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Sitzprobe: Polestar 5 – Definitiv kein Mainstream!

Sitzprobe: Polestar 5 - Definitiv kein Mainstream!

Ist der Polestar 5 eine Ansage an die elektrische Oberklasse? Endlich steht er vor uns. Der Polestar 5 und zwar nicht auf Renderbildern oder als ferne Zukunftsvision, nicht in GT7 auf der Playstation, sondern ganz real im Polestar Space Berlin. Ein Vorserienfahrzeug, ja. Aber eines, das sehr klar zeigt, wohin die Reise geht. Der Polestar 5 ist keine vorsichtige Annäherung an die elektrische Oberklasse, sondern ein selbstbewusstes Statement. Flach, breit, kompromisslos elektrisch und sichtbar darauf ausgelegt, es mit den Platzhirschen aufzunehmen.

Wir haben uns den Polestar 5 erstmals statisch ganz in Ruhe angesehen. Außen. Innen. Mit dem Blick für Details, Materialien und die vielen kleinen Entscheidungen, die am Ende darüber bestimmen, ob ein Auto nur beeindruckt oder wirklich überzeugt.

Flach, breit, selbstbewusst

Schon der erste Eindruck sitzt. Die Front ist extrem flach, sehr breit und wirkt fast schon geduckt auf der Straße. In der hier gezeigten Farbe Storm Matt entfaltet der Polestar 5 eine enorme Präsenz. Die matte Lackierung unterstreicht den skulpturalen Charakter und passt perfekt zur klaren Formsprache der Marke.

Typisch Polestar zeigt sich die LED Signatur mit Thors Hammer, ergänzt durch optional verfügbare Matrix LED Scheinwerfer. Das Gesicht wirkt technisch, modern und sehr fokussiert. Kein verspieltes Design, sondern klare Kante.

Seitlich wird deutlich, dass wir es hier mit einer viersitzigen Performance Limousine zu tun haben. Die Linienführung ist straff, die Dachlinie stark abfallend, die Proportionen sportlich. Auf den optionalen 22 Zoll Rädern mit 255/35 R22 Bereifung steht der Polestar 5 satt und kraftvoll. Die schwarz glänzenden Felgen mit hochglanzpolierten Flächen wirken hochwertig und sportlich zugleich. Dahinter eine massive Bremsanlage mit großen Scheiben, sichtbar auf Performance ausgelegt.

Mit 5,8 Metern Länge, rund 2,1 Metern Breite inklusive Spiegeln und nur 1,41 Metern Höhe bewegt sich der Polestar 5 klar in der Liga von Porsche Taycan und Audi e-tron GT. Der Radstand von 3,5 Metern sorgt für viel Raum im Innenraum, bringt aber auch einen Wendekreis von 12,30 Metern mit sich. Ein klares Statement für Langstrecke und Dynamik, nicht für enge Innenstädte.

Performance Zahlen mit Ansage

Zum Marktstart kommt der Polestar 5 als Dual Motor. Die Basisvariante bietet bereits 550 kW Systemleistung, also 748 PS, und startet bei 118.600 Euro. Das hier gezeigte Performance Modell legt noch einmal deutlich nach.

Polestar 5 Sitzprobe im Video

650 kW Systemleistung, umgerechnet 884 PS, dazu 1.015 Newtonmeter Drehmoment. Allradantrieb serienmäßig. Das Leergewicht liegt bei 2.465 Kilogramm, was angesichts Akku und Dimensionen realistisch ist. Der Sprint von 0 auf 100 km h soll in rund 3,2 Sekunden gelingen. Ja, es gibt schnellere Vertreter in diesem Segment, aber der Fokus scheint hier nicht auf maximaler Dragstrip Show zu liegen, sondern auf kontrollierter, dauerhafter Performance. Die Höchstgeschwindigkeit ist elektronisch bei 250 km h begrenzt.

Das Performance Paket bringt serienmäßig 21 Zoll Räder, optional 22 Zoll, eine speziell abgestimmte Polestar Engineered Fahrwerksabstimmung mit adaptiven Magnet Ride Dämpfern, goldfarbene Bremssättel und Ventilkappen im typischen Schweden Gold, einen Mikrosuede Dachhimmel sowie hochglänzend schwarze Seitenschweller und Spiegelkappen.

Akku, Laden und Reichweite

Im Fahrzeugboden sitzt ein 112 kWh Akku brutto, von dem 106 kWh netto nutzbar sind. AC lädt der Polestar 5 serienmäßig mit 11 kW dreiphasig. Eine 22 kW Option ist angekündigt und wäre in dieser Klasse absolut wünschenswert.

DC Schnellladen ist mit bis zu 350 kW Peak möglich. Laut Polestar soll der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent rund 22 Minuten dauern. Das ist absolut konkurrenzfähig und zeigt, dass der Polestar 5 auch auf der Langstrecke zu Hause sein will.

Polestar 5 Fotos

Frunk, Heckdesign und Kofferraumrealität

Ja, er hat einen Frunk. Und was für einen. Großzügig, sauber verkleidet, mit Platz für Ladekabel oder auch eine kleine Reisetasche. Gerade bei schlechtem Wetter ein echter Vorteil. Dazu ordentlich integrierte Haubenlüfter und ein sauber verarbeiteter Materialmix.

Am Heck wird es dann wieder typisch Polestar. Keine Heckscheibe. Stattdessen ein durchgehendes LED Leuchtband und ein elektronischer Rückspiegel mit Kamerabild. Das polarisiert, funktioniert in der Praxis aber besser, als viele erwarten. Das Heck wirkt flach, breit und extrem sportlich, inklusive dezentem Diffusor.

Der Kofferraum fasst 365 Liter. Das ist ehrlich gesagt nicht viel für ein Fahrzeug dieser Größe. Zum Vergleich, ein Skoda Enyaq liegt deutlich darüber. Dafür gibt es ein zusätzliches Fach unter dem Ladeboden und eine sehr hochwertige Auskleidung mit dickem Teppich und Aluminium Kanten. Klappt man die Rücksitze um, wächst das Volumen auf 1.128 Liter. Dann allerdings nur nach Ausbau beziehungsweise Umklappen der Mittelkonsole.
Die Performance Variante darf optional 1,8 Tonnen gebremst ziehen. Ungebremst sind 750 Kilogramm erlaubt. Die Dachlast liegt bei 75 Kilogramm.

Innenraum mit eigenem Charakter

Innen zeigt der Polestar 5, warum er mehr sein will als nur ein schneller Stromer. Doppelt verglaste Scheiben sorgen für Ruhe, die Türen schließen satt per Soft Close. Statt Leder dominiert ein hochwertiger Materialmix aus Stoff, Kunstleder und recycelten Materialien. Das wirkt modern, bewusst anders und sehr hochwertig.

Das Bowers and Wilkins Soundsystem ist prominent integriert und verspricht audiophilen Klang. Die Türverkleidungen sind weich gepolstert, sauber verarbeitet und funktional gestaltet.

Fahrerplatz und Infotainment

Der Fahrer blickt auf ein Head up Display, ein auf der Lenksäule montiertes Kombiinstrument und ein vertikal ausgerichtetes Center Display. Das Infotainment basiert auf Android Automotive mit Google Maps inklusive Ladeplanung. Routen lassen sich detailliert konfigurieren, inklusive gewünschtem Ladestand am Ziel und bevorzugten Ladeanbietern. In dieser Form gehört das System aktuell zu den besten am Markt.

Die Klimasteuerung ist vollständig ins Display integriert, ergänzt durch physische Bedienelemente wie das zentrale Lautstärkerad. Sitze mit Heizung, Belüftung und Massagefunktion sind selbstverständlich. Die Sitze selbst gehören zum Besten, was man in diesem Segment bekommt. Hervorragender Seitenhalt, integrierte Kopfstützen, ausziehbare Oberschenkelauflage und exzellente Ergonomie.

Fond und Raumgefühl

Hinten zeigt der Polestar 5, wofür der lange Radstand gut ist. Sehr viel Beinfreiheit, ordentliche Kopffreiheit trotz abfallender Dachlinie und ein luxuriös gestalteter Fond. Vier Zonen Klimaautomatik, Sitzheizung und Belüftung hinten, USB-C Anschlüsse und eine hochwertige Mittelkonsole mit klappbarem Zusatzsitz für kurze Strecken. Damit ist der Polestar 5 flexibel zwischen Viersitzer Luxuslounge und gelegentlichem Fünfsitzer.
Isofix gibt es auf den äußeren Rücksitzen. Die Materialien im Fond entsprechen dem vorderen Bereich, nichts wirkt abgespeckt oder zweitklassig.

Charakter statt Mainstream?

Der Polestar 5 ist kein Auto für alle. Und genau das ist seine größte Stärke. Er richtet sich an Menschen, die etwas Eigenständiges suchen, etwas, das sich bewusst vom Mainstream absetzt. Außen kompromisslos sportlich, innen modern, hochwertig und anders gedacht. Ja, der Kofferraum ist klein. Ja, der Preis ist hoch. Aber dafür bekommt man ein Fahrzeug mit Charakter, mit Haltung und mit einer klaren Vision von elektrischer Performance. Wie er sich fährt, wie er sich anfühlt auf der Straße, wie gut Fahrwerk und Leistung harmonieren, das klären wir hoffentlich im Frühjahr 2026 bei der ersten Fahrveranstaltung. Bis dahin bleibt der Polestar 5 vor allem eines: eine sehr klare Ansage an die elektrische Oberklasse.

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