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Test: MG S9 PHEV – Gibt es bei diesem Preis eine Alternative?

MG S9 PHEV Fahrbericht

Der MG S9 PHEV ist eines dieser Fahrzeuge, bei denen man zunächst kurz innehält. Fast fünf Meter lang, bis zu sieben Sitzplätze, 100 Kilometer elektrische Reichweite, große Batterie, viel Ausstattung, 2 Tonnen Anhängelast und ein Einstiegspreis von 44.990 Euro. Das klingt auf dem Papier fast zu gut, um wahr zu sein. Im Test zeigt sich aber schnell: MG meint es ernst.

Warum ist der MG S9 PHEV für fast alle Autofahrer interessant?

Weil er ein Problem löst, das viele Menschen beim Umstieg auf Elektromobilität noch immer beschäftigt. Der Alltag soll elektrisch funktionieren, aber die große Reise soll ohne Ladeplanung, ohne Reichweitenangst und ohne Diskussionen am Schnelllader möglich bleiben.

Genau hier setzt der Plugin Hybrid an. Ein Plug-in-Hybrid kombiniert einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor und einer größeren Batterie, die extern geladen werden kann. Anders als ein klassischer Hybrid fährt er nicht nur kurze elektrische Strecken, sondern kann im Idealfall den kompletten Alltag lokal emissionsfrei erledigen. Beim MG S9 PHEV sind bis zu 100 Kilometer elektrische Reichweite möglich. Das reicht für viele Pendelstrecken, den Schulweg, den Einkauf, den Weg zur Arbeit und den Wochenendbesuch in der Umgebung.

Welche Technik steckt im MG S9?

Der MG S9 Plugin Hybrid nutzt einen 1,5 Liter Vierzylinder Benziner mit 105 kW beziehungsweise 142 PS und 311 Newtonmeter Drehmoment. Dazu kommt ein Elektromotor mit 170 kW beziehungsweise 231 PS und 390 Newtonmeter Drehmoment. Zusammen ergibt das eine Systemleistung von 220 kW beziehungsweise 299 PS.

Wichtig ist dabei der Begriff Systemleistung. Die Leistung von Verbrenner und Elektromotor wird nicht einfach stumpf addiert, weil beide Antriebe ihre maximale Leistung nicht immer gleichzeitig im selben Drehzahlbereich abgeben. Die Systemleistung beschreibt also das, was das komplette Antriebssystem gemeinsam tatsächlich bereitstellen kann.

Der Akku bietet 24,7 kWh brutto und 23,2 kWh netto nutzbare Kapazität. Netto bedeutet: Diese Energie kann der Fahrer tatsächlich verwenden. Ein kleiner Teil bleibt als Schutzreserve im Akku, damit die Batterie nicht tiefentladen wird und langfristig geschont bleibt.

Wie groß ist der MG S9?

Der MG S9 ist kein kleines Auto. Mit 4,98 Metern Länge, 1,96 Metern Breite, 2,23 Metern Breite inklusive Außenspiegeln, 1,77 Metern Höhe und einem Radstand von 2,91 Metern steht hier ein richtig großes SUV. Trotzdem bleibt der Wendekreis mit 11,50 Metern für diese Fahrzeuggröße erfreulich handlich.

Das Leergewicht liegt bei 2.160 Kilogramm. Das klingt viel, ist für ein großes siebensitziges SUV mit Verbrenner, Elektromotor und großer Plugin Batterie aber nicht überraschend. Entscheidend ist, wie gut MG dieses Gewicht im Fahrwerk kaschiert.

Wie wirkt der MG S9 von außen?

Optisch tritt der MG S9 selbstbewusst auf. Die Front ist breit, bullig und deutlich präsenter als bei kleineren MG Modellen. Der Kühlergrill zeigt sofort, dass hier noch ein Verbrennungsmotor an Bord ist. Dazu kommen eine markante Tagfahrlichtsignatur und LED Scheinwerfer mit automatischer Auf und Abblendfunktion.

Die 20 Zoll Räder wirken passend dimensioniert. Größer geht immer, aber bei einem Familien SUV ist die Balance aus Optik, Komfort und Reifenkosten wichtiger als reine Show. Am Heck gefallen die LED Rückleuchten und die kräftige Gestaltung. Weniger elegant gelöst sind die große Haifischflosse auf dem Dach und der sichtbare Heckscheibenwischer. Funktional ist das sinnvoll, optisch hätte man beides eleganter integrieren können.

Wie praktisch ist der Kofferraum?

Der MG S9 PHEV ist als Siebensitzer ausgelegt. Wenn alle drei Sitzreihen genutzt werden, bleiben noch 332 Liter Ladevolumen übrig. Das ist für Urlaubsgepäck von sieben Personen natürlich knapp, aber für Alltag, Schulranzen oder Einkauf immer noch brauchbar.

Wer die dritte Sitzreihe umklappt, bekommt einen deutlich größeren Kofferraum. Dann wird der MG S9 zum echten Familienlaster. Besonders praktisch sind Verzurrösen, Beleuchtung und zusätzlicher Stauraum unter dem Ladeboden. Eine 12 Volt Steckdose mit 120 Watt ist vorhanden, eine richtige 230 Volt Steckdose hätte dem Fahrzeug aber gut gestanden.

