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Test: Nissan Ariya Nismo – was macht ihn so besonders?

Was kann der Nissan Ariya Nismo und warum ist er für uns so spannend? Diese Fragen klären wir in unserem Testbericht, denn manchmal dauert es ein bisschen, bis ein Auto bei uns auf dem Hof steht. Umso schöner ist es, wenn es dann nicht irgendeine Variante ist, sondern gleich die mit dem dicksten Ausrufezeichen. Genau das ist hier passiert. Wir haben endlich den Nissan Ariya bekommen und zwar als Nismo. Das ist bei Nissan nicht einfach nur ein sportlicher Schriftzug, sondern traditionell die Ansage, dass hier mehr passiert als ein anderer Stoßfänger und ein paar rote Linien. Der Ariya Nismo ist die sportlichste und performantere Ausbaustufe dieses Elektro SUV und er kombiniert Allradantrieb, kräftige Leistung und eine auffallend konsequente Detailarbeit an Optik und Innenraum.

Was daran so interessant ist, ist diese Mischung aus Alltag und Anspruch. Denn der Ariya Nismo will nicht nur gut aussehen, sondern im Fahrbericht liefern. Und genau das schauen wir uns an, von außen nach innen und dann auf die Straße, so wie ihr das von uns kennt. Keine Lust viel zu lesen? Dann schaut und hört euch doch einfach unser Nissan Ariya Nismo Testvideo an:

Was fällt am Ariya Nismo von außen sofort auf?

Auf den ersten Blick könnte man ihn für einen normalen Ariya halten, weil die Grundform natürlich bleibt. Doch sobald man näher dran ist, zeigt sich, wo Nissan nachgeschärft hat. Die Front wirkt deutlich aggressiver, vor allem durch den ausgeprägten Frontspoiler, der wie eine breite Lippe unter der Stoßstange sitzt. Dazu kommt die typische Nismo Signatur mit einer roten Linie in Kombination mit schwarz glänzenden Elementen. Diese optische Linie ist nicht nur Deko, sie soll den Wagen breiter und flacher wirken lassen und genau das gelingt.

Die Scheinwerfer tragen diese kristallige, diamantartige Optik, die dem Ariya ohnehin schon einen modernen Look gibt. Darunter sitzen Tagfahrlicht und angedeutete Luftkanäle, die als Air-Curtains ausgeführt sind. Air-Curtains sind im Prinzip Luftleitkanäle, die den Luftstrom gezielt an den Radhäusern vorbeiführen sollen. Das kann je nach Ausführung den Luftwiderstand reduzieren und damit Effizienz und Stabilität unterstützen, mindestens aber signalisiert es, dass man sich aerodynamisch Gedanken gemacht hat.

Dazu passen die 20 Zoll Räder, die den Wagen optisch satt auf die Straße stellen. Die Bremsanlage dahinter ist nicht nur Show, sie muss bei einem schweren Elektro SUV auch wirklich arbeiten können, weil Leistung zwar Spaß macht, aber am Ende immer auch kontrolliert werden muss. Auch an der Seite bleibt die Linie konsequent. Schwarzes Dach, schwarz glänzende Schweller und die rote Nismo Linie ziehen sich wie ein roter Faden durch. Chrom spielt hier praktisch keine Rolle, der Look ist sportlich, dunkel, bewusst.

Nissan Ariya Nismo Exterieur Fotos

Was macht das Heck so typisch Nismo?

Hinten zeigt der Ariya Nismo, dass Nissan nicht nur vorne Krawall kann. Ganz unten sitzt ein markanter Heckdiffusor. Ein Diffusor ist ein aerodynamisches Bauteil, das den Luftstrom unter dem Auto beruhigen und den Abtrieb beziehungsweise die Stabilität verbessern kann, zumindest im Zusammenspiel mit dem restlichen Unterboden. Im Alltag ist der Effekt je nach Geschwindigkeit und Fahrzeugkonzept begrenzt, aber optisch wirkt es stimmig und die Botschaft ist klar.

Dazu kommt der Schriftzug Ariya e-4ORCE. e-4ORCE ist Nissans Bezeichnung für den elektrischen Allradantrieb. Gemeint ist damit nicht eine mechanische Kardanwelle wie beim klassischen Allrad, sondern zwei Elektromotoren, einer an der Vorderachse und einer an der Hinterachse. Der Vorteil an so einem elektrischen Allrad ist, dass die Kraftverteilung extrem schnell geregelt werden kann, weil Elektromotoren ihre Leistung sehr spontan bereitstellen und das System über Software fein dosieren kann. Gerade auf feuchter Straße oder bei zügiger Kurvenfahrt kann das ein echtes Plus an Traktion und Stabilität sein.

Ganz oben sitzt eine Abrisskante an der Heckklappe. Abrisskante bedeutet, dass die Luft gezielt an einer definierten Kante abreißen soll. Das reduziert Verwirbelungen und kann den Luftwiderstand verbessern. Und ganz ehrlich, es sieht einfach gut aus, weil das Heck dadurch definierter wirkt.

Weniger elegant ist wie bei vielen Herstellern die Haifischflosse. Technisch ist sie unkritisch, aber man darf schon fragen, warum man diese Antennentechnik nicht längst komplett unsichtbar integriert. Beim Nismo fällt sie allerdings weniger ins Gewicht, weil die Gesamtwirkung so stark ist.

Welche technischen Daten sind beim Ariya Nismo entscheidend?

Der Ariya Nismo trifft mit 4,60 Metern Länge ziemlich genau die Größenordnung, die viele im Alltag als ideal empfinden, weil er ausreichend Platz bietet, aber nicht wie ein Schiff wirkt. Die Breite liegt bei 1,85 Metern ohne Außenspiegel und bei 2,17 Metern mit Außenspiegeln. Die Höhe beträgt 1,65 Meter, also klassisch SUV, und der Radstand liegt bei 2,78 Metern. Radstand ist dabei immer ein guter Hinweis auf Innenraumgefühl und Laufruhe, weil ein längerer Radstand häufig für mehr Platz und stabileres Abrollen sorgt.

Spannend ist der Wendekreis von 10,8 Metern. Wendekreis heißt ganz simpel, wie viel Platz das Auto benötigt, um einmal komplett zu drehen. Für knapp 4,60 Meter Länge ist das ein richtig brauchbarer Wert, der im urbanen Alltag und beim Rangieren spürbar hilft.

Das Leergewicht liegt bei 2.277 Kilogramm. Das ist schwer, aber bei einem Elektro SUV mit großem Akku und Allrad leider normal. Wichtig ist deshalb die Zuladung, die bei 363 Kilogramm liegt. Das reicht für Alltag, Familie und Gepäck, aber man merkt auch hier, dass Gewicht bei Elektroautos immer mitgedacht werden muss. Die Dachlast beträgt 75 Kilogramm, also das, was ihr aufs Dach packen dürft, etwa für eine Dachbox. Dazu kommt optional eine Anhängerkupplung. Gebremst sind bis zu 1,5 Tonnen möglich, wenn man eine Steigung von 12 Prozent zugrunde legt, ungebremst sind es 750 Kilogramm. Die Stützlast liegt bei 75 Kilogramm, also die Last, die auf der Kupplung nach unten drücken darf. Gerade für Fahrradträger mit schweren E Bikes kann das knapp werden, weil Trägergewicht plus Bikegewicht schnell Richtung Limit geht. Da wäre für eine Zukunftswunschliste durchaus Luft nach oben.

Bei der Leistung wird es dann sehr eindeutig. Nissan nennt eine Systemleistung von 320 kW, das entspricht 435 PS, und ein maximales Drehmoment von 600 Newtonmetern. Drehmoment ist am Ende das, was euch dieses spontane Schieben gibt, das Elektroautos so besonders macht. Der Sprint von 0 auf 100 km/h soll in 5,0 Sekunden gelingen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 200 km/h. Damit ist klar, dass der Nismo nicht nur Optik, sondern auch Tempo kann.

Der Akku kommt mit 90 kWh brutto, davon 87 kWh netto. Brutto ist die gesamte physische Kapazität, netto ist das, was davon tatsächlich nutzbar ist. Hersteller lassen meist einen Puffer stehen, damit der Akku langlebiger bleibt und nicht permanent am absoluten Limit betrieben wird. Geladen wird auf der Beifahrerseite. Wechselstromladen, also AC, ist serienmäßig mit 11 kW möglich und optional mit 22 kW. Der Unterschied ist im Alltag riesig, weil 22 kW die Ladezeit am passenden Ladepunkt deutlich reduziert und bei vielen Nutzungsprofilen den Unterschied zwischen bequem und nervig machen kann.

Beim Schnellladen mit Gleichstrom, also DC, arbeitet der Ariya Nismo im 400 Volt System und zieht bis zu 130 kW. Nissan nennt für 10 auf 80 Prozent etwa 30 Minuten. Das ist ordentlich, aber nicht mehr Benchmark. Viele neuere Modelle laden inzwischen schneller, wobei am Ende nicht nur die Peakleistung zählt, sondern auch die Ladekurve, also wie lange er diese Leistung hält. Die reine Zahl ist deshalb nur der Einstieg, aber für die Einordnung reicht sie: alltagstauglich, jedoch nicht Spitzenklasse.

Der Grundpreis liegt bei 63.990 Euro. Das ist eine klare Ansage, aber in dieser Variante ist eben auch sehr viel an Ausstattung und Technik an Bord. Entscheidend ist am Ende für viele ohnehin nicht der Listenpreis, sondern die monatliche Rate.

Nissan Ariya Nismo Interieur Fotos

Wie praktisch ist der Ariya Nismo im Alltag?

Wer beim Elektroauto immer als erstes nach dem Frunk fragt, also einem vorderen Kofferraum, bekommt hier keine große Party. Unter der Haube sitzt Technik, sauber sortiert, typisch japanisch ordentlich. Ein echter Stauraum ist dort nicht das Thema.

Viel wichtiger ist der Kofferraum hinten. Hier bietet der Ariya Nismo 415 Liter und das Ganze wirkt hochwertig ausgekleidet, mit sauberen Teppichen, Filzflächen und einer Verarbeitung, die nicht nach Sparprogramm schreit. Es gibt Verzurrösen, Haken und beidseitige Beleuchtung. Beidseitig ist deshalb wichtig, weil man in der Praxis wirklich merkt, ob das Licht nur von einer Seite kommt oder ob der Kofferraum gleichmäßig ausgeleuchtet ist, gerade nachts oder in Tiefgaragen.

Die Rückbank lässt sich umklappen und erweitert das Volumen auf 1.280 Liter. Damit kann man auch größere Dinge transportieren. Was fehlt, ist eine Durchlade, also eine Möglichkeit, lange Gegenstände durch eine Öffnung in der Rückbank nach vorne zu schieben. Das ist für Ski oder lange Baumarktware praktisch. Hier muss man dann eher über Umklappen lösen.

Nissan Ariya Nismo Kofferraum Fotos

Die Heckklappe ist groß und elektrisch und sie öffnet und schließt angenehm leise. Das wirkt unspektakulär, ist aber ein echter Komfortpunkt, weil es im Alltag einfach angenehm ist, wenn so etwas nicht poltert.

Wie wirkt der Innenraum und was macht Nissan hier anders als viele andere?
Innen geht Nissan einen Weg, den wir grundsätzlich mögen. Es ist modern, ja, aber nicht komplett „alles nur noch Touch“. Man bekommt große Anzeigen, man bekommt moderne Optik, aber man bekommt auch Bedienlogik.

Es gibt ein Head-up-Display, das wichtige Informationen in die Frontscheibe projiziert. Der Vorteil ist simpel: Ihr müsst den Blick weniger von der Straße nehmen. Dazu ein Fahrerinformationsdisplay mit Nismo Optik und ein Infotainment, das schnell und klar ablesbar ist.

Das Lenkrad ist sportlich, unten abgeflacht, mit 12 Uhr Markierung, perforiert und mit einer Haptik, die wirklich hochwertig rüberkommt. Diese Haptik ist im Alltag ein riesiger Faktor, weil man Lenkrad und Schalter permanent in der Hand hat. Nissan kombiniert das mit klassischen Bedienelementen für wichtige Funktionen. Gerade bei Klimabedienung und Lautstärke ist das ein Vorteil, weil man nicht durch Menüs wühlen muss, wenn die Scheibe beschlägt oder wenn man einfach mal schnell leiser drehen will.

Die Materialauswahl spielt mit Mikrofaser, Lederoptik, roten Nähten und dunklem Dachhimmel. Das wirkt sportlich, aber nicht billig. Gleichzeitig gibt es diese klassischen Alltagsdetails, bei denen man merkt, wie unterschiedlich Hersteller priorisieren. Die Ablagefächer sind groß, aber nicht überall ausgekleidet. Wenn eine Fläche nicht mit Filz ausgelegt ist, kann es rascheln und klappern. Das ist kein Drama, aber es ist genau der Punkt, an dem ein Auto entweder „premium“ wirkt oder eben nicht. Nissan ist hier insgesamt sehr gut, lässt aber bei ein, zwei Ablageflächen Luft.

Ein weiterer Punkt ist die induktive Ladefläche. Sie ist nicht belüftet. Induktives Laden ist praktisch, aber ohne Belüftung kann ein Smartphone bei Wärme und hoher Belastung heiß werden und dann das Laden unterbrechen. Das ist heute ein typischer Kritikpunkt bei vielen Herstellern, weil man den Komfort anbietet, aber die Alltagstauglichkeit nicht zu Ende denkt. Hier wäre eine belüftete Lösung die bessere Wahl.

