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Der große Fiat Grande Panda im Test

Fiat Grande Panda Test

Endlich steht er da, der nagelneue Fiat Grande Panda Elektro. Ein kleines Elektro-SUV, das vor allem eines verspricht: den Einstieg in die Elektromobilität zu einem Preis, der nicht automatisch nach Premium klingt. Genau das macht ihn spannend, denn unter 25.000 Euro wird das Angebot plötzlich alltagstauglich für Menschen, die nicht zuerst eine Förderkulisse brauchen, um überhaupt rechnen zu können. Der Grande Panda will kein Technik-Feuerwerk sein, sondern ein urbanes Werkzeug mit Charme, das gleichzeitig modern aussieht und sich nicht nach Sparflamme anfühlt.

Wie wirkt das Design und welche Details sind mehr als nur Deko?

Optisch trifft Fiat einen Nerv. Die Front mit LED-Tagfahrlicht und LED-Scheinwerfern wirkt frisch und sympathisch, ohne geschniegelt zu sein. Dazu kommen die SUV-Anleihen mit schön verkleideten Radhäusern und ein Format, das nicht protzt, aber Präsenz hat. Besonders pfiffig sind die kleinen Marken-Zitate, die immer wieder auftauchen, etwa eingestanzte Fiat- oder Panda-Schriftzüge im Blech. Das ist kein Aufkleber-Tuning, sondern wirkt wie ein Designer, der sein Werk mit einem Augenzwinkern signiert.

Die Stabantenne mit GPS-Knubbel hat so viel Neunziger-Vibe, dass man fast erwartet, gleich kommt irgendwo ein Kassettendeck zum Vorschein. Nostalgie kann manchmal wirklich charmant sein.

Fiat Grande Panda Test-Video

Welche Maße hat der Grande Panda und wie city-tauglich ist er wirklich?

Mit 3,999 Metern Länge bleibt er haarscharf unter vier Metern. Er ist 1,76 Meter breit, mit Außenspiegeln 2,1 Meter, 1,58 Meter hoch und rollt auf einem Radstand von 2,54 Metern. Das klingt trocken, wird aber im Alltag sehr konkret, denn der Wendekreis liegt bei 10,90 Metern. In der Stadt bedeutet das weniger rangieren, weniger fluchen und mehr Lücke-nutzen.

Das Leergewicht beträgt 1.532 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht 1.985 Kilogramm. Daraus ergibt sich eine Zuladung von 453 Kilogramm. Für ein kleines Elektroauto ist das ein ordentlicher Wert, weil Zuladung in dieser Klasse oft der stille Spaßbremser ist.

Was steckt beim Antrieb drin und wie flott fühlt sich das im Alltag an?

Der Elektromotor sitzt vorne und treibt die Vorderachse an. Die Leistung liegt bei 83 kW, also 113 PS. Dazu kommen 122 Nm. Von 0 auf 100 km pro Stunde sollen 11,5 Sekunden möglich sein, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 132 km pro Stunde. Das sind Werte, die niemanden auf der Rennstrecke beeindrucken, aber in der Stadt spielt das Elektroauto ohnehin eine andere Disziplin. Der Punch beim Losfahren ist schnell da, und genau das sorgt im Verkehr für ein souveränes Gefühl.

Auch wenn das Datenblatt keine Rakete verspricht, an der Ampel kann so ein elektrischer Panda überraschend frech wirken, weil viele Verbrenner im gleichen Preisbereich erst einmal Luft holen müssen, bevor sie loslegen.

Wie groß ist der Akku und welche Ladeleistung ist realistisch?

Der Grande Panda Elektro nutzt ein 400-Volt-System und hat einen Akku mit netto 43,8 kWh. Beim AC-Laden reicht die Spanne je nach Variante von 7 kW bis 11 kW, also von einphasig bis dreiphasig. DC ist optional mit bis zu 100 kW möglich. Dann sollen 10 auf 80 Prozent in 27 Minuten gelingen.

Das klingt nach einem brauchbaren Mittelstrecken-Setup, bleibt aber abhängig von Temperatur, Säule und Akku-Management. Für die Stadt und das Umland ist es absolut passend, für echte Langstrecken wird es eher zur Sache der Planung, nicht der Spontaneität.

Was kostet der Grande Panda Elektro und wie unterscheiden sich die Versionen?

Der Einstieg erfolgt als Fiat Grande Panda Electric Pop ab 24.990 Euro. Darüber liegt die Icon-Variante ab 26.990 Euro und die La Prima ab 29.990 Euro. Motor und Akkugrößen bleiben gleich, die Unterschiede liegen vor allem in Ausstattung und Ladeoptionen, also genau dort, wo man im Alltag entweder Komfort gewinnt oder Ladezeit spart.

Gerade bei Fiat ist zudem oft entscheidend, was Leasing und Finanzierung daraus machen, weil Händleraktionen in der Praxis den Listenpreis relativieren können. In dieser Klasse zählt am Ende meistens eher die Monatsrate als der Prospektwert.

Was findet sich unter der Haube und warum ist das Thema Frunk hier ein kleiner Aufreger?

Vorne ist vieles sauber verkleidet. Elektromotor, Inverter und Lade-Komponenten sitzen dort, wo man sie erwartet. Gleichzeitig taucht ein Problem auf, das bei kleinen Elektroautos immer wieder nervt: Ein wirklich nutzbarer Frunk ist nicht erkennbar. Stattdessen finden sich 12-Volt-Batterie, Wischwasser und die üblichen Service-Punkte.


Das ist schade, weil vorne sichtbar Raum vorhanden wäre, der für ein Ladekabel oder Kleinkram hätte genutzt werden können. So landet das Kabel später im Kofferraum, und damit wird Stauraum verschenkt, den man in einem knapp vier Meter kurzen Auto eigentlich gut gebrauchen könnte.

Wie praktisch ist der Kofferraum und wo liegen die echten Einschränkungen?

Der Kofferraum bietet 361 Liter Stauvolumen. Das ist in dieser Klasse ein starkes Argument. Es wirkt ordentlich ausgekleidet, es gibt Haken und Beleuchtung. Was auffällt, ist das fehlende Konzept fürs Ladekabel. Es liegt schnell im Weg, weil im unteren Stauraum zwar Bordwerkzeug Platz findet, aber kein Typ-2-Kabel sinnvoll verschwindet.

Die Rückbank klappt im Verhältnis 40 zu 60 um, dann wächst das Volumen auf 1.315 Liter. Eine komplett ebene Ladefläche entsteht dabei nicht, und ein doppelter Ladeboden hätte hier gleich zwei Probleme gelöst, nämlich die Stufe und den Kabelplatz. Genau das ist einer dieser Punkte, bei denen man merkt, dass der Preis irgendwo herkommen muss.

Welche Anhänger- und Dachlasten sind möglich und wofür reicht das realistisch?

Die Dachlast liegt bei 70 Kilogramm. Damit sind Dachträger und leichte Dachboxen durchaus drin. Optional gibt es eine Anhängerkupplung. Angegeben sind 550 Kilogramm Anhängelast bis 12 Prozent Steigung und 61 Kilogramm Stützlast. Das ist keine Zugmaschine, aber für einen Fahrradträger mit zwei Rädern oder einen kleinen Anhänger für kurze Strecken kann es genau passen.

Fiat Grande Panda Test Fotos

Wie fühlt sich das Interieur an und warum macht Fiat hier vieles richtig?

Innen passiert etwas, das man in dieser Preisregion nicht immer bekommt. Der Armaturenträger wirkt durchdacht und stylisch, die Materialmischung ist clever, und selbst mutige Farbakzente wirken nicht billig, sondern bewusst gestaltet. Klar, harte Kunststoffe sind vorhanden, vor allem weiter unten an den Türen. Aber der Gesamteindruck ist deutlich hochwertiger als erwartet.

Das Fahrerdisplay ist groß und gut ablesbar. Die Lenksäule lässt sich in Höhe und Abstand verstellen. Dazu kommt ein Infotainment-System, das flüssig reagiert und eine Navigation bietet. Apple CarPlay ist im Test aktiv, und das Soundsystem macht einen erstaunlich ordentlichen Eindruck, mit sauberen Höhen und brauchbarem Bass.

Ein echter Sympathiepunkt ist der klassische Fiat-Schlüssel mit Zündschloss. Das ist Kult, simpel und irgendwie angenehm ehrlich.

Welche Bedienung bietet der Panda und warum sind echte Tasten hier ein Pluspunkt?

Fiat versteckt nicht alles in Touch-Menüs. Die Klimabedienung ist klassisch, es gibt Kippschalter, Direktzugriffe und eine logische Anordnung. Je nach Variante sind Lenkradheizung und Sitzheizung an Bord, die Sitzheizung sogar in drei Stufen. Dazu kommen USB-C-Anschlüsse, eine 12-Volt-Steckdose und eine induktive Ladefläche.

Das wirkt wie ein Auto, das für den Alltag gebaut wurde, nicht für die Showroom-Instagram-Ansicht.

Wie sitzt es sich vorne und hinten und wo spart Fiat sichtbar?

Vorne überzeugen die Sitze mit gutem Seitenhalt und ordentlicher Sitzfläche. Auch größere Personen finden eine brauchbare Position, inklusive Sitzhöhenverstellung. Hinten überrascht der Panda mit ordentlicher Kopf- und Beinfreiheit, solange vorne nicht maximal zurückgestellt ist. Praktisch ist auch, dass die Füße unter die Vordersitze passen, was bei kompakten Autos Gold wert ist.

