Der Kia EV4 ist eines dieser Elektroautos, bei denen der erste Eindruck nicht lange um Aufmerksamkeit betteln muss. Er steht flach, wirkt gestreckt, trägt eine markante Lichtsignatur und zeigt sehr deutlich, dass Kia inzwischen nicht mehr versucht, europäische Kompaktmodelle zu kopieren. Der EV4 will anders sein. Koreanisch anders. Und genau das macht ihn spannend.
Mit 4,43 Metern Länge, 1,86 Metern Breite ohne Außenspiegel, 2,11 Metern Breite mit Außenspiegeln, 1,49 Metern Höhe und einem Radstand von 2,82 Metern steht der EV4 ziemlich satt auf der Straße. Technisch basiert er auf einem 400-Volt-System und wird mit zwei Batteriegrößen angeboten. Zur Wahl stehen 55 kWh oder 78 kWh netto. Netto bedeutet: Diese Energiemenge steht tatsächlich für den Fahrbetrieb zur Verfügung. Geladen wird serienmäßig mit 11 kW an der Wallbox oder öffentlichen AC-Ladesäule. Am Schnelllader sind bis zu 128 kW möglich. Kia nennt für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent eine Zeit von 31 Minuten.
Wie wirkt der Kia EV4 von außen?
Die Front des Kia EV4 ist flach, dynamisch und aerodynamisch gezeichnet. Gerade der tief heruntergezogene Vorderwagen lässt vermuten, dass Kia hier bewusst auf Effizienz gearbeitet hat. Die LED-Scheinwerfer mit Abblend- und Fernlichtfunktion, je nach Ausstattung auch mit Matrix-Elementen, passen zum modernen Anspruch. Matrix-Licht bedeutet, dass einzelne Lichtsegmente gezielt gesteuert werden können, um die Straße möglichst hell auszuleuchten, ohne den Gegenverkehr zu blenden.
Typisch Kia ist das Boomerang-Design des Tagfahrlichts. In Verbindung mit der GT-Line wirkt der EV4 deutlich sportlicher als viele klassische Kompaktmodelle. Schwarz glänzende Akzente, polierte Teilflächen an den 19-Zoll-Felgen und die Reifengröße 215/50 R19 sorgen für einen eigenständigen Auftritt. Die Räder sehen nicht nur schick aus, sondern sollen auch der Aerodynamik und damit der Reichweite helfen.
Auch am Heck bleibt der EV4 eigenständig. Die LED-Rückleuchten setzen eine moderne Signatur, der Diffusor ist sauber integriert und der Heckscheibenwischer verschwindet elegant im Heckkantenspoiler. Das ist eine Lösung, die optisch deutlich besser wirkt als ein offen sichtbarer Wischerarm. Weniger charmant ist die dicke Haifischflosse auf dem Dach. Funktional mag sie ihre Berechtigung haben, schön ist sie deshalb noch lange nicht.
Welche Technik steckt im Kia EV4?
Der Kia EV4 startet in Deutschland ab 37.590 Euro mit dem kleineren Akku. Angetrieben wird er immer von einem Elektromotor an der Vorderachse. Die Leistung liegt bei 150 kW, also 204 PS. Das maximale Drehmoment beträgt 283 Nm. Drehmoment beschreibt die Kraft, die der Motor direkt an die Antriebsräder weitergibt. Bei Elektroautos liegt diese Kraft sofort an, weshalb sie sich im Alltag oft deutlich spontaner anfühlen als vergleichbare Verbrenner.
Der EV4 beschleunigt laut Datenblatt in 7,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Das sind keine Sportwagenwerte, aber absolut passende Zahlen für ein kompaktes Elektroauto dieser Klasse. Der WLTP-Verbrauch liegt kombiniert bei 14,6 kWh auf 100 Kilometer. WLTP ist das standardisierte Messverfahren für Verbrauch und Reichweite. Es liefert Vergleichswerte, ersetzt aber keinen echten Alltagstest.
Wie praktisch ist der Kia EV4 im Alltag?
Einen Frunk hat der Kia EV4 nicht. Frunk setzt sich aus „front“ und „trunk“ zusammen und bezeichnet einen kleinen Stauraum unter der vorderen Haube. Gerade für das Ladekabel wäre so ein Fach praktisch gewesen. Beim EV4 findet sich unter der Haube vor allem Technik, die 12-Volt-Batterie, Flüssigkeitsbehälter und der Einfüllstutzen für Wischwasser. Immerhin ist die Haube ordentlich gedämmt, auch wenn statt Haubenliftern nur das klassische Stäbchen ins Glück zum Einsatz kommt.