Die Sitze sind echte Nismo Sportsitze mit ordentlich Seitenhalt, elektrischer Verstellung auch in der Höhe, Sitzheizung ist da, Sitzbelüftung nicht. In dieser Preisklasse wäre Sitzbelüftung ein Feature, das man durchaus vermissen kann, gerade wenn der Sitz perforiert ist und optisch genau danach aussieht, als könnte er es.

Wie sitzt man hinten und reicht der Platz trotz Coupé Linie?

Der Fond zeigt, dass der Ariya Nismo nicht nur auf Fahrer fokussiert ist. Trotz abfallender Dachlinie bleibt bei 1,85 Meter Körpergröße noch Kopffreiheit. Der Sitzkomfort hinten ist angenehm, die Armlehne ist auffallend weich gepolstert und es gibt USB-C Anschlüsse sowie Lüftungsdüsen. Das sind genau die Dinge, die Mitfahrer auf längeren Strecken schätzen.

Die typische Elektroauto Eigenheit bleibt allerdings: Der Boden ist etwas höher, weil das Batteriepaket darunter sitzt. Wenn ein Auto keine ausgeprägten Fußgaragen hat, also vertiefte Bereiche für die Füße, sitzt man mit den Knien leicht anders als in manchen Verbrennern. Beim Ariya ist das trotzdem bequem, es ist eher eine Charakteristik als ein echtes Problem.

Isofix ist vorhanden, allerdings wirkt die Lösung etwas eng, weil die Öffnungen nicht ganz so großzügig zugänglich sind. Das betrifft vor allem Menschen, die häufig Kindersitze wechseln. Es funktioniert, aber es ist nicht die eleganteste Ausführung.

Wie fährt sich der Ariya Nismo und wie passt das zum Nismo Anspruch?

Jetzt kommt der Teil, der beim Nismo entscheidend ist. Leistung alleine ist nicht das Thema. Es geht darum, wie ein Auto diese Leistung auf die Straße bringt und wie es sich dabei anfühlt.

Auf kurviger Landstraße wirkt der Ariya Nismo erstaunlich präzise. Die Lenkung ist direkt, das Fahrwerk ist straff, aber nicht hart. Das ist ein wichtiger Unterschied. Hart bedeutet, dass ein Auto über jeden Asphaltflicken poltert und euch auf Dauer nervt. Straff bedeutet, dass es kontrolliert abrollt und sich sauber in Kurven setzt, ohne dass es unkomfortabel wird. Nissan hat hier eine Spreizung hinbekommen, die für ein Elektro SUV richtig gut funktioniert.

In engen Kurven gab es im Test keinen spürbaren Drang über die Vorderachse zu schieben, was bei schweren Elektroautos schnell passieren kann. Man spürt das Gewicht, klar, aber das Setup hält das Auto stabil und berechenbar. Genau das ist der Punkt, an dem aus einem schnellen SUV ein gutes Fahrgefühl wird.
Beim Sprint haben wir unter winterlichen Bedingungen mit feuchtem Untergrund und Winterrädern 0 auf 100 in 5,9 Sekunden gemessen. Nissan gibt 5,0 Sekunden an. Die Abweichung ist unter diesen Bedingungen plausibel. Der Eindruck bleibt trotzdem: Der Ariya Nismo schiebt kraftvoll, aber nicht nervös. Es ist eher ein gleichmäßiger, starker Druck als ein ruppiger Schlag.

Und dann ist da die Bremse. Von 100 auf 0 standen 2,75 Sekunden im Messwert. Das ist bemerkenswert für ein schweres Elektro SUV. Es zeigt, dass Nissan hier nicht nur Beschleunigung verkauft, sondern auch Verzögerung ernst nimmt. Rekuperation hilft im Alltag, aber wenn ihr wirklich hart bremsen müsst, entscheidet die mechanische Bremse. Und genau die hat hier sichtbar zugepackt.

Dazu passt, dass das Auto trotz Sportausrichtung nicht zur Hoppelkiste wird. Selbst auf Kopfsteinpflaster bleibt es angenehm. Das ist für viele die eigentliche Sensation, weil Nismo sonst gerne in Richtung kompromisslos geht. Hier ist es sportlich, aber alltagstauglich.

Wie leise ist der Ariya Nismo und warum spielt Doppelverglasung eine Rolle?

Beim Geräuschniveau zeigt sich, wie ernst Nissan Komfort nimmt. Doppelverglasung bedeutet, dass zwei Scheiben mit einer Folie verbunden sind. Diese Konstruktion dämpft Windgeräusche und Außenschall stärker als eine einfache Scheibe. In der Praxis macht das einen spürbaren Unterschied, vor allem bei Tempo 100 und darüber.

