Mercedes-Benz macht mit dem neuen VLE genau das, was viele Hersteller seit Jahren versprechen, aber nur selten wirklich einlösen. Der klassische Van soll nicht länger nur praktisch sein, sondern zugleich elegant, effizient, digital und langstreckentauglich. Herausgekommen ist laut den hochgeladenen Unterlagen keine elektrische V-Klasse im engeren Sinne, sondern eine völlig neu gedachte Grand Limousine auf Basis der neuen, modularen und skalierbaren Van Architektur VAN.EA. Der VLE ist das erste Modell auf dieser Plattform und soll das Beste aus zwei Welten verbinden: das Fahrverhalten und die Sicherheit einer Limousine mit der Variabilität und dem Raumangebot eines MPV. Genau dieser Anspruch zieht sich durch alle Dokumente wie ein roter Faden.
Schon dieser Grundgedanke ist für Mercedes-Benz zentral. Der VLE richtet sich eben nicht nur an eine Zielgruppe. Die Unterlagen beschreiben ihn gleichzeitig als Familienfahrzeug, als Freizeitmobil und als exklusiven Shuttle. Bis zu acht Sitzplätze, unterschiedliche Linien, verschiedene Sitzkonfigurationen, ein variabler Fond, ein riesiges Digitalangebot und ein sehr breit angelegtes Komfortprogramm sollen dafür sorgen, dass aus einem Fahrzeug gleich mehrere Charaktere werden. Mercedes spricht deshalb nicht einfach von einem Van, sondern von einer Grand Limousine. Das ist natürlich auch Marketing. Aber in diesem Fall steckt dahinter durchaus Substanz, denn viele technische und konzeptionelle Details zeigen, dass der VLE bewusst nicht als nüchterner Großraumwagen positioniert wird.
Neue Architektur, neuer Anspruch
Der vielleicht wichtigste Punkt am ganzen Auto ist die technische Basis. Der VLE ist das erste Serienmodell auf der neuen VAN.EA Plattform. Diese Architektur ist modular, flexibel und skalierbar ausgelegt. Das klingt zunächst nach Konzernsprech, bedeutet hier aber vor allem eines: Mercedes will den Van künftig nicht mehr als Sonderlösung behandeln, sondern als eigenständige Hightech-Fahrzeugfamilie. Der VLE ist damit der Auftakt zu einer neuen Generation elektrischer Großraumfahrzeuge, die deutlich stärker in Richtung Premium, Digitalisierung und Effizienz entwickelt wurden.
Dazu passt auch die gesamte technische Ausrichtung. Der VLE setzt auf 800-Volt-Technik, eine neue Batterie mit 115 kWh nutzbarem Energieinhalt, hohe Ladeleistungen, ein neu entwickeltes elektrisches Antriebssystem sowie das Betriebssystem MB.OS, das praktisch alle Fahrzeugbereiche orchestrieren soll. Mercedes will also nicht nur einen großen Stromer bauen, sondern ein Software definiertes Premiumfahrzeug mit Van-Karosserie. Genau das macht den VLE spannend, denn bislang war das Segment großer elektrischer Familien und Shuttlefahrzeuge oft eher von Vernunft als von Begehrlichkeit geprägt.
Design: Kein Kasten, sondern ein Statement
Schon optisch distanziert sich der VLE klar vom klassischen Nutzfahrzeugdenken. Die Unterlagen sprechen von einer niedrigen, strömungsgünstigen Silhouette, kurzen Überhängen, einer straff gespannten Dachlinie und einem fließend gerundeten Heck. Diese Form ist nicht nur fürs Auge gedacht, sondern vor allem für die Aerodynamik. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,25 ist laut Mercedes im Segment der Großraumlimousinen Benchmark. Für ein Fahrzeug mit dieser Größe ist das tatsächlich ein starkes Signal. Denn ein niedriger cw-Wert verbessert nicht nur die Reichweite, sondern reduziert auch Windgeräusche und macht Langstreckenfahrten angenehmer. Genau das ist beim VLE entscheidend, weil Mercedes ihn explizit als Reisespezialisten positioniert.
