Manchmal braucht es gar nicht mehr als eine Insel, ein farbenfrohes Auto und die Erkenntnis, dass Vernunft erstaunlich sympathisch aussehen kann. Genau so ein Fall ist der neue Renault Twingo E-Tech Electric. Für die erste Begegnung ging es nicht über deutsche Landstraßen, sondern nach Ibiza. Dort, zwischen Flughafen, Hotel, Kreisverkehren, engen Ortschaften und sonnengewärmten Küstenstraßen, durfte der kleine Elektro Franzose zeigen, ob er mehr ist als nur ein hübsch gezeichneter Retro Gruß an die Neunziger.
Und tatsächlich gelingt ihm genau das. Der neue Twingo ist nicht bloß ein Designzitat auf Rädern, sondern ein ernst gemeinter Versuch, das günstige Elektroauto wieder attraktiv, leichtfüßig und alltagstauglich zu machen. Er will nicht mit brutalen Leistungswerten beeindrucken, nicht mit übertriebenem Luxus und auch nicht mit dem Anspruch, jeder Lebenslage perfekt gerecht zu werden. Er will das sein, was viele Hersteller zuletzt fast vergessen haben. Ein kleines, cleveres, ehrliches Auto für den Alltag.
Warum der neue Twingo sofort vertraut wirkt
Schon auf den ersten Blick ist klar, worauf Renault hier hinauswill. Der neue Twingo trägt die DNA des Ur-Twingo sichtbar in sich. Die Proportionen, die freundlich wirkende Front, die runden Formen, die verspielte Leichtigkeit, das alles erinnert sehr bewusst an jenes Auto, das Anfang der Neunziger Jahre in Europa fast schon Kultstatus erreicht hat. Genau das ist die große Stärke dieses Designs. Es zitiert nicht einfach die Vergangenheit, sondern übersetzt sie sauber in die Gegenwart.
Die LED Scheinwerfer, die klar gezeichneten Flächen und die moderne Lichtsignatur holen den Twingo optisch ins Jahr 2026, ohne dass er seine charmante Herkunft verleugnet. Das ist kein Retro Kitsch, sondern erstaunlich treffsicher gemacht. Gerade in einer Fahrzeugklasse, in der viele Modelle schnell beliebig wirken, hat der Twingo sofort Charakter.
Interessant ist auch, wie Renault kleine Eigenheiten des Originals wiederbelebt. Besonders schön ist das an den hinteren Ausstellfenstern zu sehen. Die kennt man vom ersten Twingo, dort waren sie fast schon Teil des Markenkerns. Hier tauchen sie wieder auf und wirken nicht wie eine billige Sparmaßnahme, sondern fast wie ein bewusst gesetzter Akzent. Natürlich ersetzen sie keine vollwertigen hinteren Fensterheber, aber sie geben dem Auto Persönlichkeit und erinnern daran, dass pfiffige Lösungen oft charmanter sein können als maximaler Over-Engineering Aufwand.
Renault Twingo E-Tech Electric Test Video
Welche Maße und Eckdaten der Twingo mitbringt
Mit einer Länge von 3,79 Metern bleibt der neue Twingo klar im A Segment verortet. Der Radstand beträgt 2,49 Meter, die Breite liegt bei 1,72 Metern ohne Außenspiegel und bei 1,95 Metern mit ausgeklappten Spiegeln. Die Bodenfreiheit beträgt 14,3 Zentimeter. Damit bleibt er kompakt genug für die Stadt, wirkt aber nicht gequetscht.
Auffällig ist, wie kurz die Überhänge ausfallen. Vorn sind es 74,1 Zentimeter, hinten nur 55,5 Zentimeter. Das hilft nicht nur optisch, sondern auch bei der Wendigkeit. Renault gibt den Wendekreis mit 10,02 Metern an. Im Alltag fühlt sich der kleine Franzose tatsächlich so an, wie man es sich von einem Stadtfahrzeug wünscht. Eng, flink, unkompliziert.
