Mit dem Mazda CX-6e beginnt für Mazda in Europa ein durchaus interessantes Kapitel. Denn dieser große Elektro-Crossover soll Dinge miteinander verbinden, die zunächst einmal aus ziemlich unterschiedlichen Welten kommen. Auf der einen Seite steht die bekannte Marke Mazda mit einem gewissen Anspruch an Design, Verarbeitung und Fahrgefühl, auf der anderen Seite steckt im CX-6e eine technische Basis, die in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Partner Changan entstanden ist. Herausgekommen ist ein stattliches, 4,85 Meter langes Elektro-SUV, das preislich unterhalb von 50.000 Euro startet und damit in einem ausgesprochen hart umkämpften Segment antritt. Wir haben uns den Mazda CX-6e nicht nur angesehen, sondern sind ihn auch gefahren und wollten vor allem herausfinden, ob hinter dem ausgesprochen modernen Auftritt auch ein überzeugendes Elektroauto steckt.
Schon nach den ersten Kilometern wird deutlich, dass Mazda mit diesem Fahrzeug nicht versucht, einen klassischen Verbrenner möglichst unauffällig zu elektrifizieren. Der CX-6e ist ein Elektroauto, das auch eines sein möchte. Große Displays, digitale Spiegel, umfangreiche Assistenzsysteme, ein Head-up-Display statt klassischem Fahrerdisplay, Vehicle-to-Load, ein großer Frunk und eine für Mazda ungewöhnlich digitale Bedienwelt machen das ziemlich deutlich. Gleichzeitig soll das Ganze nicht nach Technikdemonstrator wirken, sondern nach einem komfortablen Reiseauto für Familien, Pendler und Langstreckenfahrer. Genau an diesem Anspruch muss sich der Mazda CX-6e messen lassen.
Wie eigenständig sieht der Mazda CX-6e aus?
Beginnen wir dort, wo auch unser Test angefangen hat, nämlich beim Design. Und hier macht der Mazda CX-6e einen ausgesprochen selbstbewussten ersten Eindruck. Besonders auffällig ist die Lichtsignatur an der Front. Das Tagfahrlicht zieht sich weit über den Bereich, an dem bei einem Verbrenner der klassische Kühlergrill sitzen würde. Zusammen mit den schmalen LED-Scheinwerfern entsteht ein sehr moderner Auftritt, ohne dass der Mazda dabei sofort in die inzwischen verbreitete Kategorie völlig gesichtsloser Elektroautos abrutscht. Die Front besitzt weiterhin eine erkennbare Identität.
Interessanter wird es allerdings beim zweiten Blick. Die zahlreichen Öffnungen und Luftführungen sind nicht nur Dekoration. Luft wird gezielt über und um die Karosserie herumgeführt, dazu kommen sogenannte Air Curtains. Dabei handelt es sich um aerodynamisch optimierte Luftführungen, die Verwirbelungen insbesondere im Bereich der Räder reduzieren sollen. Auch an der C-Säule arbeitet Mazda mit gezielter Luftführung. Das Ziel dahinter ist simpel: Je sauberer die Luft um das Auto strömt, desto geringer ist der Luftwiderstand und desto weniger Energie wird bei höheren Geschwindigkeiten benötigt. Gerade bei einem großen Elektro-SUV kann Aerodynamik deshalb einen spürbaren Einfluss auf Verbrauch und Reichweite haben.
Mit 4,85 Metern Länge ist der Mazda CX-6e ohnehin kein kleines Auto. Seine Proportionen wirken allerdings stimmig und deutlich weniger massiv, als die nackten Zahlen vermuten lassen. Dazu trägt auch die fließende Dachlinie bei. Unser Takumi Plus in Nightfall Violet verstärkt diesen Eindruck zusätzlich. Je nach Lichteinfall wirkt die Lackierung beinahe schwarz, bei direkter Sonne kommt dagegen ein kräftiges dunkles Violett zum Vorschein. Das passt ausgesprochen gut zu dem modernen Charakter des Autos.
Auch das Heck fügt sich sauber in das Gesamtbild ein. Die LED-Rückleuchten erzeugen eine breite optische Wirkung, ohne komplett durchgehend gestaltet zu sein. Ein Detail stört die ansonsten sehr aufgeräumte Silhouette allerdings ein wenig: Der Heckwischer sitzt sichtbar auf der Scheibe. Eine Integration in den Dachspoiler hätte aus unserer Sicht besser zum ansonsten sehr konsequenten Design gepasst. Das ist allerdings Kritik auf einem ziemlich kleinen Niveau.
Wie groß ist der Mazda CX-6e wirklich?
Die Dimensionen zeigen deutlicher als Fotos, in welcher Fahrzeugklasse wir uns bewegen. Der Mazda CX-6e misst 4,85 Meter in der Länge, 1,94 Meter in der Breite und rund 1,62 Meter in der Höhe. Dazu kommt ein Radstand von stattlichen 2,90 Metern. Der Radstand bezeichnet die Entfernung zwischen Vorder- und Hinterachse und ist insbesondere für das Platzangebot im Innenraum interessant. Ein langer Radstand erlaubt es den Entwicklern, einen größeren Teil der Fahrzeuglänge tatsächlich für die Passagiere zu nutzen. Beim CX-6e merkt man das besonders auf der Rückbank.
Mit etwas mehr als 2,2 Tonnen Leergewicht ist der Mazda allerdings auch kein Leichtgewicht. Das überrascht angesichts der Fahrzeuggröße und des großen Akkus nicht, zeigt aber gleichzeitig, wie wichtig eine harmonische Fahrwerksabstimmung ist. Ein schweres Elektroauto kann sich entweder souverän und satt oder behäbig und schwerfällig anfühlen. Beim CX-6e gelingt Mazda die Abstimmung erfreulicherweise eher in Richtung souverän.
Reichen 258 PS für ein Elektro-SUV dieser Größe?
Mazda hält das Antriebskonzept zumindest zum Marktstart angenehm übersichtlich. Ein Elektromotor sitzt an der Hinterachse und leistet 190 kW beziehungsweise 258 PS. Dazu kommen 290 Newtonmeter Drehmoment. Weil ausschließlich die Hinterräder angetrieben werden, handelt es sich um klassischen Hinterradantrieb. Von 0 auf 100 km/h benötigt der CX-6e je nach Radgröße rund acht Sekunden, bei 185 km/h beendet die Elektronik den Vortrieb.
Auf dem Papier ist das heute längst kein spektakulärer Wert mehr. In Zeiten von Elektroautos mit 400, 500 oder sogar deutlich über 600 PS wirken 258 PS beinahe zurückhaltend. Im Alltag fehlt uns allerdings nichts Entscheidendes. Der Mazda tritt spontan an, lässt sich im dynamischeren Fahrprogramm spürbar engagierter bewegen und bietet sowohl in der Stadt als auch auf der Landstraße genügend Reserven. Der CX-6e möchte offensichtlich kein elektrischer Sportwagen sein und genau deshalb passt die Leistung zum Charakter des Fahrzeugs.
Viel wichtiger erscheint uns, wie dosierbar der Antrieb arbeitet. Gerade ein Familien- und Reisefahrzeug braucht nicht bei jedem Antippen des Fahrpedals den berühmten Elektro-Schlag in den Rücken. Der Mazda lässt sich angenehm harmonisch bewegen, besitzt bei Bedarf aber genug Leistung für Überholvorgänge und Autobahnauffahrten. Das wirkt im Alltag wesentlich sinnvoller als eine vierstellige PS-Zahl für den Stammtisch.
Ist die Batterie des Mazda CX-6e groß genug?
Im Fahrzeugboden arbeitet eine LFP-Batterie mit 78 kWh Kapazität. LFP steht für Lithium-Eisenphosphat und bezeichnet die verwendete Zellchemie. Diese Akkutechnik gilt insbesondere als robust und zyklenfest. Mit Zyklenfestigkeit ist vereinfacht gesagt gemeint, wie oft ein Akku geladen und wieder entladen werden kann, bevor seine nutzbare Kapazität deutlich abnimmt. LFP-Akkus besitzen außerdem den Vorteil einer hohen thermischen Stabilität, haben allerdings typischerweise eine etwas geringere Energiedichte als andere Lithium-Ionen-Chemien.
Der Mazda arbeitet mit einer 400-Volt-Architektur. Das ist weiterhin die klassische elektrische Systemspannung vieler Elektrofahrzeuge. Moderne 800-Volt-Systeme können insbesondere beim Schnellladen Vorteile bieten, entscheidend ist allerdings nicht allein die Spannung, sondern das Zusammenspiel aus Batterie, Temperaturmanagement und Ladekurve. Mazda verspricht beim CX-6e bis zu 200 kW Gleichstrom-Ladeleistung. Gleichstrom wird üblicherweise als DC bezeichnet und kommt an Schnellladesäulen zum Einsatz. Wechselstrom, also AC, nimmt der Mazda dreiphasig mit maximal 11 kW auf.
