Start / Elektromobilität / Opel Corsa GSE Test – Der ID. Polo GTI Killer?

Opel Corsa GSE Test – Der ID. Polo GTI Killer?

Opel Corsa GSE Test inklusive Video

Mit dem Opel Corsa GSE versucht Opel etwas, das bei einem Elektroauto deutlich schwieriger ist, als einfach nur einen stärkeren Motor einzubauen. Der kleine Stromer soll nicht allein schnell beschleunigen, sondern jene Eigenschaften mitbringen, die frühere sportliche Corsa-Modelle zu etwas Besonderem gemacht haben. Fahrwerk, Lenkung, Bremsen, Reifen und Traktion müssen zusammenspielen und am Ende muss das Auto trotzdem noch als ganz normaler Corsa funktionieren können.

Genau deshalb war für uns die entscheidende Frage bei unserer ersten ausführlichen Begegnung in der Nähe von Wien nicht, ob 281 PS in einem Kleinwagen beeindruckend klingen. Das tun sie zweifellos. Viel interessanter war, ob Opel aus dieser Leistung tatsächlich einen glaubwürdigen elektrischen Sportler gemacht hat oder lediglich einen Corsa Electric mit mehr Leistung, ein paar gelben Akzenten und einem GSE-Schriftzug.

Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls ungewöhnlich ernsthaft. GSE steht inzwischen für Grand Sport Elektrik und Opel bezeichnet den neuen Corsa GSE als stärksten Serien-Corsa der bisherigen Markengeschichte. Dazu kommen nicht nur mehr Motorleistung, sondern ein spezielles Fahrwerk, ein mechanisch unterstütztes Sperrdifferenzial, eine leistungsfähigere Bremsanlage und eine Bereifung, die deutlich macht, dass hier nicht allein der möglichst niedrige Energieverbrauch im Lastenheft stand.

Wie sich das alles fährt, wie der Opel Corsa GSE innen und außen aussieht und wie er sich auf dem kleinen Track bei Wien schlägt, zeigen wir ausführlich auch in unserem Video zum Fahrzeug. Dort lassen sich viele Details, die sich mit Worten nur beschreiben lassen, noch einmal direkt im bewegten Bild nachvollziehen.

Wie viel Motorsport steckt optisch im Opel Corsa GSE?

Opel verzichtet beim Opel Corsa GSE auf die ganz große optische Eskalation. Wer angesichts der Leistungsdaten einen Kleinwagen mit riesigem Heckflügel, übertriebenen Luftöffnungen und einem Auftritt erwartet, der schon auf dem Supermarktparkplatz nach Rennstrecke schreit, bekommt ein deutlich zurückhaltenderes Auto. Trotzdem unterscheidet sich der GSE sichtbar von den normalen Corsa-Versionen. Vorne sitzt eine eigenständige Frontschürze mit GSE-Schriftzug, dazu kommen Matrix-LED-Pixelscheinwerfer, aerodynamisch optimierte 18-Zoll-Räder und dahinter auffällig gelbe Bremssättel der Vierkolben-Performance-Bremsanlage. Schwarze Außenspiegel, schwarzes Dach, GSE-Logo und Privacy-Verglasung ergänzen den Auftritt.

Gerade am Heck gefällt uns die Umsetzung. Die eigenständige Schürze lässt den Corsa optisch breiter wirken, angedeutete Luftauslässe und ein dezenter Diffusor sorgen für mehr Dynamik und auch Corsa-Schriftzug sowie Opel-Blitz sind schwarz ausgeführt. Etwas mehr Mut hätten wir uns trotzdem vorstellen können. Ein deutlich größerer Heckspoiler beispielsweise hätte den Motorsportanspruch stärker nach außen getragen. Genau an dieser Stelle wird aber vermutlich auch die Philosophie des Autos deutlich. Der Opel Corsa GSE möchte nicht zwangsläufig jedem bereits aus 200 Metern Entfernung mitteilen, was unter seinem Blech steckt. Es bleibt ein verhältnismäßig kompakter, alltagstauglicher Kleinwagen, der seine Besonderheiten erst auf den zweiten Blick zeigt.

Das kann man mögen oder kritisieren. Wir hätten uns an einigen Stellen noch etwas mehr Eigenständigkeit gewünscht. Gleichzeitig besteht genau darin ein gewisser Reiz. Der Corsa GSE ist deutlich vom normalen Modell zu unterscheiden, ohne optisch in eine Richtung abzudriften, die im Alltag schnell anstrengend werden könnte. Im Video lässt sich dieser Spagat besonders gut erkennen, weil gerade die Wirkung der tieferen Karosserie, der Räder und der eigenständigen Schürzen auf Fotos nur bedingt herüberkommt.

Was leistet der Opel Corsa GSE?

Beim Antrieb wird es beim Opel Corsa GSE deutlich weniger zurückhaltend. Ein synchroner Elektromotor leistet 207 kW beziehungsweise 281 PS und stellt 345 Newtonmeter Drehmoment bereit. Ein Synchronmotor ist eine Bauart des Elektromotors, bei der sich das Magnetfeld des Rotors synchron mit dem elektromagnetischen Drehfeld des Motors bewegt. Entscheidend ist im Alltag weniger diese technische Definition als die Charakteristik eines Elektroantriebs: Das hohe Drehmoment steht sehr schnell zur Verfügung und sorgt deshalb bereits unmittelbar beim Beschleunigen für kräftigen Vortrieb.
Von 0 auf 100 km/h soll der Corsa GSE laut Opel in 5,5 Sekunden beschleunigen. Bei 180 km/h wird elektronisch abgeregelt. Opel nennt zudem ein Leistungsgewicht von 181 PS pro 1.000 Kilogramm Fahrzeuggewicht. Damit bewegt sich dieser Corsa weit von dem entfernt, was früher als etwas stärker motorisierter Kleinwagen durchging. Zum Vergleich wurde in unserem technischen Überblick auch die Corsa OPC Nürburgring Edition aus dem Jahr 2010 herangezogen. Sie leistete 210 PS und 280 Newtonmeter und benötigte 6,8 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h. Der neue GSE verfügt damit über 71 PS mehr und soll den Standardsprint mehr als eine Sekunde schneller absolvieren. Lediglich bei der Höchstgeschwindigkeit liegt der alte Verbrenner mit 230 km/h weit vorne.

Gerade diese Begrenzung auf 180 km/h ist ein Punkt, bei dem wir durchaus diskutieren können. Für einen normalen elektrischen Kleinwagen wäre dieser Wert kaum kritikwürdig. Bei einem Fahrzeug, das ganz bewusst mit Motorsporttechnik, Performance-Bremse und Sportfahrwerk arbeitet, hätten wir uns jedoch auch eine Zwei vorne vorstellen können. Andererseits dürfte die Höchstgeschwindigkeit im realen Alltag für die meisten Fahrten eine deutlich geringere Rolle spielen als Beschleunigung, Kurvengeschwindigkeit und die Art, wie sich das Auto auf einer kurvigen Straße anfühlt.

Warum ist das Differential beim Opel Corsa GSE so wichtig?

Die eigentlich spannendere Technik steckt beim Opel Corsa GSE zwischen Elektromotor und Straße. Denn trotz seiner 281 PS bleibt der GSE ein Fronttriebler. Die gesamte Antriebskraft muss also über die beiden Vorderräder übertragen werden, die gleichzeitig auch für die Lenkung zuständig sind. Gerade bei einem drehmomentstarken Elektroantrieb kann das problematisch werden. Wird aus einer engen Kurve kräftig beschleunigt, kann das kurveninnere Rad entlastet werden und beginnen, seine Traktion zu verlieren.

Deshalb setzt Opel auf ein Torsen-Lamellensperrdifferenzial. Vereinfacht erklärt ist ein Differential grundsätzlich notwendig, weil sich das kurvenäußere Rad bei einer Kurvenfahrt schneller drehen muss als das innere. Ein komplett offenes Differential hat allerdings einen Nachteil: Verliert eines der beiden Räder Grip, kann sehr viel Antriebskraft genau an diesem Rad verpuffen. Eine Sperrwirkung begrenzt diesen Effekt und ermöglicht es, mehr Kraft an das Rad zu übertragen, das noch Traktion besitzt. Gerade beim Herausbeschleunigen aus engen Kurven kann das bei 345 Newtonmetern an der Vorderachse einen erheblichen Unterschied machen.

