Der KGM Musso EV gehört zu den Fahrzeugen, die schon auf den ersten Blick klar machen, dass sie keine halben Sachen machen wollen. Mit 5,16 Metern Länge, 1,92 Metern Breite, 1,74 Metern Höhe und einem Radstand von 3,15 Metern steht hier kein lifestyleiger Pseudo-Pickup vor der Redaktion, sondern ein ausgewachsenes Arbeitstier mit elektrischer Note. Und genau das macht ihn so interessant. Rein elektrische Pickups sind in Europa weiterhin Mangelware. Der Musso EV stößt also in eine Nische vor, die noch erstaunlich wenig besetzt ist.
Spannend ist schon der Name. Musso bedeutet auf Koreanisch Nashorn. Das passt erstaunlich gut, denn dieses Auto wirkt tatsächlich wie ein robustes, etwas kantiges Lasttier, das sich nicht um modische Strömungen schert, sondern erst einmal funktionieren will. Genau mit dieser Haltung geht der KGM Musso EV an den Start. Er will nicht geschniegelt wirken, sondern brauchbar. Und genau daran muss er sich messen lassen.
Wie tritt der KGM Musso EV äußerlich auf?
An der Front setzt der KGM Musso EV auf eine markante Lichtsignatur mit schön gezeichneter Tagfahrlicht-Silhouette. Darunter sitzen die LED-Scheinwerfer für Auf- und Abblendlicht. Das wirkt modern, ohne geschniegelt zu sein. Überhaupt bleibt der erste Eindruck erfreulich ehrlich. Viel Kunststoff im unteren Bereich ist bei einem Pickup keine Billiglösung, sondern schlicht vernünftig. Wer mit so einem Fahrzeug auch mal ins Gelände, auf den Hof oder in den Baustellenalltag will, braucht keine empfindlichen Designerflächen, sondern robuste Materialien.
Die 17-Zoll-Räder mit 245/60er-Bereifung sind sichtbar eher auf Komfort und Nutzwert als auf Show ausgelegt. Aerodynamisch optimiert wirken sie, optisch aber nicht unbedingt spektakulär. Das ist kein Beinbruch, denn gerade bei einem elektrischen Pickup darf die Felge auch einmal dem Zweck dienen. Die dicken Reifen versprechen ordentlich Dämpfungskomfort, und es liegt nahe, dass es künftig auch passende Offroad-Bereifungen geben dürfte.
Welche technischen Daten bringt der KGM Musso EV mit?
Technisch zeigt sich der KGM Musso EV erfreulich klar aufgestellt. In der getesteten 2WD-Version arbeitet an der Vorderachse ein Elektromotor mit 152 kW, also 207 PS, und 339 Newtonmetern Drehmoment. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in 9,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 162 km/h. Das ist für einen elektrischen Pickup dieser Größe keine Sensation, aber absolut ausreichend, um souverän unterwegs zu sein.
Wer mehr will, bekommt den Musso EV auch als Allradler mit einem zweiten Elektromotor an der Hinterachse. Dann stehen 304 kW Systemleistung, also 414 PS, sowie 678 Newtonmeter Drehmoment bereit. Damit verkürzt sich der Standardsprint auf 8,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit steigt auf 177 km/h. Das ist dann schon eine Ansage, gerade für ein Fahrzeug, das nicht in erster Linie als Sportgerät gedacht ist.
Der Akku sitzt zwischen den Achsen und bringt 83 kWh brutto beziehungsweise 80,6 kWh netto mit. Geladen wird dreiphasig per AC mit 11 kW. An der DC-Säule sind bis zu 120 kW möglich. Von 10 auf 80 Prozent vergehen laut Hersteller 36 Minuten. Genau an dieser Stelle zeigt sich aber auch eine der Schwächen des Musso EV. Für ein neues Elektrofahrzeug im Jahr 2026 wirkt diese Ladeleistung nicht mehr wirklich ambitioniert. Nutzfahrzeug hin oder her, ein bisschen mehr Tempo an der Schnellladesäule hätte dem Konzept gutgetan.
KGM Musso EV Test Video
Wie praktisch ist der KGM Musso EV im Alltag und auf der Ladefläche?
Unter der Fronthaube zeigt der Musso EV zunächst eine saubere und ordentlich verkleidete Techniklandschaft. Flüssigkeiten lassen sich nachfüllen, alles wirkt ordentlich gelöst, die Haube selbst öffnet sauber und schließt mit einem angenehm satten Geräusch. Was allerdings fehlt, ist ein Frunk. Und das ist schade. Gerade bei einem Elektro-Pickup wäre vorne ein Platz für das Ladekabel äußerst sinnvoll gewesen. So muss das Kabel entweder im Innenraum oder auf der Ladefläche verstaut werden. Das ist verschenkter Nutzwert.
