Kia macht den EV4 scharf. Der neue Kia EV4 GT ist ab sofort bestellbar und bringt die elektrische GT-Idee der Marke zurück in ein Segment, in dem Kia einst angefangen hat, sportlicher wahrgenommen zu werden. 2013 war es der cee’d GT, damals noch mit Apostroph und Verbrennungsmotor, der den Anfang machte. Jetzt übernimmt der EV4 GT diese Rolle in der Elektrozeit.
Der 4,45 Meter lange Kompaktwagen wird in Europa gebaut, kommt mit Allradantrieb, 215 kW, also 292 PS, elektronisch geregeltem Fahrwerk und einer ziemlich umfangreichen Serienausstattung. Der Preis startet bei 57.840 Euro zuzüglich Überführungskosten. Das ist für einen Kompaktwagen kein kleines Geld, aber Kia versucht diesen Preis mit viel Leistung, viel Ausstattung und einer klaren GT-Positionierung zu rechtfertigen.

Wie viel Leistung steckt im Kia EV4 GT?
Der Kia EV4 GT nutzt zwei Elektromotoren. Vorn arbeitet ein Motor mit 145 kW, also 197 PS, hinten unterstützt ein zweiter Motor mit 70 kW, also 95 PS. Zusammen ergibt das 215 kW oder 292 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 468 Newtonmetern.
Damit sprintet der EV4 GT in 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Für einen alltagstauglichen Elektro-Kompakten ist das eine ordentliche Ansage. Kia positioniert den EV4 GT damit nicht als radikales Performance-Modell wie einen EV6 GT, sondern eher als sportlichen Allrounder mit ausreichend Punch für Landstraße, Autobahnauffahrt und den kleinen inneren Spieltrieb.
Interessant ist dabei, dass Kia nicht nur auf reine Beschleunigung setzt. Der EV4 GT bekommt eine spezielle Fahrwerksabstimmung und eine elektronische Dämpferkontrolle. Dieses System passt die Dämpfung laufend an die Fahrsituation an. Zusätzlich kann das sogenannte Road-Preview-System Straßenschäden wie Schlaglöcher erkennen und die Dämpfer entsprechend vorbereiten.
In der Theorie bedeutet das mehr Komfort, mehr Kontrolle und weniger Poltern, wenn der Asphalt mal wieder aussieht wie ein Flickenteppich nach dem Haushaltsausschuss.
Was bringt der GT-Fahrmodus?
Der spezielle GT-Fahrmodus verändert Kraftverteilung, Lenkungsrückmeldung, Federung und Anzeigen im Cockpit. Damit soll der EV4 GT direkter, straffer und emotionaler wirken.
Dazu kommen zwei Funktionen, über die man wunderbar streiten kann: Virtual Gear Shift und Active Sound Design. Das virtuelle Schaltgetriebe simuliert Gangwechsel, obwohl ein Elektroauto technisch natürlich kein klassisches Automatikgetriebe braucht. Active Sound Design erzeugt ein künstliches Motorgeräusch, das auf Tempo und Lastwechsel reagiert.
Das ist ein bisschen digitales Theater, aber nicht automatisch schlecht. Manche werden sagen: Ein Elektroauto soll einfach elektrisch fahren und fertig. Andere freuen sich darüber, wenn beim sportlichen Fahren etwas mehr passiert als nur lautloses Beschleunigen. Entscheidend wird sein, wie gut Kia das umgesetzt hat. Wenn es natürlich wirkt, kann es Spaß machen. Wenn es zu sehr nach Spielkonsole klingt, wird es eher zur Funktion, die man nach fünf Minuten ausschaltet.
Wie weit kommt der Kia EV4 GT?
Kia nennt für den EV4 GT eine maximale WLTP-Reichweite von bis zu 505 Kilometern. Mit optionalen Michelin-Performance-Reifen sinkt die Reichweite auf 473 Kilometer.
Der kombinierte Stromverbrauch liegt laut Kia bei 17,9 kWh auf 100 Kilometer, mit den Performance-Reifen bei 19,2 kWh auf 100 Kilometer. Die CO2-Emissionen im Fahrbetrieb liegen bei 0 g/km, die CO2-Klasse ist A.
