Start / Elektromobilität / Renault 8 Gordini Concept: Der Zaubertrank ist jetzt elektrisch

Renault 8 Gordini Concept: Der Zaubertrank ist jetzt elektrisch

270 elektrische PS, zwei weiße Streifen und eine ziemlich große Portion Renault-Geschichte: Renault 8 Gordini Concept

Es gibt Automobilnamen, bei denen eigentlich schon wenige Buchstaben reichen, um sofort Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Gordini gehört definitiv dazu. Blaue Lackierung, weiße Doppelstreifen, Motorsport, kleine Autos mit überraschend viel Leistung und vor allem die Idee, dass Fahrspaß nicht zwangsläufig nur Menschen vorbehalten sein muss, deren Kontostand ähnlich beeindruckend ausfällt wie die Leistungsdaten ihres Autos. Genau diesen Namen holt Renault nun wieder ins Rampenlicht. Mit dem Renault 8 Gordini Concept zeigt der französische Hersteller eine elektrische Neuinterpretation seiner Motorsport-Ikone und beweist dabei zumindest schon einmal eines: Retro muss nicht zwangsläufig bedeuten, einfach ein altes Auto nachzubauen.

Bevor allerdings bereits Bestellformulare gesucht oder Renault-Händler nervös angerufen werden, müssen wir die Erwartungen etwas einbremsen. Der Renault 8 Gordini Concept ist zunächst eine Design- und Stilübung. Renault verspricht ausdrücklich kein kommendes Serienmodell. Vielmehr soll die Studie zeigen, wie sich die eigene Geschichte in die Gegenwart übertragen lässt. Und wenn wir uns anschauen, wie erfolgreich Renault zuletzt mit Retro-Interpretationen wie Renault 5 oder Renault 4 unterwegs war, wirkt die Idee gar nicht so abwegig.

Warum ist der Name Gordini für Renault überhaupt so wichtig?

Dafür müssen wir zurück ins Frankreich der 1960er-Jahre. Während Asterix dank seines Zaubertranks plötzlich übermenschliche Kräfte entwickelte, bekam der eher brave Renault 8 seinen ganz eigenen Zaubertrank von Amédée Gordini. Der französische Motorenentwickler war nicht ohne Grund als „Hexenmeister“ bekannt und verstand es ausgesprochen gut, aus vergleichsweise unspektakulären Serienfahrzeugen überraschend schnelle Autos zu machen.

Der normale Renault 8 war seit 1962 eine kompakte Familienlimousine mit Heckmotor. Die Kombination aus geringem Gewicht, Hinterradantrieb und guter Traktion bot allerdings eine hervorragende Grundlage für sportliche Ambitionen. 1964 erschien schließlich der Renault 8 Gordini. Aus ursprünglich rund 40 PS wurden 86 PS. Der 1,1-Liter-Vierzylinder bekam unter anderem zwei Doppelvergaser spendiert und brachte den kleinen Franzosen auf bis zu 170 km/h. Heute klingt das ungefähr nach einem ordentlich motorisierten Kleinwagen, Mitte der 1960er-Jahre war es dagegen eine echte Ansage.

Dazu kam ein Fahrwerk, das deutlich mehr konnte, als es die kantige Karosserie zunächst vermuten ließ. Der Renault 8 Gordini bekam ein tiefergelegtes Fahrwerk, Einzelradaufhängung an der Vorderachse, eine Pendelachse hinten und Scheibenbremsen an allen vier Rädern. Für ein kompaktes und vergleichsweise bezahlbares Auto war das damals alles andere als selbstverständlich.

Wie wurde aus dem kleinen Renault eine Motorsport-Ikone?

1966 legte Renault noch einmal nach. Der Hubraum wuchs auf 1.255 Kubikzentimeter, zwei Weber-Doppelvergaser kümmerten sich um die Gemischaufbereitung und die Leistung stieg auf 88 PS. Gleichzeitig waren mehr als 175 km/h möglich. Besonders bemerkenswert war allerdings das serienmäßige 5-Gang-Getriebe. Zu einer Zeit, in der selbst deutlich teurere Fahrzeuge häufig noch mit vier Gängen unterwegs waren, war das ziemlich fortschrittlich.

