17 kWh Verbrauch schafft ähnlich viel. Deshalb ist Effizienz gerade bei großen Elektroautos so wichtig.

Im Testumfeld zeigte der Denza je nach Fahrweise deutliche Unterschiede. Bei ruhiger Fahrt durch Hamburg waren Verbrauchswerte im Bereich um 25 kWh pro 100 Kilometer realistisch. Auf der Autobahn mit Beschleunigungstests und hoher Geschwindigkeit ging der Verbrauch deutlich über 30 kWh pro 100 Kilometer. Das ist bei dieser Leistung und Größe nicht überraschend, aber es zeigt: Der riesige Akku ist kein Freifahrtschein. Wer schnell fährt, verbraucht schnell. Wer gleitet, kommt weit.

Ein Kritikpunkt bleibt die Verbrauchsanzeige. Es fehlt offenbar eine klassische, einfach zurücksetzbare Bordcomputer-Anzeige für einzelne Trips, für „seit dem Laden“ oder für Langzeitwerte. Gerade für Elektroauto-Fahrer ist das wichtig. Wer Ladeplanung, Reichweite und Verbrauch verstehen möchte, braucht transparente Daten. Hier sollte Denza dringend nachbessern.

Wie schnell lädt der Denza Z9 GT?

Beim Laden wird der Denza Z9 GT spektakulär. Genannt werden bis zu 1.500 kW Flash-Charging-Technologie auf Infrastrukturseite, wobei das Fahrzeug selbst offenbar bis zu 1.000 kW im Peak nutzen soll. Peak bedeutet Spitzenwert. Das ist nicht die Leistung, die dauerhaft über den gesamten Ladevorgang anliegt, sondern der höchste kurzzeitig erreichte Wert.

In der Praxis wurde ein Ladevorgang von 10 auf 97 Prozent in 8 Minuten und 42 Sekunden genannt. Das ist eine Zahl, die man erst einmal sacken lassen muss. Denn 10 auf 97 Prozent ist nicht der klassische Marketingwert von 10 auf 80 Prozent, sondern fast eine Vollladung. Wenn solche Werte reproduzierbar werden und die Infrastruktur verfügbar ist, kommt das elektrische Langstreckenfahren dem klassischen Tankstopp tatsächlich sehr nahe.

Aber es gibt eine Einschränkung: Dafür braucht es passende Ladesäulen. BYD beziehungsweise Denza plant ein eigenes Flash-Charging-Netz mit 300 Stationen in Deutschland und 3.000 europaweit. Bis diese Infrastruktur wirklich flächendeckend steht, bleibt die Frage nach der Alltagstauglichkeit berechtigt. An einem normalen leistungsstarken 400-kW-Lader wurde ein Wert von 10 auf 80 Prozent in 13 Minuten und 40 Sekunden genannt. Auch das ist extrem schnell, vor allem wenn man den großen 120-kWh-Akku berücksichtigt.

AC-seitig sieht es weniger beeindruckend aus. AC-Laden meint Wechselstrom-Laden, also das Laden zu Hause an der Wallbox oder an vielen öffentlichen Normalladepunkten. Hier wurden nur 11 kW gefunden. Bei 120 kWh netto bedeutet das eine sehr lange Ladezeit. Von leer auf voll kann man grob mit über zwölf Stunden rechnen. Ein 22-kW-Onboardlader wäre bei einem solchen Fahrzeug deutlich passender, weil er die Ladezeit an einer entsprechend abgesicherten Wallbox ungefähr halbieren könnte.

Für Langstreckenfahrer ist DC entscheidend. Für Menschen mit eigener Wallbox und planbaren Standzeiten reichen 11 kW oft aus. Aber in dieser Preisklasse darf man den Wunsch nach 22 kW durchaus äußern.

Was bietet der Innenraum?

Der Innenraum ist eine der großen Stärken des Denza Z9 GT. Hier merkt man, dass Denza Premium nicht nur behaupten, sondern auch zeigen will. Die Türen öffnen elektrisch, schließen elektrisch und besitzen Soft-Close. Soft-Close bedeutet, dass die Tür auf den letzten Zentimetern automatisch sanft zugezogen wird. Das kennt man aus Luxuslimousinen und es trägt tatsächlich zum hochwertigen Eindruck bei.
Die Materialien wirken aufwendig. Leder, Mikrofaser, Alcantara-Anmutung, Holz, Metall-Details, Ziernähte und sauber ausgekleidete Ablagen prägen den Innenraum. Besonders auffällig ist, wie konsequent viele Flächen beledert oder weich ausgeführt sind. Dort, wo europäische Hersteller in den letzten Jahren häufiger mit Hartkunststoff oder sichtbaren Einsparungen kritisiert wurden, zeigt Denza viel Liebe zum Detail.