Und diese Technik ist beim Corsa GSE keineswegs nur ein schönes Datenblatt-Detail. Auf unserem Track war deutlich zu spüren, dass das Differential arbeitet. Wer zu viel Geschwindigkeit mit in die Kurve nimmt, bekommt natürlich auch bei diesem Auto die Grenzen des Frontantriebs gezeigt. Der Corsa beginnt dann über die Vorderachse zu schieben. Dieses sogenannte Untersteuern bedeutet, dass die Vorderräder nicht mehr genügend Seitenführung aufbauen können und das Fahrzeug einen größeren Kurvenradius fährt als mit der Lenkung eigentlich vorgegeben. Die Physik lässt sich eben auch mit einem GSE-Logo nicht abschalten.

Interessant wird es anschließend beim Herausbeschleunigen. Hier arbeitet die Vorderachse spürbar daran, die Leistung auf den Asphalt zu bringen. Das Ergebnis ist ein Auto, das sich sehr kräftig aus Kurven herausziehen lässt und dabei deutlich mehr vermittelt als einfach nur viel Motorleistung.

Wie ernst meint Opel das Fahrwerk des Opel Corsa GSE?

Mindestens so wichtig wie der Motor ist beim Opel Corsa GSE das Fahrwerk. Opel hat das Sportchassis tiefergelegt, Achsen und Stabilisatoren speziell abgestimmt und verwendet sogenannte Hydrostoßdämpfer. Dazu kommen eine eigene Abstimmung von Lenkung und Pedalerie sowie die elektrische Servolenkung.

Ein Stabilisator verbindet vereinfacht die beiden Radaufhängungen einer Achse miteinander und wirkt der Seitenneigung der Karosserie entgegen. Gerade bei schneller Kurvenfahrt soll dadurch verhindert werden, dass sich das Fahrzeug zu stark auf die kurvenäußeren Räder legt. Die Dämpfer wiederum haben die Aufgabe, die Bewegungen von Feder und Karosserie zu kontrollieren. Ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk versucht dabei einen schwierigen Kompromiss: Das Auto soll präzise reagieren und möglichst wenig unerwünschte Karosseriebewegungen zulassen, darf aber gleichzeitig auf normalen Straßen nicht bei jeder Bodenwelle unangenehm werden.

Genau dieser Kompromiss ist Opel nach unserem ersten Eindruck erstaunlich gut gelungen. Der Corsa GSE ist eindeutig straff. Wer den Federungskomfort eines normalen Corsa Electric erwartet, sitzt im falschen Modell. Trotzdem bleibt ein Restkomfort vorhanden, der das Auto im Alltag nicht zur Strafe macht. Besonders positiv ist uns die direkte Lenkung aufgefallen. Der Corsa reagiert präzise und vermittelt das Gefühl, dass zwischen Lenkradbewegung und Richtungsänderung nur wenig Verzögerung liegt. In schnellen Kurven klebt das Auto gefühlt sehr satt auf der Straße, ohne dass wir den Eindruck bekommen hätten, ausschließlich in einem kompromisslosen Tracktool zu sitzen.

Genau das dürfte für den Charakter des Corsa GSE entscheidend sein. Ein Kleinwagen mit 281 PS kann auf gerader Strecke fast zwangsläufig schnell sein. Ein guter Sportler entsteht daraus aber erst, wenn auch die nächste Kurve Spaß macht.

Opel Corsa GSE Test Video

Wie bremst der Opel Corsa GSE?

Wer 281 PS in einen Kleinwagen steckt, muss sich auch Gedanken darüber machen, wie die Geschwindigkeit anschließend wieder abgebaut wird. Beim Opel Corsa GSE übernimmt diese Aufgabe eine Vierkolben-Performance-Bremsanlage von Alcon. Vierkolben bedeutet, dass im Bremssattel vier Bremskolben dafür sorgen, die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe zu drücken. Eine solche Konstruktion kann gegenüber einfacheren Lösungen eine gleichmäßigere Kraftverteilung und hohe Belastbarkeit ermöglichen.

Optisch fällt die Anlage durch die gelben Bremssättel mit GSE-Schriftzug auf. Hinter den speziellen 18-Zoll-Leichtmetallrädern sitzen zudem Michelin Pilot Sport 4S im Format 215/40 R18. Auch die Reifenwahl verrät viel über die Zielsetzung dieses Autos. Der Pilot Sport 4S ist klar auf hohe Fahrdynamik ausgelegt und nicht primär darauf optimiert, den Rollwiderstand eines Elektroautos auf das letzte mögliche Minimum zu reduzieren. Opel verbindet also bewusst Effizienztechnik mit Komponenten, bei denen Grip und Fahrdynamik einen höheren Stellenwert bekommen.

