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Test: Suzuki e VITARA: Kompakt, sympathisch, aber beim Schnellladen gnadenlos altmodisch

Test: Suzuki e VITARA: Kompakt, sympathisch, aber beim Schnellladen gnadenlos altmodisch

Endlich steht er da, der neue Suzuki e VITARA. Ein kompaktes Elektro SUV, das in Deutschland nicht den x-ten Premium Anspruch ins Schaufenster stellt, sondern ziemlich bodenständig auftritt. Und genau deshalb lohnt sich ein genauer Blick.

Denn Suzuki trifft hier viele Alltagsnerven, setzt ein paar richtig clevere Haken, leistet sich aber auch eine Schwäche, die man nicht wegdiskutieren kann. Die DC Schnellladeleistung ist… nennen wir es freundlich: nicht auf dem Stand der Zeit.

Bevor wir einsteigen. Der e VITARA ist Suzukis erstes vollelektrisches SUV, entsteht in Kooperation mit Toyota und teilt sich die technische Basis mit dem Toyota Urban Cruiser. Produziert wird in Indien. Verkaufsstart in Deutschland ist für Anfang 2026 vorgesehen.

Erster Eindruck außen: kantig genug, um nicht brav zu wirken

Optisch macht Suzuki vieles richtig. Der e VITARA wirkt modern, aber nicht geschniegelt. Die Front ist klar gezeichnet, die Proportionen stimmen, und mit zweifarbigem Dach wirkt das Auto flacher, breiter und einen Tick „erwachsener“, als man es im B Segment erwartet. In der Praxis ist das genau die Art Design, die in der Stadt nicht prollig, aber auch nicht langweilig aussieht.

Bei den Maßen bleibt Suzuki angenehm kompakt. Rund 4,28 Meter Länge, etwa 1,80 Meter Breite und um 1,64 Meter Höhe passen in die Klasse, der Radstand von 2,70 Metern ist dabei ein echtes Raumversprechen.

Und dann kommt ein Detail, das du im Alltag sofort merkst: der Wendekreis. Mit rund 10,4 Metern wird der e VITARA in engen Innenstädten und Parkhäusern deutlich entspannter als viele „kompakte“ SUVs, die beim Rangieren plötzlich so tun, als wären sie ein Transporter.

Suzuki e VITARA Test Video

Innenraum: viel digital, erstaunlich vernünftig, an ein paar Stellen zu hart

Drinnen ist der e VITARA klar auf Nutzwert gebaut. Zwei große Displays dominieren das Cockpit, insgesamt wirkt das modern und aufgeräumt. Gleichzeitig bleibt Suzuki erfreulich pragmatisch: echte Tasten für die wichtigsten Klimafunktionen und ein Lautstärke Drehregler sind Gold wert, gerade wenn man nicht bei jeder Kleinigkeit im Touchmenü fischen will.

Materialmix. Ja, es gibt harte Kunststoffe, gerade in den unteren Bereichen. Das ist in dieser Preisklasse nicht überraschend und auch nicht automatisch schlimm, solange nichts klappert und die Oberflächen sauber verarbeitet sind. Viele werden eher feiern, dass Suzuki den Innenraum nicht mit Showeffekten überlädt, sondern das Ganze robust und alltagstauglich anlegt.

Platz und Variabilität: die verschiebbare Rückbank ist der heimliche Star

Die interessanteste Alltagspointe ist nicht das Display und auch nicht das Glasdach, sondern die Variabilität. Suzuki bietet eine verschiebbare Rückbank. Das ist in dieser Größe wirklich nicht selbstverständlich und macht den e VITARA deutlich flexibler, als die nackte Literzahl auf dem Papier vermuten lässt.

Zum Kofferraum kursiert eine Angabe von 238 Litern, die je nach Sitzposition und Messmethode nicht so recht zu dem passt, was man real vor sich sieht. Entscheidend ist am Ende ohnehin, dass du über die verschiebbare Bank sehr konkret zwischen mehr Knieraum oder mehr Ladevolumen wählen kannst. Und genau das ist im Alltag oft wichtiger als ein Prospektwert.

Antriebe, Reichweite, Fahrleistungen: solide, nicht sportlich, aber ausreichend schnell

Suzuki bringt drei grundsätzliche Varianten. Einstieg ist der Fronttriebler mit 49 kWh Batterie, 106 kW Leistung und rund 345 Kilometer WLTP Reichweite. Darüber sitzt die stärkere Fronttrieb Variante mit 61 kWh, 128 kW und bis zu 428 Kilometer WLTP.

Wer Suzuki typisch auf Traktion setzt, nimmt die Allradversion mit 135 kW Systemleistung, deren WLTP Reichweite um knapp 396 Kilometer liegt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h.

In der Stadt egal, auf der Autobahn zumindest nicht peinlich, aber eben auch ein klares Signal: Das ist kein Dauer Linksfahrer, sondern ein Effizienz und Komfort Auto.

Laden: AC gut, DC schwierig

Jetzt zum Knackpunkt. AC Laden ist ordentlich, dreiphasig bis 11 kW, damit passt der e VITARA perfekt zum „über Nacht an der Wallbox“ Alltag. Je nach Batteriegröße liegen die Zeiten grob in der Größenordnung 4,5 bis 5,5 Stunden von 10 auf 100 Prozent an 11 kW.

DC Schnellladen ist dagegen der Stolperstein. Je nach Version reden wir über eine Spitze um etwa 67 kW, teils wird für die Basis auch um die 53 kW genannt. Und ja, Suzuki kommuniziert 10 auf 80 Prozent in rund 45 Minuten. Das ist der Wert, der hängen bleibt, weil er im Jahr 2026 einfach nach gestern klingt.

Die faire Einordnung ist aber genauso wichtig wie die Kritik: Wenn dein Profil überwiegend urban ist, du zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kannst und du Langstrecke selten machst, dann ist DC im Alltag oft nur ein Randthema. Wenn du dagegen regelmäßig Autobahn fährst und öffentlich laden musst, wird der e VITARA für dich schnell zum Geduldsspiel.

Fahren: angenehm, komfortabel, gute Assistenz Basis

Vom Charakter her fährt sich der Suzuki e VITARA eher komfortabel als sportlich. Lenkung direkt genug, Fahrwerk so abgestimmt, dass es auf Landstraße und Stadt nicht nervt, und auf der Autobahn wirkt er stabil. Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomat und Spurführung sind an Bord und liefern eine solide teilautonome Unterstützung, auch wenn die ganz feinen Premium Funktionen wie automatischer Spurwechsel nicht im Fokus stehen.

Ein schönes Sicherheits Detail für den Alltag sind die Kameras. Eine Rückfahrkamera ist in dieser Klasse erwartbar, aber ein 180 Grad Blickwinkel vorn und hinten ist in unübersichtlichen Ausfahrten wirklich praktisch, weil du „um die Ecke“ schauen kannst, wenn rechts und links große Autos die Sicht nehmen.

Suzuki e VITARA Fotos

Anhängelast und Nutzwert: kleine Zahlen, aber sinnvoll

Mit Anhänger ist der e VITARA kein Lastesel, aber er bietet überhaupt eine echte Option, und das ist in dieser Klasse nicht selbstverständlich. Genannt werden 750 kg gebremst und 750 kg ungebremst sowie 75 kg Stützlast. Die Dachlast liegt ebenfalls bei 75 kg.

Das reicht für viele reale Fälle. Kleiner Anhänger zum Wertstoffhof, Fahrradträger mit E-Bikes im Rahmen der Stützlast, Dachbox oder leichte Sportausrüstung. Mehr wollen die meisten in diesem Segment ohnehin nicht.

Preise und Einordnung: attraktiver Einstieg, aber die Mitte ist die Wahrheit

Preislich startet der e VITARA laut aktuellen Angaben bei knapp 29.990 Euro für die Basis mit 49 kWh. Die 61 kWh Fronttrieb Variante liegt bei rund 36.490 Euro, die Allradversion bei rund 39.490 Euro.

Und jetzt kommt die Empfehlung, die sich aus dem Auto selbst ergibt: Wenn du den e VITARA ernsthaft nutzen willst, ist die große Batterie oft der Sweet Spot, weil sie Reichweite und Alltagspuffer bringt. Gleichzeitig bleibt die DC Ladeperformance auch dann limitiert, du kaufst also keinen Langstrecken Springer, sondern ein solides, gut nutzbares Kompakt SUV mit vernünftiger Reichweite.

Bringen wir es auf den Punkt?

Der Suzuki e VITARA ist ein gutes Auto für Menschen, die ehrlich zu ihrem Fahrprofil sind. Der Suzuki e VITARA ist kein Blender. Er ist ein kompaktes Elektro SUV mit viel Nutzwert, überraschend guter Variabilität und einem angenehm unaufgeregten Charakter. Er kann Stadt, Landstraße, Alltag, Familie und sogar einen Hauch „leichtes Gelände“, zumindest in der Allradvariante, ohne sich dabei größer zu machen, als er ist.

Aber. Wenn du Schnellladen als Lebensader brauchst, weil du häufig Langstrecke fährst oder öffentlich laden musst, dann ist die 45 Minuten Nummer von 10 auf 80 Prozent ein echter Nachteil, und zwar ein spürbarer.

Wenn du dagegen überwiegend zuhause oder am Arbeitsplatz AC lädst und das Auto als verlässlichen Alltags Begleiter suchst, dann ist der e VITARA plötzlich ziemlich plausibel. Nicht, weil er alles besser kann, sondern weil er an den entscheidenden Stellen sinnvoll ist.

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