Der eigentliche Kofferraum fasst 435 Liter. Die Heckklappe öffnet in der getesteten Topversion elektrisch. Unter dem Ladeboden gibt es zusätzlichen Platz für Kabel oder Kleinkram. Links und rechts finden sich Haken, Beleuchtung und Ablagefächer. Die Kunststoffverkleidungen wirken robust, könnten aber auf Dauer kratzempfindlich sein.
Die Hutablage überrascht positiv. Sie ist massiv, steif und wirkt deutlich wertiger als viele labbrige Lösungen anderer Hersteller. Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 40:60 umklappen. Eine zusätzliche 20-Prozent-Mittelteilung oder Durchlademöglichkeit für Ski oder lange Gegenstände fehlt leider. Mit umgelegter Rückbank wächst das Ladevolumen auf 1.415 Liter. Verzurrösen sind vorhanden, kleinere Transporte oder ein kompakter Umzug sind damit durchaus machbar.
Positiv fällt auch die Anhängertauglichkeit auf. Der Kia EV4 bietet bis zu 80 kg dynamische Dachlast, bis zu 1.000 kg gebremste Anhängelast und 500 kg ungebremste Anhängelast. Besonders erfreulich ist die Stützlast von 100 kg. Stützlast bezeichnet das Gewicht, das senkrecht auf der Anhängerkupplung lasten darf. Für schwere Fahrradträger und E-Bikes ist das ein wichtiger Wert.
Wie hochwertig ist der Innenraum?
Schon beim Öffnen der Tür fällt die Doppelverglasung auf. Dabei werden zwei Glasscheiben mit einer Folie verbunden. Das verbessert die Geräuschdämmung und kann den Innenraum deutlich leiser machen. Im Fahrbetrieb bestätigt sich dieser Eindruck.
Die Türverkleidung ist vorne ordentlich gemacht. Weiche Oberflächen im oberen Bereich, lackierte Kunststoffelemente, Kunstleder, Ambientebeleuchtung, Sitzheizung, Sitzbelüftung, Memory-Funktion für den Fahrersitz, Lenkradheizung und große Ablagefächer zeigen, dass Kia den EV4 nicht billig wirken lassen will. Unten gibt es zwar harten Kunststoff und die Türfächer sind nicht mit Filz oder Gummi ausgekleidet, was theoretisch zu Klappergeräuschen führen kann, insgesamt wirkt der Innenraum aber sauber verarbeitet.
Der Armaturenträger ist modern, übersichtlich und angenehm gestaltet. Kia setzt an mehreren Stellen recycelte Materialien ein. Das ist nicht nur ein Marketingpunkt, sondern wirkt inzwischen auch haptisch überzeugend. Der Innenraum sieht auf den ersten Blick etwas kunststofflastig aus, fühlt sich aber besser an, als er zunächst vermuten lässt.
Sehr erfreulich ist die Bedienung. Kia bleibt bei wichtigen Funktionen nicht rein digital. Es gibt haptische Tasten, Drehräder und Wippen. Lautstärke, Klima, Fahrmodi und Assistenzsysteme lassen sich ohne lange Sucherei bedienen. Genau so muss ein modernes Auto funktionieren: digital, aber nicht blind touchverliebt.
Was kann das Infotainment?
Der Kia EV4 bekommt ein modernes Cockpit mit Head-up-Display, Fahrerdisplay und großem Infotainmentbereich. Das Head-up-Display projiziert wichtige Informationen in das Sichtfeld des Fahrers. Das reduziert Ablenkung, weil Geschwindigkeit, Navigationshinweise und Assistenzinformationen sichtbar bleiben, ohne ständig auf das Kombiinstrument schauen zu müssen.
Das Infotainment arbeitet mit aktueller Kia-Software, einer klaren Kachelstruktur und vielen Funktionen. Navigation, Ladeplanung, App-Anbindung, YouTube, Spiele, Unterhaltung und sogar ein Autowäschemodus sind an Bord. Die Sprachbedienung funktioniert praxisnah, auch die Routenführung mit Ladeplanung wirkt deutlich weiterentwickelt.
