Sollte man sich ein Tesla Model 3 gebraucht kaufen? Die Frage kommt immer wieder, in Kommentaren, Mails, auf dem Supermarktparkplatz zwischen Einkaufswagen und Ladesäule: Neu kaufen oder lieber gepflegt gebraucht? Und ja, das ist mehr als eine akademische Diskussion, weil Elektromobilität zwar längst Alltag ist, aber beim Preis noch immer gerne so tut, als wäre sie ein exklusiver Club mit Samtseil.
Wer nicht gerade ein sehr gutes Leasingangebot erwischt oder schlichtweg ein Auto braucht, landet zwangsläufig bei der Überlegung: Nach vier, fünf, sechs Jahren EV-Welle müsste es doch inzwischen richtig interessante Gebrauchte geben.
Und dann steht da dieser Name im Raum, der Elektromobilität in Deutschland für viele überhaupt erst sichtbar gemacht hat: Tesla. Das Tesla Model 3 war für viele der Moment, in dem ein Elektroauto nicht mehr wie ein rollender Kompromiss wirkte, sondern wie ein ganz normales Auto, nur mit Softwarehirn und dieser typischen Sofort-Power. Gleichzeitig ist Tesla als Marke polarisiert, die Debatte um Elon Musk schwappt immer mit, das gehört zur Realität dazu. Wir bleiben dabei: differenziert draufschauen. Es ist ein Auto, kein Heiligenbild und kein Feindbild.
Genau deshalb war der Ansatz dieses Tests so naheliegend: Wie schlägt sich ein Tesla Model 3 Standard Range Plus aus September 2021 als Tesla Certified Pre-Owned, also als geprüfter Tesla-Gebrauchtwagen, nach gut 85.000 Kilometern? Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis noch so stark, wie der Mythos behauptet? Oder ist es am Ende doch eher ein Fall von „klingt gut, klappert aber“?
Was bedeutet Tesla Certified Pre-Owned und warum ist das mehr als ein Aufkleber?
Certified Pre-Owned heißt bei Tesla: Das Auto kommt über Tesla selbst, bekommt einen Gebrauchtwagencheck, eine Gebrauchtwagengarantie in einem gewissen Umfang und dazu oft Extras wie den Enhanced Autopilot, also eine erweiterte Stufe des klassischen Autopiloten. Dazu kommt Mobilitätsservice, also im Zweifel Hilfe, wenn unterwegs etwas querläuft.
Wichtig ist dabei die Erwartungshaltung. Tesla hatte in der Vergangenheit nicht den Ruf, bei Qualitätsstatistiken glänzend vorne mitzuspielen. Wenn eine Marke dann ein eigenes Qualitätsprogramm ausruft, ist das automatisch eine Einladung zum Realitätstest. Nicht als Sachverständige mit Messuhr und Lackschichtdicke, sondern so, wie viele den Wagen später nutzen würden: als normale Fahrer, die wissen wollen, ob der „junge Gebrauchte“ ein guter Deal ist oder ein hübsch verpacktes Risiko.
Um welches Auto geht es konkret?
Wir haben es mit einem Tesla Model 3 Standard Range Plus zu tun, Erstzulassung September 2021, Laufleistung gut 85.715 Kilometer, angeboten für rund 24.300 Euro. Das ist die Zahl, die im Kopf bleibt, weil sie sich wie eine Kampfansage an viele Neuwagenpreise anfühlt.
Die Eckdaten passen in die Mittelklasse-Limousinenwelt: 4,69 Meter Länge, 1,84 Meter Breite, 1,44 Meter Höhe, Radstand 2,87 Meter, Wendekreis 11,60 Meter. Leergewicht 1.684 Kilogramm. Also kein Federgewicht, aber auch kein rollender Betonklotz.
Antrieb: Hinterradantrieb mit ordentlich Dampf, 239 kW beziehungsweise 325 PS und 420 Newtonmeter. Beschleunigung 0 auf 100 km/h laut Angabe 5,6 Sekunden, Spitze 225 km/h. Akku: es wird von rund 55 kWh brutto gesprochen und etwa 52,5 kWh netto, wobei Tesla traditionell eher sparsam mit offiziellen Detailangaben umgeht. WLTP-Reichweite: 448 Kilometer, WLTP-Verbrauch: 14 kWh pro 100 Kilometer.
Woran erkennt man außen, ob ein Auto 85.000 Kilometer gelebt hat?
