Wir haben nun den neuen MG4 Urban EV im ausführlichen Test, wie gewohnt inklusive ausführlichem Review-Video, eigenen Fotos und wir stellen uns die Frage: Ist der MG4 Urban EV das vielleicht wichtigste Elektroauto des Jahres?
Der neue MG4 Urban EV könnte für den europäischen Elektroautomarkt deutlich wichtiger werden, als viele zunächst denken. Denn während zahlreiche Hersteller immer größere, schwerere und teurere Elektroautos präsentieren, versucht MG genau das Gegenteil. Ein ehrliches, modernes und vollwertiges Elektroauto zu bauen, das sich möglichst viele Menschen überhaupt noch leisten können. Und genau deshalb ist dieses Fahrzeug spannend.
Denn ein Elektroauto unter 25.000 Euro klingt inzwischen fast schon wie eine Erinnerung an bessere Zeiten. Noch spannender wird es allerdings, wenn dieses Auto dabei nicht wie ein rollender Kompromiss wirkt, sondern tatsächlich moderne Technik, ordentlich Platz, gute Fahrleistungen und sogar überraschend viele Komfortfunktionen bietet. Genau hier setzt der MG4 Urban EV an.
Was macht den MG4 Urban EV überhaupt so interessant?
Der MG4 Urban EV trifft momentan genau den Nerv des Marktes. Viele Menschen wollen elektrisch fahren, scheitern aber oft an den Preisen. Genau hier versucht MG die Lücke zu schließen. Der Einstiegspreis startet bei unter 25.000 Euro. Gleichzeitig bietet MG zeitweise zusätzliche Boni von bis zu 6.000 Euro an. Rechnet man diese Aktionen mit ein, landet man teilweise bei Preisen um die 19.000 Euro für ein vollwertiges Elektroauto. Und genau an diesem Punkt wird der MG4 plötzlich brandgefährlich für viele etablierte Hersteller.
Denn die große Frage lautet plötzlich nicht mehr: „Ist ein günstiges Elektroauto möglich?“ Sondern vielmehr: „Warum kosten viele andere Elektroautos eigentlich deutlich mehr?“
Natürlich merkt man an manchen Stellen, dass MG kalkulieren musste. Aber erstaunlicherweise deutlich weniger, als man erwarten würde.
Wie wirkt der MG4 Urban EV von außen?
Optisch macht der MG4 tatsächlich vieles richtig. Das Design wirkt modern, aber nicht überzeichnet futuristisch. Gerade die Front mit den LED-Scheinwerfern und den integrierten Air Curtains wirkt erstaunlich hochwertig. Air Curtains sind gezielte Luftführungen im Frontbereich eines Fahrzeugs. Sie reduzieren Luftverwirbelungen an den Rädern und verbessern dadurch die Aerodynamik. Gerade bei Elektroautos spielt das eine wichtige Rolle, weil weniger Luftwiderstand direkt weniger Stromverbrauch bedeutet.
Mit 4,39 Metern Länge bleibt der MG4 angenehm kompakt, bietet aber gleichzeitig einen langen Radstand von 2,75 Metern. Genau das sorgt später auch für das überraschend gute Raumangebot im Innenraum.
Besonders spannend ist der Wendekreis von lediglich 10,5 Metern. Gerade im Stadtverkehr oder in engen Parkhäusern merkt man sofort, wie handlich das Fahrzeug tatsächlich geworden ist. Der Zusatz „Urban“ passt also durchaus.
Dazu kommen schicke 17-Zoll-Felgen mit aerodynamisch optimiertem Design. Gerade die Mischung aus schwarz glänzenden und hochglanzpolierten Flächen wirkt deutlich hochwertiger, als man es in dieser Preisklasse erwarten würde.
Und ja, eine kleine Besonderheit sorgt tatsächlich fast schon für Überraschung. Der MG4 verzichtet auf die inzwischen fast obligatorische große Haifischflossen-Antenne auf dem Dach. Stattdessen wurde die Technik elegant in die Karosserie integriert. Gerade bei einem günstigen Fahrzeug wirkt das fast schon ironisch, wenn man bedenkt, wie viele deutlich teurere Fahrzeuge weiterhin riesige Antennen auf dem Dach tragen.
MG4 Urban EV Test-Video
Welche Technik steckt im MG4 Urban EV?
Technisch setzt MG auf eine klassische 400-Volt-Architektur. Angeboten werden zwei Akkuvarianten mit 43 beziehungsweise 54 kWh Kapazität. Die größere Batterie bietet netto 52,8 kWh nutzbare Energie. Der Begriff Nettokapazität beschreibt dabei die tatsächlich nutzbare Energiemenge des Akkus. Ein Teil der Batterie bleibt aus Sicherheitsgründen immer reserviert, um die Lebensdauer der Zellen zu erhöhen und Tiefentladung zu vermeiden.
Beim Laden gibt es allerdings Unterschiede. Die Basisversion lädt an Wechselstrom lediglich einphasig mit maximal 7 kW. Das ist tatsächlich einer der größten Kritikpunkte des Einstiegsmodells. Die größeren Varianten unterstützen dagegen dreiphasiges Laden mit bis zu 11 kW.
An Schnellladesäulen sind je nach Akku zwischen 50 und 87 kW möglich. Beide Akkupakete sollen sich laut MG in rund 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden lassen. Das ist kein Spitzenwert im Markt, aber für diese Preisklasse absolut vertretbar.
Wie viel Leistung bietet der MG4?
Die kleinere Batterie wird mit 110 kW beziehungsweise 150 PS kombiniert. Die größere Akkuvariante leistet 118 kW beziehungsweise 160 PS und liefert 250 Newtonmeter Drehmoment an die Vorderachse. Damit sprintet der MG4 in rund 9,5 Sekunden auf 100 km/h. Das klingt zunächst nicht spektakulär, fühlt sich im Alltag aber deutlich flotter an, als die Zahlen vermuten lassen. Gerade im Stadtverkehr und beim Ampelstart wirkt das Auto angenehm spritzig.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Auch hier zeigt sich die typische Elektroauto-Strategie. Mehr Geschwindigkeit würde Reichweite und Effizienz deutlich verschlechtern.
Wie praktisch ist der MG4 im Alltag?
Und genau hier überrascht der MG4 besonders. Denn trotz kompakter Außenmaße bietet das Fahrzeug erstaunlich viel Platz. Der Kofferraum fasst offiziell 470 Liter. Das wirkt zunächst kaum glaubwürdig, wird aber durch den variablen Ladeboden möglich. Unterhalb der oberen Ebene versteckt sich eine tiefe zusätzliche Mulde.
Klappen die Rücksitze um, entstehen sogar über 1.300 Liter Ladevolumen. Für ein Fahrzeug dieser Klasse ist das tatsächlich beeindruckend. Auf einen Frunk unter der vorderen Haube muss man leider verzichten.
Die Dachlast von 75 Kilogramm und die optionale Anhängerkupplung mit bis zu 500 Kilogramm Anhängelast erweitern die Alltagstauglichkeit zusätzlich. Die geringe Stützlast von 45 Kilogramm könnte allerdings bei schweren Fahrradträgern bzw. Elektrofahrrädern problematisch werden.
MG4 Urban EV Fotos
















Wie hochwertig wirkt der Innenraum?
Natürlich darf man in dieser Preisklasse keinen Oberklasse-Innenraum erwarten. Aber genau deshalb überrascht der MG4 umso mehr. Der Materialmix wirkt insgesamt erstaunlich gelungen. Ja, es gibt harte Kunststoffe. Aber MG setzt diese überwiegend an Stellen ein, die im Alltag weniger kritisch sind. Gleichzeitig finden sich weich unterschätzte Flächen, Kunstlederdetails und optisch moderne Oberflächen.
Besonders positiv fällt das Lenkrad auf. Haptische Tasten, gute Ergonomie und ein insgesamt überraschend wertiger Eindruck passen gut zum Fahrzeugcharakter.
Das große Infotainmentdisplay unterstützt Apple CarPlay und Android Auto. Die Integration funktioniert insgesamt ordentlich, auch wenn das System an manchen Stellen etwas träge reagiert. Besonders die Sprachsteuerung zeigte im Test deutliche Schwächen. Zielorte wurden teilweise falsch verstanden oder die Reaktionszeiten waren schlicht zu lang.