Ladeplanung bedeutet, dass das Fahrzeug bei längeren Routen passende Ladestopps einplant. Dabei spielen Akkustand, Verbrauch, Streckenprofil und verfügbare Ladepunkte eine Rolle. Genau solche Funktionen entscheiden im Alltag darüber, ob ein Elektroauto entspannt oder nervig ist.
Apple CarPlay und Android Auto sind integriert. Apple CarPlay funktioniert sowohl kabelgebunden als auch kabellos. Zwei USB-C-Anschlüsse vorne, eine induktive Ladeschale, ein 12-Volt-Anschluss mit 180 Watt und weitere Anschlüsse im Fond zeigen, dass Kia die digitale Nutzung ernst nimmt. Eine zweite induktive Ladefläche für den Beifahrer wäre trotzdem schön gewesen.
Wie sitzt man im Kia EV4?
Vorne überzeugt der EV4 mit guter Ergonomie. Bei 1,85 Meter Körpergröße lässt sich eine angenehme Sitzposition finden. Die Sitze der GT-Line sind gut konturiert, elektrisch verstellbar, bieten Seitenhalt, weiche Kopfstützen und durch die Perforierung auch Sitzbelüftung. Perforierung bedeutet, dass kleine Öffnungen im Bezug sitzen, durch die Luft strömen kann. Das verbessert die Wirkung der Sitzbelüftung.
Eine Massagefunktion fehlt. In dieser Fahrzeugklasse ist das aber kein echter Kritikpunkt. Die Mittelkonsole gefällt mit offener Gestaltung, doppelter Ebene, großem Ablagefach und variablen Becherhaltern. Praktisch ist auch die große Ablage unterhalb der Konsole.
Hinten bietet der EV4 überraschend viel Platz. Der Einstieg gelingt ordentlich, die Kopffreiheit reicht auch für größere Personen. Die Mittelarmlehne ist weich gepolstert und bringt Becherhalter mit. Weniger gut gefällt der Fußraum unter den Vordersitzen. Dort geht es recht eng zu, wodurch die Füße nicht so frei unter den Sitz geschoben werden können.
Dafür gibt es im Fond USB-C-Anschlüsse in den Sitzlehnen, Lüftungsdüsen, Ablageflächen, Isofix-Befestigungen und sogar eine 230-Volt-Steckdose. Gerade für Laptop, Kamera-Akkus oder andere Geräte ist das ein echter Mehrwert. Die äußeren Fondsitze verfügen zudem über dreistufige Sitzheizung. Das ist in dieser Klasse alles andere als selbstverständlich.
KIA EV4 Fotos














Wie fährt sich der Kia EV4?
Der Kia EV4 wirkt auf der Straße sofort erwachsen. Der Wendekreis liegt laut Datenblatt bei 10,80 Metern. Das macht ihn im urbanen Umfeld angenehm handlich. Beim Rangieren helfen Rückfahrkamera, 360-Grad-Kamerasystem, Top-View, 3D-Ansicht, Felgenperspektive, Anhängermodus und 180-Grad-Ansichten vorne und hinten. Gerade beim Herausfahren aus unübersichtlichen Einfahrten ist die 180-Grad-Kamera ein echtes Sicherheitsplus.
Auf Kopfsteinpflaster zeigt der EV4, dass Kia bei der Verarbeitung ordentlich gearbeitet hat. Nichts rasselt, nichts klappert, nichts wirkt lose. Das Fahrwerk rollt sauber ab, bleibt aber eher straff als weich. Der EV4 ist europäisch abgestimmt. Das bedeutet: direkte Lenkung, kontrollierte Karosseriebewegungen, wenig Aufschaukeln und ein sicheres Gefühl in Kurven.
Auf Landstraßen macht der EV4 richtig Freude. Die 150 kW reichen vollkommen aus, um zügig mitzuschwimmen oder auch einmal souverän zu überholen. Selbst im Eco-Modus hängt der Antrieb ordentlich am Strompedal. In schnellen Kurven bleibt das Auto stabil, auch auf feuchtem und kühlem Untergrund. Das Fahrwerk wirkt präzise, manchmal aber auch einen Tick zu straff. Besonders auf dem Beifahrersitz kommen Bodenwellen, Gullideckel und schlechte Straßen etwas deutlicher durch.
Was bedeutet Rekuperation und wie gut funktioniert sie?
