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ORA 05 Test – Nur billig oder gut?

ORA 05 Hybrid Test

Wir haben uns den ORA 05 nicht nur angesehen, sondern sind ihn auch eine Runde gefahren. Wie es sich für einfach elektrisch gehört natürlich in der ersten elektrifizierten Version als Hybrid. Was wir herausfinden wollten: Ist der ORA 05 nur billig oder auch gut!? Finden wir es gemeinsam heraus.

Der GWM ORA 5 startet zunächst als klassischer Turbo-Benziner. Mit 4,47 Metern Länge, 1,83 Metern Breite und 1,64 Metern Höhe bewegt er sich ziemlich genau im kompakten SUV-Segment, der Radstand liegt bei 2,72 Metern. Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit 160 PS und 270 Newtonmetern Drehmoment, kombiniert mit einem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und Frontantrieb. Von 0 auf 100 km/h geht es in 9,3 Sekunden, maximal sind 190 km/h möglich.

ORA 05 Kofferraum

Beim Nutzwert bietet der reine Verbrenner 422 Liter Kofferraumvolumen, mit umgeklappten Rücksitzlehnen werden daraus bis zu 1.120 Liter. Das Leergewicht liegt bei 1.560 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht bei 1.920 Kilogramm, daraus ergibt sich rechnerisch eine Zuladung von 360 Kilogramm. Die gebremste Anhängelast beträgt 1.200 Kilogramm, die Stützlast 75 Kilogramm und die Dachlast 50 Kilogramm. Preislich beginnt der ORA 5 als Benziner bei 26.990 Euro, die höher ausgestattete Luxury-Version kostet 29.490 Euro.

ORA 05 Hybrid

Für einfach elektrisch ist aber natürlich der Hybrid die interessantere Variante. Die äußeren Abmessungen bleiben identisch, technisch wird es unter dem Blech deutlich spannender. Hier kombiniert GWM einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit 150 PS mit einem permanent erregten Synchronmotor, der maximal 190 PS leistet. Entscheidend ist aber die Systemleistung, und die liegt bei 223 PS und 476 Newtonmetern Drehmoment. Die Kraft geht auch hier an die Vorderräder, allerdings über ein spezielles 2-Gang-Hybridgetriebe. Damit beschleunigt der ORA 5 Hybrid in 7,7 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 185 km/h.

Die Hybridbatterie fällt mit 1,09 kWh bewusst klein aus, wir reden hier also über einen klassischen Vollhybrid und nicht über einen Plug-in-Hybrid. Der kombinierte WLTP-Verbrauch wird mit 5,1 Litern auf 100 Kilometer angegeben. Durch die Hybridtechnik steigt das Leergewicht auf 1.660 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht auf 2.020 Kilogramm. Interessant dabei: Die rechnerische Zuladung bleibt mit 360 Kilogramm identisch. Dafür fällt der Kofferraum etwas kleiner aus und bietet noch 390 bis 1.088 Liter. Die gebremste Anhängelast sinkt auf 750 Kilogramm, Stützlast und Dachlast bleiben mit 75 beziehungsweise 50 Kilogramm unverändert.

Preislich kostet die Elektrifizierung exakt 2.000 Euro Aufpreis: Der ORA 5 Hybrid startet bei 28.990 Euro, als Luxury werden 31.490 Euro aufgerufen. Damit gibt es gegenüber dem Benziner 63 PS mehr Systemleistung, deutlich bessere Fahrleistungen und laut WLTP 1,8 Liter weniger Verbrauch, dafür aber etwas weniger Kofferraum und eine deutlich geringere Anhängelast, kommen wir damit zum Fahrbericht und wer keine Lust hat viel zu lesen, der kann sich unseren ORA 05 Test ganz einfach auch ansehen.

ORA 05 Fahrbericht als Video

ORA 05 Test Fotos

ORA 5 Premium oder ORA 5 Luxury?

Bei den Ausstattungslinien macht GWM die Sache erfreulich übersichtlich, denn sowohl beim Benziner als auch beim Hybrid gibt es Premium und Luxury, wobei die Luxury-Ausstattung jeweils 2.500 Euro Aufpreis kostet. Beim Benziner geht es damit von 26.990 auf 29.490 Euro, beim Hybrid von 28.990 auf 31.490 Euro.

Schon Premium ist ziemlich ordentlich ausgestattet. Serienmäßig sind unter anderem 18-Zoll-Leichtmetallräder, LED-Scheinwerfer, Dachreling, 2-Zonen-Klimaautomatik, beheizbare Vordersitze, ein elektrisch verstellbarer Fahrersitz, eine 360-Grad-Kamera, zahlreiche Assistenzsysteme, das 10,25-Zoll-Digitalcockpit sowie das 14,6-Zoll-Multimediasystem inklusive Navigation, Wireless Apple CarPlay und Android Auto an Bord.

Die Luxury-Version legt vor allem beim Komfort nach. Dazu kommen Privacy-Verglasung hinten, eine mehrfarbige Ambientebeleuchtung, Sitzbezüge in hochwertiger Ledernachbildung, elektrisch anklappbare und beheizbare Außenspiegel sowie ein elektrisch verstellbarer Beifahrersitz. Außerdem bekommt der Fahrersitz eine Memory-Funktion, alle Seitenscheiben erhalten One-Touch-Funktion und Einklemmschutz.
Dazu kommen bei Luxury noch eine elektrische Heckklappe, ein automatisch abblendender Innenspiegel, ein beheizbares Lenkrad und zusätzlich zur Sitzheizung auch eine Belüftung der Vordersitze. Beim Soundsystem wächst die Zahl der Lautsprecher von sechs auf neun und Smartphones können kabellos mit bis zu 50 Watt geladen werden.

Bei den Extras ist die Liste dagegen ziemlich kurz: Für 750 Euro gibt es alternativ zu Dover White verschiedene andere Außenfarben, darunter Forest Green Metallic, Sea Blue, Cloud White, Ayers Grey Metallic, Glacier Grey Metallic und Night Black Metallic. Für die Luxury-Version kann außerdem ein Panorama-Glasdach für 900 Euro bestellt werden. Die Innenfarbe Beige/Brown gibt es ausschließlich bei Luxury, dort aber ohne Aufpreis.

Unterm Strich sind die 2.500 Euro für Luxury also kein Technik-Aufpreis, sondern vor allem ein Komfortpaket: elektrische Heckklappe, bessere Sitze, Sitzbelüftung, Lenkradheizung, Memory, elektrische Spiegel, mehr Lautsprecher und Wireless Charging. Die für den Alltag wichtigen Assistenzsysteme und die großen Displays bringt dagegen bereits Premium mit.

ORA 5 Hybrid Test

Der ORA 05 Hybrid gehört zu diesen Autos, bei denen wir nach den ersten Kilometern ziemlich schnell merken, dass eine reine Betrachtung von Preislisten, Leistungswerten und Ausstattungsdetails dem Fahrzeug eigentlich nicht gerecht wird. Great Wall Motor versucht mit dem neuen Modell nicht, den nächsten besonders sportlichen Kompakt-SUV zu bauen, sondern setzt vielmehr auf Komfort, eine auffällig freundliche Gestaltung und einen Vollhybrid-Antrieb, der sich im Alltag erstaunlich unauffällig in das Fahrerlebnis integriert.

Genau das könnte am Ende eine der größten Stärken des ORA 05 sein, denn während viele neue Fahrzeuge mit immer größeren Displays, immer spektakuläreren Leistungswerten und immer ambitionierteren Versprechen um Aufmerksamkeit kämpfen, wirkt der ORA nach unserer ersten ausführlicheren Begegnung angenehm unaufgeregt. Er möchte bequem sein, einfach zu bedienen bleiben und möglichst wenig Anlass geben, sich während der Fahrt mit dem Auto beschäftigen zu müssen. Das klingt zunächst wenig spektakulär, ist im automobilen Alltag allerdings eine Qualität, die wir inzwischen durchaus zu schätzen wissen.

Wie wirkt der ORA 05 auf den ersten Blick?

Schon beim Design verfolgt ORA einen eigenen Weg. Die Front besitzt mit ihren rundlich gezeichneten Leuchten und den ausgeprägten Kotflügeln durchaus Anklänge an bekannte Sportwagenformen, ohne dass der ORA 05 deshalb wie eine schlechte Kopie wirken würde. Vielmehr entsteht ein sympathischer, beinahe freundlicher Auftritt, der sich angenehm von der aktuell verbreiteten Kombination aus aggressiv gezeichneten Scheinwerfern, riesigen Kühlergrill-Imitationen und möglichst martialischer SUV-Optik unterscheidet. Gerade unsere Kombination aus grüner Außenfarbe und hellem Innenraum passt hervorragend zu diesem Charakter. Der ORA 05 versucht optisch nicht, größer, stärker oder böser zu wirken, als er tatsächlich ist, und genau das macht ihn in unseren Augen interessant.