In der getesteten Techno Variante rollt der Twingo auf 18 Zoll Rädern. Serienmäßig steht er auf 16 Zoll. Die Testwagenbereifung lautete 245/45 R18 HXL. Gerade bei einem so leichten Elektroauto wäre ein direkter Vergleich mit den kleineren 16 Zoll Rädern spannend gewesen, denn hier dürfte im Alltag noch einmal etwas mehr Effizienz und vermutlich auch etwas mehr Abrollkomfort drinstecken.
Was unter der Haube steckt und warum sie trotzdem verschlossen bleibt
Ein kleiner Fun-Fact gleich zu Beginn. Die vordere Haube lässt sich beim neuen Twingo nicht einfach vom Nutzer öffnen. Das ist nur im geschulten Bereich vorgesehen, also praktisch in der Werkstatt. Für das Nachfüllen von Wischwasser gibt es stattdessen eine separate kleine Öffnungsklappe. Das kennt man in ähnlicher Form etwa von Mercedes EQ Modellen, dort allerdings weniger charmant gelöst. Renault hat das im Twingo alltagstauglicher integriert.
Warum ist das so? Ganz einfach, weil vorne für den normalen Alltag praktisch kein Wartungsbedarf vorgesehen ist. Der Twingo setzt auf LED Scheinwerfer, klassische Leuchtmittel zum schnellen Tauschen gibt es also vorn ohnehin nicht mehr. Der Zugang zur Technik bleibt damit weitgehend dem Service vorbehalten. Das spart Bauraum, reduziert potenzielle Bedienfehler und passt letztlich zum Ansatz eines modernen Elektro Kleinstwagens. Schön für Schrauberromantiker ist das nicht. Im Alltag aber wohl verschmerzbar und wenn die Starter-Batterie wirklich mal den Geist aufgibt, wird man wohl irgendwie da dran kommen, aber dazu wollen wir hier keine Anleitung geben. Ruft den Pannendienst…
Wie viel Antrieb im kleinen Twingo steckt
Der neue Renault Twingo E Tech Electric wird von einem 60 kW starken Elektromotor angetrieben. Das entspricht 82 PS. Das maximale Drehmoment liegt bei 175 Newtonmetern. Anders als beim früheren elektrischen Twingo sitzt der Antrieb nun vorn und treibt die Vorderachse an.
Auf dem Papier klingt das zunächst nach solider Hausmannskost. Der Spurt von 0 auf 50 km/h gelingt in 3,85 Sekunden, von 0 auf 100 km/h dauert es rund 12 Sekunden. Der Zwischensprint von 80 auf 120 km/h braucht etwa 10,5 Sekunden. Bei 130 km/h endet die Höchstgeschwindigkeit. Nun könnte man sich die Frage stellen: Der Dacia Spring, der hat doch nun 100 PS, warum leistet der Twingo denn weniger? Hier wurde (fast) alles auf maximale Effizienz getrimmt.
Wer jetzt nur Zahlen liest, könnte das vorschnell als wenig spektakulär abtun. In der Praxis fühlt sich der Twingo aber lebendiger an, als es diese Daten zunächst vermuten lassen. Das liegt vor allem am Gewicht. Leer bringt das Auto knapp 1,2 Tonnen auf die Waage. Für ein Elektroauto ist das in dieser Zeit beinahe schon ein kleines Statement. Weniger Masse bedeutet hier eben mehr Leichtigkeit, mehr Direktheit und mehr Fahrspaß. Genau das spürt man vom ersten Meter an.
Renault Twingo Electric Fotos














Was die Batterie kann und warum LFP hier eine clevere Wahl ist
Im Unterboden sitzt eine LFP Batterie mit 27,5 kWh Kapazität. LFP steht für Lithium Eisenphosphat. Diese Zellchemie gilt als robust, thermisch vergleichsweise stabil und im Alltag langlebig. Sie verzichtet zudem auf einige kritische Rohstoffe, die bei anderen Zellchemien eine größere Rolle spielen. Für ein günstiges Stadtauto ist das eine sehr nachvollziehbare Entscheidung.