Bei unserem eigenen Beschleunigungsversuch kamen wir von 0 auf 100 km/h auf 6,10 Sekunden. Das ist ausdrücklich unser Messwert aus dieser Fahrt und nicht mit der offiziellen Opel-Angabe von 5,5 Sekunden gleichzusetzen. Unterschiedliche Bedingungen, Untergrund, Temperatur und weitere Faktoren können solche Messungen beeinflussen. Interessanter als eine Zehntelsekunde mehr oder weniger war ohnehin der anschließende Bremstest, bei dem die Anlage sehr überzeugend zupackte. Dass Opel beim GSE nicht nur Beschleunigung, sondern auch Verzögerung ernst nimmt, ist für uns eine der wichtigeren Eigenschaften des gesamten Pakets.

Wie groß ist die Batterie des Opel Corsa GSE und wie schnell lädt er?

Seine Energie bezieht der Opel Corsa GSE aus einer Lithium-Batterie mit 54 kWh Bruttokapazität, von denen 51 kWh netto nutzbar sind. Die Unterscheidung zwischen brutto und netto ist wichtig. Die Bruttokapazität beschreibt die gesamte physisch vorhandene Energiemenge des Akkus. Das Batteriemanagement gibt davon jedoch nicht den kompletten Bereich für den Fahrbetrieb frei. Ein kleiner Teil bleibt als Puffer reserviert, um die Batterie vor extrem hohen oder niedrigen Ladezuständen zu schützen.

Besonders viel Aufwand hat Opel laut den vorliegenden Informationen beim Thermomanagement betrieben. Darunter versteht man die Regelung der Temperaturen von Batterie und Antrieb. Gerade bei einem Performance-Elektroauto ist das wichtig, weil sowohl starke Beschleunigung als auch hohe Dauerleistung, Rekuperation und Schnellladen Wärme erzeugen. Wird ein Akku zu warm, muss die Elektronik die Leistung reduzieren, um die Komponenten zu schützen. Ein leistungsfähiges Temperaturmanagement versucht deshalb, Batterie und Antrieb möglichst lange in einem optimalen Temperaturbereich zu halten.

Im Fahrzeugcheck werden 400-Volt-Technik, 11 kW dreiphasiges AC-Laden und 100 kW DC-Ladeleistung genannt. AC steht für Wechselstrom und beschreibt das typische Laden an einer Wallbox oder öffentlichen AC-Ladesäule. DC bedeutet Gleichstrom. Beim Schnellladen wird der Strom dabei außerhalb des Fahrzeugs umgewandelt und direkt in die Hochvoltbatterie geleitet, wodurch wesentlich höhere Ladeleistungen möglich sind. Im Zusammenhang mit einem Performance-Elektroauto wirkt eine maximale DC-Ladeleistung von 100 kW inzwischen nicht spektakulär. Gerade weil wir den GSE auch gerne sportlich bewegen würden und dadurch entsprechend mehr Energie verbrauchen, wäre schnelleres Nachladen für uns durchaus ein interessantes Thema.

Der Ladeanschluss befindet sich auf der Fahrerseite. Im Alltag hätten wir uns die Position auf der Beifahrerseite vorstellen können, weil öffentliche Ladesäulen bei entsprechendem Parken häufig rechts vom Fahrzeug stehen. Das ist kein technischer Mangel, aber eines jener kleinen Details, die man erst im täglichen Umgang bemerkt.

Wie sparsam ist der Opel Corsa GSE im echten Fahrbetrieb?

Ein Verbrauchstest unter Normbedingungen war unsere erste Fahrt mit dem Opel Corsa GSE ausdrücklich nicht. Wir waren auf der Autobahn unterwegs, fuhren Landstraße, beschleunigten sportlich und absolvierten auch einen 0-auf-100-Test. Nach 104 gefahrenen Kilometern zeigte der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 20,5 kWh pro 100 Kilometer.

Dieser Wert muss im Zusammenhang mit dem Fahrprofil betrachtet werden. Ein Fahrzeug mit 281 PS, sportlichen Reifen und einer Fahrweise, bei der die vorhandene Leistung regelmäßig genutzt wird, kann nicht mit einem auf maximale Effizienz ausgelegten Alltagstest verglichen werden. Gleichzeitig zeigt der Wert, dass der Corsa GSE auch bei zügiger Bewegung nicht automatisch zum hemmungslosen Stromvernichter wird.