Im Fahrzeugboden sitzt eine Batterie mit 81,4 kWh Kapazität. An einer entsprechend leistungsfähigen Gleichstrom-Schnellladesäule soll der Akku in 31 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden können. Das ist nicht rekordverdächtig, aber absolut alltagstauglich.
Spannend ist auch der optionale 22-kW-On-Board-Charger für das AC-Laden. Serienmäßig beziehungsweise bei 11 kW dauert der Ladevorgang von 10 auf 100 Prozent laut Kia 7 Stunden und 15 Minuten.
Mit dem 22-kW-Lader sinkt die Zeit auf 3 Stunden und 55 Minuten. Wer häufig an öffentlichen AC-Säulen lädt, kann dadurch im Alltag spürbar Zeit sparen.
Ist der EV4 GT nur sportlich oder auch praktisch?
Kia betont beim EV4 GT ganz klar die Alltagstauglichkeit. Der lange Radstand von 2,82 Metern soll im Innenraum für viel Platz sorgen. Fünf Personen finden Platz, auch im Fond verspricht Kia ordentlich Bein- und Kopffreiheit. Der Kofferraum fasst 359 Liter und besitzt einen höhenverstellbaren Boden sowie Gepäcknetzösen.
Dazu kommt eine gebremste Anhängelast von bis zu 1,5 Tonnen. Das ist in dieser Fahrzeugklasse ein echtes Argument. Für Fahrradträger, kleinen Wohnwagen, Anhänger oder den Baumarkt-Ausflug ist der EV4 GT damit deutlich flexibler als viele andere Elektro-Kompakte.
Ebenfalls praktisch ist die 230-Volt-Steckdose über die V2L-Funktion. V2L steht für Vehicle-to-Load. Das Auto kann also externe elektrische Geräte mit Strom versorgen. Zusätzlich ist eine V2X-Hardware-Vorbereitung an Bord. Damit bereitet Kia Funktionen wie V2H und V2G vor, also Vehicle-to-Home und Vehicle-to-Grid. Perspektivisch könnte das Auto damit Strom ans Haus oder ins Netz zurückgeben, wenn die Rahmenbedingungen und Dienste dafür verfügbar sind.

Woran erkennt man den Kia EV4 GT?
Optisch bekommt der EV4 GT mehrere eigene Erkennungsmerkmale. Dazu zählen speziell gestaltete 20-Zoll-Leichtmetallräder, optional mit Michelin-Performance-Reifen, neonfarbene Bremssättel mit GT-Schriftzug und eine vertikale Rippenstruktur an Front und Heck.
Serienmäßig ist eine Zweifarblackierung mit schwarzem Dach vorgesehen. Die Karosseriefarbe Blue Flame Metallic gehört ebenfalls zum Serienumfang. Gegen Aufpreis lässt sich das schwarze Dach auch mit Wolfgrau Metallic, Pentametal Metallic oder Deluxeweiß Pearl kombinieren.
Außerdem gibt es den EV4 GT einfarbig in Zilinaschwarz Metallic oder mit matter Lackierung in Ivory Silber.
Innen geht es mit GT-typischen Neon-Akzenten weiter. Sie finden sich an den Halbschalen-Sportsitzen, am Dreispeichen-Sportlenkrad, an der 12-Uhr-Markierung, an der Fahrmodus-Taste und an den Sicherheitsgurten. Dazu kommt eine sequenzielle Ambientebeleuchtung, die mit den GT-Fahrmodi verknüpft ist.
Wie umfangreich ist die Ausstattung?
Kia packt den EV4 GT serienmäßig ziemlich voll. An Bord sind unter anderem vielfach elektrisch einstellbare und belüftete Premium-Relaxation-Sportsitze vorn, Sitzbezüge in Veloursledernachbildung, ein Harman-Kardon-Premium-Soundsystem, ein Head-up-Display, eine sensorgesteuerte elektrische Heckklappe, eine Wärmepumpe und eine Memory-Funktion für den Fahrersitz.