An der Front trägt der VLE einen neu interpretierten Mercedes-Grill. Je nach Ausstattungslinie variiert dessen Ausführung deutlich. In der Standardversion gibt es ein schwarz lackiertes Panel und den klassischen Stern auf der Haube. Die AMG Line kombiniert ein schwarz lackiertes Panel mit grauen Dots, horizontalen Chromlamellen, beleuchtetem Chromrahmen und integriertem Zentralstern. Die EXCLUSIVE Variante setzt auf ein silbermatt lackiertes Panel mit schwarzen Dots, Chromlamellen, beleuchtetem Rahmen und aufrecht stehendem Stern. Hinzu kommt die nächste Generation DIGITAL LIGHT im Doppel-Stern-Design mit Mikro-LED-Technologie. Zwei ausgeprägte Powerdomes auf der Haube sollen die sportlichen Proportionen zusätzlich unterstreichen.
Auch die Seitenansicht ist bemerkenswert sorgfältig beschrieben. Große Radhäuser, präzise gesetzte Charakterlinien, flächenbündige Türgriffe und breite Chromumrandungen der Seitenfenster schaffen eher den Eindruck einer sehr großen Luxuslimousine als den eines klassischen People Movers. Dazu kommen Leichtmetallräder von 19 bis 22 Zoll, je nach Linie und Paket. Am Heck fällt vor allem die Lichtsignatur auf. Die Rückleuchten im Arc-Design sitzen in der aerodynamischen Spoilerlippe und umrahmen das Heck wie ein umgedrehtes U. Das ist ein Detail, mit dem Mercedes dem VLE bewusst einen hohen Wiedererkennungswert verpasst.
Groß, aber nicht plump
Die Abmessungen zeigen, womit man es hier zu tun hat. Der VLE ist 5.309 Millimeter lang, 1.999 Millimeter breit und je nach Ausführung 1.916 bis 1.925 Millimeter hoch. Inklusive Außenspiegel sind es 2.248 Millimeter. Der Radstand beträgt 3.342 Millimeter. Eine Langversion mit 5.484 Millimetern Länge und 3.517 Millimetern Radstand ist laut Design-Factsheet bereits angekündigt, folgt aber später.
Interessant ist dabei weniger die schiere Größe als der Umgang damit. Mercedes hebt mehrfach hervor, dass die optionale Hinterachslenkung mit bis zu sieben Grad Lenkwinkel den Wendekreis massiv reduziert. Von Bordstein zu Bordstein sind es nur 10,9 Meter, von Wand zu Wand 11,6 Meter. Das ist für ein über 5,30 Meter langes Fahrzeug eine Ansage. Mercedes vergleicht das sogar mit dem neuen CLA. Unterhalb von 60 km/h lenken die Hinterräder entgegengesetzt zu den Vorderrädern, was das Fahrzeug deutlich handlicher macht. Oberhalb von 60 km/h lenken sie gleichsinnig, was die Fahrstabilität verbessert. Anders gesagt: Unten herum fühlt sich der VLE kleiner an, oben herum souveräner. Genau so muss moderne Fahrwerkstechnik funktionieren.
Antrieb: Effizienz statt Show, aber nicht ohne Druck
Bei den Antrieben unterscheidet Mercedes zwischen dem VLE 300 elektrisch mit Frontantrieb und dem VLE 400 4MATIC elektrisch mit Allrad. Der VLE 300 leistet 200 kW und liefert laut Steckbrief 4.350 Nm Drehmoment. Der VLE 400 4MATIC kommt auf 305 kW und 6.650 Nm. In beiden Fällen arbeitet eine permanenterregte Synchronmaschine, kurz PSM. Bei den Allradversionen sitzt zusätzlich eine weitere PSM an der Hinterachse. Diese fungiert als sogenannter Boost-Antrieb und wird bei Bedarf zugeschaltet. Möglich macht das eine Disconnect Unit, also eine Entkopplungseinheit, die den hinteren Motor und Teile des Getriebes bei geringer Last vom Antriebsstrang trennt. Mercedes spricht von bis zu 90 Prozent weniger Schleppverlusten an der Hinterachse. Das ist technisch relevant, weil genau solche Verluste Reichweite kosten, ohne dass der Fahrer davon viel merkt.