Gemessen haben wir innen bei 50 km/h etwa 56 bis 57 dB, bei 70 km/h etwa 60 bis 61 dB und bei 100 km/h etwa 69 bis 70 dB. Diese Werte liegen in einem Bereich, der als angenehm leise wahrgenommen wird. Das passt auch zum subjektiven Eindruck, weil Türschließen und Abrollkomfort sehr solide wirken.

Was leisten die Assistenzsysteme und wo liegt die Kritik?

Beim Kamerasystem liefert Nissan richtig gut. Es gibt eine Top View, es gibt eine 180 Grad Ansicht, die beim Herausfahren aus unübersichtlichen Ausfahrten extrem hilfreich ist, weil ihr damit quasi um die Ecke schauen könnt. Gerade bei hohen Motorhauben und breiten A Säulen ist das ein echter Sicherheitsgewinn, nicht nur ein Spielzeug.

Bei den Assistenzsystemen ist der Eindruck gemischt. Der Spurhalteassistent wirkt auf der Landstraße nicht immer souverän, vor allem wenn Kurven enger werden. Das ist nicht gefährlich, wenn man die Hände am Lenkrad hat und aufmerksam bleibt, aber es ist eben nicht auf dem Niveau der Systeme, die euch wirklich stabil mittig führen, auch wenn die Straße anspruchsvoll ist.

Auch bei der Verkehrszeichenerkennung und der prädiktiven Übernahme ins System gibt es Luft nach oben. Prädiktiv bedeutet, dass das Auto nicht nur ein Schild erkennt, sondern vorausschauend damit arbeitet und es sauber ins Tempolimit und in die Regelung integriert. Wenn das nicht zuverlässig passiert, nervt es im Alltag, weil man entweder zu viel manuell korrigieren muss oder Warnhinweise bekommt. Hier wirkt Nissan noch nicht so weit wie einige Wettbewerber.

Wie sieht der Verbrauch aus und wie ordnet man den ein?

Wir sind bei winterlichen Bedingungen um 0 Grad gefahren, teilweise darunter, und zwar nicht im Schleichmodus, sondern mit Testpassagen, Beschleunigung, Landstraße und Autobahnanteilen. Auf 328,1 Kilometern lag der Durchschnitt bei 22,9 kWh pro 100 Kilometer, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 49 km/h.

Für ein Elektro SUV Coupé mit Allrad, zwei Motoren und 435 PS ist das im Winter absolut im Rahmen. Im Sommer und mit ruhiger Fahrweise sind deutlich niedrigere Werte realistisch, über Land auch klar unter 20 kWh pro 100 Kilometer. Auf der Autobahn bei Richtgeschwindigkeit bewegt man sich je nach Wind, Temperatur und Tempo typischerweise eher im Bereich um 20 bis 25 kWh pro 100 Kilometer, bei sehr sportlicher Fahrweise kann es natürlich auch darüber liegen. Das ist Physik, weil Luftwiderstand mit höherer Geschwindigkeit stark zunimmt und ein SUV Coupé trotz guter Aerodynamik immer mehr Stirnfläche hat als eine Limousine.

Was ist unser Fazit zum Nissan Ariya Nismo?

Der Ariya Nismo wirkt wie die Variante, bei der plötzlich alles zusammenpasst. Optik, Leistung, Fahrwerk, Bremsen, Geräuschkomfort und Innenraumqualität ergeben ein Paket, das nicht nur sportlich wirken will, sondern es auch tatsächlich ist. Und gleichzeitig bleibt er angenehm, leise und langstreckentauglich. Genau diese Kombination ist selten.

Kritik gibt es trotzdem, und die ist wichtig: Die DC Ladeleistung von 130 kW ist nicht mehr die Spitze, die Assistenzsysteme könnten prädiktiver und souveräner sein, eine Durchlade wäre praktisch und bei der Stützlast wäre mehr für E Bike Nutzer ein echtes Upgrade. Dazu kommt, dass eine belüftete induktive Ladefläche und Sitzbelüftung in dieser Preisklasse wirklich gut stehen würden.

Unterm Strich bleibt aber: Wenn Ariya, dann ist der Nismo für viele vermutlich der Sweet Spot, weil er nicht nur mehr Leistung und mehr Optik bietet, sondern auch spürbar mehr Charakter. 63.990 Euro sind viel Geld, darüber muss man nicht diskutieren. Aber wenn das Gesamtpaket und die Konditionen am Ende passen, ist das hier ein Elektro SUV, das man unbedingt gefahren haben sollte, bevor man sich entscheidet.

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