Der erste Eindruck war überraschend unaufgeregt. Lack und Spaltmaße wirkten ordentlich, kein Drama, keine großflächigen Kratzerlandschaften, keine Beulen, die nach Parkplatz-Krieg aussehen. Gerade bei den China-basierten Model-3-Jahrgängen war die Verarbeitungsqualität oft deutlich besser als das, was Tesla in den ganz frühen Jahren nach Europa gebracht hat. Dieses Auto bestätigt das Gefühl: Es wirkt gepflegt, nicht geschniegelt, aber gesund.
Natürlich gibt es Gebrauchsspuren, die gehören dazu. Und ehrlich gesagt ist das sogar hilfreich, weil man sieht, wie die Materialien altern, statt sich von einer Hochglanz-Aufbereitung blenden zu lassen. Ein Gebrauchtwagen darf Patina haben. Die Frage ist nur: Wird Patina irgendwann zu Problem?
Frunk, Trunk und die Kunst, Stauraum zu verstecken
Tesla kann Stauraum. Vorne gibt es den Frunk, also den Front-Trunk, den vorderen Kofferraum. Der fällt hier mit rund 84 Litern angenehm praktisch aus, perfekt für Ladekabel, Kleinkram, Dinge, die nicht im großen Kofferraum herumfliegen sollen. Nebenbei gibt es Details, die man im Alltag wirklich schätzt, wie der gut erreichbare Wischwasser-Einfüllstutzen. Das klingt banal, ist aber genau diese Sorte Alltagstauglichkeit, über die man erst spricht, wenn man einmal im Dunkeln mit triefender Windschutzscheibe vor einer Serviceklappe steht und sich fragt, ob der Designer jemals Regen erlebt hat.
Hinten wird es dann richtig üppig: 561 Liter Kofferraumvolumen. Beim Model 3 bleibt es die klassische Stufenheck-Limousine, also keine große Fließheckklappe wie beim Model S. Trotzdem ist die Öffnung ordentlich, die Verkleidung wirkt wertig mit Teppich und Filz, darunter gibt es ein großes Zusatzfach. Mit umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1.218 Liter. Es ist nicht die maximale Transport-Hölle-und-zurück-Lösung, aber für die Klasse ein erstaunlich praktisches Paket.
Und dann diese Tesla-Momente, bei denen man kurz lachen muss: Das Auto pupst beim Schließen. Ein Software-Gag, irgendwo zwischen Kindergartenhumor und „na gut, wenigstens kann es Updates“. Man kann darüber die Augen verdrehen, man kann es lieben, man kann es ausschalten. Aber es erzählt viel über Teslas Kultur: Auto als digitales Gerät, das auch albern sein darf.
Anhängelast, Stützlast und warum 100 Kilogramm mehr wert sind als jede Prospekt-Poesie
Wer Fahrräder, Heckträger oder einen kleinen Anhänger plant, schaut auf Zahlen, die in Hochglanzbroschüren gerne klein gedruckt werden. Hier wird es konkret: bis zu 1.000 Kilogramm gebremst bei 12 Prozent Steigung, ungebremst 750 Kilogramm. Spannend ist die Stützlast: 100 Kilogramm. Das ist Gold wert, weil moderne E-Bikes nicht leichter werden und ein Heckträger mit zwei Pedelecs schnell an Grenzen stößt. Wer so etwas im Alltag braucht, weiß: Stützlast ist nicht sexy, aber sie entscheidet darüber, ob der Plan funktioniert.
Wie fühlt sich der Innenraum nach vier Jahren wirklich an?
Innen zeigt das Auto zwei Gesichter. Das eine ist die Tesla-Stärke: klare Ergonomie, angenehme Sitzposition, ein griffiges Lenkrad, viel Licht durchs Glasdach, eine aufgeräumte Mittelkonsole, die im Alltag tatsächlich praktisch ist. Filz in Ablagen, tiefe Fächer, USB-C, 12 Volt, ordentlich durchdachte Stauräume. Auch das Handschuhfach, das per Screen öffnet, ist so ein typischer Tesla-Move: nicht zwingend nötig, aber sauber integriert.
