Mit dem überarbeiteten Polestar 3 und dem nun offiziell als Coupé bezeichneten Polestar 4 Coupé schärft die schwedische Performance-Marke ihr Profil weiter nach. Besonders spannend: Der Polestar 3 bekommt erstmals eine 800-Volt-Architektur und springt damit technisch in eine Liga, in der bislang vor allem Fahrzeuge wie Porsche Taycan, Kia EV9 oder Hyundai IONIQ 5 N unterwegs sind. Gleichzeitig arbeiten die Schweden weiter an Fahrdynamik, Effizienz und Nachhaltigkeit. Beide Modelle können ab sofort bestellt werden. Der Polestar 3 startet bei 78.900 Euro, der Polestar 4 bei 61.900 Euro.
Was ändert sich beim Polestar 3?
Der größte technische Schritt betrifft eindeutig den Polestar 3. Das elektrische Luxus-SUV wechselt auf eine moderne 800-Volt-Architektur. Das klingt zunächst nach einem Buzzword aus der Elektromobilität, hat im Alltag aber durchaus konkrete Vorteile. Höhere Spannung bedeutet geringere Stromstärken bei gleicher Leistung. Dadurch können Kabel dünner ausfallen, die Wärmeentwicklung sinkt und vor allem werden deutlich höhere Ladeleistungen möglich.
Und genau hier legt der Polestar 3 jetzt massiv zu. Bis zu 350 kW DC-Ladeleistung stehen künftig im Datenblatt. Damit soll der Akku unter optimalen Bedingungen in nur 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent geladen werden. Das ist laut Polestar rund 25 Prozent schneller als bisher. Für ein großes SUV dieser Klasse ist das ein ernstzunehmender Wert.
Besonders interessant ist dabei die neue Software „Breathe Charge“. Dahinter steckt eine intelligente Batteriesteuerung, die Ladeleistung und Batteriezustand permanent überwacht und dynamisch anpasst. Hersteller versprechen solche Optimierungen inzwischen häufig. Entscheidend wird am Ende aber sein, wie konstant die Ladeleistung tatsächlich im Alltag anliegt. Wenn die Technik hält, was Polestar verspricht, könnte das vor allem auf Langstrecke ein echter Vorteil werden. Laut Hersteller soll eine zehnminütige Schnellladung im Vergleich zum bisherigen System bis zu 38 Prozent mehr Reichweite bringen.
Wie viel Leistung bietet der neue Polestar 3?
Auch bei der Antriebstechnik wurde nachgelegt. Der Polestar 3 nutzt nun einen neuen Permanentmagnet-Synchronmotor an der Hinterachse. In den Dual-Motor-Varianten kommt vorne zusätzlich ein Asynchronmotor zum Einsatz. Das ist technisch spannend, weil Asynchronmaschinen im Teillastbetrieb effizient abgeschaltet werden können und gleichzeitig hohe Leistungsreserven bieten.
In der stärksten Performance-Variante steigt die Systemleistung nun auf bis zu 500 kW. Das entspricht rund 680 PS. Gleichzeitig soll eine automatische Frontmotor-Abschaltung im Alltag die Effizienz verbessern. Polestar verspricht zudem eine heckbetontere Kraftverteilung, überarbeitete Fahrwerkskomponenten, neue Stabilisatoren sowie eine neu abgestimmte Lenkung.
Das zeigt relativ klar, wohin die Reise geht: Der Polestar 3 soll nicht nur luxuriös sein, sondern sich trotz SUV-Format möglichst fahraktiv anfühlen. Genau dort versucht sich Polestar seit Jahren von klassischen Volvo-Wurzeln zu lösen und stärker als eigenständige Performance-Marke wahrgenommen zu werden.
Warum ist der neue NVIDIA-Prozessor wichtig?
Fast wichtiger als reine PS-Zahlen dürfte langfristig der neue Hauptcomputer sein. Der Polestar 3 bekommt künftig den NVIDIA DRIVE AGX Orin-Prozessor. Die Rechenleistung soll sich dadurch mehr als verachtfachen.
Das klingt zunächst nach IT-Marketing, ist für moderne Fahrzeuge aber tatsächlich relevant. Fahrerassistenzsysteme, Sensorfusion, Kameraverarbeitung, OTA-Updates und zukünftige autonome Funktionen benötigen enorme Rechenkapazitäten. Viele Hersteller merken aktuell, dass frühere Hardware-Generationen dafür schlicht nicht mehr ausreichen. Polestar versucht hier offenbar vorzubauen.
Was ist mit bestehenden Polestar-3-Kunden?
Eine der spannendsten Nachrichten für aktuelle Besitzer des Polestar 3 betrifft den neuen Hauptcomputer. Polestar lässt Bestandskunden nämlich nicht außen vor. Wer bereits einen Polestar 3 fährt, erhält das Upgrade auf den neuen NVIDIA DRIVE AGX Orin-Prozessor kostenlos nachgerüstet.
Das ist alles andere als selbstverständlich. Viele Hersteller verbessern ihre Fahrzeuge zwar kontinuierlich, Hardware-Upgrades bleiben für bestehende Kunden aber häufig außen vor oder sind nur gegen Aufpreis möglich. Polestar geht hier einen anderen Weg und tauscht die Hardware tatsächlich in der Werkstatt aus.
Kunden wurden laut Hersteller bereits informiert und können einen Termin bei einer Polestar-Vertragswerkstatt ihrer Wahl vereinbaren. Dort wird der bisherige Rechner gegen den neuen NVIDIA DRIVE AGX Orin-Prozessor ersetzt.
Technisch ist das durchaus relevant. Die neue Plattform bietet mehr als die achtfache Rechenleistung des bisherigen Systems. Das schafft nicht nur Reserven für zukünftige Software-Updates, sondern verbessert auch die Verarbeitung von Sensordaten, Assistenzsystemen und Fahrzeugfunktionen. Gerade in Zeiten immer komplexerer Software-Architekturen ist das ein wichtiger Punkt, denn moderne Elektroautos altern inzwischen oft eher bei der Rechenleistung als beim eigentlichen Antrieb.
Was verändert sich beim Design und Innenraum?
Optisch bleibt der Polestar 3 klar als solcher erkennbar. Neu sind allerdings die Außenfarben „Storm“ und „Krypton“ sowie zusätzliche Kontrast-Embleme. Im Innenraum führt Polestar neue Materialien und Farbkombinationen ein. Dazu gehören „Bio-attributed MicroTech“ in „Nebula“ mit Aluminium-Dekor aus wiederverwendeten Materialien sowie Nappaleder in „Dune“ mit schwarzer Esche. Das Thema Nachhaltigkeit bleibt also weiterhin zentraler Bestandteil der Markenkommunikation.
Interessant ist außerdem die neue Namensstruktur. Statt komplizierter Variantenbezeichnungen heißen die Modelle künftig schlicht „Rear Motor“, „Dual Motor“ und „Performance“. Das wirkt deutlich verständlicher und orientiert sich stärker an der mittlerweile etablierten EV-Systematik vieler Hersteller.
Polestar 3 mit 800 Volt-Technik Fotos












Warum heißt der Polestar 4 jetzt offiziell Coupé?
Beim Polestar 4 rückt Polestar die ungewöhnliche Karosserieform stärker in den Mittelpunkt. Offiziell trägt das Modell nun den Namen „Polestar 4 Coupé“. Das wirkt ein wenig wie eine Reaktion auf die Diskussionen rund um das fehlende Heckfenster und die ungewöhnliche Dachlinie.
Technisch konzentriert sich das Update vor allem auf die Fahrdynamik. Das Fahrwerk wurde umfassend neu abgestimmt. Passive Hochleistungsdämpfer, neue Federn, geänderte Stabilisatoren und PU-Rückprallanschläge sollen Komfort und Präzision verbessern.
Gerade der Polestar 4 hatte bisher zwar viel Leistung, wurde fahrdynamisch aber nicht von allen Testern als absoluter Klassenmaßstab wahrgenommen. Die neue Abstimmung könnte hier also tatsächlich einen Unterschied machen.
Wie sportlich bleibt das Polestar 4 Coupé?
An der Spitze bleibt der Polestar 4 eines der schnellsten Elektro-SUVs überhaupt. Die Dual-Motor-Version sprintet weiterhin in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Bemerkenswert ist aber vor allem der vergleichsweise niedrige CO₂-Fußabdruck. Je nach Produktionsstandort und Antrieb gibt Polestar Werte zwischen 19,4 und 20,7 Tonnen CO₂-Äquivalent für Produktion und Auslieferung an.
Das klingt zunächst nach einer abstrakten Zahl, ist im Branchenvergleich aber tatsächlich relevant. Viele Hersteller sprechen zwar über Nachhaltigkeit, veröffentlichen aber keine detaillierten Lebenszyklusdaten. Polestar gehört weiterhin zu den wenigen Marken, die diese Werte transparent kommunizieren. Der CO₂-Fußabdruck des Polestar 4 Dual Motor aus chinesischer Produktion konnte laut Hersteller seit Marktstart bereits um 1,1 Tonnen reduziert werden.
Polestar 4 Coupé Fotos












Was bedeuten die Upgrades für die Praxis?
Mit den Änderungen reagiert Polestar ziemlich konsequent auf die Schwächen der bisherigen Modelle. Der Polestar 3 war technisch bereits interessant, lag beim Schnellladen aber nicht auf Augenhöhe mit den modernsten 800-Volt-Fahrzeugen. Genau das wird jetzt korrigiert.
Der Polestar 4 wiederum bekommt Feinschliff bei Fahrwerk und Fahrgefühl. Genau dort entscheidet sich in dieser Fahrzeugklasse oft, ob ein Auto nur schnell ist oder tatsächlich als Premium-Performance-Fahrzeug wahrgenommen wird.
Spannend bleibt allerdings die Preisfrage. 78.900 Euro für den Polestar 3 und 61.900 Euro für das Polestar 4 Coupé positionieren beide Modelle klar im Premiumsegment. Dort wird die Konkurrenz durch Fahrzeuge von Porsche, BMW, Mercedes-Benz oder Tesla allerdings nicht kleiner. Technisch wirken die Schweden mit diesem Update aber deutlich besser gerüstet als zuvor.





