Die eigentliche Ladefläche hinterlässt dagegen einen soliden Eindruck. Es gibt mehrere Verzurrösen, eine wertige Auskleidung und sogar eine separat schaltbare Beleuchtung. Das ist praktisch und zeigt, dass KGM die Nutzfahrzeugseite des Konzepts ernst nimmt. Was wiederum fehlt, ist eine externe Stromquelle. Keine Schuko-Steckdose, kein 230-Volt-Anschluss auf der Ladefläche, kein klarer V2L-Nutzen für Werkzeuge oder Geräte. Genau das wäre bei einem elektrischen Pickup eigentlich eine der stärksten Argumentationshilfen gewesen. Andere Hersteller denken diese Funktion längst mit. KGM lässt diese Chance beim Musso EV liegen.
Was kann der KGM Musso EV beim Ziehen und Transportieren?
Auch bei Anhängelast und Nutzwert zeigt sich, dass der Musso EV nicht nur gut aussehen, sondern tatsächlich etwas wegschaffen will. Die gebremste Anhängelast liegt beim 2WD bei 1,8 Tonnen bei 12 Prozent Steigung, ungebremst sind 750 Kilogramm möglich. Die AWD-Version darf sogar 2,3 Tonnen ziehen. Das ist in diesem Segment ein brauchbarer Wert und macht den Musso EV prinzipiell auch für Anhängerbetrieb interessant.
Weniger überzeugend fällt die Stützlast aus. 72 Kilogramm sind für manche Einsatzszenarien schlicht knapp. Wer mit schwereren Anhängern oder Baumaschinen arbeitet, stößt hier möglicherweise früher an Grenzen, als es ihm lieb ist. Genau dieser Punkt dürfte für gewerbliche Nutzer relevanter sein als manch schicke Designlinie an der Front.
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Wie hochwertig wirkt der Innenraum des KGM Musso EV?
Im Innenraum überrascht der KGM Musso EV positiv. Gerade bei einem Pickup erwartet man oft robuste Sachlichkeit mit dem Charme einer Werkzeugkiste. Der KGM versucht dagegen, Nutzwert und Wertigkeit zu kombinieren. Die Türverkleidungen vorne wirken ordentlich verarbeitet, mit weichen Auflagen, Kunstleder, kupferfarbener Naht und Ambientebeleuchtung. Unten bleibt es hartplastisch, aber das ist in diesem Segment weder ungewöhnlich noch verwerflich. Entscheidender ist, dass die Türverkleidung insgesamt stimmig und solide wirkt.
Auch der Armaturenträger macht einen guten Eindruck. Das Fahrerdisplay ist groß, modern und gut ablesbar, das Multifunktionslenkrad angenehm klassisch mit physischen Tasten. Das ist gerade im Alltag oft die bessere Lösung als überfrachtete Touch-Bedienung. Kein Head-up-Display an Bord zu haben, ist verschmerzbar. Wichtiger ist, dass die wesentlichen Informationen klar dargestellt werden.
Das Infotainmentsystem integriert ein TomTom-Navigationssystem und bietet Apple CarPlay sowie Android Auto. Die Routenführung funktioniert ordentlich, eine echte Ladeplanung war im Test aber nicht zu finden. Das System zeigt zwar an, wie weit man mit der aktuellen Akkuladung kommt, plant aber keine sinnvollen Ladestopps entlang der Strecke ein. Das ist für ein Elektrofahrzeug dieser Klasse ein echter Kritikpunkt, denn gerade auf längeren Etappen müsste so etwas heute einfach sitzen.
Etwas zwiespältig fällt die Bedienung der Klimafunktionen aus. Die Menüs sind grundsätzlich ordentlich aufgebaut, Sitzheizung und Sitzbelüftung lassen sich integrieren, aber eine schnelle physische Direktwahl für Temperatur oder Lüfterstärke fehlt. Genau solche Funktionen möchte man während der Fahrt blind bedienen können. Das gelingt hier nicht optimal.
Wie gut sitzt man im KGM Musso EV?
Vorn sitzt es sich im Musso EV ausgesprochen ordentlich. Die Sitze aus Leder-Kunstleder-Kombination bieten eine gute Auflagefläche, ordentlichen Seitenhalt und Perforierung für Sitzheizung und Sitzbelüftung. Auch die Ergonomie stimmt, dazu kommt eine gelungene Mittelkonsole mit zwei Ebenen, induktiver Ladeschale, großem Staufach und angenehmer Armauflage. Das alles wirkt durchdacht und alltagstauglich.
Besonders positiv fällt auf, dass der Innenraum nicht nur funktional, sondern tatsächlich angenehm gestaltet ist. Schwarzer Dachhimmel, elektrisch zu öffnendes Glasdach und sauber integrierte Bedienelemente sorgen dafür, dass sich der Musso EV nicht nach purer Nutzfahrzeug-Kargheit anfühlt. Gleichzeitig gibt es aber auch hier Kritikpunkte. Klavierlackflächen sind und bleiben empfindlich, gerade in einem Fahrzeug, das potenziell härter angefasst wird als ein klassisches SUV.
Wie viel Platz bietet der KGM Musso EV im Fond?
Im Fond zeigt sich der KGM Musso EV so, wie viele Doppelkabinen-Pickups eben sind. Der Einstieg gelingt ordentlich, die Kopffreiheit fällt für 1,85 Meter große Mitfahrer gut aus, doch der Knieraum bleibt konstruktionsbedingt begrenzt. Das ist kein Makel im engeren Sinne, sondern eine typische Pickup-Realität. Wer hinten regelmäßig erwachsene Langstreckenpassagiere transportieren will, sollte das im Hinterkopf behalten.
Positiv sind die praktischen Details. Es gibt Lüftungsdüsen, zweimal USB-C, vernünftige Ablagen an den Vordersitzlehnen, eine Mittelarmlehne und sogar Sitzheizung auf den äußeren Fondsitzen. Das ist für diese Fahrzeugklasse durchaus bemerkenswert.
Hinten spart KGM beim Materialeinsatz allerdings etwas sichtbarer als vorn. Mehr Hartplastik und weniger schicke Details machen klar, wo priorisiert wurde.
Wie fährt sich der KGM Musso EV im Alltag?
Auf der Straße zeigt der KGM Musso EV einen Charakter, der gut zu seinem Konzept passt. Die 2WD-Version wirkt kräftig genug, um den großen Pickup zügig zu bewegen. Das spontane Drehmoment des Elektromotors passt gut zu diesem Fahrzeugtyp, der nicht nervös, aber souverän antreten soll. Gerade beim Beschleunigen auf Landstraße oder Autobahn macht das durchaus Laune.
Die Assistenzsysteme hinterlassen einen ordentlichen Eindruck. Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent und Lenkunterstützung arbeiten brauchbar. Die Verkehrszeichenerkennung funktioniert ebenfalls vernünftig. Etwas altbacken wirkt allerdings, dass die Aufmerksamkeitsabfrage am Lenkradwinkel hängt und nicht über kapazitive Erkennung läuft. Das ginge heute eleganter.
Beim Geräuschkomfort schlägt sich der Musso EV ordentlich. Gemessen wurden rund 59 bis 60 dB bei 50 km/h, etwa 63 dB bei 70 km/h und rund 70 bis 72 dB bei 100 km/h. Dafür, dass hier nur Einfachverglasung verbaut ist und es sich um einen Pickup handelt, ist das durchaus respektabel. Leichte Windgeräusche an Spiegeln und A-Säule bleiben nicht aus, bewegen sich aber im erwartbaren Rahmen.
Wie komfortabel ist das Fahrwerk des KGM Musso EV?
Beim Fahrwerk zeigt sich sehr klar, wofür der Musso EV gebaut wurde und wofür nicht. Er federt eher weich, was ihm beim entspannten Cruisen durchaus zugutekommt. Gerade auf längeren Strecken wirkt er komfortabel, ruhig und angenehm zu bewegen. Wer mit ihm reisen oder im Alltag entspannt unterwegs sein will, bekommt hier einen guten Cruiser.
Sobald man es dynamischer angehen lässt, treten die Grenzen des Konzepts deutlicher hervor. Der Musso EV zeigt spürbare Wank- und Neigebewegungen, schaukelt auf schlechter Strecke merklich nach und wirkt insgesamt eher gelassen als präzise. Das ist für einen Pickup mit Geländegenen nicht überraschend, aber es ist eben auch nicht wegzudiskutieren. Wer den AWD mit 414 PS als sportliches Spaßgerät interpretiert, dürfte fahrwerksseitig etwas mehr Straffheit vermissen. Genau hier steckt der klassische Zielkonflikt.
Geländetauglichkeit, Federweg und Komfort widersprechen sich schnell mit sportlichem Anspruch.
Wie alltagstauglich ist der Elektro-Pickup beim Rangieren?
Mit einem Wendekreis von 12,40 Metern macht der Musso EV kein Geheimnis daraus, dass er ein großes Fahrzeug ist. Im Stadtverkehr und beim Rangieren verlangt er Aufmerksamkeit. Gleichzeitig hilft KGM mit einem sehr ordentlich aufgestellten Kamerapaket nach. Rückfahrkamera, 360-Grad-System, seitliche Kameras, Frontansicht mit 180-Grad-Blick und verschiedene Perspektiven helfen spürbar beim Manövrieren. Gerade bei einem Pickup dieser Größe ist das kein Luxus, sondern fast Pflicht. Gut, dass KGM hier mitgedacht hat.
Weniger überzeugend wirkt der Fahrstufenregler. Die Bedienlogik mit Neutralstellung als Zwischenstufe ist gewöhnungsbedürftig und im Alltag nicht immer intuitiv. Im Zweifel ist das mehr als nur eine Komfortfrage, denn wenn ein Fahrzeug im Gefälle unerwartet in Neutral steht, kann das schnell unerquicklich werden.
Wie fällt der Verbrauch des KGM Musso EV aus?
Auf einer Teststrecke von 58 Kilometern zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 23,7 kWh pro 100 Kilometer an. Für einen elektrischen Pickup dieser Größe ist das ein realistischer und keineswegs überraschender Wert. Wer viel Autobahn fährt oder den Musso EV entsprechend fordert, wird kaum Wunderverbräuche sehen.
Im Stadtverkehr und auf der Landstraße dürfte sich das Fahrzeug sparsamer bewegen lassen, aber die Physik eines großen, hohen und schweren Pickups lässt sich auch elektrisch nicht austricksen.
Ist der KGM Musso EV unterm Strich ein überzeugender Elektro-Pickup?
Der KGM Musso EV ist kein perfektes Auto, aber er ist ein interessantes. Genau das macht ihn relevant. Er bietet einen vergleichsweise attraktiven Einstiegspreis ab 41.990 Euro, einen großen Akku, ordentlich Platz, eine erfreulich wertige Kabine und einen Antrieb, der bereits in der 2WD-Version ausreichend kräftig ist. In der AWD-Ausführung wird daraus sogar ein erstaunlich druckvoller Pickup.
Gleichzeitig gibt es einige Punkte, die man nicht schönreden sollte. Die DC-Ladeleistung ist 2026 eher mäßig. Ein Frunk fehlt. Eine echte Stromquelle auf der Ladefläche fehlt ebenfalls. Die Ladeplanung im Navi wirkt unvollständig. Und die Stützlast von 72 Kilogramm könnte manchen gewerblichen aber auch privaten Nutzer ausbremsen. Dazu kommt ein Fahrwerk, das komfortabel, aber nicht besonders straff abgestimmt ist.
Trotzdem bleibt am Ende ein insgesamt positives Bild. Der KGM Musso EV versucht gar nicht erst, ein elektrischer Lifestyle-Gag zu sein. Er will ein brauchbarer Pickup mit E-Antrieb sein und kommt diesem Ziel in vielen Bereichen ziemlich nahe. Wer genau so ein Fahrzeug sucht und mit den genannten Schwächen leben kann, sollte ihn sich unbedingt genauer ansehen. Gerade über den Preis und ein möglich attraktives Leasingangebot könnte der Musso EV zu einem überraschend spannenden Paket werden.
Was bleibt vom KGM Musso EV besonders hängen?
Neben Zahlen, Ladezeiten und Fahrwerkseindrücken bleibt vor allem eines hängen: Der KGM Musso EV hat Charakter. Er ist kein aalglattes Elektroauto ohne Kanten, sondern ein Fahrzeug mit klaren Stärken und ebenso klar benennbaren Schwächen. Genau das macht einen ehrlichen Fahrbericht am Ende oft spannender als jede PR-Broschüre.
Und ja, das kleine Nashorn als Detail passt am Ende ziemlich gut. Denn der KGM Musso EV ist genau das, was sein Name verspricht. Ein bisschen wuchtig, ein bisschen eigensinnig, nicht perfekt geschniegelt, aber durchaus robust, eigenständig und auf seine Art sympathisch.





