Das andere Gesicht sind die Spuren, die man bei 85.000 Kilometern erwarten darf. Harte Kunststoffe zeigen Kratzer, Einstiegsbereiche tragen ihre Narben, und die serienmäßigen Velours-Fußmatten wirken, als hätten sie sich schon am ersten Tag entschieden, nicht mit dem Rest des Autos zusammenzuarbeiten. Sie verrutschen, wirken wellig, das ist kein Weltuntergang, aber es ist genau dieses „hier wurde gespart“, das man eben sieht und fühlt.
Positiv: die Sitze. Das vegane Leder macht einen frischen Eindruck, Polsterung wirkt nicht durchgesessen, die Form passt auch auf längeren Strecken. Sitzheizung ist für alle Plätze möglich, Lenkradheizung ebenfalls. Das ist nach wie vor ein Komfortpaket, das im Alltag trägt.
Was ist mit Fahrerdisplay und Head-up-Display und warum ist das für manche ein Dealbreaker?
Das Model 3 dieser Generation bleibt bei seinem Konzept: kein klassisches Fahrerdisplay, kein Head-up-Display. Alles läuft über den Zentralbildschirm. Manche kommen damit bestens klar, andere nicht. Zubehörlösungen gibt es, aber wer ein Auto kaufen will und keine Bastelbude, bleibt bei der Frage: Will man das so, wie es ab Werk ist? Tesla macht es konsequent, aber konsequent heißt nicht automatisch richtig für jeden.
Wie gut ist die Tesla-Software wirklich und warum wirkt sie manchmal wie ein alter Computer?
Die Menüstruktur bleibt Teslas Stärke: schnell, logisch, flüssig. Optisch darf man darüber streiten, weil der Look eher funktional als glamourös ist. Es erinnert ein bisschen an „läuft, egal wie es aussieht“. Und manchmal ist genau das der Punkt: lieber zuverlässig als hübsch.
Wirklich stark ist die Update-Kultur. Während andere Hersteller gefühlt im Zweijahresrhythmus ein Update ankündigen, das dann am Prozessor scheitert, fühlt sich Tesla an wie ein Smartphone auf Rädern. Regelmäßig neue Funktionen, Kartenupdates, Softwarepflege. Das hält ein Auto digital jung, selbst wenn es mechanisch natürlich nicht jünger wird.
Premium-Konnektivität ist beim Certified Pre-Owned zunächst für 30 Tage dabei, danach kostet es nach unserem Stand 9,99 Euro im Monat. Das ist eine typische Abo-Diskussion, aber im Tesla-Kosmos gehört es zum Paket, wenn man Streaming, Live-Verkehr und ähnliche Dienste will.
Wie effizient ist ein Model 3 Standard Range Plus im Winter wirklich?
Hier wurde es überraschend überzeugend. Bei winterlichem Wetter um plus 2 bis 3 Grad lag die Anzeige bei maximal 18 kWh pro 100 Kilometer. Selbst wenn man bei Tesla im Hinterkopf behält, dass man genau hinschauen muss, was in welcher Anzeige enthalten ist, wirkt das Gesamtbild effizient. Mit Autobahnanteilen um 130 km/h Richtgeschwindigkeit standen am Ende Werte, bei denen viele schwerere oder schlechter aerodynamische Fahrzeuge deutlich mehr ziehen würden.
Praxisreichweite: grob 250 Kilometer im Winter ohne Stress. Das passt zu einem kleinen Akku, wenn Effizienz und Ladeinfrastruktur stimmen. Und das ist beim Model 3 eben die entscheidende Kombination.
Wie fährt sich der gebrauchte Tesla und warum fühlt es sich wie ein Go-Kart an?
Das Fahrgefühl ist die große Charakterfrage. Dieses Model 3 ist straff, teilweise hart, und es filtert Unebenheiten nicht weg, sondern erzählt sie dem Rückenmark in gut verständlicher Sprache. Auf Kopfsteinpflaster klappert und knarzt es stellenweise, und das ist eine Mischung aus Fahrwerksabstimmung und dem Leben, das so ein Auto eben schon hinter sich hat.
Dafür kommt die Gegenleistung sofort: Lenkung. Direkt, präzise, fast schon sportwagenartig. Das Auto liegt satt, wankt wenig, huscht willig um die Kurve. Wer dieses direkte, agile Gefühl liebt, wird damit glücklich. Wer Komfort sucht, wird irgendwann genervt sein. Und ja, da hilft der Blick auf das neue Model 3, das hier deutlich komfortabler geworden sein soll. Aber das kostet eben auch deutlich mehr.