Von zehn auf 80 Prozent Ladezustand sollen unter günstigen Bedingungen rund 24 Minuten vergehen. Der Ladezustand wird häufig als State of Charge oder kurz SoC angegeben. Für einen großen Akku und ein 400-Volt-System ist dieser Wert absolut konkurrenzfähig. Über Nacht lässt sich der CX-6e an einer passenden Wallbox ohnehin problemlos wieder vollständig aufladen.
Wie weit kommt der Mazda CX-6e im Alltag?
Auf den serienmäßigen 19-Zoll-Rädern nennt Mazda einen WLTP-Verbrauch von 18,9 kWh pro 100 Kilometer. WLTP bezeichnet ein standardisiertes Messverfahren, durch das Verbrauchs- und Reichweitenwerte verschiedener Fahrzeuge zumindest unter vergleichbaren Bedingungen gegenübergestellt werden können. Größere 21-Zoll-Räder sehen zwar imposanter aus, erhöhen laut Mazda aber den Verbrauch und reduzieren entsprechend die Reichweite. Genau hier zeigt sich wieder, dass Räder bei Elektroautos nicht nur eine optische Entscheidung sind. Größere Felgen, breitere Reifen und ein höheres Gewicht können den Roll- und Luftwiderstand erhöhen.
Interessanter als jeder Normwert war für uns jedoch der reale Bordcomputer. Im getesteten Fahrzeug standen über eine Strecke von rund 1.160 Kilometern etwa 18 kWh pro 100 Kilometer im Display. Die Durchschnittsgeschwindigkeit lag dabei lediglich bei ungefähr 26 km/h und deshalb sollte dieser Wert keinesfalls als repräsentativer Autobahnverbrauch missverstanden werden. Trotzdem zeigt er, dass sich ein Fahrzeug dieser Größe bei sommerlichen Temperaturen durchaus effizient bewegen lässt.
Wie immer gilt bei Elektroautos allerdings, dass der persönliche Verbrauch extrem stark vom Fahrprofil abhängt. Autobahngeschwindigkeit, Außentemperatur, Heizung, Klimatisierung, Beladung, Wind und nicht zuletzt der rechte Fuß verändern den Energiebedarf teilweise erheblich. Wer den CX-6e ständig maximal beschleunigt, wird selbstverständlich andere Zahlen sehen als bei ruhigem Stadt- und Landstraßentempo. Unser erster Eindruck ist trotzdem positiv: Der große Mazda wirkt nicht wie ein Fahrzeug, das seine stattlichen Abmessungen zwangsläufig mit einem enormen Energiebedarf bezahlt.
Mazda CX 6e Test-Video
Was bringt der 80 Liter große Frunk im Alltag?
Ein echtes Highlight befindet sich vorne unter der Haube. Obwohl dort kein Verbrennungsmotor mehr sitzt, wird der gewonnene Raum nicht verschenkt. Mazda installiert einen Frunk mit stattlichen 80 Litern Volumen. Der Begriff Frunk setzt sich aus den englischen Begriffen Front und Trunk zusammen und bezeichnet einen zusätzlichen Kofferraum im Vorderwagen.
80 Liter sind nicht nur irgendein kleines Kunststofffach für Warnweste und Handschuhe. In diesem Frunk lassen sich Ladekabel bequem unterbringen, zusätzlich gibt es weitere unterteilte Ablagemöglichkeiten. Gerade im Elektroauto ergibt das enorm viel Sinn. Wer mit voll beladenem Kofferraum an einer öffentlichen Säule ankommt, möchte nicht erst Gepäck ausladen, um an ein darunter verstautes Ladekabel zu gelangen. Im Mazda liegt es vorne separat und sofort erreichbar. Genau so sollte ein Frunk unserer Meinung nach genutzt werden.
Zusätzlich besitzt der Mazda eine Vehicle-to-Load-Funktion, kurz V2L. Damit kann Energie aus dem Hochvoltakku genutzt werden, um externe elektrische Geräte zu betreiben. Das Elektroauto wird damit vereinfacht gesagt zur riesigen mobilen Powerbank. Für Camping, Werkzeug, E-Bikes oder andere elektrische Verbraucher kann das ausgesprochen praktisch sein.
Reicht der normale Kofferraum für eine Familie?