Auch am Heck bleibt sich ORA treu. Die Gestaltung ist eigenständig, der Heckscheibenwischer wurde elegant in den Dachspoiler integriert und insgesamt gibt es überraschend wenige Elemente, bei denen wir das Gefühl bekommen, dass hier zwanghaft irgendeinem aktuellen Designtrend hinterhergelaufen wurde. Natürlich bleibt Optik Geschmackssache, doch gerade weil der ORA 05 nicht aussieht wie der nächste generische Kompakt-SUV, besitzt er einen gewissen Wiedererkennungswert.

Kann der Innenraum den positiven Eindruck fortsetzen?

Im Innenraum wird schnell deutlich, wo ORA einen Schwerpunkt gesetzt hat. Das Ambiente wirkt hell, freundlich und insbesondere in unserer beige-braunen Farbkombination fast schon wohnlich. Dabei ist es weniger ein einzelnes spektakuläres Detail, das überzeugt, sondern vielmehr die Mischung aus Farben, Materialien und Formen. Weich unterschäumte Flächen treffen auf dekorative Elemente, metallisch wirkende Akzente und ein auffälliges Karo-Muster, das sich unter anderem in den Türverkleidungen wiederfindet. Das könnte schnell verspielt wirken, funktioniert im ORA 05 aber erstaunlich gut.

Natürlich finden wir auch harte Kunststoffflächen, insbesondere weiter unten in den Türen und teilweise im Fond. In einem Fahrzeug dieser Klasse überrascht uns das allerdings nicht. Etwas kritischer sehen wir helle Kunststoffbereiche an Stellen, an denen Schuhe, Taschen oder andere Gegenstände im Alltag häufiger entlangschrammen könnten. Solche Oberflächen sehen im Neuwagen zunächst hervorragend aus, zeigen Gebrauchsspuren erfahrungsgemäß aber deutlich schneller als dunklere Materialien. Gerade bei einem Familienfahrzeug spielt Alltagstauglichkeit schließlich eine größere Rolle als der perfekte Eindruck im Ausstellungsraum.

Die Sitze gehören dagegen eindeutig zu den positiven Überraschungen. Sie fühlen sich eher nach bequemen Sesseln als nach sportlichen Schalensitzen an, bieten trotzdem vernünftigen Seitenhalt und verteilen den Druck angenehm über Oberschenkel und Rücken. Das passt hervorragend zum Charakter des Autos. Wir sitzen entspannt, haben eine gute Übersicht und können uns durchaus vorstellen, längere Strecken ohne größere Ermüdungserscheinungen zurückzulegen. Gerade mit den zusätzlichen Komfortfunktionen der höheren Ausstattung entsteht ein Innenraum, in dem wir uns schnell wohlfühlen.

Wie gut funktioniert die Bedienung?

Bei chinesischen Fahrzeugen erleben wir inzwischen alles zwischen hervorragend durchdachter Software und vollständigem Menü-Chaos. Der ORA 05 gehört erfreulicherweise eher zur ersten Kategorie. Das zentrale Infotainment reagiert flott, die Struktur ist logisch aufgebaut und wichtige Funktionen lassen sich relativ schnell finden. Besonders angenehm ist, dass ORA nicht versucht hat, aus jedem Untermenü eine eigene Erlebniswelt zu machen. Die Darstellung bleibt modern, wirkt aber nicht unnötig kompliziert.

Auch die Integration von Smartphone-Diensten funktioniert grundsätzlich so, wie wir es inzwischen erwarten. Gleichzeitig besitzt das Fahrzeug ein eigenes Navigationssystem und zahlreiche Möglichkeiten, Fahrzeugeinstellungen direkt über das zentrale Display anzupassen.

Einige Funktionen liegen zwar zwangsläufig im Bildschirm, doch einzelne physische Bedienelemente sorgen dafür, dass wir nicht für jede Kleinigkeit durch Menüs wischen müssen. Gerade der metallisch wirkende Kippschalter für wichtige Klimafunktionen ist ein schönes Beispiel dafür, dass moderne Bedienung und klassische Tasten kein Widerspruch sein müssen.

Ein Head-up-Display hätten wir trotzdem gerne gesehen. Es ist keine zwingende Voraussetzung für ein gutes Auto, gehört für uns inzwischen aber zu den Komfortfunktionen, die wir gerade auf längeren Strecken schätzen. Geschwindigkeit, Navigation und Assistenzinformationen direkt im Sichtfeld zu haben, reduziert den Blickwechsel zwischen Straße und Instrumenten. Das vorhandene Fahrerdisplay liefert zwar alle wichtigen Informationen übersichtlich, ersetzt diesen Vorteil aber nicht vollständig.

Wie viel Alltag steckt im Innenraum?

Bei den Ablagemöglichkeiten macht der ORA 05 vieles richtig. Es gibt ausreichend Platz für Smartphones, Getränke und den üblichen Kleinkram, den ein Auto im Alltag zwangsläufig ansammelt. Die offene Ablage unterhalb der Mittelkonsole erweitert die Möglichkeiten zusätzlich und dürfte insbesondere für Taschen praktisch sein. Auch die induktive Smartphone-Ladefläche ist sinnvoll platziert und wird belüftet, was wir gerade bei längeren Fahrten und gleichzeitig aktiver Navigation durchaus begrüßen.

Im Fond setzt sich der grundsätzlich gute Eindruck fort. Der Einstieg gelingt problemlos, die Rückbank ist bequem und auch Erwachsene können dort vernünftig sitzen. Besonders die Sitzposition gefällt uns, weil Beine und Oberschenkel nicht in einer unnatürlich angewinkelten Haltung untergebracht werden müssen.

Genau deshalb fällt allerdings eine Kleinigkeit umso stärker auf: Die Mittelarmlehne fehlt. Das klingt zunächst nach einer Nebensächlichkeit, wird auf längeren Reisen mit zwei Personen im Fond aber schnell relevant. Wenn bereits eine komfortable Rückbank vorhanden ist, gehört eine vernünftige Armauflage unserer Meinung nach einfach dazu.

Ähnlich sieht es bei den Anschlussmöglichkeiten aus. Eine einzelne USB-C-Buchse funktioniert natürlich, zwei wären angesichts der heutigen Anzahl an Smartphones, Tablets und anderen mobilen Geräten allerdings die logischere Lösung gewesen. Die Kosten dafür dürften überschaubar sein. Positiv fällt dagegen die Umsetzung der ISOFIX-Befestigungen auf. Die Verankerungen sind gut zugänglich, ohne dass permanente Kunststoffklappen oder offene Aussparungen die Optik stören. Gerade bei Details dieser Art zeigt sich, dass ORA durchaus über den praktischen Einsatz des Fahrzeugs nachgedacht hat.

Wie schlägt sich der ORA 05 beim Rangieren?

Noch bevor wir die eigentlichen Fahreindrücke sammeln, überzeugt uns das Kamerasystem. Die Darstellung ist scharf, die Perspektiven sind sinnvoll gewählt und Hilfslinien erleichtern das Rangieren. Gerade bei schlecht einsehbaren Parklücken oder engen Zufahrten entsteht dadurch schnell Vertrauen. Neben der klassischen Rückfahransicht stehen verschiedene Rundum-Perspektiven zur Verfügung, außerdem können einzelne Fahrzeugbereiche genauer betrachtet werden.

Das klingt nach einer Spielerei, bis ein Bordstein gefährlich nah an einer Felge auftaucht oder beim Herausfahren aus einer Parklücke Fußgänger und Radfahrer deutlich früher auf dem Display sichtbar werden als durch die Seitenscheiben. Genau dann werden solche Systeme vom netten Technik-Gimmick zum echten Sicherheitsgewinn. Beim ORA 05 funktioniert diese Unterstützung überzeugend und vor allem ohne lange Eingewöhnung.

Fährt sich der ORA 05 so komfortabel wie er aussieht?

Die eigentliche Überraschung beginnt während der Fahrt. Schon bei normalem Stadt- und Landstraßentempo fällt auf, wie ruhig der ORA 05 unterwegs ist. Abrollgeräusche bleiben im Hintergrund, Windgeräusche rund um Außenspiegel und A-Säulen drängen sich ebenfalls nicht unangenehm in den Vordergrund. Dass keine aufwendige Mehrscheiben-Verglasung verbaut sein muss, um einen leisen Innenraum zu erzeugen, zeigt sich hier ziemlich deutlich. Entscheidend ist am Ende das Gesamtergebnis aus Dämmung, Karosserie, Reifen und Aerodynamik, und diese Abstimmung funktioniert beim ORA 05 überraschend gut.

Der ORA möchte dabei eindeutig kein Sportwagen sein. Das Fahrwerk ist komfortabel abgestimmt und lässt den Aufbau über längere Bodenwellen oder schlechte Fahrbahnoberflächen vergleichsweise entspannt arbeiten. Durch die höhere Karosserie entstehen in schnellen Kurven naturgemäß spürbare Wankbewegungen. Das Fahrzeug kippt also stärker zur Seite als eine flache Limousine, bleibt dabei aber kontrollierbar und vermittelt keinen schwammigen Eindruck. Eine gewisse Straffheit ist vorhanden, ohne dass ORA versucht, über unnötig harte Federn künstliche Sportlichkeit zu erzeugen.

Genau das passt zu unserem Eindruck von den Sitzen und der gesamten Fahrzeugausrichtung. Der ORA 05 lädt eher zum entspannten Reisen ein, als permanent den nächsten Kurveneingang herauszufordern. Auf längeren Autobahnetappen dürfte das deutlich wichtiger sein als die letzte Portion Fahrdynamik.

Was macht der Vollhybrid anders?

Der Vollhybrid-Antrieb passt aus unserer Sicht besonders gut zu diesem Charakter. Beim Losfahren, Rollen und bei niedriger Leistungsanforderung wirkt das Fahrzeug angenehm elektrisch geprägt. Der Verbrennungsmotor muss nicht permanent im Vordergrund stehen und insbesondere im Stadtverkehr entsteht dadurch eine Ruhe, die wir bei einem klassischen Benziner in dieser Form nicht bekommen würden.

Gleichzeitig steht beim Beschleunigen genügend Unterstützung zur Verfügung, damit der ORA 05 nicht behäbig wirkt. Besonders beim Einfädeln auf die Autobahn oder beim kurzen Zwischenspurt auf der Landstraße reagiert der Antrieb deutlich kräftiger, als es die gemütliche Grundabstimmung zunächst vermuten lässt. Die elektrische Unterstützung sorgt dafür, dass unmittelbar Schub vorhanden ist und der Verbrennungsmotor nicht erst hektisch auf Drehzahl gebracht werden muss. Genau diese Kombination aus spontanem Antritt und entspanntem Cruisen macht den Vollhybrid für uns zur aktuell interessantesten Antriebsvariante.

Dabei entsteht nie der Eindruck, dass wir permanent beobachten müssten, welcher Motor gerade arbeitet. Das ist bei einem Vollhybrid entscheidend. Gute Hybrid-Systeme funktionieren dann am besten, wenn wir möglichst wenig über ihre Arbeitsweise nachdenken müssen. Energie wird beim Verzögern zurückgewonnen, beim Anfahren unterstützt die elektrische Seite und bei höherer Leistungsanforderung arbeiten beide Systeme zusammen. Für uns zählt weniger, welche Komponente in welcher Sekunde aktiv ist, sondern ob das Ergebnis harmonisch wirkt. Beim ORA 05 tut es das weitgehend.

Auch beim Verbrauch hinterließ unsere erste Testrunde einen positiven Eindruck. Wir waren keineswegs ausschließlich im klassischen Sparmodus unterwegs, sondern bewegten den ORA 05 auf Landstraße, Autobahn und durch Ortschaften durchaus normal und teilweise zügig. Trotzdem deutete sich an, dass der Vollhybrid mit Kraftstoff vernünftig umgehen kann. Für eine belastbare Verbrauchsbewertung müsste das Fahrzeug natürlich länger und unter reproduzierbaren Bedingungen gefahren werden, doch der erste Eindruck passt zum Konzept.

Wo liegen die größten Kritikpunkte?

So positiv unser Gesamteindruck ausfällt, zwei Punkte können und wollen wir nicht einfach übergehen. Besonders störend finden wir die fehlende Höhenverstellung des Beifahrersitzes. Je nach Körpergröße entsteht dadurch eine ungewöhnlich hohe Sitzposition, die schnell an einen Esszimmerstuhl erinnert.

Während sich der Fahrer seinen Sitz vernünftig anpassen kann, muss der Beifahrer mit der vorgegebenen Höhe leben. Dass dieses Thema weiterhin bei verschiedenen asiatischen Herstellern auftaucht, können wir nur schwer nachvollziehen. Eine manuelle Höhenverstellung wäre vollkommen ausreichend und würde weder eine komplizierte elektrische Sitzmechanik noch einen erheblichen technischen Aufwand erfordern.

Noch relevanter ist für uns die fehlende Gurthöhenverstellung, vor allem weil Jens aus der Redaktion mit 1,75 Meter Körpergröße natürlich viel kleiner ist als Olli. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Ein Sicherheitsgurt sollte möglichst passend über Schulter und Brustkorb verlaufen. Menschen unterscheiden sich jedoch erheblich in Körpergröße, Sitzposition und Oberkörperlänge. Wenn sich der obere Umlenkpunkt nicht verstellen lässt, kann der Gurt bei manchen Personen unangenehm nahe am Hals verlaufen. Das ist nicht nur eine Komfortfrage. Gerade weil die Automobilindustrie enorme Summen in Rückhaltesysteme und adaptive Sicherheitskonzepte investiert, wirken einfache Einschränkungen bei der ergonomischen Anpassbarkeit unnötig.

Daneben gibt es kleinere Punkte, die bei einer Modellpflege verbessert werden könnten. Eine Mittelarmlehne hinten wäre willkommen, zwei Ladeanschlüsse im Fond wären sinnvoller als einer und einige der hellen Kunststoffflächen dürften sich im harten Familienalltag als empfindlich erweisen. Keiner dieser Punkte macht den ORA 05 zu einem schlechten Auto. Zusammengenommen verhindern sie allerdings, dass aus einem bereits sehr überzeugenden Innenraum ein nahezu vollständig durchdachtes Gesamtpaket wird.

Wie fällt unser erstes Fazit zum ORA 05 Hybrid aus?

Nach unserer ersten Begegnung bleibt vor allem ein Eindruck hängen: Der ORA 05 Hybrid fühlt sich erstaunlich erwachsen an. Er versucht nicht, mit maximaler Sportlichkeit oder einer völlig überladenen Technikshow zu beeindrucken, sondern konzentriert sich auf Eigenschaften, die im Alltag tatsächlich relevant sind. Der Innenraum wirkt freundlich und hochwertiger, als wir es in dieser Klasse vielleicht erwarten würden, die Bedienung funktioniert weitgehend intuitiv, die Sitze sind bequem und das Fahrwerk findet einen guten Kompromiss zwischen Komfort und ausreichender Kontrolle.

Besonders der Vollhybrid passt zu diesem Konzept. Die elektrische Unterstützung bringt Ruhe in den Stadtverkehr, sorgt gleichzeitig für einen kräftigen Antritt und ermöglicht ein entspanntes Fahrerlebnis, bei dem der Verbrennungsmotor nicht permanent im Mittelpunkt steht. Dazu kommt eine gute Geräuschdämmung, die den ORA 05 auch auf der Autobahn zu einem angenehmen Begleiter macht. Dass der Aufbau in schnelleren Kurven etwas stärker arbeitet, gehört für uns zum Charakter eines komfortabel abgestimmten SUV und fällt weniger negativ auf als ein Fahrwerk, das jede Kanalabdeckung zur persönlichen Angelegenheit erklärt.

Ganz ohne Kritik kommt der ORA 05 trotzdem nicht davon. Die fehlende Höhenverstellung des Beifahrersitzes und insbesondere die nicht verstellbare Gurthöhe sind Punkte, die wir nicht nachvollziehen können. Die fehlende Mittelarmlehne im Fond und kleinere Sparmaßnahmen bei Materialien und Anschlüssen gehören ebenfalls auf die Liste für eine zukünftige Überarbeitung. Dem grundsätzlich positiven Eindruck können diese Details allerdings wenig anhaben.

Unterm Strich erleben wir den ORA 05 Hybrid als angenehm eigenständiges, komfortables und überraschend rund abgestimmtes Auto. Gerade weil er nicht versucht, in jeder Disziplin einen Rekord aufzustellen, funktioniert das Gesamtpaket. Für den Alltag erscheint uns der Vollhybrid momentan als besonders stimmige Variante, weil er einen spürbaren Teil des entspannten elektrischen Fahrgefühls liefert, ohne dass sich das gesamte Nutzungskonzept um eine Lademöglichkeit drehen muss.

Wer später noch konsequenter elektrisch fahren möchte, für den wird die Modellfamilie ohnehin noch interessanter. Bis dahin zeigt der Vollhybrid bereits ziemlich deutlich, dass ORA mit dem 05 nicht nur über den Preis Aufmerksamkeit erzeugen möchte, sondern inzwischen auch bei Komfort, Verarbeitung und Fahrgefühl auf einem Niveau angekommen ist, das etablierte Wettbewerber durchaus ernst nehmen sollten und das GWM für die Marke ORA Kundenkritik aufnimmt, sieht man beim Panoramaglasdach, denn im Vergleich zum ORA 07 bietet dieses nun eine Verschattungsmöglichkeit. Wir sind gespannt auf die folgenden Derivate.

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