Das Cockpit wird von mehreren Bildschirmen bestimmt. Es gibt ein Fahrerdisplay, ein großes zentrales Infotainment-Display, ein Beifahrerdisplay, digitale Außenspiegel und einen digitalen Innenspiegel. Ein Head-up-Display projiziert wichtige Informationen in die Windschutzscheibe. Ein Head-up-Display ist sinnvoll, weil der Blick näher an der Fahrbahn bleibt und der Fahrer weniger nach unten schauen muss.
Das Infotainment nutzt Google Maps und bietet moderne App-Strukturen mit Google Assistant, Google Play Store, Spotify, YouTube, Dolby Atmos und sogar Karaoke-Funktion. Dolby Atmos beschreibt ein Raumklangformat, bei dem Ton nicht nur links und rechts, sondern räumlicher im Innenraum verteilt wird. In Verbindung mit dem Devialet-Soundsystem entsteht ein sehr hochwertiges Klangerlebnis. Gerade in einem leisen Elektro-Grand-Tourer ist ein gutes Soundsystem kein Nebenthema, sondern Teil des Reiseerlebnisses.

Was noch nicht perfekt wirkt, ist die Ladeplanung. Google Maps kann in Elektroautos grundsätzlich sehr stark sein, wenn Batteriestand, Verbrauch und Ladepunkte sauber integriert werden. Im getesteten Fahrzeug wirkte das noch nicht vollständig ausgereift oder nicht korrekt aktiviert. Das kann ein Softwarestand sein, sollte aber vor Marktstart unbedingt sauber funktionieren. Wer ein Elektroauto in dieser Klasse fährt, erwartet, dass die Navigation automatisch passende Ladestopps plant.

Wie sitzt man vorne und hinten?

Vorne sitzt man im Denza Z9 GT sehr bequem. Die Sitze bieten Heizung, Belüftung, Massage und zahlreiche elektrische Verstellmöglichkeiten. Sitzbelüftung bedeutet, dass Luft durch die perforierte Sitzfläche und Lehne geführt wird. Das ist besonders im Sommer angenehm. Sitzmassage ist in der Luxusklasse nicht neu, aber auf langen Strecken tatsächlich ein Komfortgewinn.

Interessant ist der adaptive Sitz. Dabei können sich Seitenwangen je nach Fahrsituation anpassen und den Körper in Kurven stärker stützen. Das erinnert an klassische Multikontursitze, wie man sie aus europäischen Oberklassemodellen kennt. In einem Auto mit dieser Leistung ist das sinnvoll, weil die Längs- und Querkräfte bei starker Beschleunigung und schnellen Kurven deutlich höher sind als in einem normalen Elektroauto.

Hinten bietet der lange Radstand sehr viel Platz. Die elektrische Rückenlehnenverstellung im Fond passt zum Luxusanspruch. Dazu kommen Sitzheizung, Sitzbelüftung, eine massive Mittelarmlehne, induktives Laden, USB-C-Anschlüsse mit hoher Leistung und eine eigene Klimabedienung. Die Klimaanlage arbeitet als Vier-Zonen-System. Das bedeutet, dass Fahrer, Beifahrer und Fondpassagiere getrennte Temperaturbereiche einstellen können.

Nicht perfekt ist die Fußfreiheit unter dem Vordersitz. Bei manchen Elektroautos wird im Batterieboden eine Aussparung vorgesehen, damit die Fondpassagiere ihre Füße besser unterschieben können. Beim Denza wirkt das eingeschränkt. Das ist kein Drama, aber bei einem so großen Auto und einem so luxuriösen Anspruch fällt es auf.

Wie praktisch ist der Denza Z9 GT?

Unter der elektrisch öffnenden Heckklappe stehen 495 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung. Mit umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1.680 Liter. Für ein Fahrzeug dieser Größe klingt 495 Liter zunächst nicht gigantisch. Man darf aber nicht vergessen, dass der Z9 GT kein klassischer Kombi ist, sondern ein Luxus-Grand-Tourer mit starker Betonung auf Passagierraum, Design und Komfort.

Praktisch ist der doppelte Ladeboden. Die Rücksitzlehnen lassen sich elektrisch umklappen und wieder aufrichten. Die 20-Prozent-Durchlademöglichkeit ist für lange Gegenstände wie Ski praktisch. Dazu kommen seitliche Ablagen und ein 12-Volt-Anschluss im Kofferraum.

Vorne gibt es einen 53 Liter fassenden Frunk. Frunk ist eine Wortmischung aus Front und Trunk, also ein Kofferraum unter der Fronthaube. Gerade bei Elektroautos ist das sinnvoll, weil dort Ladekabel, Notladekabel oder Vehicle-to-Load-Zubehör verstaut werden können. Vehicle-to-Load, kurz V2L, bedeutet, dass das Auto externe elektrische Geräte mit Strom versorgen kann. Im Denza liegen dafür zwei Schuko-Steckdosen bereit. Für Camping, Werkzeuge, E-Bikes, Kühlboxen oder die Versorgung kleiner Geräte ist das ein echter Mehrwert.

Bei der Anhängelast werden bis zu zwei Tonnen gebremst genannt. Das ist ordentlich und macht den Denza auch für Wohnwagen, Pferdeanhänger, kleinere Bootstrailer oder Fahrradträger interessant. Angaben zur Stützlast und dynamischen Dachlast lagen im Material noch nicht abschließend vor. Genau diese Werte sind im Alltag aber wichtig, denn die Stützlast entscheidet beispielsweise darüber, wie schwer ein Fahrradträger samt E-Bikes auf der Anhängerkupplung sein darf.

Wie gut sind Assistenzsysteme und Kameras?

Der Denza Z9 GT bringt umfangreiche Assistenzsysteme mit. Dazu gehören ein adaptiver Abstandstempomat, Spurhaltefunktion, teilautonomes Fahren und ein sehr umfangreiches 360-Grad-Kamerasystem. Der Begriff teilautonom bedeutet, dass das Fahrzeug in bestimmten Situationen Geschwindigkeit, Abstand und Lenkung unterstützen kann, der Fahrer aber weiterhin verantwortlich bleibt und die Kontrolle behalten muss.

Das System ICC wurde im Fahrbetrieb getestet. ICC steht hier für eine Kombination aus Abstandsregeltempomat und Lenkunterstützung. Es arbeitet angenehm, hält aber nach europäischem Geschmack selbst in der geringsten Abstandsstufe eher großzügigen Abstand. Das ist sicherheitsorientiert, kann im dichten Verkehr aber dazu führen, dass andere Fahrzeuge häufiger in die Lücke fahren.

Ein automatischer Spurwechsel wurde nicht gefunden oder war nicht aktiviert. Der manuelle Spurwechsel funktioniert aber sauber. Der Assistent arbeitet bis 150 km/h. Für Deutschland mit Autobahnabschnitten ohne Tempolimit ist das relevant, weil viele Systeme bei höheren Geschwindigkeiten aussteigen oder nur eingeschränkt unterstützen.

Sehr überzeugend ist das Kamerasystem. Beim Einparken zeigt der Denza verschiedene Perspektiven, Hilfslinien, Front- und Rückansicht sowie Felgenschutz-Darstellungen. Das automatische Einparken braucht zwar zunächst etwas Vertrauen und manchmal Geduld bei der Parkplatzsuche, funktioniert dann aber präzise. Bei einem fast zwei Meter breiten und über fünf Meter langen Fahrzeug ist das nicht nur Spielerei, sondern echte Alltagshilfe.

Wie leise ist der Denza Z9 GT?

Subjektiv wirkt der Denza Z9 GT leise. Die Doppelverglasung hilft, Wind- und Außengeräusche zu reduzieren. Doppelverglasung bedeutet, dass zwei Glasschichten mit einer Zwischenschicht kombiniert werden. Das verbessert die Geräuschdämmung und erhöht den Komfort.

Gemessen wurden allerdings Werte, die nicht ganz auf dem Niveau von Mercedes S-Klasse oder Mercedes EQS liegen. Bei 50 km/h wurden etwa 62 bis 64 dB genannt, bei 70 km/h etwa 70 bis 71 dB und bei 100 km/h etwa 71 dB. Solche Messwerte hängen stark von Straßenbelag, Reifen, Reifendruck und Umgebung ab. Trotzdem zeigt sich: Der Denza ist angenehm leise, aber nicht der neue Klassenprimus bei der Geräuschdämmung.

Vor allem die Abrollgeräusche der Reifen fielen in unserem Test auf. Das kann an der Bereifung, am Luftdruck oder am Fahrbahnbelag liegen. Hier wäre ein weiterer Test auf normierter Strecke sinnvoll. Für den Alltag bleibt der Eindruck aber klar: Der Denza reist komfortabel und ruhig, nur die absolute akustische Perfektion europäischer Luxuslimousinen erreicht er noch nicht.

Wo glänzt der Denza Z9 GT besonders?

Der Denza Z9 GT glänzt überall dort, wo Technik sichtbar und erlebbar wird. Elektrische Türen, hochwertiger Innenraum, riesige Displays, kräftiges Soundsystem, Massagesitze, Fondkomfort, Kühlschrank mit Kühl- und Heizfunktion, seitliches Fahren, Drehen auf der Stelle, schnelle Ladefähigkeit und enorme Leistung ergeben ein Gesamtpaket, das beeindruckt.

Besonders stark ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ja, 114.000 Euro Einstiegspreis sind eine hohe Summe. Aber im Umfeld von Porsche Taycan, Audi RS e-tron GT, Mercedes-AMG EQS oder BMW i7 Performance-Derivaten kann ein ähnlich ausgestattetes und ähnlich starkes Fahrzeug schnell deutlich teurer werden. Genau hier wird Denza gefährlich für die etablierten Hersteller. Nicht unbedingt, weil jeder Porsche-Kunde sofort wechseln wird. Sondern weil Denza zeigt, dass chinesische Hersteller im Luxussegment nicht mehr nur über Preis kommen, sondern über Ausstattung, Ladeleistung und technische Ideen.

Wo muss Denza noch nachlegen?

Der wichtigste Punkt bleibt das Fahrwerk. Der Denza Z9 GT ist komfortabel, schnell und beeindruckend, aber noch nicht so fein abgestimmt wie die besten europäischen Konkurrenten. Die Spreizung zwischen entspanntem Gleiten und wirklich kontrollierter Sportlichkeit ist noch nicht perfekt. Bei harter Beschleunigung und starken Bremsmanövern bewegt sich die Karosserie zu stark. Bei schlechter Straße kann er plötzlich härter wirken, als es zum Luxusanspruch passt.

Auch die Software muss in einigen Bereichen noch reifen. Eine transparente Verbrauchsanzeige, eine saubere Ladeplanung, bessere Übersetzungen und klarere Menüstrukturen wären wichtig. Gerade bei einem Elektroauto dieser Preisklasse erwarten wir, dass die digitalen Funktionen nicht nur umfangreich, sondern auch logisch, stabil und einfach nutzbar sind.

AC-Laden mit nur 11 kW ist ebenfalls ein Kritikpunkt. Bei 120 kWh netto wäre ein 22-kW-Lader angemessen. Nicht jeder braucht ihn täglich, aber in dieser Klasse sollte er zumindest verfügbar sein.

Für wen ist der Denza Z9 GT interessant?

Der Denza Z9 GT richtet sich nicht an klassische Vernunftkäufer. Er ist kein Effizienzmeister, kein günstiges Familienauto und auch kein zurückhaltender Dienstwagen. Er ist ein Statement. Für Menschen, die viel Technik wollen, viel Leistung, viel Luxus und das Gefühl, in einem Auto zu sitzen, das ein paar Jahre in die Zukunft greift.

Für Elektroauto-Fahrer ist er spannend, weil er zeigt, wohin die Reise gehen kann: extrem große Akkus, extrem hohe Ladeleistung, integrierte Stromabgabe über V2L, starke Software-Architektur, Over-the-Air-Potenzial und elektrische Komfortfunktionen bis ins letzte Detail. Für Menschen, die noch nicht elektrisch fahren, ist er ein gutes Beispiel dafür, wie weit Elektroautos inzwischen gekommen sind. Hier geht es nicht mehr um Verzicht. Hier geht es eher um die Frage, wie viel Technik man wirklich braucht.

Und genau da wird es philosophisch. Braucht man 1.156 PS? Nein. Braucht man einen Driftmodus, seitliches Fahren oder das Drehen auf der Stelle? Im Alltag vermutlich selten. Aber solche Funktionen zeigen, was möglich ist. Und manchmal treiben genau solche Show-Elemente die Entwicklung weiter, aus der später ganz normale Autos profitieren.

Wie fällt unser Fazit aus?

Der Denza Z9 GT ist eines dieser Autos, die man nicht vorschnell abtun sollte. Wer ihn nur auf das Logo reduziert, macht es sich zu einfach. Wer ihn nur wegen der Leistung feiert, ebenfalls. Der Z9 GT ist kein perfektes Auto. Das Fahrwerk braucht Feinschliff, die Software muss transparenter werden, die Verbrauchsanzeige gehört überarbeitet und ein 22-kW-AC-Lader wäre in dieser Klasse absolut sinnvoll.

Aber der Denza ist beeindruckend. Er ist luxuriös, stark, schnell, mutig und technisch hochinteressant. Er zeigt, dass BYD mit Denza nicht nur in Europa mitspielen will, sondern ernsthaft Druck aufbauen kann. Vor allem dann, wenn das angekündigte Flash-Charging-Netz tatsächlich kommt und wenn Leasing- und Finanzierungsraten attraktiv gestaltet werden. Denn genau da sind die deutschen Premium-Hersteller traditionell stark.

Noch hat der Denza Z9 GT nicht die fahrdynamische Perfektion eines Porsche Taycan oder Audi RS e-tron GT. Noch fehlt ihm das jahrzehntelang aufgebaute Image europäischer Luxusmarken. Aber er bringt etwas mit, das man nicht unterschätzen sollte: Tempo in der Entwicklung, technische Radikalität und ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das im Luxussegment richtig weh tun kann.

Der Denza Z9 GT ist damit kein Auto, das die alte Premium-Welt sofort ersetzt. Aber er ist ein Auto, das zeigt, dass diese alte Premium-Welt nicht mehr allein auf dem Spielfeld steht. Und genau das macht ihn für uns so spannend und spannend ist auch der Markenbotschafter!

Warum passt Daniel Craig als Markenbotschafter zu Denza?

Dass Denza ausgerechnet Daniel Craig als globalen Markenbotschafter für die Expansion 2026 verpflichtet hat, ist kein Zufall, sondern ein ziemlich cleverer Schachzug. Craig steht international für Stil, Präzision, kontrollierte Härte und moderne Coolness. Genau dieses Image will Denza auf den Z9 GT übertragen. Der frühere James-Bond-Darsteller bringt eine Aura mit, die sofort verstanden wird: luxuriös, souverän, technisch interessiert, aber nicht laut um Aufmerksamkeit bettelnd. Für eine noch junge Premium-Marke aus China ist das enorm wertvoll, denn Denza muss in Europa nicht nur erklären, was das Auto kann, sondern auch Vertrauen und Begehrlichkeit aufbauen. BYD kündigte Craig im März 2026 als Gesicht einer neuen globalen Denza-Kampagne an, passend zur internationalen Expansion der Premium-Marke.

Warum ist der Denza Z9 GT auch ein Markenbotschafter?

Der Denza Z9 GT ist mehr als nur ein neues Elektroauto mit viel Leistung, großem Akku und luxuriöser Ausstattung. Er ist ein Markenbotschafter für das, was BYD mit Denza in Europa vorhat. Während BYD selbst inzwischen als ernstzunehmender Volumenhersteller wahrgenommen wird, soll Denza zeigen, dass die Chinesen auch Premium können. Genau deshalb wirkt dieses Auto wie eine rollende Visitenkarte: elektrische Türen, hochwertige Materialien, drei Elektromotoren, Flash-Charging, Hinterachslenkung, seitliches Fahren, drehende Manöver auf der Stelle und ein Innenraum, der bewusst mit Luxus, Technik und Show arbeitet.

Der Z9 GT soll nicht nur verkauft werden, er soll Aufmerksamkeit erzeugen, Diskussionen auslösen und die Marke Denza in den Köpfen verankern. Dabei geht es weniger darum, sofort jeden Porsche-, Audi- oder Mercedes-Kunden abzuwerben. Es geht darum zu zeigen, dass Denza nicht als günstige Alternative antreten will, sondern als selbstbewusster Herausforderer im oberen Segment. Und genau diese Rolle erfüllt der Z9 GT ziemlich konsequent: Er erklärt die Marke nicht mit Worten, sondern mit Technik, Präsenz und einem gewissen „Schaut her, wir können das auch“-Moment.

Markiert: