Die Renault Group umfasst drei Automarken, Alpine, Dacia und Renault selbst. Wir hatten die Gelegenheit, jeweils ein Modell aus der aktuellen Palette zu testen, und waren angenehm überrascht. Drei Autos, drei Charaktere, ein Autoland im Wandel. Die Alpine A110 R 70, der Dacia Bigster Extreme Hybrid-G 150 4×4 und der Renault 4 E-Tech Iconic 150 zeigen, wie unterschiedlich französische Hersteller auf die Zukunft reagieren. Sportlich, robust oder elektrisch, aber immer mit der legendären französischen Leidenschaft.
Von Wolfgang Wieland
Alpine A110 R 70
Die Alpine A110 R 70 bleibt bis zuletzt seiner Linie treu, kompromisslos leicht, messerscharf und völlig frei von Übergewicht. Hier und heute im Jahr 2026 ist das fast schon ein Statement gegen den Trend, aber eben leider auch die letzte Verbrennerausfahrt mit dem auf nur 50 Stück limitierten Boliden. Während andere Hersteller längst ihre Sportwagen mit Elektronik und Assistenztechnik überfrachten, konzentrierte sich Alpine bis zu dieser letzten A110-Serie aufs Wesentliche: Fahren. Der von Renault verfeinerte 1,8-Liter-Turbomotor leistet 300 PS, nicht mehr, aber eben auch nicht nötig.

Denn mit 1.012 Kilogramm Leergewicht schießt der Mittelmotor-Zweisitzer in 3,9 Sekunden auf 100 km/h und bleibt bis 280 km/h sauber auf Kurs. Möglich machen das neue Aero-Details, ein optimierter Frontsplitter, ein glatter Unterboden und ein größerer Heckflügel, der 20 Kilo mehr Anpressdruck liefert. Auf der Landstraße zeigt die Alpine ihre Klasse. Die Lenkung ist schön knackig, das Fahrwerk bügelt Unebenheiten nicht weg, sondern erzählt von ihnen, ehrlich, direkt, emotional.
Der Fahrer spürt, dass jedes Bauteil auf Präzision getrimmt ist. Im Cockpit dominiert Alcantara, Carbon und absolute Konzentration. Kein Display-Feuerwerk, kein Firlefanz, nur Drehzahlmesser, Schaltpaddel und Herzklopfen. Fazit: Der A110 R 70 (ab 120.150 Euro) ist kein Komfort-Gleiter, sondern ein reinrassiges Fahrerauto. Ein Auto, das beweist, wie packend puristische Technik noch heute sein kann. Weniger Show, mehr Substanz, typisch Alpine eben.
Dacia Bigster Extreme
Der Dacia Bigster Extreme Hybrid-G 150 4×4 zeigt, dass Vernunft und Abenteuer kein Widerspruch sein müssen. 4,62 Meter lang, kantig proportioniert und robust gezeichnet, wirkt der Bigster fast wie eine Neuauflage klassischer Geländewagen, ehrlich, unaufgeregt, selbstbewusst. Unter der Haube arbeitet der 1,8-Liter-Turbobenziner mit Mildhybrid-Unterstützung. 154 PS leistet das System, gekoppelt an ein neu entwickeltes Allradsystem mit elektronisch geregelter Lamellenkupplung. Auf der Straße fährt der Bigster erstaunlich kultiviert. Das Fahrwerk ist straff, aber nie hart, die Lenkung angenehm direkt. Sein Revier bleibt freilich die unbefestigte Strecke. Dort überzeugt der Dacia mit Traktion, Bodenfreiheit und jener mechanischen Ehrlichkeit, die vielen SUV längst abhandengekommen ist.

Kein Show-Geländewagen, sondern einer, der kann, wenn’s drauf ankommt. Im Innenraum spürt man, dass Dacia gereift ist. Nachhaltige Materialien, klar strukturierte Bedienung, ein großes Zentraldisplay, alles solide und funktional, ohne überflüssigen Luxus. Die Sitze bieten viel Seitenhalt, selbst auf langen Etappen. Mit einem Einstiegspreis von 32.790 Euro bleibt der Allrad-Bigster seinem Markenkern treu, viel Auto fürs Geld, diesmal mit modernem Antrieb und echter Outdoor-Kompetenz. Dacia hat mit dem Bigster mehr als nur das SUV-Angebot erweitert, sie haben sich neu erfunden. Ein Geländewagen? Ja. Ein Zeitgeist-SUV? Auch. Ein ehrlicher Charakter mit großem Herzen für Abenteuer, ganz sicher.
Renault 4 E-Tech
Der Renault 4 E-Tech Iconic 150 Comfort Range (ab 32.500 Euro) ist mehr als ein Elektroauto, er ist ein Symbol für die Rückkehr einer französischen Ikone in die Zukunft. Der „R4“ ist zurück, aber diesmal leise, sauber und erstaunlich souverän. Gebaut auf der CMF-BEV-Plattform, teilt er sich vieles mit dem Renault 5, bleibt aber eigenständig, kantiger, robuster, praktischer, und eindeutig charmanter. Sein Elektromotor leistet 150 PS und wird von einer 52-kWh-Batterie gespeist, gut für echte 390 Kilometer Reichweite.

Das klingt nach Alltag, nicht nach Abenteuer, man fährt. Denn der R4 fühlt sich überraschend lebendig an, spontan im Antritt, fein dosierbar im Rekuperationsmodus und mit erstaunlich viel Grip dank seines ausgewogenen Set-ups. Die Federung ist französisch-komfortabel, ohne schwammig zu wirken, genau jene Balance, die Renault so lange auszeichnete und mancher vermisst hat. Selbst Kopfsteinpflaster oder schlechte Landsträßchen federt der R4 souverän weg.
Innen überrascht das Auto mit Liebe zum Detail, recycelte Stoffe, farbige Akzente, ein aufgeräumtes Cockpit mit digitalem Kombiinstrument und großem Infotouchscreen. Die Bedienung bleibt einfach und logisch, typisch Renault. Fazit hier: Der Renault 4 E-Tech ist kein Retro-Gag, sondern ein klug konstruiertes



