Genau hier merkt man dann eben doch den Preisunterschied zu deutlich teureren Fahrzeugen. Gleichzeitig muss man aber auch fair bleiben. Viele europäische Hersteller liefern in dieser Preisklasse oft gar keine vergleichbare Ausstattung.
Wie sitzt man im MG4?
Überraschend gut. Mit 1,85 Metern Körpergröße bleibt vorne reichlich Platz vorhanden. Die Sitze bieten ordentlichen Seitenhalt, eine lange Beinauflage und überraschend guten Komfort. Gerade für längere Strecken wirkt das Fahrzeug deutlich erwachsener, als es der Preis vermuten lässt.
Auch im Fond überrascht der MG4 mit viel Raum. Große Personen können problemlos sitzen, die Füße unter die Vordersitze schieben und selbst die Kopffreiheit bleibt ordentlich.
Natürlich fehlen einige Komfortdetails wie eine Mittelarmlehne im Fond oder besonders luxuriöse Materialien. Aber noch einmal: Wir sprechen hier von einem Elektroauto, das preislich teilweise unter vielen Kleinwagen mit Verbrennungsmotor liegt.
Wie fährt sich der MG4 Urban EV?
Hier wird es richtig spannend, denn der MG4 fährt sich tatsächlich erstaunlich gut. Das Fahrwerk ist bewusst eher komfortabel abgestimmt. Genau das passt hervorragend zum Charakter des Fahrzeugs. Niemand erwartet hier einen sportlichen Kurvenjäger. Stattdessen bietet der MG4 angenehmen Federungskomfort und eine überraschend entspannte Abstimmung.
Gerade im Stadtverkehr wirkt das Auto angenehm leichtfüßig. Der kräftige Elektroantrieb sorgt für spontanen Vortrieb und macht das Fahrzeug deutlich agiler, als man es von vielen klassischen Kompaktwagen kennt.
Besonders beeindruckend ist das 360-Grad-Kamerasystem. In dieser Preisklasse ist eine derart hochauflösende Rundumsichtkamera tatsächlich keine Selbstverständlichkeit. Gerade beim Einparken in engen Innenstädten wird der MG4 dadurch extrem angenehm zu bewegen.
Auch die Assistenzsysteme überzeugen überraschend. Der MG Pilot bietet Spurhalteassistent, Abstandstempomat und teilautonome Unterstützung. Für ein Fahrzeug dieser Preisklasse ist das tatsächlich bemerkenswert umfangreich.
Wie effizient fährt der MG4?
Der WLTP-Verbrauch liegt bei 15,5 kWh pro 100 Kilometer. Im Test zeigte sich das Fahrzeug tatsächlich angenehm effizient. Trotz einfacher Einfachverglasung blieb das Geräuschniveau angenehm niedrig. Bei 50 km/h wurden rund 61 bis 63 Dezibel gemessen. Für ein günstiges Elektroauto ist das absolut ordentlich.
Gerade die Kombination aus relativ geringem Gewicht von rund 1.520 Kilogramm und effizientem Antrieb sorgt dafür, dass der MG4 im Alltag vermutlich deutlich sparsamer unterwegs sein kann als viele größere Elektro-SUV.
Ist der MG4 Urban EV aktuell eines der besten Elektroauto-Angebote überhaupt?
Ganz ehrlich: Vermutlich ja. Natürlich ist nicht alles perfekt. Wer oder was ist schon wirklich perfekt? Die Software könnte schneller reagieren, die Sprachsteuerung braucht dringend Feinschliff und manche Materialien erinnern daran, dass hier hart kalkuliert wurde.
Aber genau das ist eigentlich die beeindruckende Leistung des MG4. Denn trotz des günstigen Preises fühlt sich dieses Auto nie billig an. Es wirkt vielmehr wie ein ehrlicher, moderner und erstaunlich erwachsener Elektro-Kompaktwagen und genau das könnte momentan wichtiger sein als jedes elektrische Luxus-SUV mit 700 PS.
Denn Elektromobilität wird am Ende nicht durch Prestigeobjekte erfolgreich, sondern durch Fahrzeuge wie den MG4 Urban EV. Autos, die bezahlbar werden, genügend Platz bieten, alltagstauglich sind und Menschen überhaupt erst den Einstieg in die Elektromobilität ermöglichen.





