Im Cockpit sitzt ein breites Panoramadisplay mit zwei 12,3-Zoll-Bildschirmen für digitales Kombiinstrument und Navigation. Das Infotainment bietet Kia Connect, Echtzeitinformationen, App-Funktionen, einen KI-basierten Sprachassistenten, In-Car-Payment sowie Musik- und Videostreaming. Android Auto und Apple CarPlay funktionieren kabellos. Softwareupdates kommen Over-the-Air, also drahtlos über das Fahrzeug.
Eine zweite induktive Smartphone-Ladestation ist ebenfalls an Bord. Damit können zwei Smartphones gleichzeitig kabellos geladen werden. Auf der kurzen Optionsliste stehen unter anderem ein Glasdach mit elektrischem Schiebedach und der Digital Key 2.0, mit dem das Smartphone als Fahrzeugschlüssel genutzt werden kann.
Welche Assistenzsysteme sind serienmäßig dabei?
Beim Thema Assistenz schöpft Kia offenbar aus dem vollen Regal. Serienmäßig gehören unter anderem ein aktiver Totwinkelassistent mit Monitoranzeige, eine Rundumsichtkamera, ein fernbedienbarer Parkassistent, eine navigationsbasierte adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, der Autobahnassistent 2.0 mit Spurwechselunterstützung, ein Frontkollisionswarner 2.0 und ein Ausstiegsassistent zum Umfang.
Das passt zum Anspruch des EV4 GT. Er soll nicht nur schnell sein, sondern auch im Alltag entspannt funktionieren. Genau hier liegt vermutlich die eigentliche Stärke des Fahrzeugs. Denn ein Elektroauto mit knapp 300 PS ist heute keine Sensation mehr. Eines mit viel Ausstattung, ordentlicher Reichweite, brauchbarer Ladeleistung, Anhängelast und sportlicher Abstimmung könnte aber durchaus interessant werden.

Was kostet der Kia EV4 GT?
Der Kia EV4 GT startet bei 57.840 Euro zuzüglich Überführungskosten. Inbegriffen sind die 7-Jahre-Kia-Herstellergarantie bis maximal 150.000 Kilometer sowie eine 8 Jahre Batteriegarantie oder bis 160.000 Kilometer, jeweils gemäß den gültigen Garantiebedingungen.
Die Auslieferung soll noch im Juli 2026 starten. Damit ist der EV4 GT nicht nur angekündigt, sondern praktisch direkt am Markt.
Wie ordnen wir den Kia EV4 GT ein?
Der Kia EV4 GT ist kein kompromissloser Sportwagen, und genau das ist vermutlich auch gar nicht der Plan. Er ist ein sportlich gemachter Elektro-Kompakter mit viel Serienausstattung, kräftigem Allradantrieb und einem Schuss künstlicher Emotion. Das virtuelle Schaltgetriebe und der synthetische Sound werden nicht jedem gefallen, aber sie zeigen, dass Kia verstanden hat, dass Performance nicht nur aus Zahlen besteht.
Gleichzeitig bleibt die nüchterne Seite wichtig: 505 Kilometer WLTP-Reichweite, 31 Minuten Ladezeit von 10 auf 80 Prozent, optionales 22-kW-AC-Laden, 1,5 Tonnen Anhängelast, Wärmepumpe, V2L und ein sehr umfangreiches Assistenzpaket. Das klingt nach einem Auto, das nicht nur auf dem Papier Tempo machen will, sondern auch im echten Leben funktionieren soll.

Der Preis ist allerdings selbstbewusst. Knapp 58.000 Euro sind für einen Kompaktwagen eine Hausnummer, auch wenn Ausstattung und Technik üppig ausfallen. Kia setzt hier klar darauf, dass der EV4 GT als europäisch gebauter Elektro-Allrounder mit sportlicher Note wahrgenommen wird. Ob das reicht, entscheidet am Ende nicht die Pressemitteilung, sondern die Straße.





