Der Kia EV4 besitzt Rekuperationswippen am Lenkrad. Rekuperation bedeutet, dass beim Verzögern Energie zurückgewonnen und in die Batterie eingespeist wird. Statt Bewegungsenergie nur in Wärme an der Bremse zu verwandeln, nutzt das Elektroauto einen Teil davon wieder.
Über die Wippen lassen sich mehrere Rekuperationsstufen wählen. Von freiem Rollen bis zu starker Verzögerung ist alles möglich. Zusätzlich gibt es i-Pedal. Das ist eine Form des One-Pedal-Driving. Dabei kann das Auto im Alltag weitgehend über das Fahrpedal beschleunigt und verzögert werden. Im Stadtverkehr ist das sehr angenehm, auf der Autobahn ist eine geringere Rekuperation oft sinnvoller, weil das Auto dann effizienter gleiten kann.
Wie schnell ist der Kia EV4 wirklich?
Im Test wurde die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gemessen. Statt der Werksangabe von 7,7 Sekunden standen 8,45 Sekunden auf der Uhr. Das klingt zunächst nach einer kleinen Enttäuschung, ist aber erklärbar. Winterreifen, rund 6 Grad Außentemperatur und rutschiger Untergrund sind keine Idealbedingungen für Bestwerte.
Die Zwischenwerte lagen bei 3,46 Sekunden von 0 auf 50 km/h und 4,14 Sekunden von 0 auf 60 km/h. Die Bremsung von 100 auf 0 km/h dauerte 3,34 Sekunden. Entscheidend ist weniger der letzte Zehntelwert, sondern der Alltagseindruck. Und der passt: Der EV4 wirkt spritzig, ausreichend kräftig und souverän motorisiert.
Wie leise ist der Kia EV4?
Bei den Innengeräuschen sammelt der EV4 viele Pluspunkte. Gemessen wurden etwa 57 bis 58 dB bei 50 km/h, 60 bis 61 dB bei 70 km/h und rund 65 dB bei 100 km/h. Das sind gute Werte. Die Doppelverglasung trägt hörbar zur Ruhe bei.
Gerade bei Elektroautos ist Dämmung besonders wichtig. Weil kein Verbrennungsmotor Geräusche überdeckt, fallen Wind-, Reifen- und Abrollgeräusche stärker auf. Kia bekommt das im EV4 sehr gut in den Griff. Das Auto wirkt leise, entspannt und auf angenehme Weise hochwertig.
KIA EV4 Test-Video
Wie gut sind die Assistenzsysteme?
Der Kia EV4 bietet in der Topausstattung den Highway Driving Assist. Dazu gehören unter anderem Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent, Lenkunterstützung und je nach Situation weitere Autobahnfunktionen. Der Abstandsregeltempomat hält automatisch den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Der Spurhalteassistent unterstützt dabei, das Fahrzeug innerhalb der Fahrspur zu halten.
Auf der Landstraße arbeitet das System ordentlich, aber nicht perfekt. In engeren Kurven bleibt der EV4 grundsätzlich sauber in der Spur, driftet aber gelegentlich etwas nach außen. Das ist vertretbar, weil das System primär für Autobahn und gut markierte Straßen gedacht ist.
Kritischer ist die Reaktion auf Geschwindigkeitsänderungen. Wenn aus 100 km/h erst 70 km/h und kurz darauf 50 km/h werden, reagiert der EV4 adaptiv, aber zu spät. Adaptiv bedeutet: Das Fahrzeug erkennt die neue Geschwindigkeit und passt sich an. Prädiktiv wäre besser. Prädiktiv bedeutet vorausschauend. Das Auto würde also vor dem Schild bereits verzögern, damit am Schild die neue Geschwindigkeit anliegt. Genau das können manche Systeme von Volkswagen, Audi, BMW oder Renault inzwischen besser. Wer keine teuren Fotos vom Straßenrand möchte, muss hier aufmerksam bleiben.
Was verbraucht der Kia EV4 im Alltag?
Nach rund 1.000 bis 1.100 Kilometern lag der Durchschnittsverbrauch bei 20,6 kWh auf 100 Kilometer. Gefahren wurde viel über Land und auf der Autobahn, häufig mit 120 bis 130 km/h. Dazu kamen winterliche Temperaturen zwischen 4 und 10 Grad. Unter diesen Bedingungen ist der Wert ordentlich, auch wenn der WLTP-Wert von 14,6 kWh natürlich deutlich niedriger liegt.
Das ist kein Kia-Problem, sondern Elektroauto-Realität. Kälte, Winterreifen, Autobahntempo und Heizung treiben den Verbrauch nach oben. Spannend wird deshalb vor allem die separate Verbrauchsfahrt mit Messungen bei 100, 120, 140 und 160 km/h sowie im Stadt- und Landstraßenbetrieb. Erst dann lässt sich die Effizienz endgültig einordnen.
Wo überzeugt der Kia EV4 besonders?
Der Kia EV4 überzeugt mit eigenständigem Design, sehr guter Geräuschdämmung, hochwertigem Bedienkonzept, starkem Infotainment, guter App-Anbindung, ordentlicher Alltagstauglichkeit und sicheren Fahreigenschaften. Die Mischung aus klassischer Bedienbarkeit und moderner Software ist ein echter Pluspunkt. Kia zeigt hier, dass Digitalisierung nicht bedeuten muss, jede simple Funktion in ein Untermenü zu verbannen.
Auch der Innenraum ist besser, als es der erste Blick auf manche Kunststofffläche erwarten lässt. Haptik, Sitze, Geräuschniveau und Ausstattung bewegen sich auf einem Niveau, das inzwischen durchaus in Richtung Premium schielt. Dazu kommen praktische Details wie 230-Volt-Steckdose, gute Fondausstattung, 100 kg Stützlast und ein brauchbarer Kofferraum.
Wo hat der Kia EV4 Schwächen?
Perfekt ist der EV4 nicht. Ein Frunk fehlt, obwohl Kia bei anderen Modellen selbst kleine Front-Stauräume realisiert. Die Rückbank bietet keine 40:20:40-Teilung und keine Durchlademöglichkeit. Im Fond ist der Fußraum unter den Vordersitzen etwas knapp. Einige Ablagen könnten besser ausgekleidet sein, damit Kleinkram nicht klappert. Das Fahrwerk ist angenehm präzise, auf schlechten Straßen aber teilweise etwas straff.
Bei den Assistenzsystemen bleibt vor allem die fehlende wirklich vorausschauende Geschwindigkeitsanpassung ein Kritikpunkt. Das System reagiert, aber nicht früh genug. In der Praxis ist das der Unterschied zwischen entspanntem Mitschwimmen und dem reflexartigen Blick auf den Tacho kurz vor dem Schild.
Für wen passt der Kia EV4?
Der Kia EV4 passt für Menschen, die ein kompaktes Elektroauto suchen, aber keine Lust auf optischen Einheitsbrei haben. Er ist größer und erwachsener als ein klassischer Kompakter, aber noch handlich genug für die Stadt. Er bietet ausreichend Leistung, gute Reichweitenperspektive mit großem Akku, eine moderne Softwarewelt und genug Alltagstauglichkeit für Familie, Pendelstrecke und Wochenendtour.
Wer maximale Softe-Federung sucht, könnte ihn als etwas straff empfinden. Wer dagegen ein präzises, stabiles und angenehm direktes Fahrgefühl mag, wird den EV4 schnell sympathisch finden.
Ergebnisse KIA EV4 Verbrauchsfahrt
Bringen wir es auf den Punkt?
Der Kia EV4 ist ein starkes Elektroauto, weil er nicht nur auf dem Papier funktioniert. Er sieht eigenständig aus, fährt erwachsen, ist leise, gut ausgestattet und bietet viele durchdachte Details. Die 150 kW Leistung passen gut zum Fahrzeug, der Innenraum ist modern und trotzdem bedienbar, und die Alltagstauglichkeit stimmt weitgehend.
Kritik gibt es für den fehlenden Frunk, die nicht ganz perfekte Variabilität der Rückbank, die teilweise harten Ablagen, das straffe Fahrwerk auf schlechten Straßen und die nicht prädiktive Geschwindigkeitsanpassung. Das sind aber keine K.o.-Kriterien, sondern Punkte, die den insgesamt positiven Eindruck etwas erden.
Unterm Strich wirkt der Kia EV4 wie ein weiterer Beleg dafür, dass Kia bei Elektroautos längst nicht mehr nur mitspielt, sondern in vielen Bereichen den Takt vorgibt. Der EV4 ist angenehm anders, technisch reif und im besten Sinne ein Elektroauto für Menschen, die mehr wollen als nur Reichweite, Ladeleistung und ein großes Display.





















