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Was ist der Kia EV6 GT und warum passt dieses GT diesmal wirklich?

KIA EV6 GT Test

Der Kia EV6 GT ist kein Ausstattungsaufkleber, sondern ein Versprechen. Zwei Elektromotoren, Allrad, 609 PS, 770 Newtonmeter, 0 auf 100 km/h in 3,5 Sekunden und bei 260 km/h ist Schluss. Das ist die Sorte Zahlen, die nicht nach Marketing klingt, sondern nach ernst gemeinter Performance. Und trotzdem bleibt es ein Auto, das im Alltag funktionieren will, als Cross Utility Vehicle irgendwo zwischen Limousine, Kombi und SUV, nur eben deutlich flacher, dynamischer und konsequenter gezeichnet.

Was hat Kia am Facelift verändert und warum fühlt es sich stimmiger an?

Optisch wirkt der EV6 GT vorn klarer und aggressiver, ohne auf Krawall zu machen. Das Boomerang-Tagfahrlicht sitzt wie ein Markenzeichen im Gesicht, dazu die GT-spezifische Frontschürze, die dem Auto mehr Haltung gibt. Das neue Raddesign trifft genau den Punkt: sportlich, 21 Zoll, 255/40/21″, aerodynamisch, aber nicht nach typischer Stromer-Felge. Dahinter die Performance-Bremsanlage mit den leimfarbenen Sätteln, die im besten Sinne schreit, dass das hier nicht die gemütliche Variante ist.

Der Lack in Blau Metallic spielt je nach Licht mit einem leichten Violett-Ton, wirkt wie Seidenmatt, ist aber Glanz. Zusammen mit den schwarzen Akzenten ergibt das genau diese futuristische EV6-Signatur, die immer noch auffällt, aber nicht mehr so verspielt wirkt wie früher. Hinten bleibt das durchgehende Rücklicht, die Abrisskante, der Dachkanten-Spoiler, alles wirkt wie aus einem Guss.

KIA EV6 GT Test Video

Wie groß ist er und warum ist das für ein Performance-EV wichtig?

Mit 4,69 Meter Länge und 1,89 Meter Breite sitzt der EV6 GT in einer Dimension, die für Reise und Familie passt. Die Höhe von 1,54 Meter macht ihn sichtbar flacher als viele SUVs, das bringt nicht nur Optik, sondern auch eine andere Sitz- und Fahrhaltung. 2,90 Meter Radstand erklären, warum innen so viel Ruhe und Platz möglich ist. Der Wendekreis mit 11,90 Meter ist für diese Länge okay, im Alltag kein Drama.

Das Leergewicht von 2,22 Tonnen ist die Realität eines großen Performance-Elektroautos. Umso wichtiger, dass Kia bei Nutzwert nicht kneift: Anhängerkupplung optional, 1,8 Tonnen gebremst bei 12 Prozent Steigung, 750 Kilogramm ungebremst, 100 Kilogramm Stützlast, 80 Kilogramm Dachlast. Das ist nicht Show, das ist praktisch, vor allem für Fahrradträger mit schweren Pedelecs.

Kia EV6 GT Test Fotos

Wie ist die Akku- und Lade-Story und taugt das für echte Langstrecke?

84 kWh brutto, rund 80 kWh netto, dazu 800-Volt-Technik. AC mit 11 kW, DC mit bis zu 258 kW. 10 auf 80 Prozent sollen in 18 Minuten gehen, wenn die Bedingungen passen. Genau da wird der EV6 GT zum Reisewagen, weil Laden nicht mehr als eigener Programmpunkt wirkt, sondern als kurze Pause, die sowieso passiert.

Die Vorkonditionierung funktioniert sauber über die Navi-Routenplanung, und sie lässt sich manuell starten, wenn lieber über Google Maps navigiert wird. Das ist ein wichtiges Detail, weil es im Alltag darüber entscheidet, ob die Peak-Ladeleistung wirklich anliegt. Dazu Vehicle-to-Load mit bis zu 3,6 kW, also Strom für Geräte direkt aus dem Auto. Das ist nicht nur Spielerei, das ist manchmal einfach nützlich.

Wie viel Alltag steckt drin und wie gut ist das Packaging?

Vorn gibt es einen 20-Liter-Frunk. Kein Raumwunder, aber genug fürs Typ-2-Kabel und genau dafür ist er im Winter Gold wert, weil nasses Kabel nicht im Kofferraum neben sauberem Gepäck liegen muss. Hinten stehen 480 Liter, mit doppelter Ebene im Ladeboden, Durchlade über die Mittelarmlehne und umklappbaren Rücksitzen, die das Volumen auf 1.250 Liter erweitern. Dazu Verzurrösen, Haken, Licht und eine 12-Volt-Steckdose. Die elektrische Heckklappe macht das Ganze rund, inklusive Soft-Close.

Wie hochwertig ist der Innenraum wirklich und wo nervt es noch?

Innen ist das Facelift der größere Schritt als außen. Kia hat sichtbar verstanden, was im Alltag nervt. Weniger Klavierlack, mehr matte Flächen, weniger Fingerabdruck-Drama. Materialmix mit weich unterschäumten Oberflächen, Mikrofaser im Alcantara-Look, sauber ausgekleidete Ablagen und Türtaschen, so dass nichts raschelt. Das wirkt nicht wie Kostenoptimierung, sondern wie echter Anspruch.

Das Head-up-Display ist funktional gewachsen und zeigt Assistenzsysteme und Verkehrszeichen sauber. Das Fahrerdisplay ist klar, die Lenksäule elektrisch verstellbar, das neue Lenkrad liegt dick und griffig in der Hand, mit 12-Uhr-Markierung und der GT-Taste als direkter Zugriff auf maximale Leistung.

Ein paar Dinge bleiben trotzdem: Die Sonnenblenden wirken im Material zu einfach für den Premium-Anspruch. Und bei den Vordersitzen fehlt eine Tasche oder ein Netz für Kleinkram, ausgerechnet bei Sitzen, die sonst sehr konsequent sind.

Wie sitzen die Racing-Seats und passt das auch auf lange Strecken?

Die Racing-Seats sind sportlich, aber nicht übertrieben hart. Seitenhalt sitzt, Schulterbereich stützt, Lenden und Oberschenkel werden ordentlich geführt. Dazu Sitzheizung und Sitzbelüftung, was bei Performance-Sitzen nicht selbstverständlich ist. Auch im Fond ist Platz da, inklusive verstellbarer Lehnenneigung, Mittelarmlehne und USB-C. Bei 1,85 Meter passt das ohne Verrenkungen, Knieraum und Kopffreiheit bleiben überraschend entspannt, obwohl die Dachlinie nach hinten abfällt. Hinten wirkt das Materialniveau wie vorn, inklusive Sitzheizung außen, das ist bei vielen Herstellern genau der Punkt, an dem gespart wird. Hier nicht.

Wie fährt sich der EV6 GT wirklich und wie ehrlich sind die 3,5 Sekunden?

Im GT-Mode schiebt der EV6 GT brutal an, aber kontrolliert. Auf nassem Untergrund und mit Winterreifen sind aus den 3,5 Sekunden am Ende 4,29 Sekunden geworden. Das ist kein Makel, das ist Physik. Und es ist immer noch schnell genug, um den Magen kurz an die Wirbelsäule zu tackern.

Das Fahrwerk wirkt straff, aber nicht unangenehm. Kaum Wankbewegung, direkte Lenkung, und trotz Winterbedingungen bleibt das Auto stabil. Die adaptiven Dämpfer machen genau das, was sie sollen, und der GT-Mode lässt sich über MyDrive sogar individuell zuschneiden. Das ist wichtig, weil Performance nicht immer nur hart sein muss, sondern auch passend.

Wie gut sind Rekuperation und Assistenzsysteme und was ist noch Luft nach oben?

Die Rekuperation lässt sich über Lenkrad-Paddles in drei Stufen plus i-Pedal steuern. Im Alltag ein starkes Detail, weil sich damit je nach Strecke zwischen Segeln und One-Pedal-Fahren wechseln lässt, ohne Menü-Tauchgang.

Bei den Assistenzsystemen wirkt Kia deutlich verbessert, vor allem über Land. Spurhalten und Lenkassistent halten die Mitte sauber. Die Geschwindigkeitsanpassung arbeitet, aber eher reaktiv als vorausschauend. Tempolimits werden übernommen, allerdings manchmal später als gewünscht, und Ortseingangsschilder werden nicht immer zuverlässig erkannt. Hier wäre der nächste Schritt eine wirklich prädiktive Logik, die vor dem Schild sauber abbremst und Ortswechsel stabiler verarbeitet.

Wie leise ist er und warum passt das zum Gesamtbild?

Gemessen wurden 58 dB bei 50 km/h, 62 bis 63 dB bei 70 km/h und 70 bis 71 dB bei 100 km/h. Das ist leise, und es passt zum Eindruck, dass die Doppelverglasung und die konsequente Auskleidung der Ablagen nicht nur gut aussehen, sondern die Geräuschkulisse wirklich drücken. Dazu kommt, dass kaum etwas klappert, was bei sportlich straffen Autos oft das erste Opfer ist.

Wie hoch ist der Verbrauch im Winter und ist das für 609 PS vertretbar?

WLTP nennt 20,9 kWh pro 100 km. Im Winterbetrieb lagen die realistischen Werte bei 25,2 kWh auf 1.048,4 Kilometer, bei Temperaturen bis minus 5 bis minus 7 Grad. Die 29,9 kWh aus einer kurzen Runde sind wegen Standzeiten während der Drehs eher ein Ausreißer. Und für ein 609-PS-Allrad-EV, das nicht auf Sparmeister gemacht ist, sind 25,2 kWh im Winter ein solider Wert.

Was ist das Fazit und warum ist das Facelift der bessere EV6 GT?

Der neue EV6 GT trifft eine seltene Mischung: Performance, die nicht nur auf dem Papier steht, und Alltag, der nicht nach Kompromiss riecht. Das Facelift macht ihn erwachsener. Außen stimmiger, innen spürbar hochwertiger, weniger nervige Oberflächen, mehr durchdachte Details. Dazu Schnellladen, das wirklich reisetauglich ist, und ein Nutzwert, der den GT nicht zur reinen Spaßmaschine degradiert.

Preislich liegt er bei rund 69.900 Euro und damit sogar unter dem bisherigen Niveau. Das bleibt teuer, aber das Paket wirkt so komplett, dass die Summe nicht wie Übermut wirkt, sondern wie Konsequenz. Kleine Kritikpunkte bleiben, klar. Assistenzsysteme dürfen vorausschauender werden, ein paar Materialdetails könnten noch konsequenter sein. Aber unterm Strich steht ein EV, der zwei Welten zusammenbringt: das performante Herz und den Alltag, der nicht nach Ausrede klingt.

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