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Test: Wie sparsam ist der Leapmotor B10 Hybrid EV?

Test: Wie sparsam ist der Leapmotor B10 Hybrid EV?

Der chinesische Hersteller Leapmotor drängt mit großen Schritten auf den europäischen Markt – und mit dem B10 Hybrid EV zeigt die Marke sehr deutlich, wohin die Reise gehen soll. Ein SUV der Mittelklasse, ordentlich ausgestattet, mit elektrischer Alltagstauglichkeit und gleichzeitig einem Range-Extender-System für die Langstrecke. Also genau jene Art Fahrzeug, die aktuell viele Menschen anspricht, die elektrisch fahren möchten, aber beim Thema Laden auf langen Strecken noch nicht vollständig überzeugt sind. Genau deshalb haben wir den Leapmotor B10 Hybrid EV nicht nur klassisch unter die Lupe genommen, sondern direkt auf eine echte Langstrecke geschickt: Rund 480 Kilometer von München Richtung Comer See. Mit Autobahn, Landstraße, Bergen, hohen Geschwindigkeiten und natürlich der großen Frage: Wie effizient funktioniert das Konzept wirklich?

Wie wirkt der Leapmotor B10 Hybrid EV von außen?

Der erste Eindruck ist modern, angenehm eigenständig und gleichzeitig nicht überzeichnet. An der Front fällt sofort das fast durchgehende LED-Tagfahrlicht ins Auge, darunter sitzen die eigentlichen LED-Hauptscheinwerfer inklusive Auf- und Abblendfunktion. Auch Nebelscheinwerfer sind integriert. Im Gegensatz zur rein elektrischen Variante besitzt der Hybrid vorne zusätzlich einen geöffneten Kühlergrill, schließlich sitzt unter der Haube noch der Generator.

Die Seitenlinie zeigt sich angenehm ruhig gestaltet. Besonders positiv: Leapmotor verzichtet auf die inzwischen fast schon obligatorischen, extrem aerodynamisch geschlossenen Elektrofelgen und setzt stattdessen auf klassische 18-Zoll-Leichtmetallräder mit polierten Elementen und schwarzer Oberfläche im Format 255/50 R18. Das passt gut zum Fahrzeugcharakter.

Mit einer Länge von 4,53 Metern, 1,88 Metern Breite beziehungsweise 2,11 Metern inklusive Außenspiegeln sowie einer Höhe von 1,65 Metern positioniert sich der B10 klar im beliebten SUV-Mittelklasse-Segment. Der Radstand beträgt 2,73 Meter, das Leergewicht liegt bei rund 1.860 Kilogramm.

Am Heck greift Leapmotor das Lichtdesign der Front erneut auf. Das durchgehende Leuchtenband wirkt modern, der Dachkantenspoiler verleiht dem SUV eine gewisse Dynamik. Positiv fällt außerdem auf, dass auf eine klassische Haifischflossen-Antenne verzichtet wurde. Die Technik verschwindet eleganter in Karosserie und Verglasung integriert. Weniger gelungen: Einen Heckscheibenwischer sucht man vergeblich. Gerade bei einem SUV dürfte das nicht jedem gefallen.

Welche Technik steckt im Hybrid-System?

Technisch verfolgt Leapmotor einen interessanten Ansatz. Vorne sitzt kein klassischer Verbrennerantrieb für die Räder, sondern ein Generator mit 65 kW beziehungsweise 88 PS und 125 Newtonmetern Drehmoment. Den eigentlichen Vortrieb übernimmt ein Elektromotor an der Hinterachse mit 160 kW beziehungsweise 218 PS sowie 240 Newtonmetern Drehmoment.

Das sorgt für ein sehr typisches Elektroauto-Fahrgefühl. Der B10 beschleunigt in 7,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 170 km/h. Die Energie liefert ein 18,8-kWh-Akku.

Beim Laden zeigt sich allerdings ein kleiner Schwachpunkt. AC-seitig lädt der B10 lediglich einphasig mit maximal 6,6 kW. Wer zuhause nur 16 Ampere abgesichert hat, landet praktisch bei rund 3,3 kW Ladeleistung. Gerade im europäischen Markt wäre ein dreiphasiger 11-kW-Lader inzwischen eigentlich Standard.

Dafür überrascht der Leapmotor positiv beim DC-Laden. Bis zu 46 kW Peak-Leistung ermöglichen einen Sprint von 10 auf 80 Prozent in etwa 30 Minuten. Für ein Fahrzeug dieser Klasse und Preiskategorie ist das absolut ordentlich.

Gibt es einen „Frunk“?

Natürlich musste auch beim B10 der obligatorische Blick unter die Fronthaube erfolgen. Und hier zeigt sich schnell: Das ist kein klassisches Elektroauto mit zusätzlichem Stauraum unter der Haube. Statt eines Frunks sitzt vorne der Generator samt Kühltechnik, Flüssigkeitsbehältern und Ladehardware.

Leapmotor B10 Hybrid EV Fotos

Wie alltagstauglich ist der Kofferraum?

Im Heck bietet der Leapmotor B10 Hybrid 334 Liter Ladevolumen. Dazu kommt ein doppelter Ladeboden, unter dem weiteres Equipment verstaut werden kann. Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 60:40 umklappen, wodurch ein großer, gut nutzbarer Stauraum entsteht.
Kritik gibt es allerdings bei den Seitenverkleidungen im Kofferraum. Dort verwendet Leapmotor relativ harten Kunststoff, der bei Gepäck schnell Kratzer bekommen dürfte. Ebenfalls schade: Eine Durchreiche für lange Gegenstände fehlt komplett. Gerade Ski oder längere Transportgüter hätten von einer 40:20:40-Aufteilung profitiert.

Die Anhängelast liegt bei 750 Kilogramm gebremst und ungebremst, die Stützlast bei 30 Kilogramm. Für einen kleinen Anhänger reicht das, für größere Aufgaben allerdings weniger. Die dynamische Dachlast beträgt 75 Kilogramm.

Wie hochwertig wirkt der Innenraum?

Innen überrascht der Leapmotor B10 Hybrid EV tatsächlich positiv. Die Türverkleidungen besitzen weiche Oberflächen, Kunstlederauflagen und einen Materialmix, der deutlich hochwertiger wirkt, als man es in dieser Preisklasse erwarten würde.

Das Cockpit selbst kombiniert ein kleines Fahrerdisplay mit einem großen zentralen Infotainment-Monitor. Ein Head-up-Display fehlt zwar, das digitale Layout wirkt aber modern und übersichtlich. Besonders praktisch: eine frei belegbare Taste am Lenkrad, über die sich unter anderem Spiegelheizung, Tankdeckel oder die 360-Grad-Kamera direkt ansteuern lassen.

Apple CarPlay und Android Auto funktionieren inzwischen kabellos oder kabelgebunden. Die Klimasteuerung läuft größtenteils über den Touchscreen, was nicht jeder mögen wird, die Menüführung ist allerdings logisch aufgebaut.

Besonders stark für diese Klasse: Sitzheizung, Lenkradheizung und sogar Sitzbelüftung vorne. Das findet man in diesem Preisbereich längst nicht überall.

Sehr gelungen ist außerdem das Raumgefühl. Unter der schwebenden Mittelkonsole entsteht enorm viel Stauraum inklusive USB-A-, USB-C- und 12-Volt-Anschluss. Dazu kommt ein großes Panoramaglasdach mit elektrisch schließbarem Verdunklungsrollo.

Leapmotor B10 Hybrid EV Test-Video

Wie sitzt man im Leapmotor B10?

Die Sitze sind weich gepolstert, mit perforiertem Kunstleder bezogen und bieten einen ordentlichen Langstreckenkomfort. Sportliche Seitenführung darf man zwar nicht erwarten, dafür passt die Abstimmung hervorragend zum gemütlichen Reisecharakter des Fahrzeugs.

Im Fond geht es großzügig zu. Selbst mit 1,85 Metern Körpergröße bleibt ordentlich Platz für Knie und Kopf. Dazu kommen Luftausströmer, USB-Anschlüsse und eine angenehm hohe Sitzposition.

Allerdings zeigt sich auch hier die konstruktive Ehrlichkeit des Fahrberichts: Die Mittelarmlehne hinten besitzt teilweise harte Kunststoffflächen, die ergonomisch nicht optimal wirken. Ebenso fehlt dem Beifahrersitz eine Höhenverstellung – etwas, das in Europa durchaus erwartet wird.

Wie fährt sich der Leapmotor B10 Hybrid EV?

Und genau hier wird das Fahrzeug spannend. Denn der B10 fährt sich im Alltag tatsächlich sehr stark wie ein Elektroauto. Der Elektromotor übernimmt den eigentlichen Vortrieb, der Generator arbeitet meist relativ unauffällig im Hintergrund. Gerade bei niedrigen Geschwindigkeiten oder mit ausreichend Akkuladung bleibt das Fahrzeug angenehm leise und entspannt.

Auf der Autobahn überzeugt der Wagen mit einem komfortorientierten Fahrwerk. Klar, bei schnellen Lastwechseln und stärkeren Lenkbewegungen merkt man deutliche Wankbewegungen. Der B10 will kein Sport-SUV sein. Er möchte reisen. Und genau das kann er erstaunlich gut.

Die Assistenzsysteme umfassen unter anderem einen Spurhalteassistenten, einen Abstandsregeltempomaten und teilautonomes Fahren inklusive Spurzentrierung. Nicht alles arbeitet perfekt. Die Verkehrszeichenerkennung interpretierte im Test gelegentlich falsche Tempolimits, außerdem fehlt eine wirklich prädiktive Geschwindigkeitsanpassung wie sie viele europäische Hersteller inzwischen bieten.

Sehr ordentlich arbeitet dagegen das Bremssystem. Auch bei hohen Geschwindigkeiten vermittelt das Pedal ein gutes Gefühl und verzögert sauber.

Wie effizient ist der Range Extender wirklich?

Genau hier liefert der Leapmotor B10 Hybrid EV seine größte Überraschung. Auf der rund 480 Kilometer langen Testfahrt inklusive deutscher Autobahn, Bergen, Landstraßen und hohen Geschwindigkeiten pendelte sich der Verbrauch am Ende bei gerade einmal 6,8 Litern pro 100 Kilometer ein.

Zwischendurch lagen die Werte bei dynamischer Fahrweise zunächst bei 8,3 bis 8,5 Litern, sanken später durch Rekuperation und entspanntere Passagen wieder deutlich ab. Besonders in bergigem Gelände zeigte das elektrische Konzept seine Stärke. Der Akku konnte durch Rekuperation teilweise wieder von 17 auf über 30 Prozent geladen werden.

Dazu kommt eine überraschend gute Geräuschdämmung. Selbst ohne Doppelverglasung lagen die gemessenen Innengeräusche bei etwa 60 bis 61 dB bei 50 km/h sowie rund 70 bis 71 dB bei 100 km/h. Für ein SUV dieser Klasse ein wirklich ordentlicher Wert.

Was kostet der Leapmotor B10 Hybrid EV?

Und genau an diesem Punkt wird das Gesamtpaket interessant. Die Basisversion startet in Deutschland bei rund 32.400 Euro, die besser ausgestattete Design-Variante bei etwa 33.900 Euro.
Dafür gibt es ein großzügiges SUV mit elektrischer Alltagstauglichkeit, guter Langstreckenreichweite, umfangreicher Ausstattung inklusive Sitzbelüftung und Panorama-Glasdach sowie einem überraschend angenehmen Reisekomfort.

Bringen wir es auf den Punkt?

Der Leapmotor B10 Hybrid EV ist kein perfektes Auto. Die einphasige AC-Ladetechnik ist schlicht nicht mehr zeitgemäß. Einige Softwaredetails benötigen Feinschliff, die Verkehrszeichenerkennung arbeitet nicht immer sauber und an einzelnen Stellen merkt man natürlich auch die preisliche Positionierung des Fahrzeugs. Aber genau deshalb ist der B10 so spannend. Denn er liefert unglaublich viel Auto fürs Geld. Wer elektrisch im Alltag fahren möchte, auf langen Strecken aber weiterhin die Sicherheit eines Verbrenners beziehungsweise Range Extenders schätzt, bekommt hier ein erstaunlich stimmiges Gesamtpaket.

Der B10 fährt komfortabel, wirkt innen hochwertiger als erwartet, bietet moderne Technik und liefert auf langen Strecken eine bemerkenswert gute Effizienz. Gerade Menschen, die den kompletten Umstieg auf ein reines Elektroauto noch scheuen, dürften sich hier sehr schnell zuhause fühlen. Und genau deshalb sollte man den Leapmotor B10 Hybrid EV definitiv nicht vorschnell unterschätzen.

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