Was fehlt, sind USB-Anschlüsse im Fond und eine Mittelarmlehne. Außerdem zeigt sich das klassische Spar-Muster: vorne wirkt es liebevoller, hinten wird es stärker Kunststoff. Das ist nicht dramatisch, fällt aber auf, weil der vordere Bereich so gut gemacht ist.

Wie leise ist der Grande Panda Elektro und was sagen die Messwerte?

Bei der Innengeräuschmessung liegen die Werte bei etwa 60 bis 63 Dezibel bei 50 km pro Stunde. Bei 70 km pro Stunde sind es etwa 70 bis 71 Dezibel, bei 100 km pro Stunde etwa 72 bis 73 Dezibel. Für ein kleines Elektroauto in dieser Preisregion ist das ein ordentliches Ergebnis. Die Dämmung wirkt besser, als man es oft erwartet, und auch auf der Autobahn bleiben Windgeräusche im Rahmen.

Welche Assistenzsysteme sind an Bord und was fehlt spürbar?

Verbaut ist ein Tempomat, aber im getesteten Fahrzeug kein adaptiver Abstandstempomat. Die Verkehrszeichenerkennung erkennt Änderungen, übernimmt sie aber nicht automatisch. Ein Spurhalter ist vorhanden und greift im Notfall leicht ein, eine echte Spurführung in der Mitte der Spur gibt es nicht.

Das ist der Punkt, an dem der Preis sichtbar wird. Für Stadt, Umland und moderate Autobahn-Anteile reicht es vielen. Wer viel Langstrecke fährt, wird die fehlende Assistenz stärker spüren.

Wie funktioniert das Parken und was muss man dabei wissen?

Eine Rückfahrkamera ist an Bord, allerdings lenken die Hilfslinien nicht mit. Ultraschallsensoren unterstützen, ein 360-Grad-System gibt es nicht. Bei knapp vier Metern Länge und einem guten Wendekreis ist das aber insgesamt stimmig, weil das Auto sich in engen Situationen ohnehin leicht manövrieren lässt.

Wie fährt er sich und was sagt Steffens Popometer zum Komfort?

Das Fahrwerk wirkt straff-komfortabel. Es gibt wenig Wank- und Neigebewegung, die Lenkung wirkt direkt, und das Auto vermittelt ein sicheres Fahrgefühl. Die Sitze werden als bequem eingeschätzt, mit gutem Seitenhalt und ordentlicher Oberschenkelauflage. Insgesamt ergibt sich ein Eindruck, der auch Mittelstrecken nicht zur Pflichtübung macht.
Das Auto fährt sich nicht wie ein Sofa, sondern wie ein kleiner, stabiler Stadthüpfer, der lieber kontrolliert als weich wankt.

Welche Nachteile sind wirklich relevant und wo muss man ehrlich sein?

Es gibt einige Punkte, die im Alltag nerven können. Ein nutzbarer Frunk fehlt, ein sinnvoller Kabel-Stauraum ebenfalls. Ein doppelter Ladeboden wäre praktisch gewesen, um eine ebene Fläche zu schaffen und Kabel zu verstecken. Im Fond spart Fiat bei den Materialien sichtbar. Und bei den Assistenzsystemen bleibt es eher bei Basis-Funktionen, was Langstreckenfahrer mehr stören wird als Stadtfahrer.

Wer häufig öffentlich laden muss, muss Ladezeiten und Infrastruktur stärker einplanen. Wer regelmäßig sehr lange Strecken fährt, wird die Kombination aus kleinem Akku und begrenzter Ladeleistung eher als Planungsaufgabe erleben.

Warum könnte der Grande Panda Elektro trotzdem ein richtig gutes Match sein?

Weil er genau das liefert, was viele suchen, aber selten finden: ein bezahlbares Elektroauto, das nicht nach Verzicht aussieht, sondern nach Persönlichkeit. Der Innenraum ist pfiffig, die Bedienung ist alltagstauglich, Apple CarPlay läuft, die Dämmung ist ordentlich, und das Gesamtpaket wirkt stimmig. Dazu kommt ein Preis, der Elektromobilität wieder näher an normale Budgets rückt.

Für alle, die zu Hause oder am Arbeitsplatz laden können und ein kompaktes Auto für Stadt, Umland und gelegentlich Autobahn suchen, ist der Fiat Grande Panda Elektro eine ernsthafte Option. Kein Sportwagen, keine Luxus-Lounge, aber ein sympathischer Alltagshelfer mit Elektro-Vorteilen und einem Design, das bei jedem Einsteigen ein kleines Grinsen auslösen kann.

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