Renault setzt hier außerdem auf Cell to Pack. Vereinfacht gesagt werden die Zellen besonders platzsparend direkt in das Batteriepaket integriert, ohne zusätzliche Module dazwischen. Das spart Bauraum, Kosten und Gewicht. Für den Nutzer ist vor allem wichtig, dass diese Batterie zum Fahrzeugkonzept passt. Der Twingo will kein Langstrecken Gleiter sein. Er will effizient, robust und bezahlbar sein.
Die offizielle WLTP Reichweite liegt bei 252 bis 265 Kilometern, je nach Ausstattung. Renault selbst stellt innerstädtisch sogar deutlich höhere Reichweiten in Aussicht. Werte von bis zu 360 Kilometern im Stadtbetrieb erscheinen deshalb nicht völlig aus der Luft gegriffen. Gerade im urbanen Einsatz mit viel Rekuperation, niedrigen Geschwindigkeiten und wenig Luftwiderstand kann ein so leichtes Fahrzeug seine Stärken ausspielen.
Spannend ist auch, dass der Akku vorkonditioniert werden kann. Eine 1,3 kW Heizmatte hilft dabei, die Batterie in einen günstigen Temperaturbereich zu bringen, damit sie beim Laden ihre Leistung besser abrufen kann. Für diese Klasse ist das alles andere als selbstverständlich.
Wie lädt der Twingo und was bedeutet das im Alltag?
Geladen wird vorne rechts. An Wechselstrom zieht der Twingo bis zu 11 kW, an Gleichstrom bis zu 50 kW. Ein Nasenlader wäre aus praktischer Sicht für viele vermutlich noch charmanter gewesen, aber mit dem rechts vorn platzierten Ladeanschluss lässt sich im urbanen Umfeld durchaus gut leben, besonders an seitlich zur Fahrbahn angeordneten AC Säulen.
An AC dauert das Laden rund zweieinhalb Stunden, an DC soll der kleine Renault in etwa einer halben Stunde wieder auf 80 Prozent kommen. Das klingt zunächst unspektakulär, passt aber zum Fahrzeugkonzept. Ein Stadtauto mit 27,5 kWh Akku braucht keine dreistellige Peak Ladeleistung, um im Alltag sinnvoll zu sein. Viel wichtiger ist, dass der Ladevorgang planbar bleibt und die Batterie nicht unnötig groß ausfällt.
Rechnet man den Ladevorgang von 15 auf 80 Prozent durch, ergibt sich eine durchschnittliche Ladeleistung von ungefähr 35 kW. Das ist kein Wert, der an der Raststätte Szenenapplaus auslöst. Es ist aber auch keiner, der dieses Auto disqualifiziert. Wer mit dem Twingo überwiegend pendelt, in der Stadt unterwegs ist oder beim Arbeitgeber beziehungsweise zu Hause lädt, wird damit gut zurechtkommen.
Kritik gibt es dennoch im Detail. Die geöffnete Ladeklappe wirkt etwas unpraktisch gelöst, weil es an einer eleganten Möglichkeit zum Fixieren der Abdeckungen fehlt. Das ist keine Katastrophe, aber ein Detail, das in der täglichen Nutzung auffallen kann.
Weitere Fotos vom Renault Twingo E-Tech Electric






















Wie alltagstauglich der Innenraum wirklich ist
Der Innenraum zeigt ziemlich gut, worum es beim Renault Twingo E-Tech Electric Twingo geht. Renault versucht hier gar nicht erst, mit falschem Premium Anspruch zu beeindrucken. Stattdessen gibt es einen sauber nutzbaren, logisch aufgebauten und sympathisch gestalteten Arbeitsplatz.
Besonders schön ist, dass die Wagenfarbe auch im Innenraum wieder auftaucht. Das lockert die nüchterne Kunststofflandschaft spürbar auf. Natürlich finden sich in dieser Klasse viele harte Materialien. Das war zu erwarten und ist angesichts des Einstiegspreises auch völlig in Ordnung. Entscheidend ist, dass der Innenraum nicht billig wirkt, sondern zweckmäßig und freundlich.
