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Eleganz, Ehrgeiz, Eigenwilligkeit: Volvos Dreiklang der Moderne

Volvos Dreiklang der Moderne

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Volvo hat sich Zeit mit dem EX90 gelassen, liefert aber ein echtes Flaggschiff der Elektro-Ära. Schon der erste Eindruck ist typisch skandinavisch: Keine grellen Linien, kein Größenwahn. Stattdessen steht der fast drei Tonnen schwere Siebensitzer wie ein Granitblock auf den Rädern, entschlossen, aber nie aggressiv.

Von Wolfgang Wieland

Unter dem sachlichen Blechkleid arbeitet geballte Technik. Zwei Elektromotoren liefern 517 PS, die 111-kWh-Batterie verspricht über 580 Kilometer Reichweite. In der Praxis pendelt sich das bei guten 480 Kilometern ein, respektabel, aber kein Maßstab. Beim Fahren zeigt der EX90 enorme Ruhe. Das adaptive Luftfahrwerk bügelt Bodenwellen weg, als hätten sie sich verirrt. Nur in schnellen Kurven spürt man das Gewicht unnachgiebig, Physik für Erstsemestler.

Im Innenraum herrscht eine Atmosphäre, die eher an Architektur als an Automobil erinnert. Recycelte Materialien, klare Flächen, ein unaufdringlicher Duft nach Moderne. Der zentrale Touchscreen dominiert zunächst und bleibt, trotz Volvos übersichtlicher Menüführung, ein Bedienhindernis. Wer schnell zwischen Fahrmodi und Navigation wechseln will, braucht einen Moment Geduld, eine Tugend, die das Auto allerdings erfolgreich vorlebt.

Der Fahrassistent mit Lidar blickt weit voraus, sanft, präzise, fast unheimlich aufmerksam. Doch die Vielzahl an Warnmeldungen wirkt bisweilen übertrieben, wie ein übervorsichtiger Beifahrer der chinesischen Muttergesellschaft.

Der EX90 ist kein elektrischer Pionier, sondern ein souveräner Ruhepol. Er begeistert nicht durch Spektakel, sondern durch Haltung. Und doch bleibt das Gefühl, dass Volvo seine Tugenden so sorgfältig poliert hat, dass ein Stück Leidenschaft dabei verlorengegangen ist. Ein großartiges Auto und zugleich eines, das man eher respektiert als liebt.

Auch der aktuelle Volvo XC60 fährt nicht mit lautem Auftritt vor, er überzeugt durch Selbstbewusstsein, das keine Show braucht. Äußerlich bleibt er sofort als XC60 erkennbar: Klare Flächen, geerdete Proportionen, dezent geschärfte Leuchten. Evolution statt Revolution, ein Ansatz, der nicht begeistert, aber Respekt weckt.

Unter der Haube arbeitet nun durchweg Elektrifizierung. Der Mildhybrid spielt die Rolle des Vernunftsmotors, die Plug-in-Version übernimmt das Prestige. Zusammen mit der überarbeiteten Antriebssoftware reagiert der Schwede spontaner, geschmeidiger, nur der Übergang zwischen Elektro- und Verbrennungsbetrieb gelingt nicht immer völlig ruckelfrei. Wer den XC60 auf kurvigen Landstraßen bewegt, spürt: Dynamik bleibt ihm fremd. Doch er möchte auch gar kein Sportler sein, sondern ein souveräner Gleiter mit viel Sicherheitsgefühl.

Das Fahrwerk, ziemlich fein austariert. Straffer als früher, aber nie ruppig. Auf Autobahnen herrscht sämige Ruhe, jene wohltuende Gelassenheit, die nur Volvo beherrscht. Geräuschdämmung, Sitzqualität, Assistenzsysteme, alles solide, wenn auch nicht mehr Klassenmaßstab. Mercedes und BMW ziehen im digitalen Komfort klar vorbei.

Innen erwartet den Fahrer die vertraute skandinavische Schlichtheit: Helle Stoffe, matte Metalle, ein aufgeräumter 14-Zoll-Screen mit Googles Infotainment. Die Bedienung gelingt besser als noch beim Vorgänger, bleibt aber ein Balanceakt zwischen Funktion und Ablenkung.

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Der XC60 glänzt dort, wo Volvo immer glänzte, durch Sicherheit, Stil und Solidität. Aber er zeigt auch Grenzen: Etwas zu rational, etwas zu korrekt, zu glattpoliert. Emotion entsteht kaum, obwohl alles funktioniert. Ein makelloser Begleiter mit Charakterdisziplin. Und gerade deshalb ein Auto, das man achtet, mehr als dass man es begehrt.

Manchmal zeigt sich Mut in den leisen Entscheidungen. Volvo hat mit dem EX30 Cross Country ein Auto gebaut, das sich weder von seiner Größe noch seinem Image einschränken lässt. 4,23 Meter Kompaktklasse, und doch ein Auftritt, der nicht nach Stadt, sondern nach Weite riecht. Höhergelegt, mit robusten Schwellern, schwarzem Kunststoff statt Chrom, der kleine Volvo trägt das Outdoor-Kostüm mit echter Überzeugung.

Unter der Haube steckt bekannte Technik: Wahlweise Heck- oder Allradantrieb, bis zu 428 PS aus zwei E-Motoren. Das klingt nach Übermut, doch so fährt er nicht. Der EX30 geht beherzt zur Sache, aber kontrolliert, mit jener skandinavischen Selbstverständlichkeit, die mehr auf Präzision als auf Drama setzt. Auf Schotterwegen bleibt das Fahrwerk erstaunlich geschmeidig, das Dämpfungspaket wurde für die Cross-Country-Version spürbar nachgeschärft. Nur auf grobem Asphalt neigt der Kleine zu leichtem Poltern, eine Erinnerung daran, dass Kompaktheit auch Grenzen kennt.

Im Innenraum: Minimalismus pur. Recycling-Materialien, klare Linien, kaum Knöpfe. Der zentrale Bildschirm dominiert funktional, aber nicht fehlerfrei. Manche Gesten reagieren träge, und die Menüstruktur verlangt Routine. Und wehe, man schaut zu lang auf die aktuelle Geschwindigkeit, dann kommt sofort ein lästiger Assistent und mahnt den Blick doch bitte auf die Straße zu richten. Nervt! Doch die Atmosphäre bleibt trotzdem angenehm ehrlich: Kein Blender, kein Versuch, ein Luxusauto zu mimen.

Auf der Straße wirkt der Cross Country wie ein robustes Versprechen: Kleiner Fußabdruck, große Entschlossenheit. Die Reichweite von rund 440 Kilometern ist ordentlich, das Schnellladen mit bis zu 153 kW akzeptabel, wenn auch nicht rekordverdächtig.

Was bleibt, ist ein Auto mit Charakter. Nicht perfekt, aber aufrichtig. Der EX30 Cross Country kompensiert seine Schwächen mit Haltung, ein kleiner Schwede mit chinesischen Wurzeln, der zeigt, dass Wildheit und Vernunft sich nicht ausschließen müssen.

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