Die Rücksitze lassen sich 40 zu 60 umklappen. Eine zusätzliche Durchlade für Ski oder lange Gegenstände gibt es nicht. Das ist schade, weil gerade ein großes Familien SUV auch für Winterurlaub und lange Ausrüstung prädestiniert wäre.

MG S9 PHEV Fahrbericht

Wie familientauglich ist der MG S9?

Sehr. Und das ist vielleicht eine seiner größten Stärken. Die zweite Sitzreihe bietet viel Platz, lässt sich verschieben und in der Lehnenneigung verstellen. Die dritte Sitzreihe ist eher für Kinder, Jugendliche oder kurze Strecken geeignet. Erwachsene mit 1,85 Metern können dort zwar Platz nehmen, wirklich komfortabel wird es aber nur, wenn die zweite Reihe etwas nach vorne rückt.

Wichtig für Familien: Isofix gibt es in der zweiten Sitzreihe, nicht aber in der dritten Reihe. Für manche Familien wäre genau das ein entscheidender Punkt, denn einige Wettbewerber bieten auch ganz hinten Isofix Befestigungen.

Dafür punktet der MG S9 mit Lüftungsdüsen bis in die dritte Reihe, USB C Anschluss hinten und einer separaten Klimazone für den Fond. Das zeigt, dass MG den S9 nicht nur als großen Kofferraum, sondern tatsächlich als Familienauto gedacht hat.

Wie hochwertig ist der Innenraum?

Der Innenraum überrascht. Doppelverglasung, Ambientebeleuchtung, sauber gestaltete Türverkleidungen, große Displays, Bose Soundsystem, Massagefunktion, Sitzbelüftung, Sitzheizung und ein großes Panorama Glasschiebedach. Für unter 50.000 Euro ist das schon eine sehr üppige Ausstattung.

Natürlich gibt es auch harte Kunststoffe. Besonders im unteren Türbereich und an Einstiegsleisten muss man mit Gebrauchsspuren rechnen. Aber insgesamt wirkt der Materialmix deutlich hochwertiger, als es der Preis erwarten lässt. Ein Head up Display fehlt leider. Gerade bei einem großen Reise SUV wäre es sinnvoll gewesen, Geschwindigkeit, Assistenzsysteme und Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld zu projizieren.

Wie gut ist die Bedienung?

MG setzt auf eine große Displaylandschaft mit digitalem Fahrerdisplay und großem Infotainment. Apple CarPlay und Android Auto sind an Bord, sowohl kabellos als auch kabelgebunden. Dazu kommen physische Schnellzugriffe für wichtige Klimafunktionen. Das ist gut, weil reine Touch Bedienung während der Fahrt oft ablenkt.

Sehr schön: Sitzheizung, Sitzbelüftung und Massagefunktion sind in mehreren Stufen verfügbar. Auch die Fondklimatisierung lässt sich vorn steuern und bei Bedarf sperren, damit Kinder hinten nicht ständig an der Temperatur spielen. Etwas kurios wirkt die induktive Ladefläche, die im Test eher auf der Beifahrerseite sinnvoll nutzbar war. Das wirkt, als hätte man ein Detail aus einer Rechtslenker Architektur nicht vollständig auf Linkslenker angepasst.

Wie fährt sich der MG S9 PHEV?

Der MG S9 ist kein Sportwagen und will auch keiner sein. Er ist ein großer, komfortabler Reise SUV. Genau so fährt er sich auch. In der Stadt wirkt er gut gedämmt, übersichtlich und trotz seiner Größe erstaunlich handlich. Das 360 Grad Kamerasystem hilft beim Rangieren, die Frontkamera ist im Alltag besonders wertvoll, weil man bei fast fünf Metern Länge sehr froh über jede zusätzliche Sichtunterstützung ist.

Auf der Autobahn zeigt sich der Plugin Hybrid kräftig genug. Im Sportmodus reagiert der Antrieb spontaner, und mit 299 PS Systemleistung geht es zügig voran. 0 auf 100 km/h schafft der MG S9 in 9,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h.

In schnellen Kurven merkt man das Gewicht und die Aufbauhöhe. Es gibt Wank und Neigebewegungen. Das ist bei einem großen SUV normal. Wer einen Kurvenräuber sucht, ist hier falsch. Wer einen komfortablen Familien Cruiser sucht, dürfte dagegen sehr zufrieden sein.

Wie leise ist der MG S9?

Hier überrascht der MG S9 massiv. Bei 50 km/h wurden nur 55 bis 56 Dezibel gemessen, bei 70 km/h rund 59 bis 60 Dezibel und bei 100 km/h etwa 64 bis 65 Dezibel. Das ist extrem leise.

Besonders beeindruckend ist, wie unauffällig sich der Verbrennungsmotor zuschaltet. Viele Plugin Hybride wirken im Elektromodus angenehm, werden aber laut und rau, sobald der Benziner anspringt. Beim MG S9 passiert das sehr dezent. Die Dämmung im Motorraum, die Doppelverglasung und die insgesamt gute akustische Abschirmung leisten hier richtig gute Arbeit.

MG S9 PHEV Fotos

Wie effizient ist der MG S9 PHEV?

Offiziell nennt MG einen kombinierten WLTP Verbrauch von 2,4 Litern Benzin und 21,3 kWh Strom pro 100 Kilometer. Solche Plugin Hybrid Werte muss man immer erklären. Sie entstehen aus einem genormten Prüfzyklus, bei dem das Fahrzeug mit voller Batterie startet und einen großen Teil der Strecke elektrisch fährt. Im Alltag hängt der reale Verbrauch extrem davon ab, ob regelmäßig geladen wird.
Wer den MG S9 täglich lädt und vor allem kurze Strecken fährt, kann sehr lange fast rein elektrisch unterwegs sein. Wer ihn nie lädt, fährt dagegen ein schweres Benzin SUV mit Hybridtechnik spazieren und verschenkt den größten Vorteil des Konzepts.

Im Test wurden zeitweise 15,7 kWh pro 100 Kilometer und rund 1 Liter Benzin pro 100 Kilometer angezeigt. Das sind Momentaufnahmen, aber sie zeigen, dass der MG S9 bei passender Nutzung sehr effizient bewegt werden kann.

Wie weit kommt der MG S9 PHEV?

Elektrisch sollen bis zu 100 Kilometer möglich sein. Dazu kommt ein 65 Liter Benzintank. Im Test wurden bei vollem Tank zusätzlich rund 760 Kilometer Restreichweite angezeigt. Realistisch dürfte die Gesamtreichweite mit voller Batterie und vollem Tank im Bereich von etwa 800 bis 850 Kilometern liegen.
Das ist genau der Punkt, an dem ein Plugin Hybrid für viele Menschen attraktiv bleibt. Im Alltag fährt man elektrisch, auf der Langstrecke tankt man schnell nach und fährt weiter.

Was kann der MG S9 ziehen?

Die Anhängelast liegt bei bis zu 2 Tonnen gebremst bei 12 Prozent Steigung. Das ist für ein großes Familien SUV ein wichtiger Wert. Wohnwagen, Pferdeanhänger oder größere Transportanhänger sind damit grundsätzlich möglich. Die Stützlast beträgt 100 Kilogramm. Damit lassen sich auch Fahrradträger mit schweren Pedelecs deutlich entspannter nutzen als bei vielen kleineren Elektroautos. Die dynamische Dachlast liegt bei 75 Kilogramm. Dachbox, Skibox oder zusätzlicher Gepäckträger sind also ebenfalls möglich.

Was kostet der MG S9 PHEV?

Der Einstiegspreis liegt bei 44.990 Euro. Die Premium Ausstattung startet bei 48.790 Euro. Zusätzlich wurde bis Ende Juni 2026 ein Barkaufbonus von 4.500 Euro genannt, der möglicherweise auch auf Leasingangebote angerechnet werden kann. Damit wird der MG S9 preislich extrem interessant. Denn ein fast fünf Meter langes SUV mit sieben Sitzen, Plugin Hybrid Technik, 100 Kilometer elektrischer Reichweite, viel Ausstattung, 2 Tonnen Anhängelast und dieser Innenraumqualität findet man in dieser Preisklasse nur schwer.

Wo liegen die Schwächen?

Perfekt ist der MG S9 nicht. Ein Head up Display fehlt. Die dritte Sitzreihe ist eher für Kinder oder kurze Strecken geeignet. Isofix gibt es nicht in Reihe drei. Eine Durchladefunktion im Kofferraum fehlt ebenfalls. Manche Kunststoffe sind hart, die große Haifischflosse wirkt optisch unnötig und die induktive Ladefläche ist merkwürdig positioniert. Aber das sind keine Punkte, die das Auto grundsätzlich ruinieren. Sie zeigen nur, dass auch MG nicht zaubern kann.

Ist der MG S9 Plugin Hybrid ein echter Preis-Leistungs-Knaller?

Ja. So nüchtern muss man es sagen. Der MG S9 Plugin Hybrid bietet sehr viel Auto fürs Geld. Er kombiniert elektrisches Alltagsfahren mit langstreckentauglicher Gesamtreichweite, bietet Platz für bis zu sieben Personen, fährt sehr leise, wirkt erstaunlich hochwertig und bringt eine Ausstattung mit, die man in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich erwarten darf. Für Elektroauto Fahrer, die eigentlich vollelektrisch denken, aber noch ein großes Familienauto mit maximaler Flexibilität suchen, kann der MG S9 eine sehr interessante Brückenlösung sein. Entscheidend ist aber die Nutzung. Wer regelmäßig lädt, bekommt ein sehr sparsames, komfortables und familientaugliches Auto. Wer nicht lädt, sollte besser ehrlich zu sich selbst sein und ein anderes Konzept wählen. Genau darin liegt die Wahrheit des Plugin-Hybrids. Er ist nur so gut wie seine Nutzer. Der MG S9 liefert dafür aber eine verdammt starke Grundlage.

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