Am Heck stehen 468 Liter Gepäckraum zur Verfügung. Werden die Rücksitze umgeklappt, wächst das Volumen auf maximal 1.434 Liter. Die elektrisch öffnende Heckklappe gibt einen großen Zugang frei und der Kofferraum hinterlässt nicht nur beim Volumen, sondern auch bei der Verarbeitung einen guten Eindruck. Große Bereiche sind mit Teppich ausgekleidet, es gibt Beleuchtung, Verzurrösen und praktische Haken. Unter dem Ladeboden findet sich außerdem zusätzlicher Stauraum, auch wenn dieser aufgrund technischer Komponenten nicht besonders tief ausfällt.
Einen Kritikpunkt gibt es bei der Rückbank. Sie lässt sich im Verhältnis 60 zu 40 teilen. Eine zusätzliche 20-Prozent-Unterteilung oder wenigstens eine Durchladeöffnung für lange Gegenstände wäre bei einem Fahrzeug dieser Größe sinnvoll gewesen. Wer beispielsweise Ski transportieren möchte und gleichzeitig vier Sitzplätze benötigt, wird diese Lösung vermissen.
Dafür kann der CX-6e auch als Zugfahrzeug genutzt werden. Bis zu 1,5 Tonnen gebremste Anhängelast sind für viele Wohnwagen oder normale Anhänger ausreichend. Die Stützlast von 75 Kilogramm ist außerdem für Fahrradträger relevant. Gerade schwere E-Bikes bringen gemeinsam mit dem Träger schnell einiges auf die Waage.
Fühlt sich der Innenraum wirklich nach 50.000 Euro an?
Hier kommen wir zu einer der größten Überraschungen des gesamten Tests. Der Mazda CX-6e wirkt innen ausgesprochen hochwertig. Gerade im Takumi Plus finden sich zahlreiche weich unterschäumte Oberflächen, strukturierte Kunstlederflächen, Kontrastnähte und farbige Akzente. Unser Testwagen kombiniert helle Grau- und Weißtöne mit Violett und einzelnen goldfarbenen Details. Das klingt zunächst ziemlich extravagant, wirkt im fertigen Fahrzeug allerdings erstaunlich stimmig.
Besonders positiv fällt auf, dass Mazda den hochwertigen Eindruck nicht nur im direkten Sichtfeld des Fahrers erzeugt. Auch die Türverkleidungen, Armauflagen und große Teile des Fonds sind sauber verarbeitet. Harte Kunststoffe gibt es natürlich trotzdem, beispielsweise weiter unten an den Türen. Dort stören sie uns allerdings deutlich weniger, solange Oberfläche und Verarbeitung ordentlich ausfallen. Genau das ist beim CX-6e der Fall.
Etwas weniger begeistert sind wir von einigen glänzenden Flächen in Klavierlackoptik. Sie sehen im Neuwagen zunächst elegant aus, ziehen Fingerabdrücke und Staub allerdings geradezu magisch an und können im Laufe der Zeit sichtbare Mikrokratzer bekommen. Das ist kein Mazda-spezifisches Problem, sondern eine inzwischen fast branchenweite Unsitte.
Braucht der Mazda CX-6e überhaupt noch ein klassisches Fahrerdisplay?
Vor dem Fahrer befindet sich überraschenderweise kein klassisches digitales Kombiinstrument. Geschwindigkeit und die wichtigsten Fahrinformationen werden stattdessen über ein großes Head-up-Display direkt ins Sichtfeld projiziert. Ein Head-up-Display spiegelt Informationen optisch in die Windschutzscheibe beziehungsweise in das Sichtfeld, sodass der Blick möglichst wenig von der Straße abgewendet werden muss.
Das System funktioniert in unserem Test gut und stellt zahlreiche wichtige Informationen bereit. Trotzdem ist das Thema Geschmackssache. Während wir das fehlende zusätzliche Display nicht zwingend vermissen, wäre ein klassisches Instrument für manche Fahrer wahrscheinlich angenehmer. Genau das war auch innerhalb unseres Teams unterschiedlich. Das zeigt recht gut, dass moderne Bedienkonzepte nicht automatisch für jeden Menschen besser sind.
Das große zentrale Display übernimmt dafür umso mehr Aufgaben. Die Oberfläche arbeitet mit einer nachvollziehbaren Kachelstruktur, Fahrzeugmenüs sind übersichtlich aufgebaut und auch Apple CarPlay sowie Android Auto lassen sich integrieren. Gerade bei einem Auto mit so wenigen klassischen Schaltern ist eine logisch strukturierte Software entscheidend. Wenn schon viele Funktionen über den Bildschirm laufen, sollten sie wenigstens schnell auffindbar sein. Das gelingt dem Mazda erstaunlich gut.