Die Techno Variante bringt einige optische Aufwertungen mit, darunter farbige Ziernähte am Lenkrad. Die Bedienung folgt dem bekannten Renault Prinzip mit mehreren Hebeln hinter dem Lenkrad. Wer Renault kennt, findet sich sofort zurecht. Wer neu einsteigt, braucht einen kurzen Moment und kommt dann ebenfalls klar. Das eigentliche Kunststück ist, dass dieses Auto keine Rätsel aufgibt. Vieles ist dort, wo man es vermutet.
Links am Lenkrad sitzen unter anderem die Tasten für Tempomat und Assistenzfunktionen. Hinter dem Lenkrad lassen sich Rekuperationsstufen anwählen, in der Techno Variante sogar inklusive One-Pedal-Driving. Rechts finden sich Bedienmöglichkeiten für Telefon und Display. Eine Ebene tiefer sitzt der klassische Renault Hebel für Audiofunktionen. Dazu kommt der Fahrstufenschalter für R, N und D. Das wirkt fast schon ein wenig altmodisch, aber auf eine angenehme Art. Einen P-Modus gibt es übrigens nicht!
Warum das Bedienkonzept besser ist als bei vielen teureren Autos
Genau hier spielt der Twingo eine seiner größten Stärken aus. Das Bedienkonzept ist intuitiv. Es gibt physische Bedienelemente dort, wo sie sinnvoll sind, und ein Infotainment, das modern genug ist, ohne im Alltag zu nerven.
Die Klimaautomatik in der Techno Variante lässt sich direkt und unkompliziert bedienen. In den günstigeren Varianten ist immerhin eine manuelle Klimaanlage serienmäßig. Auch das passt. Der Warnblinkschalter ist sinnvoll platziert, der Startknopf gut erreichbar, USB-C Anschlüsse sind vorne vorhanden und die Smartphone Ablage ist erfreulich praxisgerecht ausgeführt. Das Handy bleibt dort, wo es hingehört, und fliegt nicht bei jeder Kurve durchs Auto. Induktives Laden fehlt allerdings, was in dieser Klasse zwar kein Drama, aber trotzdem ein kleiner Schönheitsfehler ist.
Hinter dem Lenkrad sitzt ein 7-Zoll großes Fahrerdisplay. Dort lassen sich unter anderem Reichweite, Fahrdaten, Verbrauch, Assistenzsysteme und ein Eco Monitor anzeigen. Das zentrale Infotainment misst 10 Zoll und bringt in der Techno Variante OpenR link mit Google Integration mit. Dazu gehören Google Maps, Apps aus dem Play Store, OTA Updates, Kalenderfunktionen und sogar Streaming Dienste für Ladepausen.
Besonders erfreulich ist die Reaktionsgeschwindigkeit. Das System arbeitet flüssig, Suchfunktionen reagieren schnell und die Navigation macht einen ausgereiften Eindruck. Gerade in einer Zeit, in der man in deutlich teureren Fahrzeugen teils mit trägen Benutzeroberflächen kämpfen muss, ist das ein echter Pluspunkt.
Apple CarPlay und Android Auto sind ebenfalls an Bord. Wer also lieber mit dem eigenen System unterwegs ist, kann das problemlos tun.
Welche Assistenzsysteme Renault in den Kleinwagen packt
Erstaunlich viel. Der Twingo bietet eine ganze Reihe an Assistenzfunktionen, die in diesem Segment alles andere als selbstverständlich sind. Dazu zählen etwa ein konfigurierbarer My Safety Perso Modus, Parkassistenten, Rückfahrwarner, aktive Notbremsung hinten, sicherer Ausstieg der Insassen und eine Fahrerüberwachungskamera.
Auch die Verkehrszeichenerkennung fiel auf der Testfahrt positiv auf. Wie gut alle Systeme im deutschen Alltag tatsächlich funktionieren, muss ein ausführlicher Test auf heimischen Straßen noch zeigen. Auf Ibiza jedenfalls machte das Paket bereits einen ordentlich abgestimmten Eindruck.