Wie schnell ist es wirklich und was sagt die Messung?
Wir haben die 0 auf 100 Messung mit GPS gemacht. Heraus kamen 6,29 Sekunden auf 100 km/h auf Winterreifen und kalter Strecke. Das ist absolut ordentlich. Tesla-Punch bleibt Tesla-Punch, auch im „Lässig“-Modus. Dazu ein Bremswert von 100 auf 0 in 2,99 Sekunden, ebenfalls solide. Es gibt Autos, die noch besser verzögern, aber hier ist nichts peinlich, nichts gefährlich schwach. Es wirkt stimmig.
Und dann ist da diese Tesla-Philosophie, die man mögen kann: 225 km/h Spitze. Keine künstliche Gängelung, keine „weil Elektro“ Ausrede. Natürlich frisst Tempo Reichweite, das ist Physik. Aber das Tempo zu verbieten ist eine andere Debatte. Wer ab und zu zügig fahren muss oder will, hat hier die Freiheit.
Wie laut ist das Auto und warum ist das eine klare Schwäche?
Die Innengeräusche waren keine Glanznummer. Gemessen wurden etwa 69 bis 70 dB bei 50 km/h, 71 bis 72 dB bei 70 km/h und um 72 dB bei 100 km/h. Das ist für die Klasse nicht gut. Sehr leise Fahrzeuge liegen bei 50 km/h eher im Bereich Mitte 50 dB, wenn Dämmung und Akustik richtig ernst genommen werden.
Hier spürt man, dass Tesla diese Baustelle erst später konsequenter angegangen ist, etwa mit Doppelverglasung und weiteren Maßnahmen im neueren Modell. Beim Gebrauchten muss man es akzeptieren oder aufrüsten, wobei Aufrüsten selten so gut wird wie ab Werk.
Tesla Model 3 gebraucht kaufen?
Wie hilfreich ist der Autopilot wirklich und warum ist der Name das Problem?
Jetzt kommt der Teil, bei dem man Butter bei die Fische packen muss. Der Autopilot hält die Spur grundsätzlich, aber nicht so sauber zentriert, wie es viele europäische Systeme inzwischen können. Das ist noch nicht das Drama.
Das Drama entsteht, wenn das System Tempolimits nicht prädiktiv umsetzt. Es gab Situationen, in denen das Fahrzeug beim Wechsel von 100 auf 70 nicht rechtzeitig auf 70 war und beim Einfahren in eine Ortschaft nicht sauber auf 50 reduzierte, sodass ein Eingriff nötig wurde. Wer das einmal erlebt, versteht sofort, warum die Wortwahl „Autopilot“ und erst recht „Full Self Driving“ in Europa problematisch wirkt. Assistenzsysteme sollen entlasten, nicht neue Wachsamkeitspausen erzwingen – also so wird das nichts mit dem „FSD“.
Und ja, das ist der Punkt: Andere Hersteller, VW-Konzern, BMW, Mercedes, aber auch Renault, sind bei prädiktiven Funktionen und Tempolimit-Logik oft weiter. Selbst einige neuere chinesische Systeme wirken hier inzwischen reifer. Tesla kann vieles, aber dieser Teil fährt nicht so souverän, wie der Marketingbegriff es nahelegt.
Was macht Tesla beim Reisen trotzdem besser als viele andere?
Navigation und Ladenplanung sind weiterhin Teslas Parade. Zieleingabe ist schnell, die Routenführung wirkt flüssig, und das System integriert Ladeplanung so selbstverständlich, dass selbst EV-Einsteiger damit klarkommen würden. Dazu kommt das Supercharger-Netzwerk.
Egal, wie man Tesla sonst bewertet, dieses Netz hat Elektromobilität in Europa einfacher gemacht, weil es Planungssicherheit liefert und oft zuverlässig funktioniert. Dass Tesla sein Netz inzwischen auch für andere Marken öffnet, ist zusätzlich ein Pluspunkt für das gesamte EV-Ökosystem.
Das ist am Ende auch die ehrliche Wahrheit: Wer noch nie elektrisch gefahren ist, könnte man theoretisch ins Model 3 setzen, Ziel Neapel eintippen lassen und sagen: einfach machen, was das Auto sagt. Die Chance, dass es klappt, ist hoch.
Was ist mit Akkudegradation und warum ist das hier die große Unbekannte?
Ein Haken bleibt: Wir haben keine ausgelesenen Akkudaten von Tesla bekommen, also keine klare Aussage zur Degradation, sprich zum Kapazitätsverlust über die Jahre. Degradation bedeutet, dass ein Akku mit der Zeit ein bisschen weniger Energie speichern kann als im Neuzustand. Das ist normal, die Frage ist nur: wie viel?
Ohne konkrete Werte bleibt die Einschätzung indirekt. Die Praxisreichweite und der Verbrauch wirken stimmig, das Auto fühlt sich nicht „müde“ an, aber das ersetzt keine Kapazitätsmessung. Wer so ein Auto kaufen will, sollte das Thema nicht ignorieren, weil der Akku bei einem Elektroauto eben nicht nur ein Bauteil ist, sondern der Wertträger.
Für wen passt dieser Certified Pre-Owned und für wen eher nicht?
Unterm Strich wirkt dieses Model 3 nach vier Jahren und 85.000 Kilometern erstaunlich modern. Der elektrische Antrieb liefert Punch, die Effizienz ist gut, die Software hält das Auto digital frisch, und das Raumangebot ist alltagstauglich bis reisefreundlich. Verarbeitung außen ist ordentlich, Sitze halten sich gut, die praktische Tesla-App funktioniert in Echtzeit auffällig zuverlässig und macht im Alltag wirklich Freude.
Auf der anderen Seite stehen klare Schwächen: Geräuschniveau, teils hartes Fahrwerk mit Go-Kart-Charakter, sichtbare Abnutzung an harten Kunststoffen, und ein Assistenzsystem, das beim Tempolimit-Verhalten nicht die Souveränität liefert, die der Name suggeriert.
Und dann ist da die Preisfrage, die am Ende alles steuert. Rund 24.300 Euro für einen geprüften Tesla mit Garantie und Mobilitätsservice sind eine Ansage, wenn man bedenkt, dass der damalige Bruttolistenpreis bei 45.560 Euro lag.
Gleichzeitig startet das aktuelle Model 3 neu bei rund 36.990 Euro, mit anderer Leistungsklasse und je nach Variante deutlich mehr Feinschliff. Dazwischen liegt nicht nur Geld, sondern auch die Frage: will man den Komfort und die Weiterentwicklungen wirklich bezahlen oder reicht das Paket hier?
Tesla Model 3 Certified Pre-Owned Fotos
















Was wir empfehlen würden, wenn man ein gebrauchtes Elektroauto kaufen möchte
Wer den Akkuzustand wirklich bewerten will, kommt um zwei Dinge nicht herum: belastbare Daten zur nutzbaren Kapazität und ein Blick darauf, ob das Auto beim Laden und im Betrieb „gesund“ wirkt. Am einfachsten ist ein sauberer Kapazitätscheck über einen definierten Fahrzyklus oder über auslesbare Fahrzeugdaten. Praktisch läuft das so: Man lädt auf einen klaren Startwert, fährt einen reproduzierbaren Mix aus Stadt, Landstraße und Autobahn, notiert Verbrauch und entnommene Energie und schaut, wie viel Prozent der Akku dabei verliert. Das ist nicht perfekt, aber es gibt ein Gefühl dafür, ob die Reichweite zur Anzeige passt oder ob der Akku auffällig früh einknickt.
Deutlich besser ist es, wenn man an echte Kapazitätswerte herankommt. Je nach Fahrzeug und Zugriff kann das über Service-Daten, über Diagnosewerte oder über einen speziellen Batterietest laufen, der die tatsächlich nutzbare Energie in Kilowattstunden ermittelt und daraus die Degradation ableitet, also wie viel Prozent Kapazität gegenüber dem Neuzustand fehlen.
Genau diese Zahl ist beim Gebrauchtkauf Gold wert, weil sie nicht über Fahrstil, Wetter oder Streckenprofil diskutiert, sondern schlicht sagt: So viel Akku ist noch da. Diese Tests werden inzwischen von vielen Prüforganisationen angeboten.
Sinnvoll ist außerdem ein Blick auf das Ladeverhalten. Wenn ein Model 3 am Supercharger oder an einer DC-Säule ungewöhnlich früh stark abregelt, extrem lange „vorheizt“ oder sich seltsam inkonsistent verhält, kann das ein Hinweis auf ein Thema mit Temperaturmanagement, Zellbalance oder Sensorik sein.