Mazda CX 6e Fotos
















Ist weniger Hardware-Bedienung automatisch schlechter?
Ganz ohne Kritik bleibt das Bedienkonzept trotzdem nicht. Viele Funktionen wandern in den Touchscreen. Positiv ist immerhin, dass die Luftausströmer selbst noch mechanisch verstellt werden können. Das klingt banal, ist angesichts aktueller Trends aber inzwischen beinahe erwähnenswert.
Das Klimamenü selbst ist übersichtlich und bietet eine ungewöhnlich umfangreiche Komfortausstattung. Im Takumi Plus gibt es nicht nur Sitzheizung, sondern auch Sitzbelüftung. Besonders bemerkenswert ist, dass auch die äußeren Rücksitze entsprechend ausgestattet sind. Eine Lenkradheizung gehört ebenfalls dazu. Damit bietet der Mazda Komfortmerkmale, die in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich sind.
Die Mittelkonsole bietet induktives Laden für das Smartphone, allerdings nur auf einer Seite. Bei einem derart breiten Fahrzeug hätten wir uns eine zweite induktive Ladefläche für den Beifahrer gewünscht. Platz wäre vorhanden. Sehr gelungen ist dagegen die große Mittelarmlehne, die sich von beiden Seiten öffnen lässt. Darunter verbirgt sich ein tiefes und klimatisiertes Staufach. Im Sommer lassen sich dort beispielsweise Getränke zumindest kühl halten.
Wie bequem sitzt es sich im Mazda CX-6e?
Die Sitze gehören zu den Stärken des Autos. Schon vorne bieten sie eine angenehm lange Beinauflage und eine komfortable Polsterung. Auf unserer Testfahrt erwies sich die Kombination aus Sitz und Fahrwerk als ausgesprochen langstreckentauglich. Dazu kommt im Takumi Plus die bereits erwähnte Sitzklimatisierung.
Ein Punkt stört allerdings deutlich: Der Beifahrersitz lässt sich nicht in der Höhe verstellen. Gerade bei einem großen Fahrzeug, das auch mit seinem Reisekomfort überzeugen möchte, gehört eine solche Einstellmöglichkeit für uns schlicht dazu. Unterschiedliche Körpergrößen lassen sich eben nicht allein über Lehnenwinkel und Längsverstellung sinnvoll ausgleichen. Hier sollte Mazda nachbessern.
Die Geräuschdämmung trägt ebenfalls zum Komfort bei. Mazda setzt unter anderem auf Verbundverglasung, bei der zwei Glasschichten über eine Folie miteinander verbunden sind. Eine solche Akustikverglasung kann Außen- und Windgeräusche reduzieren. In unserer Messung lagen wir bei 50 km/h bei ungefähr 59 dB, bei höheren Geschwindigkeiten um 70 bis 100 km/h ungefähr im Bereich von 63 bis 65 dB. Solche Messungen hängen stark von Fahrbahnbelag, Wetter, Reifen und Messgerät ab und sind deshalb keine Laborwerte. Trotzdem decken sie sich mit unserem subjektiven Eindruck: Besonders bei Tempo 100 bleibt der Mazda angenehm ruhig und Windgeräusche halten sich zurück.
Wie viel Platz bietet der Mazda CX-6e in der zweiten Reihe?
Hier macht sich der Radstand von 2,90 Metern bezahlt. Selbst hinter einem auf einen rund 1,85 Meter großen Fahrer eingestellten Vordersitz bleibt reichlich Beinfreiheit. Auch der Einstieg gelingt dank der SUV-typischen Sitzhöhe angenehm. Die Rückbank selbst ist weich gepolstert und lädt eher zum Reisen als zum bloßen Mitfahren ein.
Bemerkenswert ist außerdem, dass Mazda die Materialqualität hinten nicht drastisch reduziert. Genau das passiert selbst bei teureren Fahrzeugen häufiger. Vorne weiche Materialien, hinten dann plötzlich großflächiger Hartkunststoff. Beim CX-6e bleibt der Qualitätsanspruch dagegen weitgehend erhalten. Dazu kommen eine eigene Klimazone sowie Sitzheizung und Sitzbelüftung für die äußeren Plätze.
Nicht perfekt ist die Versorgung mit USB-Anschlüssen. Ein einzelner USB-C-Port hinten erscheint uns bei einem großen Familienauto etwas knapp bemessen. Sind mehrere Personen mit Smartphone, Tablet oder anderen Geräten unterwegs, wären zwei Anschlüsse die deutlich praktischere Lösung.