Aus unserem Verbrauch während dieser Fahrt leiteten wir die Einschätzung ab, dass im Sommer mit vollem Akku rund 250 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp auf einer schnelleren Reise realistisch erscheinen könnten. Bei zurückhaltenderer Autobahnfahrt hielten wir auch ungefähr 300 Kilometer für denkbar. Das sind ausdrücklich keine offiziellen WLTP-Reichweiten, sondern unsere Einschätzung aus dem gefahrenen Verbrauch und den Bedingungen unserer Testfahrt. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten bis in Richtung der möglichen 180 km/h sinkt die Reichweite selbstverständlich deutlich.

Opel Corsa GSE Fotos

Welche Fahrprogramme bietet der Opel Corsa GSE?

Der Opel Corsa GSE verfügt über die drei Fahrprogramme Sport, Normal und Eco. Dabei verändert sich nicht einfach nur die Darstellung im Cockpit, sondern auch die verfügbare Motorleistung.

Im Sportmodus stehen die kompletten 207 kW beziehungsweise 281 PS und 345 Newtonmeter zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 180 km/h. Im Normalmodus werden noch 170 kW beziehungsweise 231 PS freigegeben, das maximale Drehmoment bleibt mit 345 Newtonmetern jedoch erhalten und auch hier sind 180 km/h möglich. Der Eco-Modus reduziert die maximale Leistung auf 140 kW beziehungsweise 190 PS und das Drehmoment auf 300 Newtonmeter. Gleichzeitig erfolgt die Leistungsabgabe sanfter und die Höchstgeschwindigkeit wird auf 150 km/h begrenzt.

Vereinfacht gesagt bleibt also immer derselbe 281-PS-Antrieb im Fahrzeug, die Software entscheidet jedoch abhängig vom gewählten Fahrmodus, wie viel davon tatsächlich abgerufen werden kann. Gerade im Alltag ist das sinnvoll. Niemand benötigt beim Rangieren, im Stadtverkehr oder auf dem täglichen Arbeitsweg ständig die maximale Reaktion des Antriebs.

Einen speziellen GSE-Modus, der beispielsweise sämtliche sportlichen Einstellungen in einer zusätzlichen Eskalationsstufe zusammenfasst, hätten wir uns trotzdem vorstellen können. Gerade bei einem Auto, das so stark über seine Fahrdynamik definiert wird, wäre eine noch stärkere Abgrenzung zum normalen Corsa interessant gewesen.

Braucht ein Opel Corsa GSE künstlichen Motorsound?

Elektroautos verändern zwangsläufig auch das Thema Emotion. Ein klassischer sportlicher Verbrennungsmotor erzeugt Ansaug-, Verbrennungs- und Abgasgeräusche, während ein Elektromotor akustisch deutlich zurückhaltender arbeitet. Deshalb bekommt der Opel Corsa GSE einen in Rüsselsheim entwickelten aktiven Sportsound. Seine Charakteristik verändert sich abhängig von Beschleunigung und Geschwindigkeit. Wer darauf verzichten möchte, kann die Funktion auch abschalten.

Ob ein Elektroauto künstlichen Klang benötigt, bleibt Geschmackssache. Uns hat gefallen, dass sich der Sound während unserer Fahrt eher dezent im Hintergrund hält und nicht permanent versucht, einen Verbrennungsmotor zu imitieren. Er ergänzt das Fahrerlebnis, ohne sich übermäßig wichtig zu machen. Entscheidend ist ohnehin, dass Opel die Emotionalität des GSE nicht allein über Lautsprecher erzeugt. Fahrwerk, Lenkung, Sperrdifferenzial und Bremsen liefern den wesentlich wichtigeren Teil.

Wie alltagstauglich ist der Opel Corsa GSE?

So sportlich der Opel Corsa GSE sein möchte, am Ende bleibt er ein Kleinwagen, der vermutlich nicht ausschließlich sonntags für eine schnelle Runde aus der Garage geholt wird. Deshalb gehört zum Test auch der Blick in den Kofferraum. Dieser bietet 267 Liter Volumen. Die Rücksitzlehnen lassen sich im Verhältnis 60:40 umklappen, wodurch das Ladevolumen auf knapp über 1.000 Liter anwächst. Beim Umlegen entsteht allerdings eine kleine Stufe. Einen doppelten Ladeboden hätten wir praktisch gefunden, insbesondere um das Ladekabel aus dem eigentlichen Gepäckraum verschwinden zu lassen.

Genannt wurde außerdem eine Dachlast von 70 Kilogramm. Eine Anhängelast gibt es nicht! Auch das zeigt, dass der Corsa GSE nicht allein als Spielzeug gedacht ist. Gleichzeitig muss bei einem kleinen Auto immer mit Kompromissen beim Platzangebot gerechnet werden.

Eine ungewöhnlich praktische Funktion ist Vehicle-to-Load, kurz V2L. Der bidirektionale Onboard-Charger erlaubt es, über einen entsprechenden Adapter elektrische Verbraucher aus der Hochvoltbatterie zu versorgen. Bidirektional bedeutet dabei, dass elektrische Energie nicht nur in Richtung Batterie fließen kann, sondern auch wieder aus dem Fahrzeug heraus. Als Beispiele werden ein E-Bike oder Elektrogrill genannt. Damit wird aus dem kleinen Elektrosportler bei Bedarf also eine mobile Stromquelle.

Wie sportlich ist der Innenraum des Opel Corsa GSE?

Auch innen versucht der Opel Corsa GSE, die Verbindung zwischen normalem Kleinwagen und Sportmodell herzustellen. Besonders wichtig sind dabei die Performance-Sitze mit integrierten Kopfstützen. Mikrofaser, gelbe Nähte, GSE-Schriftzüge und gelbe Sicherheitsgurte setzen Akzente, ohne den Innenraum komplett neu zu erfinden. Dazu kommt ein griffiges Lenkrad mit Mikrofaser, perforierten Bereichen und Daumenauflagen.

Die Sitze haben uns besonders gut gefallen. Sie bieten kräftigen Seitenhalt im Schulter- und Oberschenkelbereich, bleiben dabei aber erstaunlich bequem. Gerade bei schneller Kurvenfahrt verhindern ausgeprägte Seitenwangen, dass der Körper permanent gegen die Fliehkräfte arbeiten muss. Für uns ist das entscheidend, weil ein Sportwagen-Sitz nicht nur auf der Rennstrecke funktionieren darf. Wenn nach einer längeren Autobahnetappe Rücken und Oberschenkel rebellieren, ist mit der vermeintlichen Alltagstauglichkeit wenig gewonnen.

Das Cockpit selbst bleibt grundsätzlich vertraut. Es gibt ein digitales Fahrerdisplay und einen zentralen 10-Zoll-Farbtouchscreen. Für den GSE sind spezielle Informationen wie G-Kräfte, Beschleunigungswerte und Daten zum Batteriemanagement vorgesehen. G-Kräfte beschreiben dabei die auf Fahrzeug und Insassen wirkenden Beschleunigungskräfte. Bei kräftigem Beschleunigen, Bremsen und insbesondere schneller Kurvenfahrt lassen sich dadurch die auftretenden Längs- und Querbeschleunigungen darstellen.

In unserem Fahrzeug hätten wir uns die GSE-spezifische Inszenierung allerdings noch deutlicher gewünscht. Gelbe Grafikelemente und Logos sind vorhanden, aber bei einem Spitzenmodell hätten zusätzliche Darstellungen oder eine noch eigenständigere Benutzeroberfläche für mehr Besonderheit sorgen können.

Positiv sehen wir, dass Opel trotz Touchscreen weiterhin physische Bedienelemente für wichtige Funktionen der Klimaanlage verwendet. Temperatur und Lüftung lassen sich dadurch während der Fahrt bedienen, ohne lange durch Menüs tippen zu müssen. Dazu kommen Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer, eine induktive Smartphone-Ladefläche, ein USB-C-Anschluss vorne und der bekannte Fahrstufenregler. Eine Sitzbelüftung gibt es nicht.

Wie viel Platz bietet der Opel Corsa GSE im Fond?

Auch hinten bleibt der Opel Corsa GSE ein Corsa. Drei Sitzplätze sind grundsätzlich vorhanden, angesichts der Fahrzeuggröße dürfen allerdings keine Raumwunder erwartet werden. In unserem Sitztest empfanden wir den Platz trotzdem als brauchbar. Auch eine erwachsene Person kann hinter einem entsprechend eingestellten Vordersitz noch Platz finden, wenngleich der Fond selbstverständlich nicht die Bewegungsfreiheit eines größeren Fahrzeugs bietet.

Zwei USB-C-Anschlüsse sind vorhanden. Auf separate Luftausströmer für die hinteren Passagiere und eine ausklappbare Mittelarmlehne muss dagegen verzichtet werden. Gerade die fehlende Mittelarmlehne hätten wir bei längeren Strecken gerne gesehen. Dazu kommen zwei Isofix-Befestigungen für Kindersitze und vollständig versenkbare hintere Kopfstützen, was bei unbesetztem Fond die Sicht nach hinten verbessert.

Weniger überzeugen die Materialdetails. Einige Bereiche bestehen aus hartem Kunststoff und insbesondere an den Armauflagen hätten wir uns etwas Polsterung gewünscht. Auch Ablagetaschen an den Rückseiten der Vordersitze fehlen. Das sind keine dramatischen Schwächen, aber genau jene Punkte, an denen ein sportliches Spitzenmodell zeigen könnte, dass der höhere Anspruch nicht nur für Motor und Fahrwerk gilt.

Wie fährt sich der Opel Corsa GSE auf der Straße?

Schon nach den ersten Kilometern wurde deutlich, dass der Opel Corsa GSE mehr kann als kräftig geradeaus beschleunigen. Der Antrieb schiebt energisch an, ohne dass die Vorderräder bei jedem kräftigen Einsatz des Strompedals hilflos nach Traktion suchen. Gerade in Verbindung mit dem Differential entsteht ein sauberer, kontrollierter Eindruck.

Noch wichtiger ist für uns das Zusammenspiel aus Lenkung und Fahrwerk. Die Lenkung arbeitet direkt, das Fahrzeug setzt Lenkbewegungen präzise um und die straffe Abstimmung hält die Karosserie bei schneller Richtungsänderung gut unter Kontrolle. Trotzdem bleibt ausreichend Komfort für normale Straßen übrig. Das Auto federt nicht so weich wie ein normaler Corsa Electric, aber das wäre bei diesem Konzept auch kaum sinnvoll. Ein GSE muss spürbar anders fahren.

Die Assistenzsysteme bleiben erhalten. Dazu gehören ein Abstandsregeltempomat sowie Lenk- und Spurhalteassistent. Der Spurhalteassistent hält das Fahrzeug nach unserer Erfahrung sauber in der Mitte der Fahrspur. Einen teilautonomen Spurwechselassistenten gab es bei unserem Fahrzeug dagegen nicht. Für den Alltag ist entscheidend, dass sich die sportliche Ausrichtung nicht mit normaler Bedienbarkeit und Assistenz bei längeren Strecken beißt.

Auch die Geräuschmessungen zeigen die andere Ausrichtung des Autos. Wir ermittelten 65 dB bei 50 km/h und 72 dB bei 100 km/h. Dabei können neben Asphalt und Umgebung auch die sportlichen Reifen und der aktive Sound Einfluss auf die wahrgenommene Geräuschkulisse haben. Einen isolierten Laborvergleich mit einem normalen Corsa stellt diese Messung deshalb nicht dar.

Was kann der Opel Corsa GSE auf der Rennstrecke?

Die vielleicht beste Gelegenheit, die Unterschiede zu einem normalen Corsa herauszuarbeiten, bot unser kleiner Track in der Nähe von Wien. Hier durfte der Opel Corsa GSE im Sportmodus zeigen, ob die vielen Performance-Komponenten tatsächlich zusammenspielen.

Und genau hier wird das Konzept verständlich. Das Auto reagiert direkt auf Lenkbewegungen, die Bremsanlage lässt sich kräftig einsetzen und das Sperrdifferenzial arbeitet besonders beim Herausbeschleunigen sichtbar beziehungsweise spürbar. Gleichzeitig stößt auch ein hervorragend abgestimmter Fronttriebler irgendwann an physikalische Grenzen. Wer mit zu viel Geschwindigkeit in die Kurve fährt, provoziert Untersteuern. Dann schiebt der Corsa über die Vorderachse nach außen. Das ist keine Überraschung, sondern eine typische Eigenschaft eines frontgetriebenen Fahrzeugs, wenn die Vorderreifen gleichzeitig hohe Längs- und Seitenkräfte übertragen müssen.