Nicht jedes „lädt langsam“ ist ein Defekt, aber ein wiederholbares Muster ist ein Warnsignal. Das Problem: Dies kann man bei einer einfachen Probefahrt nicht herausfinden, daher lohnt es sich Fahrzeuge mit Gebrauchtwagen-Garantie zu erwerben, sprich bei einem Händler.
Gerade beim Tesla Model 3 kann es außerdem klug sein, für den Gebrauchtkauf einmal gezielt zu TÜV, DEKRA, GTÜ oder einem ähnlichen Prüfdienst zu fahren, obwohl die dort keinen Akku wie ein Labor auseinandernehmen. Der Grund ist simpel: Die typischen Gebrauchtwagen-Probleme liegen oft nicht im Akku selbst, sondern in allem drumherum, und genau da sind Prüforganisationen stark. Auf der Bühne sieht man sofort Fahrwerk und Bremsen, und genau das sind Punkte, die bei Elektroautos gern unterschätzt werden, weil der Antrieb so wartungsarm wirkt.
Beim Model 3 sind klassische TÜV-Themen erfahrungsgemäß eher ganz bodenständig: ungleichmäßiger Reifenabrieb durch Achsgeometrie oder sportliche Fahrwerksabstimmung, ausgeschlagene Fahrwerksgelenke oder Lager, Spiel an Spurstangen, Poltern und Klappern, dazu Bremsen, die durch viel Rekuperation zu wenig „arbeiten“ und dann bei seltenem harten Einsatz rosten oder ungleichmäßig ziehen.
Auch Beleuchtung, Wischer, Scheiben, Fahrwerksfedern, Stoßdämpfer und Unterbodenchecks gehören dazu, und gerade beim Tesla ist ein Blick auf Unterbodenverkleidungen, Befestigungen und eventuelle Beschädigungen sinnvoll, weil aerodynamische Abdeckungen schnell mal etwas abbekommen, ohne dass es der Fahrer sofort merkt.
Ein Prüftermin macht außerdem deshalb Sinn, weil dort Messungen objektiv passieren: Bremswerte auf dem Rollenprüfstand, Spieltests am Fahrwerk, Sichtprüfung von Dichtungen, Achsen, Leitungen, Hochvolt-Warnhinweisen und generell alles, was bei einem Elektroauto als „normaler“ Mangel durchgeht, aber später teuer werden kann.
Der Akku ist beim Model 3 zwar das große Wertthema, aber wenn Fahrwerk, Bremsen und Reifen ein Investment werden, ist der Preisvorteil eines Gebrauchten schneller weg, als einem lieb ist. Genau deshalb ist die Kombi ideal: Akku-Zustand so gut wie möglich datenbasiert prüfen und den Rest des Autos einmal durch eine neutrale, professionelle Brille checken lassen, bevor aus einem vermeintlichen Schnäppchen ein Projekt wird.
Neu oder gebraucht und warum ist beides nachvollziehbar?
Dieses Tesla Model 3 Standard Range Plus als Certified Pre-Owned zeigt: Ein Elektroauto kann nach vier Jahren und 85.000 Kilometern noch sehr gut funktionieren und sich im Alltag keineswegs alt anfühlen. Wer in die Elektromobilität einsteigen will, aber beim Preis realistisch bleiben muss, bekommt hier ein stimmiges Gesamtpaket, vor allem wenn die Sicherheit eines Herstellerprogramms wichtig ist.
Wer dagegen Ruhe, Komfort und reifere Assistenzlogik sucht, wird im neuen Model 3 vermutlich glücklicher, muss dafür aber den Aufpreis akzeptieren. Es ist am Ende nicht die Frage, was objektiv besser ist, sondern was zum eigenen Alltag passt und was der Geldbeutel zulässt.
Und ganz ehrlich: Wenn ein Auto nach vier Jahren so selbstverständlich fährt, effizient bleibt und sich per Update weiterentwickelt, dann ist das auch ein kleines Signal an alle, die immer noch glauben, gebrauchte Elektroautos seien grundsätzlich ein Risiko. Sie können eines sein. Sie müssen es aber nicht. Dieses hier wirkt eher wie ein Beweis, dass „jung gebraucht“ in der EV-Welt inzwischen eine sehr ernstzunehmende Option ist.





