Drei ISOFIX-Möglichkeiten, zwei hinten und zusätzlich eine auf dem Beifahrersitz, erweitern dagegen die Familientauglichkeit. ISOFIX bezeichnet ein standardisiertes Befestigungssystem für Kindersitze, bei dem der Sitz direkt mit festen Verankerungspunkten der Fahrzeugstruktur verbunden wird.
Macht das große Glasdach den Innenraum im Sommer zur Sauna?
Ein riesiges Panoramaglasdach sorgt für ausgesprochen viel Licht und verstärkt das ohnehin großzügige Raumgefühl. Entscheidender ist allerdings, dass Mazda einen richtigen Sonnenschutz eingebaut hat. Das Rollo kann die Glasfläche vollständig abschatten.
Das klingt selbstverständlich, ist es bei modernen Elektroautos aber längst nicht mehr. Einige Hersteller verlassen sich ausschließlich auf stark getöntes oder beschichtetes Glas. Das reduziert zwar die Sonneneinstrahlung, verhindert aber nicht vollständig, dass sich die Scheibe bei intensiver Sonne aufheizt und Wärme in Richtung der Köpfe abstrahlt. Ein physisches Rollo ist aus unserer Sicht deshalb weiterhin die beste Lösung. Mazda hat daran erfreulicherweise gedacht.
Wie komfortabel fährt der Mazda CX-6e?
Der CX-6e ist kein Fahrzeug, bei dem wir nach den ersten Kilometern sofort nach der nächsten kurvigen Passstraße suchen würden. Und das ist überhaupt nicht negativ gemeint. Mazda hat dieses Auto offensichtlich als komfortablen Cruiser abgestimmt. Bodenwellen und schlechtere Straßen werden ordentlich verarbeitet, das hohe Fahrzeuggewicht wird dabei gut kontrolliert.
Das Fahrwerk besitzt genügend Straffheit, damit das Auto nicht unangenehm nachschwingt, versucht aber gleichzeitig nicht krampfhaft, sportlich zu wirken. Für ein großes Familien-SUV halten wir diesen Weg für genau richtig. Wer ein besonders aggressives Einlenkverhalten und maximale Karosseriekontrolle erwartet, wird vielleicht etwas mehr Härte vermissen. Für Stadtverkehr, Landstraße und lange Autobahnetappen passt die Abstimmung dagegen sehr gut.
Gemeinsam mit den bequemen Sitzen und dem niedrigen Geräuschniveau entsteht so ein Auto, mit dem wir uns problemlos längere Reisen vorstellen können. Gerade hier wirkt der Mazda erfreulich erwachsen.
Wie gut funktionieren die Assistenzsysteme?
Auch hier überrascht uns der Mazda positiv. Spurhalteassistent, Lenkunterstützung und Abstandsregeltempomat arbeiteten auf unserer Teststrecke überwiegend sauber. Der Abstandsregeltempomat, häufig auch Adaptive Cruise Control genannt, hält nicht nur eine gewählte Geschwindigkeit, sondern berücksichtigt zusätzlich den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.
Auf der Landstraße hielt der Mazda die Spur auch auf unruhigerem Asphalt sauber und blieb selbst in Kurven angenehm mittig. Wichtig ist dabei der Begriff teilautomatisiert. Das Fahrzeug übernimmt bestimmte Aufgaben, die Verantwortung bleibt aber weiterhin beim Fahrer. Kameras überwachen zusätzlich dessen Aufmerksamkeit.
Interessant war die automatische Anpassung an erkannte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Eine Reduzierung von 100 auf 70 km/h wurde erkannt und umgesetzt, allerdings erst relativ spät. Genau hier wünschen wir uns mehr prädiktives Verhalten. Prädiktiv bedeutet vorausschauend. Wenn Kartendaten und Kamerasystem bereits wissen, dass in wenigen Metern eine niedrigere Begrenzung beginnt, könnte das Fahrzeug so verzögern, dass die neue Geschwindigkeit bereits am Schild erreicht ist. Beim anschließenden Wechsel zurück auf 100 km/h funktionierte die Reaktion in unserem Test tatsächlich vorausschauender.
Warum lässt sich die Rekuperation nicht immer frei einstellen?
Ein etwas eigenwilliges Detail betrifft die Rekuperation. Rekuperation bezeichnet die Rückgewinnung von Bewegungsenergie beim Verzögern. Statt diese Energie ausschließlich über die mechanischen Bremsen in Wärme umzuwandeln, arbeitet der Elektromotor dabei als Generator und lädt einen Teil der Energie zurück in die Batterie.