Entscheidend ist, wie kontrollierbar sich das Ganze anfühlt. Genau hier hinterließ der Corsa GSE einen guten Eindruck. Die Lenkung bleibt knackig, das Differential hilft beim Herausbeschleunigen und das Fahrzeug vermittelt genügend Rückmeldung, um auf einer schnellen Runde tatsächlich Spaß zu machen.

Die komplette Runde auf dem Track ist einer der Punkte, die sich im Video wesentlich besser zeigen lassen als in einem geschriebenen Fahrbericht. Dort ist unmittelbar zu sehen, wie der Corsa auf Lastwechsel reagiert, wie spät gebremst werden kann und wie das Fahrzeug beim Herausbeschleunigen mit seiner Vorderachse arbeitet.

Ist der Opel Corsa GSE ein echter elektrischer Nachfolger von GSI und OPC?

Nach unserer ersten ausführlichen Fahrt ist für uns klar, dass Opel beim Opel Corsa GSE nicht den einfachen Weg gegangen ist. Es wäre technisch wesentlich unkomplizierter gewesen, einen stärkeren Elektromotor einzubauen, die Software anzupassen, größere Räder zu montieren und anschließend ein GSE-Logo auf die Heckklappe zu kleben. Genau das ist hier aber nicht passiert.

Mit 281 PS, 345 Newtonmetern, Sperrdifferenzial, eigenständigem Sportfahrwerk, Alcon-Vierkolben-Bremsanlage und Michelin Pilot Sport 4S ist der Corsa technisch erheblich mehr als eine leistungsstärkere Ausstattungslinie. Opel versucht damit ausdrücklich, den früheren GSI- und OPC-Gedanken in die elektrische Zeit zu übertragen.

Und tatsächlich funktioniert dieser Ansatz erstaunlich gut. Uns gefällt die niedrige Sitzposition, die kräftige Beschleunigung, der hohe Seitenhalt der Sitze und vor allem die direkte Verbindung zwischen Lenkrad und Vorderachse. Die Matrix-Scheinwerfer, Assistenzsysteme und der trotz der sportlichen Abstimmung vorhandene Restkomfort sorgen gleichzeitig dafür, dass aus dem Auto kein reines Wochenendspielzeug wird. Genau diese Kombination macht einen guten Hot Hatch schließlich aus. Er soll morgens im Alltag funktionieren und auf der richtigen Straße trotzdem dazu verleiten, für den Heimweg die kurvigere Alternative zu wählen.

Ganz perfekt ist das Paket für uns trotzdem nicht. Optisch hätten wir uns noch etwas mehr Mut vorstellen können. Im Innenraum könnten GSE-spezifische Details stärker herausgearbeitet sein, an einigen Stellen fällt harter Kunststoff auf und angesichts der Performance wären eine größere Batterie oder ein schnelleres DC-Ladesystem zumindest diskussionswürdig. Auch die elektronische Begrenzung auf 180 km/h passt für uns nicht ganz zum Anspruch eines elektrischen Spitzen-Corsa.

Das ändert aber nichts an unserem wichtigsten Eindruck. Opel hat einen Corsa gebaut, bei dem die Performance nicht an der ersten Geraden endet. Das Fahrwerk funktioniert, die Lenkung ist direkt, die Sitze halten den Körper dort, wo er hingehört, die Bremsanlage passt zur Leistung und das Differential hilft dabei, 345 Newtonmeter über die Vorderachse auf die Straße zu bringen. Genau deshalb wirkt der Opel Corsa GSE nicht wie ein gewöhnlicher Corsa Electric mit Leistungskur.

Für uns ist er vielmehr eine moderne Interpretation dessen, was GSI und OPC früher ausgemacht haben. Nicht identisch, nicht mit Verbrennungsmotor und auch nicht mit derselben Geräuschkulisse, aber mit demselben grundlegenden Gedanken: Ein kleiner Opel soll nicht nur vernünftig von A nach B fahren, sondern auf dem Weg dorthin auch Spaß machen.

Wer den Opel Corsa GSE nicht nur lesen, sondern in Aktion erleben möchte, findet in unserem ausführlichen Video den kompletten Rundgang, den Innenraum- und Kofferraumcheck, unsere Fahrt auf öffentlichen Straßen, Beschleunigungs- und Bremsversuch sowie die schnelle Runde auf dem Track bei Wien. Gerade beim Fahrwerk, beim aktiven Sound und bei der Arbeit der Vorderachse sagt das bewegte Bild am Ende noch einmal deutlich mehr als jeder Datenwert.

Markiert: