Mit dem Luce schlägt Ferrari ein komplett neues Kapitel auf. Zum ersten Mal steht ein vollelektrischer Supersportwagen im Mittelpunkt der Markenstrategie. Der Name Luce, italienisch für Licht oder Erleuchtung, ist dabei bewusst gewählt. Ferrari positioniert den Ferrari Luce nicht nur als Technikträger, sondern als philosophischen Neustart. Elektrifizierung wird hier nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Werkzeug, um Design, Emotion und Fahrerlebnis neu zu definieren.
Spannend ist auch der strategische Kontext. Der Luce ist der Auftakt einer neuen Namenslogik bei Ferrari und gleichzeitig ein zentraler Baustein der zukünftigen Modellpalette. Die Technikbasis wurde bereits 2025 im e-Building in Maranello vorgestellt. Die finale Enthüllung inklusive Exterieur ist für Mai 2026 in Italien geplant. Damit zieht Ferrari den Spannungsbogen bewusst über mehrere Präsentationsphasen, fast wie bei einem Tech-Produkt.
Besonders interessant für Technikfans ist die Zusammenarbeit mit LoveFrom, dem Designkollektiv rund um Jony Ive und Marc Newson. Diese Verbindung zeigt klar, dass Ferrari den Luce nicht nur als Auto, sondern als Interface-Produkt versteht. San Francisco als Präsentationsort unterstreicht genau diesen Ansatz.
Wie spricht man denn Luce aus?
Das italienische Wort luce (Licht) wird [ˈluːtʃe] ausgesprochen. Es klingt etwa wie „Lutsche“, mit einem weichen „tsch“-Laut, wobei das -e am Ende deutlich ausgesprochen wird. Nicht zu verwechseln mit Lusche, denn leistungstechnisch dürfte der neue rein elektrisch angetriebene Ferrari keine Lusche sein, sondern über ordentlich Leistung verfügen und den Akku schnell leer saugen, wenn man diese dann auch abruft.
Wie verändert sich das Bedienkonzept im Ferrari Luce?
Der vielleicht radikalste Schritt liegt im Bedienkonzept. Während viele Elektroautos konsequent auf Touchscreens setzen, geht Ferrari bewusst in eine andere Richtung. Mechanische Schalter, Drehregler und Kippschalter bleiben zentraler Bestandteil. Das Ziel ist klar: Bedienung soll fühlbar bleiben.
Das Lenkrad ist dabei ein gutes Beispiel. Drei Speichen, inspiriert von klassischen Nardi-Lenkrädern aus den 50er und 60er Jahren, aber gefertigt aus 100 Prozent recyceltem Aluminium. 19 CNC-gefräste Einzelteile sorgen für eine Gewichtsersparnis von rund 400 Gramm gegenüber bisherigen Ferrari-Lenkrädern. Gleichzeitig wurden die Tasten über mehr als 20 Testreihen mit Testfahrern akustisch und mechanisch optimiert.
Ferrari Luce Interieur Fotos






















Besonders clever ist der Startprozess. Der Schlüssel besteht aus Gorilla Glass und nutzt erstmals im Auto ein E-Ink-Display. Strom wird nur beim Farbwechsel verbraucht. Beim Einsetzen in die Konsole startet eine Inszenierung aus Licht, Interface-Aktivierung und Farbwechsel. Klassisches Ferrari-Theater, nur eben elektrisch interpretiert.
Was steckt technisch hinter Displays und Interface?
Der Luce setzt auf drei zentrale Displays. Fahreranzeige, Kontrollpanel und hinteres Interface für Passagiere. Besonders spektakulär ist das sogenannte Binnacle. Zwei überlagerte OLED-Displays erzeugen eine Tiefenwirkung, bei der Aussparungen im oberen Display Informationen des dahinterliegenden Panels sichtbar machen.
Das Ganze bewegt sich mit dem Lenkrad mit. Damit bleibt die Anzeige immer im optimalen Blickfeld, unabhängig von Sitzposition oder Lenkradverstellung. Für Ferrari ist das eine Premiere.
Die grafische Gestaltung orientiert sich bewusst an klassischen Instrumenten von Veglia oder Jaeger aus historischen Ferrari-Modellen. Gleichzeitig wird die Informationsdichte reduziert, um die kognitive Belastung für den Fahrer gering zu halten. Das Ziel ist, Informationen so schnell erfassbar zu machen wie die Zeit auf einer analogen Uhr.
Ein echtes Nerd-Detail ist der Multigraph im Zentraldisplay. Drei Motoren bewegen unabhängig voneinander Zeiger über ein minimalistisches Zifferblatt. Funktionen reichen von Uhr über Chronograph bis Kompass und Launch-Control-Anzeige. Das ist im Grunde Uhrmacherkunst im Auto.
Welche Materialien und Fertigungstechnologien kommen zum Einsatz?
Materialseitig fährt Ferrari ein extremes High-Tech-Programm. Aluminium wird komplett aus recycelten Legierungen gefertigt und aus massiven Blöcken gefräst. Anschließend folgt eine spezielle Eloxal-Behandlung, die eine mikroskopische hexagonale Zellstruktur erzeugt. Das erhöht Härte, Widerstandsfähigkeit und Farbbrillanz.
Beim Glas setzt Ferrari auf präzisionsgefrästes Gorilla Glass. Beim Schalthebel wurden Laser genutzt, um Mikrobohrungen zu erzeugen, die halb so breit sind wie ein menschliches Haar. Erst dadurch lassen sich die Grafiken mit perfekter Gleichmäßigkeit integrieren.
Das Ziel ist klar erkennbar. Materialien sollen nicht nur edel wirken, sondern technisch ehrlich sein. Keine Fake-Oberflächen, sondern echte Werkstoffe mit sichtbarer Struktur.
Warum ist der Ferrari Luce für die Elektromobilität so spannend?
Der Ferrari Luce zeigt ziemlich deutlich, wohin sich High-End-Elektroautos entwickeln könnten. Weg vom Tablet auf Rädern, hin zu einer Mischung aus digitaler Präzision und mechanischer Emotionalität. Gerade für Fahrer, die bei vielen EVs das haptische Erlebnis vermissen, könnte das ein extrem spannender Ansatz sein.
Gleichzeitig zeigt Ferrari, dass Elektromobilität nicht automatisch Minimalismus bedeuten muss. Stattdessen wird Technik hier fast schon zelebriert. Sichtbares Aluminium, bewusst inszenierte Startsequenzen, mechanische Rückmeldungen. Das wirkt eher wie klassische Supersportwagen-DNA, nur eben neu interpretiert.
Wenn Ferrari das Serienmodell technisch und emotional so auf die Straße bringt, könnte der Luce einer der ersten Elektro-Supersportwagen sein, der nicht nur über Leistung definiert wird, sondern über Erlebnis und somit dann auch den Weg in die wohlbetuchten Gegenden findet, denn für Otto Normal und Lieschen Müller ist der Ferrari Luce sicherlich kein Fahrzeug.





