Mindestens genauso wichtig für den Mythos war allerdings das Erscheinungsbild. Die blaue Lackierung, die weißen Doppelstreifen und die zusätzlichen Rundscheinwerfer machten den Renault 8 Gordini sofort erkennbar. Wer damals einen Gordini im Rückspiegel sah, konnte zumindest davon ausgehen, dass hinter dem Lenkrad möglicherweise jemand saß, der es etwas eiliger hatte.

Richtig legendär wurde der Wagen schließlich durch den Coupe Gordini. Renault etablierte damit eine der ersten Markenpokalserien überhaupt. Die Idee war einfach und genial: weitgehend identische Serienautos, nur wenige erlaubte Veränderungen und Fahrer, die sich entsprechend kaum hinter technischen Vorteilen verstecken konnten. Das Ergebnis waren enge Rennen, reichlich Lackaustausch und Motorsport, der für Zuschauer nachvollziehbar und für Nachwuchsfahrer vergleichsweise zugänglich war. Für einige spätere Motorsportgrößen wurde der Renault 8 Gordini damit zum Sprungbrett.

Renault 8 Gordini Concept Fotos

Warum fährt der neue Renault 8 Gordini elektrisch?

An dieser Stelle dürften Traditionalisten kurz schlucken. Der moderne Gordini wird nicht von Doppelvergasern gefüttert und auch ein hochdrehender Verbrennungsmotor steckt nicht unter der Karosserie. Das Renault 8 Gordini Concept fährt rein elektrisch.

Renault nennt eine Leistung von knapp 198 kW, also rund 270 PS. Viel mehr verrät der Hersteller zum Antrieb aktuell nicht. Angaben zur Batterie, zur Reichweite, zur Beschleunigung oder zur Ladeleistung gibt es bislang nicht. Für eine Designstudie ist das allerdings auch nicht zwingend entscheidend.

Interessanter ist vielmehr die Botschaft hinter dem Konzept. Renault will offenbar demonstrieren, dass sich die ursprüngliche Gordini-Idee auch auf einen Elektroantrieb übertragen lässt. Schließlich stand Gordini nie ausschließlich für einen bestimmten Motor. Es ging um geringes Gewicht, direkte Reaktionen, vergleichsweise viel Leistung, Motorsport-Nähe und vor allem Fahrspaß.

Genau hier liegt für Renault die Herausforderung. Ein moderner Elektro-Gordini müsste nicht einfach nur schnell sein. Leistung gibt es inzwischen bei vielen Elektroautos im Überfluss. Ein Gordini müsste sich vielmehr leicht, direkt und verspielt anfühlen und damit genau jene Eigenschaften bieten, die den historischen Namensgeber ausgezeichnet haben.

Wie viel Retro steckt im Renault 8 Gordini Concept?

Optisch vermeidet Renault erfreulicherweise den einfachsten Weg. Der Hersteller hat nicht einfach einen historischen Renault 8 digital aufgeblasen, große Räder daruntergeschraubt und irgendwo eine Ladebuchse versteckt. Stattdessen werden bekannte Merkmale aufgegriffen und neu interpretiert.

Dazu gehören natürlich die charakteristischen Doppelstreifen. Auch die zusätzlichen runden Frontscheinwerfer erinnern sofort an das historische Vorbild. Die Grundproportionen und einzelne Details greifen ebenfalls Elemente des ursprünglichen Renault 8 auf, ohne dass das Concept wie eine moderne Kopie wirkt.

Renault spricht in diesem Zusammenhang von einer „Café Racer“-Philosophie. Aus dem Motorradbereich kennen wir den Begriff als Beschreibung für reduzierte, sportliche Maschinen, bei denen alles Unnötige verschwindet. Übertragen auf das Auto bedeutet das klare Linien, sportliche Proportionen und möglichst wenig gestalterischen Ballast.

Gerade das unterscheidet das Renault 8 Gordini Concept von vielen anderen Retro-Studien. Die Vergangenheit soll nicht einfach reproduziert werden, sondern dient lediglich als Ausgangspunkt.