Mercedes-Benz VLE Fotos












































Spannend ist auch der angegebene Wirkungsgrad. Mercedes nennt für die selbst entwickelte Antriebseinheit an der Vorderachse einen Langstreckenwirkungsgrad von 93 Prozent von der Batterie bis zum Rad. Das ist ein sehr hoher Wert und ein Hinweis darauf, wie stark der VLE auf Effizienz getrimmt wurde. Ergänzt wird das Antriebssystem durch High-Performance-Leistungselektronik mit Siliziumkarbid-Wechselrichtern. Siliziumkarbid ist im Grunde ein besonders verlustarmer Halbleiterwerkstoff, der hohe Spannungen und Temperaturen gut verkraftet. Für Elektroautos ist das ein echter Effizienzbaustein, weil weniger Energie in Form von Wärme verpufft.
In Zahlen heißt das: Der VLE 300 beschleunigt in 9,5 Sekunden auf 100 km/h und fährt bis 180 km/h. Der VLE 400 4MATIC erledigt den Standardsprint in 6,5 Sekunden, ebenfalls bei 180 km/h Spitze. Das ist kein Sportwagen-Territorium, aber für ein großes, bis zu 3,7 Tonnen schweres Fahrzeug mehr als ordentlich. Vor allem zeigt es, dass Mercedes den VLE nicht als zähen Lastesel anlegt, sondern als souveränen Reisewagen mit Reserven.
Batterie, Laden und Reichweite: Hier will Mercedes ganz nach vorne
Ein zentrales Argument des VLE ist seine Langstreckentauglichkeit. Alle Varianten in den hochgeladenen Unterlagen nutzen eine neue Lithium-Ionen-Batterie mit Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie und 115 kWh nutzbarem Energieinhalt. Die Zellchemie setzt auf Anoden, bei denen Siliziumoxid dem Graphit beigemischt ist. Zugleich wurde der Kobaltanteil weiter reduziert. Auch das zeigt, dass Mercedes an mehreren Stellschrauben gleichzeitig arbeitet: Energiedichte, Effizienz und Nachhaltigkeit.
Das 800-Volt-System soll die Ladezeiten deutlich verkürzen. DC sind bis zu 315 kW prognostiziert. Von 10 auf 80 Prozent soll der Akku in 25 Minuten laden. Besonders plakativ formuliert Mercedes die Nachladeleistung. In nur 15 Minuten sollen bis zu 320 Kilometer WLTP-Reichweite nachgeladen werden können. In den konkreten Modellsteckbriefen variieren die 10-Minuten-Werte je nach Variante. Der VLE 300 Standard kommt auf 261 Kilometer, der VLE 300 AMG Line auf 248 Kilometer, der VLE 300 EXCLUSIVE auf 242 Kilometer und der VLE 400 4MATIC auf 236 Kilometer. Diese Unterschiede zeigen sehr schön, wie stark Ausstattung, Gewicht und Konfiguration die Effizienz beeinflussen.
Bei der Reichweite setzt das Basismodell den Bestwert. Der VLE 300 elektrisch in Serienausstattung mit Advanced-Plus-Paket kommt laut vorläufigen WLTP-Angaben auf über 700 Kilometer. Der VLE 300 AMG Line liegt bei über 660 Kilometern, der VLE 300 EXCLUSIVE bei über 640 Kilometern und der VLE 400 4MATIC bei über 630 Kilometern. Beim Verbrauch nennt Mercedes je nach Ausführung etwa 18,8 bis 21,1 kWh pro 100 Kilometer. Dass ein Fahrzeug dieser Größe unter die 20-kWh-Marke rutschen kann, ist tatsächlich bemerkenswert. Mercedes selbst spricht davon, rechnerisch entspreche das weniger als zwei Litern Diesel auf 100 Kilometer.
Wie ernst Mercedes das Thema Langstrecke meint, zeigt auch die kommunikative Inszenierung. In den Unterlagen ist von einer Fahrt von Stuttgart nach Rom die Rede, also über 1.000 Kilometer, die mit nur zwei Ladestopps von jeweils 15 Minuten absolviert worden sein soll. Hinzu kommen Beispiele wie Berlin nach Göteborg oder Rom nach Nizza, die der VLE 300 elektrisch ohne Ladestopp schaffen soll. Das ist natürlich WLTP-Welt und keine Winterrealität mit Dachbox und Gegenwind. Trotzdem zeigt es, wo Mercedes den VLE platzieren will: nicht als Kompromiss, sondern als echter Reisespezialist.
Laden ist mehr als nur kW
Besonders spannend ist das Ladeökosystem rund um den VLE. Der Wagen ist in allen Märkten serienmäßig auf bidirektionales Laden vorbereitet. Das heißt, er kann perspektivisch nicht nur Strom aufnehmen, sondern auch wieder abgeben. Mercedes nennt hier die üblichen Kürzel V2H für Vehicle to Home und V2G für Vehicle to Grid. Konkret bedeutet das: Überschüssiger Solarstrom könnte tagsüber im Fahrzeug gespeichert und später im Haus genutzt werden. Bei Netzstörungen soll der VLE künftig sogar mehrere Tage als lokale Energiequelle dienen können. Und bei entsprechender Regulierung könnte er Strom gegen Vergütung wieder ins öffentliche Netz einspeisen. Das ist mehr als ein nettes Technikdetail, denn genau hier verschiebt sich das Elektroauto vom Verbraucher zum aktiven Bestandteil des Energiesystems.
Mercedes kündigt zudem die MB.CHARGE Home Pro Intelligent Wallbox mit bidirektionalen Funktionen für 2026 an. Ein automatisierter Ladeplan soll das Fahrzeug laden, wenn Strom günstig ist, und Energie zurückspeisen, wenn die Preise hoch sind. Parallel dazu bindet MB.CHARGE Public den VLE an eines der größten Ladenetzwerke weltweit an. In den Unterlagen ist von mehr als 2,7 Millionen Ladepunkten bei über 1.500 Anbietern die Rede, davon mehr als 950.000 in Europa und über 160.000 in Deutschland. Authentifizierung per App, RFID-Karte oder Plug & Charge, transparente Kostenanzeige und Electric Intelligence in der Navigation sollen den Ladealltag möglichst reibungslos machen.
Fahrwerk und Komfort: Schweben ist nur knapp verfehlt
Mercedes betont immer wieder, dass der VLE wie eine Premium-Limousine fahren soll. Das wäre eine mutige Behauptung, wenn die Technik nicht passend dazu ausfiele. Kernbestandteil ist die optionale AIRMATIC Luftfederung mit intelligenter Dämpfung und Niveauregulierung. Sie kann das Fahrzeug um 40 Millimeter anheben oder absenken. Das dient nicht nur dem Komfort, sondern auch der Effizienz. Denn die AIRMATIC nutzt erstmals Kartendaten von Google, um das Fahrzeugniveau möglichst lange tief zu halten. Klassische Systeme würden bei kurzzeitig sinkender Geschwindigkeit auf der Autobahn eher wieder anheben. Der VLE soll dagegen wissen, dass er sich noch immer auf einer Schnellstraße befindet, und die aerodynamisch günstige Tieflage beibehalten. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Software und Fahrwerk inzwischen ineinandergreifen.
Dazu kommt eine neue Car-to-X-Funktion für lange Fahrbahnschwellen. Das Fahrzeug erkennt solche Bodenerhöhungen und passt die Dämpfung kurz vorher elektrisch an. Gerade im Fond soll das spürbar mehr Komfort bringen. Zusammen mit der Hinterachslenkung, der direkten Lenkübersetzung und dem insgesamt sehr auf Effizienz und Stabilität ausgelegten Setup ergibt sich das Bild eines großen Autos, das nicht schwerfällig wirken soll. Mercedes will offensichtlich, dass man im VLE nicht das Gefühl hat, einen rollenden Raumcontainer zu bewegen, sondern ein präzise abgestimmtes Premiumfahrzeug.
Innenraum: Lounge, Shuttle, Familienabteil oder alles gleichzeitig
Im Innenraum geht der VLE besonders weit weg von der alten Van-Schule. Das Interieur soll das bekannte Mercedes-Benz „Welcome home“-Gefühl auf ein neues Niveau heben. Der Begriff klingt werblich, aber die Beschreibung der Materialien und des Lichtkonzepts ist bemerkenswert detailliert. Das Sky View Panoramadach zieht sich nahtlos von der B-Säule bis zum Heck und soll Großzügigkeit, Freiheit, Ruhe und Sicherheit vermitteln. Die Ambientebeleuchtung läuft durch den gesamten Innenraum bis in die dritte Sitzreihe und verstärkt den sogenannten Wraparound-Effekt. Der Innenraum soll die Passagiere also nicht nur beherbergen, sondern regelrecht umschließen.
Bei den Sitzen zeigt sich, wie viel Aufwand Mercedes in die Variabilität steckt. Der VLE kann je nach Konfiguration als Fünf-, Sechs-, Sieben- oder Achtsitzer auftreten. In Reihe zwei und drei stehen drei neu entwickelte Einzelsitztypen und zwei Sitzbänke zur Wahl. Es gibt manuell verstellbare Komfortsitze mit Armlehnen und optionalem Klapptisch, eine manuell verstellbare Dreier-Komfortsitzbank EASY-ENTRY, elektrisch verstellbare Premium-Komfortsitze mit Armlehnen und Sitzheizung sowie Grand-Komfortsitze mit zusätzlichem Kissen, Cupholder, kabellosem Laden, Lordosenstütze, Massagefunktion und Wadenauflage. Dazu kommt eine elektrisch verstellbare Dreier-Komfortsitzbank.
Das mechanische Roll & Go System ist dabei ein echtes Nutzwert-Highlight. Die Sitze haben vier integrierte Rollen, lassen sich einfach verschieben, in jeder Position arretieren oder komplett ausbauen und in den Lagerraum rollen. Elektrisch verstellbare Sitze und Sitzbänke lassen sich mit dem variablen Fond sogar per App, über das Zentraldisplay oder über Sitzschalter verschieben. Mercedes nennt das nicht ohne Grund „Sitzballett“. Es gibt vier vordefinierte Konfigurationen: Gepäck, Executive, Personen & Gepäck und Standard. Hinter dem etwas verspielt formulierten Namen steckt ein erstaunlich praxisnahes Konzept. Denn bei Fahrzeugen dieser Klasse ist nicht nur wichtig, wie viele Sitze vorhanden sind, sondern wie schnell und unkompliziert sich der Raum an wechselnde Anforderungen anpassen lässt.
Das Ladevolumen fällt entsprechend üppig aus. Mit drei Sitzreihen nennt Mercedes bis zu 795 Liter, bei ausgebauten manuell verstellbaren Sitzen sogar bis zu 4.078 Liter. Interessant ist allerdings, dass die EXCLUSIVE Konfiguration mit Grand-Komfortsitzen und elektrischer Dreier-Sitzbank im konkreten Steckbrief auf 2.221 Liter maximalen Gepäckraum kommt. Das zeigt, wie stark luxuriöse Sitzsysteme den Nutzraum beeinflussen können. Wer maximale Vielseitigkeit will, bekommt sie. Wer maximale Lounge-Atmosphäre bestellt, zahlt dafür eben mit Ladevolumen. Genau solche Unterschiede machen die Konfigurationsfreiheit glaubwürdig.
Praktische Details, die im Alltag wirklich zählen
Zwischen all dem Premium-Vokabular stecken erfreulich viele echte Alltagslösungen. Der VLE hat auf jeder Seite eine elektrische Schiebetür, auf Wunsch mit HANDS-FREE ACCESS. Beide Türen verfügen über voll versenkbare Fenster und einen intelligenten Stopp-Mechanismus bei Hindernissen. Dazu kommt eine separat zu öffnende Heckscheibe, was in engen Parklücken Gold wert ist. Optional gibt es die EASY-PACK Heckklappe. Und je nach Mittelkonsole bleibt sogar der Durchgang vom Cockpit in den Fond frei, was gerade Familien schätzen dürften.
Mercedes bietet zudem drei unterschiedliche Mittelkonsolen an. Die kompakte Standardkonsole integriert eine oder optional zwei kabellose Ladeflächen und Getränkehalter. Eine längere Mittelkonsole ergänzt mehr Stauraum. Die exklusivste Ausführung geht noch weiter und bringt zwei temperierte Ablagefächer, UV-Desinfektion, AIR-BALANCE Duftgenerator, Ambientebeleuchtung und weitere Komfortelemente mit. Solche Details mögen auf den ersten Blick nach Luxusspielerei aussehen. Im Shuttle-Einsatz oder auf langen Reisen machen sie aber den Unterschied zwischen bloß viel Platz und tatsächlich hochwertigem Reisen aus.
Digitaler Erlebnisraum statt bloßer Bildschirmwüste
Der VLE ist eines der Fahrzeuge, an denen man sehr gut erkennt, wie stark Mercedes inzwischen auf Software und digitale Ökosysteme setzt. MB.OS dient als zentrales Betriebssystem und soll Infotainment, Komfort, Laden und automatisiertes Fahren zusammenführen. Verbunden mit der Mercedes-Benz Intelligent Cloud ermöglicht es Over-the-Air-Updates für die Gesamtfahrzeug-Software. Neue Funktionen können als Digitale Extras nachträglich hinzugefügt werden. Das heißt im Klartext: Der VLE ist nicht mit der Auslieferung fertig entwickelt, sondern soll sich im Betrieb weiter verändern können.
Die neue MBUX Generation wird von Hochleistungs-Mikroprozessoren angetrieben und nutzt Echtzeitgrafiken auf Basis der Unity Game Engine. Das Bedienkonzept setzt auf den Zero Layer, also die Konzentration auf die wichtigsten Informationen, Vorschläge und zuletzt genutzten Apps direkt auf dem Zentralbildschirm. Apps können verschoben und in benutzerdefinierte Ordner sortiert werden, ähnlich wie auf einem Smartphone. Das klingt banal, ist im Auto aber längst nicht selbstverständlich. Mercedes versucht hier, die Bedienlogik konsumentenelektronischer Geräte sauber ins Fahrzeug zu übertragen.
Besonders auffällig ist der MBUX Virtual Assistant. Laut Unterlagen kombiniert das System mehrere KI-Agenten, kann mehrteilige Dialoge führen, besitzt ein Kurzzeitgedächtnis und greift kontextabhängig auf unterschiedliche Quellen zurück. Mercedes beschreibt ihn als gesprächig und empathisch wie ein Freund. Das ist natürlich eine etwas dick aufgetragene Formulierung. Technisch interessant ist aber, dass der Assistent Kontexte behalten und Gespräche fortsetzen können soll. Im Fahrzeugalltag wäre das tatsächlich ein Fortschritt, weil Sprachassistenten oft genau daran scheitern: Sie verstehen isolierte Befehle, aber keine Unterhaltung.
Im Cockpit steht optional der MBUX Superscreen bereit. Drei Displays sitzen unter einer großen Glasfläche: ein 10,25-Zoll-Instrumentendisplay, ein 14-Zoll-Zentraldisplay und ein 14-Zoll-Bildschirm für den Beifahrer. Hinzu kommt optional ein Head-up-Display mit Augmented Navigation. Das projiziert ein virtuelles, 23,1 Zoll großes Bild in rund vier Metern Entfernung vor das Fahrzeug. Geschwindigkeit, Warnhinweise und Navigationsinformationen liegen so direkt im Sichtfeld. Das ist besonders auf langen Fahrten sinnvoll, weil der Blick länger auf der Straße bleiben kann.
Im Fond geht Mercedes dann aufs Ganze. Ein ausfahrbarer 31,3-Zoll-Panorama-Screen mit 8K-Auflösung, Splitscreen-Funktion und integrierter Acht-Megapixel-Kamera verbirgt sich im Dachhimmel. Zusammen mit dem optionalen Burmester 3D-Surround-Soundsystem mit 22 Lautsprechern und Dolby Atmos soll der VLE hinten zum mobilen Kino, Spielzimmer oder Besprechungsraum werden. Per Sprachbefehl wie „Hey Mercedes, starte das Kinoerlebnis“ fährt der Screen aus, gleichzeitig schließen die Fensterrollos. Das ist schon ziemlich viel Inszenierung. Aber für einen Shuttle oder ein Familienfahrzeug auf Langstrecke ist genau das ein Differenzierungsmerkmal. Im Wettbewerb reicht es längst nicht mehr, nur Tablets anzuschrauben.
Dazu kommen mehr als 40 Apps aus den Bereichen Audio, Video, Gaming und Produktivität. Genannt werden unter anderem Disney+, RIDEVU von Sony Pictures, Audible, Amazon Music, Boosteroid sowie Zoom, Webex und Microsoft Teams. Zusammen mit der Navigation mit Electric Intelligence auf Basis von Google Maps entsteht das Bild eines Fahrzeugs, das Innenraum, Software und Reisen stärker miteinander verzahnt als bisherige Großraumlimousinen.
Sicherheit und Assistenz: Viel Serie, viel Software
Schon der Prototyp wird in den Unterlagen als ab Werk mit umfangreichen Sicherheits- und Fahrassistenzsystemen ausgestattet beschrieben. Serienmäßig ist der Abstands-Assist DISTRONIC. Optional kommen MB.DRIVE ASSIST für teilautonomes Lenken auf Autobahnen und ein Spurwechsel-Assistent hinzu. Ebenso verfügbar sind MB.DRIVE ASSIST PLUS sowie MB.DRIVE PARKING ASSIST beziehungsweise PARKING ASSIST 360, je nach Modell und Paket. Ergänzt wird das Ganze durch Features wie Gesichtserkennung, Selfie- und Videokamera sowie die nächste Generation DIGITAL LIGHT mit Mikro-LED-Technologie. Letztere soll bei halbiertem Energiebedarf heller arbeiten. Auch das ist ein schönes Beispiel dafür, dass selbst Beleuchtung im Elektroauto plötzlich zur Effizienzfrage wird.
Nachhaltigkeit: Mehr als nur lokal emissionsfrei
Mercedes versucht beim VLE deutlich zu zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht auf den Elektroantrieb reduziert werden soll. Laut Factsheet sinkt der CO2-Fußabdruck über den gesamten Lebenszyklus um über 60 Prozent gegenüber einer V-Klasse. Dazu beitragen sollen der effiziente Antrieb, der cw-Wert von 0,25, optimierte Materialien, Produktionsprozesse und Renewable Charging. Die Batterieproduktion soll durch CO2-Reduktionsmaßnahmen rund 30 Prozent weniger Emissionen verursachen als konventionelle Herstellung. Batteriegehäuse und Kühlkörper bestehen zu über 50 Prozent aus recyceltem Aluminium. Viele Produktionsschritte laufen bilanziell CO2-neutral. Die eigenen Werke von Mercedes-Benz werden bereits mit 100 Prozent Grünstrom versorgt, auch das Werk Vitoria in Nordspanien, in dem der VLE gebaut wird.
Hinzu kommen zahlreiche Materialdetails. Der Rezyklatanteil schwerer Kunststoffbauteile wurde im Vergleich zu V-Klasse und EQV verdoppelt. Das Echtleder wird chromfrei gegerbt. ARTICO entsteht aus recycelten PET-Flaschen und biozirkulären Rohstoffen, MICROCUT und weitere Polsterstoffe enthalten bis zu 100 Prozent wiederverwertete Materialien. Bemerkenswert ist auch die Reparierbarkeit der Hochvoltbatterie. Elektrik- und Elektronikkomponenten können in den Werkstätten zugänglich repariert werden, ein kompletter Tausch der Batterie soll dadurch oft vermieden werden. Für Reparaturen auf Zellpack-Ebene gibt es laut Unterlagen sogar einen Wiederaufbereitungsprozess. Genau solche Themen sind langfristig wichtiger als die x-te Ambientelichtfarbe.
Ausstattungslinien: vom Familienbegleiter bis zur rollenden Lounge
Der VLE wird mit vier Linien beschrieben: Standardausstattung, AMG Line, AMG Line Plus und EXCLUSIVE. Dazu kommen vier aufeinander aufbauende Pakete: Advanced, Advanced Plus, Premium und Premium Plus. Schon die Basis bringt unter anderem flächenbündige Türgriffe, 19-Zoll-Räder, LED High Performance Scheinwerfer, beheizbare Frontsitze und Lenkrad, USB-Paket Plus und Interieur-Lichtpaket mit. Das Advanced-Plus-Paket ergänzt etwa EASY-PACK Heckklappe, separat zu öffnende Heckscheibe, Hinterachslenkung, THERMOTRONIC und Ambientebeleuchtung. Das Premium-Paket bringt DIGITAL LIGHT, Burmester Surround-Soundsystem, Ambientebeleuchtung Plus und MBUX Entertainment. Das Premium-Plus-Paket setzt noch einen drauf mit DIGITAL LIGHT samt Projektionsfunktion, Head-up-Display, Beifahrer-Display und ENERGIZING AIR CONTROL.
Die konkreten Steckbriefe zeigen, wie unterschiedlich der VLE dadurch auftreten kann. Das Serienmodell mit Advanced-Plus-Paket ist eher der nüchterne, aber bereits gut ausgestattete Langstrecken-Familienvan. Die AMG Line bringt sportlicheres Design, 21-Zoll-AMG-Räder, Nappa-Leder in beechbraun und vier Einzelsitze im Fond. Die EXCLUSIVE Variante setzt stärker auf Luxus mit Nappa-Leder in elfenbeinbeige, offenporigem Birkenholz, Grand-Komfortsitzen, Panorama-Screen und variablem Fond. Das VLE 400 4MATIC AMG Line Plus mit Night Paket und Premium-Paket ist schließlich das Zugfahrzeug und der dynamischere Allrounder im Programm.
Auch als Zugfahrzeug gedacht
Ein Punkt, der in vielen Elektroauto-Vorstellungen eher versteckt auftaucht, wird beim VLE erstaunlich offensiv gespielt: die Anhängelast. Die Unterlagen nennen gebremst bis zu 2,5 Tonnen, konkret beim VLE 400 4MATIC. Die VLE-300-Varianten liegen bei 1.000 Kilogramm. Die Stützlast beträgt in allen aufgeführten Versionen 100 Kilogramm. Mercedes verweist ausdrücklich darauf, dass damit Wohnwagen, Boot- oder Pferdeanhänger möglich sind und sogar E-Bikes auf einem passenden Träger transportiert werden können. ESP Anhängerstabilisierung und Anhängerrangier-Assistent sollen das Handling erleichtern. Gerade für freizeitaktive Käufer ist das ein starkes Argument, denn genau hier tun sich viele Elektrofahrzeuge im Alltag noch schwer.
Preise: Überraschend breit gespreizt
Auch bei den Preisen zeigt sich die enorme Bandbreite des Konzepts. Der VLE 300 elektrisch in Serienausstattung mit Advanced-Plus-Paket startet laut Steckbrief bei rund 79.000 Euro zzgl. MwSt. Dazu muss man wissen, dass man der VLE trotz all der Bemühungen in der Nutzfahrzeugsparte eingegliedert wurde und man da die Preise netto angibt. Der VLE 300 elektrisch in AMG Line mit Premium-Paket liegt bei etwa 94.000 Euro. Der VLE 400 4MATIC elektrisch in AMG Line Plus mit Night Paket und Premium-Paket wird mit rund 97.000 Euro angegeben. An der Spitze der hochgeladenen Konfigurationen steht der VLE 300 elektrisch EXCLUSIVE mit Premium-Plus-Paket für etwa 113.000 Euro. Das ist eine Spanne, die sehr deutlich zeigt, dass Mercedes hier mehrere Kundengruppen auf einmal bedienen will. Vom gehobenen Familienfahrzeug bis zum repräsentativen Shuttle ist alles dabei.
Einordnung: Warum der VLE mehr ist als nur ein weiterer Elektro-Van
Der neue Mercedes-Benz VLE ist nach allem, was in den hochgeladenen Unterlagen steht, kein bloß elektrifizierter Raumriese. Er ist der Versuch, das Segment der großen Premium-Vans technisch und konzeptionell neu aufzuladen. Die Mischung aus über 700 Kilometern WLTP-Reichweite, 800-Volt-System, 315-kW-DC-Ladeleistung, 115-kWh-Batterie, 7-Grad-Hinterachslenkung, AIRMATIC, flexiblem Sitzkonzept, bidirektionalem Laden und einer sehr stark ausgebauten digitalen Erlebniswelt hebt ihn klar von dem ab, was man üblicherweise mit einem Van verbindet.
Besonders interessant ist dabei, dass Mercedes nicht nur auf Prestige und Screens setzt, sondern viele praxisnahe Themen ernsthaft bearbeitet hat. Der kleine Wendekreis, die separat zu öffnende Heckscheibe, voll versenkbare Fenster in den Schiebetüren, ausbaubare Sitze auf Rollen, bis zu 4.078 Liter Ladevolumen, bis zu 2,5 Tonnen Anhängelast und die Reparierbarkeit der Batterie sind keine bloßen Show-Features. Sie zeigen, dass der VLE seinen Nutzwert nicht zugunsten der Inszenierung verloren hat. Das ist wichtig, denn genau daran würden viele luxuriöse Großraumfahrzeuge scheitern.
Unterm Strich wirkt der VLE wie ein Fahrzeug, das Mercedes-Benz nicht einfach in eine bestehende Schublade stecken will. Er ist Familienauto, Business-Shuttle, Reisewagen, digitaler Erlebnisraum und Energiespeicher zugleich. Das ist ein großer Anspruch. Aber selten hat ein Hersteller ihn in einem Van-Segment so konsequent technisch unterfüttert wie hier. Ob der VLE am Ende wirklich wie eine Premium-Limousine fährt und sich im Alltag so souverän schlägt, wie es die Unterlagen versprechen, wird erst die Praxis zeigen. Nach Datenlage ist aber klar: Mercedes-Benz meint es mit dieser neuen elektrischen Grand Limousine sehr ernst.



