Ein kleiner technischer Hinweis zum Reifendrucksystem: Der Renault Twingo E-Tech Electric misst den Reifendruck nicht direkt über Sensoren im Rad, sondern indirekt über Radumfang und ABS Signale. Das spart Kosten und Komplexität. Der Nachteil ist, dass nicht der exakte Druckwert angezeigt wird, sondern nur eine Warnung kommt, wenn das System Abweichungen erkennt, sprich wird hier ein Luftverlust erkannt, sollte man möglichst schnell handeln.
Wie gut sitzt es sich vorne und hinten?
Vorne überraschend ordentlich. Hinten interessanter, als man in dieser Klasse erwarten würde. Der Fahrerplatz ist auf ein typisches Kleinwagenformat zugeschnitten, ohne zu beengt zu wirken. Die optionale Sitzheizung ist dreistufig ausgeführt, sowohl links als auch rechts. Das ist angenehm und in dieser Klasse alles andere als selbstverständlich. Weniger schön ist, dass der Spiegel in der Sonnenblende auf der Fahrerseite nicht beleuchtet ist und auf der Beifahrerseite sogar komplett fehlt. Das ist eine dieser typischen Kleinigkeiten, die man im Alltag durchaus bemerkt.
Hinten zeigt der Twingo dann seine clevere Seite. Die Rücksitze lassen sich um bis zu 16-17 Zentimeter verschieben. Das ist für ein Auto dieser Größe ein starkes Argument. So kann entweder mehr Beinfreiheit im Fond oder mehr Kofferraumvolumen geschaffen werden. Bei auf 1,75 Meter eingestelltem Fahrersitz ergibt sich mit nach hinten geschobenen Fondplätzen tatsächlich brauchbarer Raum. Nicht großzügig, aber absolut ausreichend.
Die Sitzposition im Fond bleibt bauartbedingt leicht angewinkelt, was auf langen Strecken weniger entspannt sein dürfte. Allerdings ist der Twingo nun einmal kein Reiselimousinen Ersatz. Für das, was er sein will, macht er seine Sache erstaunlich gut.
Weniger überzeugend ist die hintere Ausstattung. Es gibt dort keine USB Anschlüsse, keine Beleuchtung und keine Armlehne. Für Kinder oder junge Mitfahrer im Alltag kann das ein kleiner Nachteil sein. Positiv ist wiederum, dass hinten links und rechts Isofix vorhanden ist. Dazu lässt sich der Beifahrerairbag deaktivieren, was Familien zusätzliche Flexibilität bietet.
Wie praktisch ist der Kofferraum des kleinen Franzosen?
Überraschend praktisch. Sogar so praktisch, dass man kurz vergisst, in welcher Fahrzeugklasse man hier eigentlich unterwegs ist. Das Kofferraumvolumen liegt zwischen 260 und 360 Litern. Diese Spanne ergibt sich durch die verschiebbaren Rücksitze. Dazu kommt ein 50 Liter großes Fach unter dem doppelten Ladeboden. Dort lassen sich Ladekabel, Verbandskasten oder Zubehör gut verstauen.
Die Rücksitze sind 50 zu 50 teilbar, was bei nur zwei Sitzplätzen im Fond logisch ist. Außerdem lässt sich die Lehnenneigung in drei Positionen einstellen. Wer mehr laden will, kann die Sitze umklappen. Ganz eben wird die Fläche dabei nicht, eine Stufe bleibt konstruktionsbedingt erhalten. Das ist in dieser Klasse allerdings kaum anders lösbar.
Besonders clever ist der umklappbare Beifahrersitz. Damit lassen sich bis zu zwei Meter lange Gegenstände transportieren. Genau an dieser Stelle wird der Twingo plötzlich zum kleinen Transporttalent. Der spontane Möbelkauf oder längere Kartons verlieren damit ihren Schrecken.
Die hohe Ladekante ist weniger elegant, aber angesichts der kompakten Fahrzeugarchitektur nachvollziehbar. Ein echter Kritikpunkt ist dagegen die etwas zu dunkle Kofferraumbeleuchtung. Gerade nachts oder in dunklen Parkhäusern ist das unerquicklich. Renault setzt hier allerdings auf das You-Clip System, an dem sich Zubehör und potenziell auch Nachrüstlösungen befestigen lassen.
Wo der Twingo kompromisslos spart und warum das nicht immer schlimm ist
Der neue Twingo spart an einigen Stellen sichtbar. Nur macht er das oft klüger als viele andere. Es gibt keine Anhängelast. Es gibt keine Stützlast. Es gibt keine Dachlast. Wer also Fahrräder am Heck transportieren oder Dachträger montieren möchte, schaut in die Röhre. Das ist tatsächlich einer der größten praxisrelevanten Kritikpunkte am Auto, weil damit ein Teil der Alltagstauglichkeit verloren geht, den viele gar nicht täglich brauchen, aber im entscheidenden Moment doch vermissen.
Auch die Türtaschen fallen klein aus. Große Flaschen passen nicht hinein. Hinten fehlen Ladeanschlüsse und Ablagen. Vorn gibt es keine induktive Ladefläche. Manche Details, etwa die nicht beleuchteten Spiegel oder die fehlende Kofferraumleuchte, wirken fast schon unnötig sparsam.
Gleichzeitig muss man fair bleiben. Der Twingo startet bei 19.990 Euro. Die gefahrene Techno Variante liegt bei 21.590 Euro. In diesem Preisrahmen ist es fast schon bemerkenswert, wie viel Cleverness, Ausstattung und technische Substanz Renault dennoch ins Auto gepackt hat.
Wie fährt sich der neue Twingo auf der Straße?
Und genau hier wird es spannend. Denn auf dem Papier ist der neue Twingo vielleicht vernünftig. Auf der Straße ist er vor allem überraschend charmant. Die Testfahrt auf Ibiza führte über etwa 170 Kilometer, verteilt auf zwei Tage, gemeinsam mit einem Kollegen. Das Tempo lag maximal bei 100 km/h, also klar unter deutschen Autobahnverhältnissen. Trotzdem lässt sich ein ziemlich guter Eindruck gewinnen.
Der Twingo fährt leichtfüßig. Das ist das Wort, das am besten passt. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und direkt, das Fahrwerk ist erstaunlich reif abgestimmt. Renault kombiniert hier vorn Technik aus dem R5, hinten eine Weiterentwicklung aus dem Captur Umfeld. Das Ergebnis ist ein Kleinwagen, der Speedbumps, Bodenwellen und enge Kurven auf Ibiza souverän meistert. Gerade in dieser Klasse ist das keine Selbstverständlichkeit.
Auch die Bremsabstimmung passt. Vorne wie hinten kommen Scheibenbremsen zum Einsatz. Der Druckpunkt ist etwas straffer als erwartet, lässt sich aber gut dosieren. Besonders positiv fällt auf, wie sauber der Übergang von Rekuperation zur mechanischen Bremse gelingt. Genau hier patzen viele Elektroautos im Alltag. Der Twingo macht das unauffällig und damit richtig.
Ab etwa 80 km/h nehmen die Abrollgeräusche zu. Auch Windgeräusche sind hörbar, bleiben aber im vertretbaren Rahmen. Wer sich an Kleinstwagen erinnert, die akustisch schon bei mittlerem Tempo auseinanderzufallen scheinen, wird hier eher positiv überrascht sein.
Wie effizient der Twingo im Test wirklich war
Die Verbrauchswerte auf Ibiza machen neugierig. Am ersten Tag standen nach knapp 80 Kilometern Testdistanz 10,9 kWh pro 100 Kilometer im Display. Am zweiten Tag waren es 11,9 beziehungsweise 12,0 kWh pro 100 Kilometer, obwohl etwas flotter gefahren wurde, häufiger ohne Eco-Modus und ebenfalls mit laufender Klimaanlage.
Das sind starke Werte. Vor allem, weil sie selbst den offiziellen WLTP Verbrauch unterbieten. Renault nennt je nach Ausstattung 12,2 bis 13,5 kWh pro 100 Kilometer im kombinierten Zyklus. Für den Stadtverkehr werden sogar nur 8,7 kWh angegeben, bei mittlerem Tempo 9,4 kWh, bei höherem Landstraßentempo 11,8 kWh und auf der Autobahn 19,2 kWh pro 100 Kilometer.
Diese Zahlen ergeben plötzlich Sinn, wenn man das Auto gefahren ist. Innerstädtisch erscheint ein einstelliger Verbrauch durchaus realistisch. Auf der Autobahn bei 130 km/h dürfte der Twingo dagegen schnell in Richtung 20 kWh/100 km marschieren. Genau deshalb ist die Einordnung wichtig. Dieses Auto ist für die Stadt gemacht und dort spielt es seine Trümpfe aus. Wer ihn dauerhaft wie einen Autobahnläufer behandelt, wird an der Ladesäule häufiger Pause machen müssen.
Aus den Testdaten ergibt sich bei typischer Nutzung zwischen 10 und 80 Prozent State of Charge eine realistische Reichweite von etwa 175 bis 185 Kilometern. Für ein Stadtauto dieser Größe ist das absolut brauchbar.
Warum der Twingo mehr als nur ein günstiges Elektroauto ist
Der vielleicht größte Verdienst dieses Autos liegt darin, dass es sich nicht nach Verzicht anfühlt. Der neue Twingo ist günstig, aber nicht unerquicklich. Er ist klein, aber nicht unerquicklich beengt. Er ist sparsam, aber nicht unerquicklich langweilig. Renault gelingt hier etwas, das gerade im Elektrobereich schwer geworden ist. Ein Auto mit klarer Aufgabe, klaren Grenzen und klarem Charakter. Der Twingo will nicht alles sein. Aber das, was er sein will, macht er ziemlich überzeugend.
Er ist kein Fahrzeug für die große Urlaubsreise quer durch Europa. Er ist nicht die perfekte Lösung für Menschen mit dauerhaft hohem Transportbedarf. Und er ist auch nichts für alle, die ohne Fahrradträger oder Dachbox nicht leben können. Aber als urbaner Alltagsbegleiter mit sympathischem Design, cleveren Raumideen, gutem Bedienkonzept und erfreulich niedrigem Verbrauch trifft er einen Nerv.
Lohnt sich der Renault Twingo E-Tech Electric?
Ja, mit einer wichtigen Einschränkung. Man muss dieses Auto so kaufen, wie es gedacht ist, nicht so, wie man es gern zu einem Alleskönner erklären würde.
Wer ein kleines Elektroauto für Stadt, Pendelstrecke, Zweitwagenbetrieb oder den täglichen Nahbereich sucht, bekommt hier ein erstaunlich rundes Angebot. Der Einstiegspreis von 19.990 Euro ist attraktiv, die Techno Variante für 21.590 Euro bringt bereits viel Relevantes mit. Das Design ist gelungen, der Innenraum clever, der Kofferraum besser als erwartet und die Effizienz im Alltag offenbar ein echtes Argument.
Die fehlende Dachlast, die nicht vorhandene Stützlast und das komplett gestrichene Anhängerthema bleiben die größten Schwächen. Dazu kommen kleinere Sparmaßnahmen bei Beleuchtung, Ablagen und Ausstattung im Fond. Doch selbst wenn man das alles nüchtern auf den Tisch legt, bleibt der Eindruck positiv.
Der neue Renault Twingo E-Tech Electric ist kein billiger Kompromiss, sondern ein durchdachtes kleines Elektroauto mit erstaunlich viel Herz. Er macht genau dort Spaß, wo man ihn am häufigsten bewegt. Und vielleicht ist das am Ende sogar die größte Qualität dieses kleinen Retro Stromers. Er will den Alltag nicht revolutionieren. Er will ihn einfacher, günstiger und sympathischer machen. Genau das gelingt ihm erstaunlich gut.



