Warum passt Gordini gerade jetzt wieder zu Renault?

Alte Modellnamen aus der Schublade zu holen, gehört inzwischen fast schon zum Standardprogramm der Automobilindustrie. Dabei funktioniert das allerdings nicht automatisch. Ein bekannter Name allein macht noch kein gutes Auto. Entscheidend ist, ob hinter dem Namen tatsächlich eine nachvollziehbare Verbindung zur Vergangenheit steckt.

Renault befindet sich momentan in einer interessanten Position. Der elektrische Renault 5 hat bereits gezeigt, wie erfolgreich sich historische Gestaltungselemente mit moderner Technik kombinieren lassen. Mit dem Renault 4 verfolgt die Marke einen ähnlichen Ansatz. Damit entsteht langsam eine Modellwelt, in der historische Namen nicht ausschließlich aus Nostalgie verwendet werden, sondern tatsächlich Teil einer neuen Designstrategie sind.

Ein moderner Gordini könnte diese Strategie um eine sportliche Komponente erweitern. Nicht als maximal leistungsstarkes Elektroauto mit absurden Beschleunigungswerten, sondern als vergleichsweise kompakter, leichter und emotionaler Stromer.

Gerade dieser Ansatz könnte interessant sein. Denn während Elektroautos technisch immer leistungsfähiger werden, fehlt vielen Modellen noch eine eigene emotionale Identität. Ein Renault 8 Gordini müsste deshalb nicht unbedingt 600 oder 800 PS leisten. Vielleicht wären 270 PS sogar ziemlich passend, wenn Gewicht, Fahrwerk, Lenkung und Abstimmung entsprechend konsequent umgesetzt werden.

Wird aus dem Renault 8 Gordini Concept ein Serienauto?

Genau darauf gibt Renault aktuell keine Antwort. Der Hersteller betont ausdrücklich, dass das Concept keine direkte Vorschau auf ein kommendes Serienfahrzeug darstellen soll. Die Studie dient vielmehr dazu, auszuloten, wie sich historische Renault-DNA in zukünftige Designs übertragen lässt.

Das kann natürlich bedeuten, dass wir dieses Fahrzeug niemals auf öffentlichen Straßen sehen werden. Es kann aber genauso gut bedeuten, dass einzelne Gestaltungsideen oder vielleicht sogar die grundsätzliche Gordini-Philosophie später in anderen Renault-Modellen auftauchen.

Und vielleicht ist diese Zurückhaltung sogar besser als eine groß angekündigte Studie, bei der bereits ein Marktstart versprochen wird, obwohl intern noch längst nicht entschieden wurde, ob das Auto überhaupt gebaut werden kann.

Braucht Renault wieder einen Gordini?

Aus unserer Sicht zeigt das Renault 8 Gordini Concept vor allem, wie viel Potenzial noch in der eigenen Markengeschichte steckt. Der historische Renault 8 Gordini war nie einfach nur ein schneller Renault. Er stand für bezahlbaren Motorsport, für technische Cleverness und für die Idee, mit relativ einfachen Mitteln außergewöhnlich viel Fahrspaß zu erzeugen.

Genau diese Philosophie könnte auch im Elektrozeitalter funktionieren.

Der Zauberer müsste heute eben nicht mehr an Weber-Doppelvergasern drehen, sondern an Leistungselektronik, Fahrwerksabstimmung und Batteriemanagement. Die Zutaten verändern sich, die Idee dahinter muss es nicht.

270 elektrische PS, zwei weiße Streifen und eine ziemlich große Portion Renault-Geschichte zeigen jedenfalls, dass ein moderner Gordini nicht zwangsläufig wie ein Fremdkörper wirken muss. Jetzt bleibt eigentlich nur noch die entscheidende Frage: Soll Renault aus dieser spektakulären Stilübung tatsächlich ein Serienauto machen oder funktioniert der Renault 8 Gordini gerade deshalb so gut, weil er zunächst einfach nur eine ziemlich mutige Idee zwischen Vergangenheit und Zukunft bleiben darf?

Markiert: