Škoda spendiert seinen Elektro-Bestsellern Elroq und Enyaq zum Modelljahr 2027 ein spürbares Update und diesmal geht es nicht nur um ein wenig Software-Kosmetik oder zwei neue Menüpunkte im Bildschirm. Die Tschechen drehen gleich an mehreren Stellschrauben gleichzeitig. Es gibt neue Simply Clever-Funktionen, mehr Konnektivität, verbesserte Assistenzsysteme, einen Frunk unter der Fronthaube, Vehicle-to-Load, One Pedal Driving und bei den Einstiegsvarianten künftig sogar LFP-Batterien. Anders gesagt: Škoda versucht, aus zwei ohnehin schon erfolgreichen Elektroautos noch alltagstauglichere Stromer zu machen.

Das ist auch kein überflüssiger Modellpflege-Aktionismus. Der Elroq war 2025 mit mehr als 95.300 Auslieferungen das zweitmeistverkaufte Elektroauto Europas, der größere Enyaq kam auf mehr als 79.600 Einheiten und landete damit europaweit auf Rang sieben. Der Elroq legte im Januar 2026 sogar noch einen drauf und war mit über 8.000 Verkäufen das meistverkaufte Elektroauto Europas. Wenn ein Hersteller in so einer Lage nachschärft, dann nicht aus blanker Not, sondern weil man gemerkt hat, dass der Markt gerade bei Bedienung, Laden und Alltagstauglichkeit immer genauer hinschaut.
Was ist neu im Innenraum und im Infotainment?
Einer der wichtigsten Punkte ist das neue, Android-basierte Infotainment-System. Škoda verspricht einen neu gestalteten Startbildschirm, ein klareres Rasterlayout, eine Favoriten- und Suchfunktion sowie mehr Personalisierungsmöglichkeiten. Das klingt im ersten Moment nach typischem Pressestellenton, ist aber im Alltag tatsächlich relevant. Denn gute Elektroautos scheitern heute längst nicht mehr an Motorleistung oder Batteriegröße, sondern oft an der Frage, wie schnell man im Menü dahin kommt, wo man eigentlich hinwill. Wenn man für eine simple Funktion erst drei Untermenüs und einen kleinen Geduldsfaden braucht, hilft die schönste Reichweite nichts.
Neu ist auch ein App-Store im Fahrzeug. Darüber lassen sich neben Škoda Apps auch Anwendungen von Drittanbietern wie Spotify oder YouTube sowie weitere Apps aus den Bereichen Audio- und Video-Streaming, Spiele, Nachrichten oder Wetter nutzen. Das muss man nicht lieben, aber es zeigt, wohin die Reise geht. Das Auto wird immer stärker zur rollenden Endgeräte-Plattform. Die gute Nachricht ist: Wenn das System stabil läuft, praktisch eingebunden ist und nicht zur blinkenden Reizüberflutung verkommt, kann das für viele Nutzer tatsächlich ein Mehrwert sein.
Warum ist der digitale Fahrzeugschlüssel mehr als nur ein Technik-Gimmick?
Mit dem Modelljahr 2027 führen Elroq und Enyaq erstmals einen digitalen Fahrzeugschlüssel ein. Wer sein Smartphone in der MyŠkoda App koppelt, kann das Auto damit ver- und entriegeln und auch starten. Darüber hinaus lässt sich der Zugang über die Wallet-App des Smartphones an andere Personen weitergeben, etwa an Familienmitglieder.
Das klingt zunächst nach einer Funktion, mit der man beim Abendessen kurz Eindruck schinden kann. Im Alltag ist das aber deutlich nützlicher. Gerade in Haushalten mit mehreren Fahrern spart ein digitaler Schlüssel Wege, Abstimmung und die klassische Suche nach dem Autoschlüssel, der natürlich genau dann nicht auffindbar ist, wenn man ohnehin zu spät dran ist. Entscheidend wird am Ende sein, wie zuverlässig und schnell das System funktioniert. Denn ein digitaler Schlüssel ist nur dann clever, wenn er nicht im ungünstigsten Moment digitale Existenzkrisen bekommt.
Was bringt Powerpass jetzt konkret?
Škoda integriert den hauseigenen Ladeservice Powerpass künftig direkt ins Navigationssystem. Das bedeutet: Preise, Bewertungen, Verfügbarkeit und Ladeleistung von Ladesäulen werden direkt im Fahrzeug angezeigt. Außerdem lässt sich der Ladevorgang über den Navigationsbildschirm autorisieren. Dazu kommen Filter nach Anbietern, Listen mit bevorzugten Ladepunkten und sogar die Möglichkeit, bestimmte Betreiber bewusst zu meiden.
Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn genau solche Funktionen machen Elektromobilität im Alltag entspannter. Wer regelmäßig öffentlich lädt, will nicht nur wissen, wo eine Säule steht, sondern auch, ob sie verfügbar ist, was sie kostet und ob man dort guten Gewissens hinfahren möchte oder lieber nicht. Dass Powerpass mittlerweile Zugriff auf rund 1.000.000 öffentliche Ladepunkte in 28 europäischen Ländern bietet, ist dabei ein starkes Argument für Langstreckenfahrer.
Hinzu kommt Plug & Charge. Das bedeutet vereinfacht gesagt: Das Fahrzeug authentifiziert sich an kompatiblen Ladepunkten automatisch, der Ladevorgang startet ohne zusätzliche App oder Ladekarte. Wer das einmal im Alltag erlebt hat, weiß, wie angenehm es ist, wenn man nicht bei Regen vor der Säule steht und mit klammen Fingern noch irgendeine Karte aus dem Portemonnaie ziehen muss.

Was kann die MyŠkoda App jetzt besser?
Auch die App wird aufgewertet. Nutzer sollen künftig detailliertere Fahrdaten einsehen können, darunter auch den Energieverbrauch. Das klingt banal, ist aber wichtig. Wer ein Elektroauto fährt, interessiert sich früher oder später eben nicht nur für den Akkustand, sondern auch dafür, wie effizient das Fahrzeug unterwegs war, was die letzte Strecke gekostet hat und wie sich Fahrstil, Wetter oder Strecke auf den Verbrauch auswirken.
Laura, die digitale Assistentin, wird ebenfalls schlauer. Sie kann bei der Routenplanung künftig Google-POI-Kategorien wie Restaurants, Cafés, Hotels, Supermärkte oder Sehenswürdigkeiten mit nötigen Ladestopps kombinieren. Genau dort wird Elektromobilität angenehm, wenn das Auto nicht nur sagt „du musst laden“, sondern gleich sinnvoll mitdenkt, wo du währenddessen etwas essen, einkaufen oder eine Pause machen kannst.
Was steckt hinter V2L und warum ist das interessant?
Mit dem Update halten auch Vehicle-to-Load und damit die Abkürzung V2L Einzug in Elroq und Enyaq. Gemeint ist, dass das Fahrzeug externe Geräte mit Strom versorgen kann, etwa über einen Ladeadapter oder eine 230-Volt-Steckdose im Kofferraum. Praktisch ist das für Camping, E-Bikes, Elektrowerkzeuge oder andere Verbraucher.
Das ist eine dieser Funktionen, bei denen manche erst einmal sagen: Brauche ich nie. Bis genau der Moment kommt, in dem man sie plötzlich doch nützlich findet. Gerade für aktive Nutzer, die mit dem Auto draußen unterwegs sind, kann V2L ein echter Mehrwert sein. Der Stromer wird damit nicht nur Transportmittel, sondern im besten Fall auch mobile Energiequelle. Das ist kein Marketing-Zauber, sondern in vielen Alltagsszenarien tatsächlich praktisch.
Endlich One Pedal Driving: Warum war das überfällig?
Spannend ist auch die Einführung von One Pedal Driving. Dabei bremst das Fahrzeug beim Lupfen des Fahrpedals so stark ab, dass es bis zum Stillstand verzögern kann. Im B-Modus stehen dafür zwei Rekuperationsstufen zur Verfügung, die über das Infotainment oder per Wippen am Lenkrad eingestellt werden.
Für alle, die mit dem Begriff nicht sofort etwas anfangen: Rekuperation bedeutet, dass das Fahrzeug beim Verzögern Energie zurückgewinnt und in die Batterie einspeist. One Pedal Driving nutzt dieses Prinzip besonders konsequent. Im Idealfall fährt man viele Situationen fast nur mit dem Fahrpedal, weil das Auto beim Loslassen deutlich abbremst. Das erhöht nicht nur den Komfort, sondern kann im Stadtverkehr auch die Effizienz verbessern. Für viele E-Auto-Fahrer gehört diese Funktion inzwischen fest zum Alltag. Dass Škoda sie jetzt nachschiebt, war also mehr als sinnvoll.
Ist der neue Frunk wirklich ein großer Wurf?
Ja, vor allem weil er da ist. Elroq und Enyaq bekommen künftig ein 21-Liter-Ablagefach unter der Fronthaube, also einen Frunk. Die Haube erhält dafür Gasdruckfedern, was das Öffnen und Schließen erleichtern soll.
21 Liter reißen natürlich keine Möbelhäuser ein. Aber für Ladekabel, kleine Taschen oder schmutzige Dinge, die man nicht im Kofferraum neben dem Gepäck liegen haben möchte, ist so ein Fach Gold wert. Gerade im Elektroauto fragt man sich immer wieder, warum manche Hersteller den Raum unter der Fronthaube nicht besser nutzen. Škoda liefert jetzt endlich eine vernünftige Antwort darauf.
Was hat es mit Qi2 und der neuen Phonebox auf sich?
Die neue belüftete Phonebox unterstützt den Qi2 Magnetic Power Profile Standard und lädt kompatible Smartphones kabellos mit bis zu 25 Watt. USB-C-Anschlüsse vorne und hinten liefern weiterhin bis zu 45 Watt.
Qi2 ist vereinfacht gesagt die nächste Evolutionsstufe beim kabellosen Laden. Der Vorteil liegt vor allem in der besseren magnetischen Ausrichtung des Smartphones, was den Ladevorgang effizienter und stabiler machen kann. Wenn das System in der Praxis sauber funktioniert, bedeutet das weniger Verrutschen, weniger Hitze und insgesamt komfortableres Laden. Dass die Box belüftet ist, ist dabei fast der wichtigere Punkt. Denn induktives Laden ist schön und gut, aber wenn das Smartphone dabei in eine kleine mobile Sauna verwandelt wird, ist der Spaß schnell vorbei.
Wie viel besser werden die Assistenzsysteme wirklich?
Škoda spricht von Travel Assist 3.0, neuen Radarsystemen, einer Innenraumkamera und erweiterten Online-Diensten. Dahinter steckt mehr als nur ein Software-Update mit neuem Namen. Die überarbeiteten Systeme sollen die Spurführung präziser machen, die Geschwindigkeitsregelung sanfter und die Sicherheitsfunktionen umfassender.
Neu sind unter anderem zusätzliche Radarsensoren in den Ecken der Stoßfänger vorne und hinten. Sie sollen den Kreuzungsassistenten verbessern, also das Erkennen von querendem Verkehr an unübersichtlichen Stellen. Das betrifft nicht nur Autos, sondern auch Motorräder, Fahrräder und E-Scooter. Gerade im dichten Stadtverkehr oder an verwinkelten Kreuzungen ist das ein echter Sicherheitsgewinn.
Hinzu kommt eine Innenraumkamera im Bereich des Rückspiegels. Sie überwacht per Eye-Tracking Aufmerksamkeit und Müdigkeit des Fahrers. Das klingt erst einmal nach großem Bruder im Spiegelgehäuse, ist aber im Kern ein sinnvolles System. Denn Müdigkeit am Steuer bleibt ein unterschätztes Risiko. Wenn die Technik hier früher und präziser eingreifen kann, ist das ein Fortschritt.
Noch spannender ist der weiterentwickelte Notfallassistent. Reagiert der Fahrer auf der Autobahn nicht, kann das Fahrzeug künftig selbstständig auf den Standstreifen wechseln. Das ist eine Funktion, bei der hoffentlich jeder sagt, dass er sie nie braucht. Wenn sie aber gebraucht wird, kann sie im Ernstfall entscheidend sein.
Was ändert sich beim Licht?
Auch das Tagfahrlicht wird intelligenter. Künftig gibt es eine zusätzliche Stufe für Tageslichtbedingungen mit schlechter Sicht, etwa bei starker Bewölkung oder in der Dämmerung. Dann werden zusätzlich zu den Frontleuchten auch die Rückleuchten aktiviert.
Das ist so ein kleines Detail, das in der Pressemitteilung fast unscheinbar wirkt, im Alltag aber absolut sinnvoll ist. Denn man sieht moderne Autos mit Tagfahrlicht vorne oft gut, von hinten aber bei trübem Wetter deutlich schlechter. Wenn das System diesen Denkfehler künftig automatisch abfängt, ist das eine simple, aber wirksame Verbesserung.
Warum sind die neuen LFP-Batterien in Elroq 60 und Enyaq 60 wichtig?
Besonders spannend ist der Technologiewechsel bei den Einstiegsvarianten Elroq 60 und Enyaq 60. Hier setzt Škoda künftig auf LFP-Batterien. LFP steht für Lithium-Eisenphosphat. Diese Zellchemie ist in der Regel günstiger, robuster und langlebiger als klassische NMC-Varianten. Außerdem gilt sie im Alltag als toleranter beim häufigen Laden.
Für die Nutzer heißt das vor allem: mehr Alltagstauglichkeit im Basismodell, potenziell geringere Kosten und ein Akku, der gut zu typischen urbanen Fahrprofilen passt. Gerade bei Einstiegsvarianten ist das sinnvoll. Denn viele Kunden in diesem Bereich wollen kein maximal aufgeladenes Technologiedemonstrationsobjekt, sondern ein bezahlbares, verlässliches Elektroauto für den Alltag. Genau dafür passt LFP hervorragend.
Hinzu kommt die neue Cell-to-Pack-Produktionslinie in Mladá Boleslav, die seit Ende Februar 2026 in Betrieb ist. Dort entstehen Hochvolt-Batterien für künftige Škoda Elektromodelle und weitere Konzernfahrzeuge. Das macht das Werk zum größten Hersteller von BEV-Batteriesystemen im Volkswagen-Konzern. Übersetzt heißt das: Škoda baut seine Rolle im Konzern nicht nur beim Fahrzeug, sondern auch bei der Batterietechnik deutlich aus.
Was sagen die technischen Daten zum Modelljahr 2027?
Beim Elroq startet die neue 60er-Version mit einer Batterie von 61 kWh brutto und 58 kWh netto. Die maximale Ladeleistung liegt bei 105 kW, der Sprint von 10 auf 80 Prozent soll in 26 Minuten gelingen. Die Leistung beträgt 140 kW, also 190 PS, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h und der Standardsprint gelingt in 8,5 Sekunden. Darüber rangieren Elroq 85 mit 210 kW, Elroq 85x mit 220 kW und Elroq RS mit 250 kW. Die größeren Varianten laden mit bis zu 165 kW und schaffen den Spurt auf 100 km/h je nach Version in 6,6, 6,2 oder 5,4 Sekunden.
Auch beim Enyaq sieht die Staffelung ähnlich aus. Der Enyaq 60 kommt ebenfalls mit 61 kWh brutto und 58 kWh netto, 105 kW Ladeleistung und 140 kW Antriebsleistung. Darüber folgen Enyaq 85, 85x und RS mit bis zu 250 kW Leistung. Interessant ist beim größeren Enyaq vor allem die Anhängelast. Je nach Version sind bis zu 2.200 Kilogramm drin, die Stützlast liegt durchgängig bei 88 Kilogramm. Das macht den Enyaq weiterhin zum alltagstauglicheren Zugfahrzeug innerhalb der Baureihe.
Was bleibt am Ende von diesem Update?
Vor allem der Eindruck, dass Škoda verstanden hat, wo Elektroautos 2026 und 2027 besser werden müssen. Nicht nur bei Leistung und Reichweite, sondern im echten Alltag. Also bei Bedienung, Laden, digitaler Integration, Assistenz, Nutzwert und kleinen Komfortfunktionen, die das Leben leichter machen. Der Frunk ist dabei nicht die Revolution, aber ein willkommenes Detail. V2L erweitert den Nutzwert spürbar. One Pedal Driving war überfällig. Das neue Infotainment könnte ein echter Fortschritt sein, wenn es in der Praxis schneller und logischer funktioniert als bisher. Und die LFP-Batterie in den Einstiegsvarianten ist ein kluger Schritt.
Kurz gesagt: Škoda macht bei Elroq und Enyaq nicht alles neu, aber viele Dinge sinnvoll besser. Und genau das ist bei erfolgreichen Modellen oft die deutlich cleverere Strategie, als mit großem Tamtam an den Bedürfnissen der Kunden vorbeizuentwickeln. Oder anders formuliert: Man muss nicht jedes Jahr das Rad neu erfinden. Manchmal reicht es schon, dem Elektroauto endlich einen Frunk zu gönnen und das Menü dahin zu bringen, wo der Fahrer es beim ersten Tippen auch vermutet.



