Im Mazda lassen sich unterschiedliche Rekuperationsstufen auswählen, allerdings nicht in jedem Fahrprogramm frei. Erst im Individualmodus stehen verschiedene Intensitäten zur Verfügung. Das finden wir unnötig kompliziert. Gerade Fahrer, die gerne mit stärkerer oder schwächerer Verzögerung arbeiten, sollten diese Einstellung unabhängig vom Fahrmodus wählen können. Mazda verfolgt möglicherweise das Ziel, in anderen Programmen automatisch möglichst effizient zu arbeiten. Trotzdem wäre mehr Freiheit für den Fahrer aus unserer Sicht die bessere Lösung.
Helfen digitale Außenspiegel im Alltag wirklich?
Unser Takumi Plus war mit digitalen Außenspiegeln ausgestattet. Statt eines klassischen Spiegelglases sitzt außen eine Kamera, deren Bild auf Displays im Innenraum übertragen wird. Solche Systeme können aerodynamische Vorteile bieten und ermöglichen zusätzliche Darstellungsmöglichkeiten. Gleichzeitig benötigen sie Eingewöhnung, weil der Blick plötzlich nicht mehr auf einen Spiegel außerhalb, sondern auf einen Bildschirm im Innenraum fällt.
Mazda nutzt die Technik allerdings clever. Beim Einlegen des Rückwärtsgangs verändert sich beispielsweise der Bildausschnitt und zeigt einen größeren Bereich inklusive Rad beziehungsweise Bordsteinkante. Das reduziert das Risiko, beim Einparken die Felge zu beschädigen. Zusätzlich unterstützt ein sehr gutes 360-Grad-Kamerasystem. Der CX-6e lässt sich virtuell aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, ergänzt um Draufsicht und Hilfslinien. Gerade bei fast 4,90 Metern Fahrzeuglänge ist das keine Spielerei, sondern eine echte Hilfe.
Auch der Innenspiegel kann zwischen analoger und digitaler Darstellung umgeschaltet werden. Besonders interessant ist, dass sich die digitale Darstellung in Höhe, Winkel und Helligkeit anpassen lässt. Nach kurzer Eingewöhnung haben wir den digitalen Rückspiegel tatsächlich häufiger verwendet als erwartet.
Was macht der Mazda CX-6e besser als erwartet?
Vor unserem ersten Kontakt hätten wir vor allem ein weiteres großes Elektro-SUV erwartet. Nach der Testfahrt bleibt ein differenzierteres Bild. Mazda hat mehrere Details erstaunlich konsequent gelöst. Der 80-Liter-Frunk ist wirklich nutzbar. Das Interieur besitzt in der Takumi-Plus-Ausstattung eine für diese Preisklasse beachtliche Materialqualität. Die Sitze sind bequem, die Rückbank ist geräumig, das Fahrwerk harmonisch und die Geräuschdämmung überzeugend.
Dazu kommt eine umfangreiche Digitalisierung, die für Mazda fast radikal wirkt. Digitale Spiegel, großes Infotainment, Augmented-Reality-Head-up-Display, Fahrerüberwachung und ein aufwendiges Kamerasystem lassen den CX-6e moderner wirken als viele bisherige Modelle der Marke. Trotzdem fühlt sich das Auto nicht wie eine unfertige Softwareplattform auf Rädern an. Viele Funktionen sind nachvollziehbar angeordnet und arbeiten bereits beim ersten Kennenlernen erfreulich unkompliziert.
Auch der Antrieb passt zum Gesamtpaket. 258 PS reichen vollkommen aus, die 78-kWh-Batterie besitzt eine vernünftige Größe und 200 kW maximale Ladeleistung ergeben zusammen mit den genannten rund 24 Minuten von zehn auf 80 Prozent ein langstreckentaugliches Gesamtpaket.
Wo liegen die Schwächen des Mazda CX-6e?
Ganz ohne Kritik geht es natürlich nicht. Der nicht höhenverstellbare Beifahrersitz gehört für uns zu den unnötigsten Sparmaßnahmen. Bei einem Fahrzeug dieser Größe und Preisklasse sollte eine solche Basisfunktion selbstverständlich sein. Auch beim Kofferraum hätten wir uns eine variablere Rückbank oder zumindest eine Durchladeöffnung gewünscht. Ein weiterer USB-C-Anschluss im Fond wäre ebenfalls sinnvoll. Beim induktiven Laden vorne dürfte es gerne zwei Ladeflächen geben.
Die Rekuperation sollte unabhängig vom gewählten Fahrmodus einstellbar sein. Außerdem reagieren Teile der automatischen Geschwindigkeitsanpassung noch nicht so vorausschauend, wie wir es uns von einem modernen Assistenzsystem wünschen würden.
Die Entscheidung gegen ein klassisches Fahrerdisplay wird die Kundschaft vermutlich teilen. Uns reicht das Head-up-Display weitgehend aus, andere werden genau dort ein Instrument vermissen. Die digitalen Außenspiegel sind ebenfalls eine Frage der Gewöhnung und nicht zwangsläufig für jeden Fahrer die bessere Lösung.
Und dann wäre da noch die teilweise etwas übereifrige Sprachbedienung, die uns während der Fahrt gelegentlich störte. Ein Sprachassistent ist nur dann hilfreich, wenn er angesprochen wird. Meldet er sich zu häufig ungefragt, wird aus einem Komfortfeature schnell ein Nervfaktor.
Ist der Mazda CX-6e am Ende ein richtig guter Mazda geworden?
Nach unserer ersten ausführlichen Begegnung lautet die Antwort überraschend klar: Der Mazda CX-6e ist vor allem ein ziemlich gutes Elektroauto geworden. Dabei spielt es letztlich eine untergeordnete Rolle, wie viel klassische Mazda-Technik und wie viel Entwicklungsarbeit des chinesischen Kooperationspartners unter der Karosserie steckt. Entscheidend ist das Ergebnis. Und dieses Ergebnis überzeugt uns in vielen Bereichen. Das Design besitzt Eigenständigkeit, das Platzangebot passt zur Fahrzeuggröße, die Verarbeitung unseres Takumi Plus liegt auf einem erstaunlich hohen Niveau und die Komfortausstattung geht teilweise deutlich über das hinaus, was wir rund um die 50.000-Euro-Marke erwarten würden. Der Frunk ist groß, das Kamerasystem hervorragend, die digitalen Spiegel bieten tatsächlich funktionale Vorteile und das Infotainment wirkt trotz der enormen Bildschirmfläche weitgehend logisch aufgebaut.
Noch wichtiger ist für uns allerdings, dass der CX-6e fährt wie ein Auto, das seinen Einsatzzweck verstanden hat. Er versucht nicht, ein über zwei Tonnen schweres Familien-SUV zum Sportwagen zu erklären. Stattdessen setzt Mazda auf Komfort, Laufruhe, ausreichend Leistung und ein harmonisches Fahrwerk. Genau dadurch wirkt das Gesamtpaket schlüssig. Natürlich bleibt Potenzial für Verbesserungen. Ein höhenverstellbarer Beifahrersitz sollte selbstverständlich sein, die Rekuperation dürfte flexibler einstellbar sein und bei einigen Details im Innenraum könnte Mazda noch nacharbeiten. Nichts davon verändert allerdings unseren grundsätzlich sehr positiven Gesamteindruck.
In Summe gehört der Mazda CX-6e nach unserer ersten Testfahrt zu den interessantesten großen Elektro-SUV in seinem Preisbereich. Besonders die Kombination aus Ausstattung, Materialqualität, Raumangebot, Komfort und moderner Technik macht ihn spannend. Wer Mazda bislang vor allem mit vergleichsweise konventionellen Cockpits und einer eher vorsichtigen Digitalisierung verbunden hat, dürfte beim CX-6e ziemlich überrascht sein. Wahrscheinlich ist er derzeit eines der modernsten und digitalsten Fahrzeuge, die Mazda im Programm hat.
Und genau deshalb lohnt sich auch der Blick ins Video. Dort lässt sich nicht nur nachvollziehen, wie der Mazda CX-6e innen und außen wirkt, sondern auch, wie die digitalen Spiegel, das Kamerasystem, das Infotainment und die Assistenzfunktionen im realen Betrieb arbeiten. Denn bei diesem Auto steckt ein großer Teil der eigentlichen Geschichte nicht allein in seinen technischen Daten. Entscheidend ist, wie erstaunlich geschlossen das Gesamtpaket bereits beim ersten Kennenlernen wirkt. Der Mazda CX-6e wollte in unserem Test zeigen, dass Mazda-Anspruch und moderne Elektromobilität miteinander funktionieren können. Nach dieser ersten Fahrt würden wir sagen: Das gelingt deutlich besser, als wir vor dem Einsteigen erwartet hätten.






















